August 2011

Veröffentlicht in August 2011 am September 1, 2011 von crossamerika

Lothar hat ein wenig gemogelt, heute ist schon der 2. August. Wie so häufig hier im Norden war es gestern früh morgens (01.30Uhr) bis wir im Bett waren, wird eben nicht dunkel. Bei bestem Wetter stehen wir auf und befestigen zuerst den Schlauch an der geklebten Rißstelle des Kühlwasservorratbehälters, Kühlwasser einfüllen, erst mal dicht. Daraufhin fahren wir fix zum Reifenflicker, klar in 3 Stunden ist der Reifen fertig. Wir stellen den blog für Juli ein, schnell ist so die Zeit vorbei und wir holen den Reifen ab. Das gute Stück ist wohl ziemlich hinüber, aber als Ersatzreifen noch mal fertig für den Rückweg auf dem Dempster. Nun wollen wir endlich Downtown Inuvik sehen. Im Visitor Center holen wir uns den “Order of the Adventurers” ab. Alle die, die auf dem Landwege hier egal womit ankommen (wir haben auch einige Fahrradfahrer auf dem Dempster gesehen) bekommen diese Urkunde. Witzige Idee.

Das war aber auch wirklich alles, das Örtchen ist ziemlich öde. Der Dempster Hwy selbst ist Kult und es sind lediglich ein paar Mietcamper und normale Wohnmobile angekommen, die meisten hatten Reifenpannen wie wir.

Einziges Foto-Objekt im Ort ist diese katholische Iglu Kirche.

Und schöne KFZ Kennzeichen haben sie hier.

Der Spruch “der Weg ist das Ziel” ist mehr als richtig. Schnell sind wir fertig, tanken noch einmal teuren Diesel und fahren ca. 70km zurück in Richtung Dawson City, “it‘s a long long way to go”.

Bei bestem Wetter starten wir am nächsten Morgen und schaffen die schlimmste Etappe des Dempsters in den Northwest Territories diesmal ohne Reifenpanne.

Auf der Fahrt durch die Richardson Mountains entdecke ich weiter weg viele Caribous. Sie sind ein Teil der großen Porcupine Herde die hier entlang zieht. Wir können unser Glück gerade erst begreifen, da beginnen die Tiere zu rennen. Ein Grizzly taucht auf. Sie umkreisen den Bär und zeigen dann plötzlich wenig Respekt. Der Bär findet wohl kein krankes oder lahmes Tier und beachtet die Herde danach nicht weiter. Wir finden einen idealen Übernachtungsplatz direkt neben der großen Talsenke. Schade, keine Caribous mehr. Irgendwann sehe ich aus dem Fenster und da kommen sie alle ganz in unserer Nähe den Berg herunter, Große, Kleine, Alte, ganz Junge, und riesige Böcke. Ein sehr beeindruckendes Schauspiel diesen Tieren zuzusehen. Großes Glück gehabt, denn am nächsten Morgen sehen wir sie nur noch in der Ferne.

Wir genießen die Fahrt,

entdecken einen fetten Grizzly und zwei Schwarzbären. Zum Übernachten finden wir einen Platz an einem ausgetrockneten Flußbett. Abends sind Dallschafe am Berg .

Nun sind es nur noch ca. 80 km bis zu den Tombstone Mountains. Hier wandern wir zum Abschluß den Grizzly Lake Trail bis zum Viewpoint. 1 1/2 Stunden steil bergauf und wieder herunter, immer unter Absingen von Liedern verschiedener Qualität, der Grizzlies wegen!

Die restlichen Kilometer sind schnell gefahren, unsere 9 Tage Abenteuer “Dempster Highway” bei bestem Wetter sind damit leider beendet. 735km bis Inuvik und 735km zurück, keine Notrufsäule, kein Telefon, kein Unfallwagen, keine Ranger, keine Imbissbude, kein ADAC, zwei Tankstellen und zwei Fähren. Für uns war diese Straße landschaftlich eine der Schönsten die wir bisher gefahren sind. MANni hat sich gut geschlagen, für den platten Reifen kann er nichts.

Dawson City ist angesagt, wobei City mal wieder mehr als übertrieben ist. Die erste Nacht verbringen wir hoch oben auf dem Midnight Dome, dem Hausberg von Dawson. Die Sicht ist leider schlecht und bessert sich auch nicht am Morgen. Also runter, die City besichtigen, 1 Stunde, dann haben wir alles gesehen. In Dawson City begann 1896 der Goldrausch als hier am Klondike River das erste Gold gefunden wurde. 1900 betrug die Ausbeute im Yukon immerhin 34.000kg Gold!

Die Shows in der “Diamond Tooth Gerties Gambling Hall” beginnen erst um 20:30 Uhr. Zum Glück finden wir freies Internet und so vergeht die Zeit schnell. Um 20:00 Uhr gehen wir in den Spielsalon, der nach der Tänzerin Gertie Lovejoy benannt wurde. Sie hatte einen Diamanten zwischen den Schneidezähne und hat es in der frauenlosen Stadt zur Zeit des Goldrausches zum Wohlstand gebracht, aha J ! Wir zwei wollen nicht zocken, nein, Lothar möchte die Girls sehen. “Cancan” sollen sie tanzen, 3x am Abend, na das wird in diesem Nest was werden, wahrscheinlich sind es nur “Hupfdohlen”. Um 21:00 Uhr bin auch ich restlos begeistert, soviel Professionalität hätte ich nicht erwartet und die Girls sehen aus, alle Achtung. Kein Wunder, Lothar möchte bis zur dritten Show bleiben und wir sind um ca. 01:00 Uhr wieder in MANni. Auf Nachfrage dürfen wir auf dem Parkplatz vor der Gambling Hall übernachten. Es war ein schöner Abend trotz des krassen Gegensatzes zu den 9 stillen Tagen auf dem Dempster Hwy.

Top of the World Highway bis Chicken (23 Einwohner) ist das nächste Tagesziel.

Mal wieder ist die Grenze zu den USA angesagt. Der junge Mann schaut mürrisch, hat aber nichts zu meckern, wir reisen wieder in Alaska ein. In Chicken probieren wir unsere neue Goldwaschpfanne aus. Vor Jahren haben wir in Alaska einmal geübt wie man das Gold vom Dreck trennt, wie war das noch? Nach über einer Stunde geben wir mit Rückenschmerzen und ohne Gold auf, an unserem Einsatz kann es ganz bestimmt nicht liegen, die Pfanne ist sicherlich nur noch zu neu und außerdem eingefettet J .

In Tok versorgen wir uns mit Diesel, Lebensmitteln und lesen im Internet das die Besatzung der Maggie auf gleichem Kurs ist. Alle möchten nach Kennicott, heute eine Ghost Town am Ende einer 90km langen Gravel-Sackgasse. Wir übernachten in Chitina, dort beginnt die, wie wir am nächsten Morgen feststellen, üble Piste. Sie führt über die ehemalige Bahntrasse und bietet von Wellblech über riesige Schlaglöcher eine mehr als rüttelige Fahrt. MANni kommt gut durchgeschüttelt aber ohne Reifenpanne am Ende an. Von hier geht es nur noch über eine Fußgängerbrücke und mit einem Shuttle Bus weiter. Die ehemalige Kupfermine im 8 km entfernten Kennicott war von 1911 bis 1938 eine der reichsten Kupferminen der USA. Wir nehmen den Bus und fahren rauf. Bei strahlend blauem Himmel bieten die alten Minengebäude vor den schneebedeckten Bergen ein gigantisches Panorama.

Zurück nehmen wir den Hikingtrail durch den Wald. Leider haben wir das Bärenspray vergessen und bemerken viele der typischen Bärenhinterlassenschaften mit einer Menge roter Beeren drin. Kurz drauf sieht Lothar einen fetten Schwarzbär auf dem Weg. Er bewaffnet sich mit einem Knüppel und wir üben lauthals Verben in spanisch zu konjugieren. Kein Bär mehr zu sehen und nach 1 ½ Stunden sind wir zurück auf dem Parkplatz. Die Pattis sind da, große Freude. Wir verbringen einen langen, langen Abend am Lagerfeuer.

Nach kurzer Nacht wieder bestes Wetter, wir nehmen die Fahrräder herunter. Ich drehe eine kurze Runde, geht. Der rechte Arm ist zwar noch nicht ganz o.k. aber stört weniger als befürchtet. Die Pattis sind bereits mit dem Shuttelbus voraus. Nach einer Stunde stramm bergauf und immer gegen die Bären ansingend sind auch wir oben in Kennicott. Heute ist der Root Glacier Trail angesagt. Er ist nicht anstrengend und nach 3 km sitzen wir vor dieser Aussicht:

Schweren Herzens reißen wir uns los und machen uns auf den Rückweg. Das gibt es doch nicht, Melanie und Werner aus der Schweiz kommen uns entgegen. Sie haben wir zuletzt in Florida getroffen und immer mal gemailt. Während noch erzählt wird kommen auch die Pattis hinzu. Travellertreffen auf dem Trail.

Irgendwann gehen wir weiter runter, die Pattis sind schon voraus und die Schweizer hoch zum Gletscher. Unten treffen wir auf den müden Paco samt Anhang.

Wir nehmen unsere Fahrräder und können uns gemächlich herunter rollen lassen aber immer schön lärmen sonst folgt der Bär. Die Pattis und wir beschließen uns ein schöneres Nachtlager zu suchen. Fündig werden wir am Lakina River. Die weitgereiste Flasche Maggi geht endlich in den Besitz der Maggie Besatzung über. Danach Lagerfeuer, grillen und erzählen bis in die Nacht.

Am nächsten Morgen treffen wir noch einmal Melanie und Werner in Chitina, aber dann trennen sich unsere Wege, wir vier möchten nach Valdez.

Dort fahren wir zuerst an die Stelle an der die Bären zu dieser Jahreszeit Lachse fischen sollen. Tatsächlich ein Schwarzbär hat viel Hunger.

Wir übernachten ein letztes mal mit den Pattis im Gebüsch bei Valdez. Morgens lange Verabschiedung mit ein paar Tränen, wir wissen nicht wann und ob wir die Drei wiedersehen werden. Selbst Paco gibt mir zum Abschied die Pfote.

Danach fahren Lothar und ich nach Valdez rein. Einkaufen und Internet checken. So lesen wir, daß Hiltrud und Helmut aus Köln hier in Valdez auf dem Bayside RV Park sind. Die Beiden haben wir zuletzt in Texas getroffen. Wir wollen nur noch schnell Geld holen, da klopft es und Helmut steht mit dem Fahrrad vor der Tür. Wir verabreden uns für Abends. Bei bestem Wetter sehen wir uns Valdez an und kaufen frischen Lachs in der Fischfabrik.

Es wird kalt und es ist ein gemütlicher Abend in Hiltrud und Helmut’s großem Bocklet Wohnmobil mit Margerita a la Hiltrud, unserem leckeren Lachs und der köstlichen über Stunden gekochten Fischsoße von Hiltrud. Um 2:30 Uhr sind wir bereits im Bett!

Am nächsten Morgen wollen wir weiter, aber vor mittag wird daraus nichts. So kommen wir nur bis zu unserem Lagerplatz mit den Pattis vor drei Tagen. Gerade überlegen wir was mit dem nachmittag anzufangen ist, da hupt es mehrfach. Die Maggie kommt! Dieses war nun aber wirklich unser letzter gemeinsamer Abend für lange lange Zeit, ohne Lagerfeuer aber dafür mit viel Regen.

Anchorage ist das nächste Ziel, alle Vorräte auffrischen, Tanken usw. Vorher biegen wir noch zur Rentier Farm ab. Hier waren wir vor 8 Jahren schon einmal und fanden die Viecher zu komisch. Wir bekommen Futter und los geht’s. Alle sind sie gierig und fressen aus der Hand, die Nase ist so schön weich! Die Rentiere gehen wenn man die Hände hoch hält und sie kein Futter mehr sehen. Ich hatte allerdings u. A. einen besonders ungeduldigen Kandidaten. Dessen Geruchsinn und die Gier haben das Futter in meiner Jackentasche bemerkt, Hände hoch hat bei diesem Schlaumeier nicht geholfen. Er war so verfressen und hat mich mit der Hufe angeschubst. Den dicken blauen Fleck am Bein hatte ich noch eine Woche später.

Wir bleiben zwei Tage in der Stadt Anchorage und sehen für uns zwei Badebekleidung im Alaska Style:

Für den eiskalten Alaska Winter sind diese Stiefel bestimmt. Es ist tatsächlich meine Schuhgröße 39!!!

Bei Sonnenschein fahren wir zum nahegelegenen Lake Hood, hier starten und landen im Sommer täglich bis zu 800 Wasserflugzeuge. Begeistert sehen wir weit über eine Stunde bei Start und Landung zu.

Es geht weiter Richtung Seward. In Girdwood biegen wir in die Crow Creek Road ein und versuchen noch einmal Gold am gleichnamigen Fluß zu waschen. Wieder vollkommen unerklärlicherweise ohne Erfolg!!!

Wir bleiben über Nacht auf dem Trailhead Parkplatz zum Crow Creek Pass. Das Wetter macht einen Strich durch unserer Pläne, keine Wanderung auf den Pass und auch kein weiteres Goldwaschen an der offiziellen Stelle. Vielleicht hätten wir dort mehr Glück gehabt? Auch in Seward ist uns der Wettergott noch nicht besser gesonnen. Schwere Wolken hängen vor den Bergen und verhindern den Blick auf die Gletscher. Zum Trost parken wir MANni auf dem städtischen Marathon Campground und haben eine schöne Sicht auf die Bucht. Wir gehen in die “City” und besuchen jede Andenkenbude. Schließlich kommen drei Touristen mit ihrem Fischfang zurück. Die Fische werden fotogerecht aufgehangen.

Am nächsten Morgen Regen, langes Frühstück und wir verbummeln den Tag wieder in Seward. In der Marina

entdecken wir diese Außerirdischen.

Abends werden die Wolken etwas weniger und endlich haben wir Aussicht auf die Resurrection Bay mit ihren Bergen und Gletschern.

Zum Abschied von Seward am nächsten Tag noch dieser Ausblick.

Von hier zum Exit Gletscher ist es nicht weit. Wir können bis ganz nahe an das Eis heran wandern.

Einem schönen Tag folgt ein Regentag, am Portage Gletscher ist Wetter wie im tiefsten November an der deutschen Nordsee, wir steigen erst gar nicht aus. Über Anchorage fahren wir zum Hatcher Pass, heute wieder Sonne.

Kurz dahinter finden wir ein schönen Platz zum übernachten und bleiben den nächsten Tag bei Sonnenschein. Ich hole Kies aus dem Bach und versuche Gold zu waschen, nichts. Abends werfe ich unsere Goldpfanne ins Lagerfeuer, nicht aus Wut, den Tip hatte uns ein Einheimischer gegeben. So wird sie richtig entfettet, schwarz und aufgerauht. Am nächsten Morgen noch schnell den Rest des Kies gewaschen und es sind tatsächlich zwei Mini Goldflakes in der Pfanne. Gold, Gold, ob es an der schlechten Behandlung der Pfanne am Abend zuvor liegt? Wer weiß………

Wir verfallen nicht dem Goldrausch und fahren weiter zum Mount MC Kinley, Mist Wolken, einen Tag zu spät!

Vielleicht sehen wir ihn im September.

 

 

Fazit des Monats: Die Sache mit dem Gold ist wohl doch nicht so einfach.

Reiseroute:

 

 

 

Juli 2011

Veröffentlicht in Juli 2011 am August 2, 2011 von crossamerika

Wir beschließen den Juni mit einem Bad in den Liard River Hot Springs. Und sie sind wirklich heiß. Jetzt weiß ich, wie sich ein Hummer fühlt, wenn er in den Topf mit kochendem Wasser geworfen wird. Die heißen Quellen haben zwar “nur” zwischen 41°C und 51°C, aber mir fehlt eben der isolierende Panzer. Und rot wie ein Hummer werde ich auch nach ein paar Minuten. Es macht mir aber trotzdem einen Riesenspaß. Martina geht mit, die Erfahrung vom vergangenen Monat soll sich nicht wiederholen (alle gehen baden und Martina ins Hospital). Außerdem sind diese Quellen weitgehend naturbelassen und es ist sehr leer.

Wenn man auf dem Campingplatz im selben Park übernachtet, ist der Eintritt zu den Quellen frei. Wir bleiben also über Nacht. Es geht weiter auf dem Alaska Highway in Richtung Watson Lake im Yukon.

Hier ist das bisher schönste Stück dieser Route.

Wir sehen unglaublich viele Tiere, Schwarzbären, Dallschafe, Elche und eine ganze Herde Waldbisons. Hier nur eine Miniauswahl:

Für die Nacht finden wir einen supertollen Platz direkt am Fluß. Eine Feuerstelle gibt es auch und, wie für uns gemacht, liegt das Holz schon fein sortiert daneben. Herrlich, hier bleiben wir.

Doch leider haben wir nicht mit “Eingeborenenbesuch” gerechnet.

Dieser olle Bulle mag uns nicht. Ganz demonstrativ kommt er immer näher und läßt sich schließlich gemütlich direkt neben MANni nieder.

Wir warten ab, wir starten den Motor …. alles läßt ihn kalt. Naja, bei dem schönen Wetter wollte ich nicht im Auto hocken und draußen beim Feuer sitzen mit einem ausgewachsenen Bisonbullen? Wir geben also nach und ziehen weiter. Kurze Zeit später, direkt vor Watson Lake, erreichen wir endgültig die Yukon Territories.

Wir treffen eine fünfköpfige Familie aus Frankreich mit ihrem Laika Wohnmobil. 3 Jahre haben die fünf Zeit und wollen die ganze Welt umrunden. Donnerwetter, das ist eine Herausforderung!

Am nächsten Tag besuchen wir Watson Lake. Hier gibt es den weltbekannten Schilderwald. Angefangen hat alles im Jahr 1942. Beim Bau des Alaska Highways wurde hier ein Wegweiser aufgestellt, der die Entfernung zu den größten kanadischen und US. amerikanischen Städten zeigte. Ein Straßenarbeiter mit Heimweh hat darunter ein Hinweisschild seiner Heimatstadt angebracht. Der Anfang war gemacht. Heute sind es über 71.000 Schilder. Es ist unglaublich mit welchen riesigen Tafeln die Leute aus aller Welt anreisen um sie hier aufzuhängen. Wir haben leider keines dabei, montieren aber kurzfristig ein Nummernschild ab, um zumindest ein Bild machen zu können. Hilden haben wir nicht gefunden, aber Mettmann war dabei!

Vor der Weiterfahrt treffen wir auf ein australisches Pärchen, die mit ihrem Isuzu Allrad unterwegs sind. Natürlich klönen wir eine ganze Weile (reden Australier wirklich englisch?, ich verstehe höchstens die Hälfte), danach tanken wir noch einmal voll und trollen uns ‚gen‘ Norden.

50km nördlich finden wir wieder ein Plätzchen im Grünen. Noch ein letzter Kontrollgang rund um MANni, ich gehe hinein und was starrt mich durch die Scheibe an? Ein Wolf! Direkt vor unserem Auto, und gerade war ich noch draußen. Ups, dem hätte ich aber nicht begegnen mögen.

Ist doch ein nettes Hündchen, oder?

Bevor wir nach Whitehorse weiterfahren schieben wir 2 faule Tage auf dem einsam gelegenen Timberpoint Campground am Teslin Lake ein. Wir sind die einzigen Gäste, obwohl der Platz schön liegt und nur 10$ incl. Feuerholz kostet. Wir genießen die Ruhe und haben den ganzen Platz für uns. Die “Bedienungsanleitung” für den Campingplatz in deutsch haben wir allerdings nicht ganz verstanden J .

Kurz vor der Stadt haben wir noch eine besondere Begegnung. Ein Bruder von MANni parkt in einer Baustelle am Straßenrand. Kurz entschlossen halte ich an und spreche mit den Bauarbeitern.

Leider, so erfahre ich, hat vor rund 20 Jahren Kenworth nicht VW-MANs unter eigenem Namen in den USA verkauft sondern die LKWs von VW Truck in Brasilien importiert. So stimmt lediglich das Fahrerhaus mit unserem überein, aber man weiß ja nie, ob wir nicht einmal eine Scheibe o.ä. brauchen. Die sollte ja passen.

In Whitehorse parken wir erst einmal bei WalMart. Es ist schon so etwas wie Kult, daß alle Yukon/Alaska-Reisenden hier eine Nacht verbringen.

Der Iveco rechts im Bild hat übrigens auch ein Kennzeichen aus ME. Dolores und Alfred aus Heiligenhaus sind damit seit 8 Monaten in Nordamerika unterwegs. Wir quatschen den ganzen Abend bis nach elf, keiner wird müde, denn dunkel wird es hier nicht so richtig.

Am nächsten Tag spielt Deutschland gegen Japan im Viertelfinale der Frauenfußball WM. Alfred hat sich erkundigt, bei “Boston Pizza” gibt es eine Großleinwand. Wir vier sind pünktlich um 11:15Uhr dort und fiebern mit… gebracht hat es nichts L , 1:0 haben die Japanerinnen gewonnen. Immerhin war die Pizza lecker und auch das kühle Bierchen war nicht zu verachten. Am frühen Nachmittag machen sich Dolores und Alfred auf in Richtung Dawson City und wir zum Laundromat. Es ist mal wieder Waschtag.

Am nächsten Tag folgen wir dem Tipp eines Einheimischen und fahren zum “Fish Lake”, etwa 20km außerhalb der Stadt. Dort kann man wild campen. Leider hat der “Yukie” nicht erwähnt, daß man nach spätestens 5 Minuten von Moskitos aufgefressen wird. Wir bestellen noch schnell bei der Fischzucht unterwegs 2 frische Lachse für morgen, flüchten wieder und verbringen die Nacht streß- und Moskito-frei an einem Stück des alten, originalen Alaska Highways. Am Morgen holen wir unsere beiden kleinen Fische ab. Jeder wiegt ausgenommen ca. 2 kg. Es ist eine spezielle Süßwasserlachssorte, “Arctic Charr” genannt.

Wir besichtigen die “Fishladder” am Wasserkraftwerk südlich von Whitehorse. Hier wird der “Yukon River” aufgestaut um Elektrizität zu gewinnen. Damit die Wanderung der Lachse nicht behindert wird, wurde eine spezielle Fischleiter konstruiert, so daß die Fische die Staumauer umgehen oder besser gesagt umschwimmen können.

An dem See, der sich an die Staumauer anschließt gibt es einige sehr schöne Stellen für ein Picknick. Wir finden einen freien Spot und bleiben bis nach dem Abendessen.

Wir braten einen unserer Fische (zwei passen nicht in die Pfanne) und genießen …..

Der Plan war, danach noch den zweiten Fisch zu verzehren, aber wir sind absolut satt (bei mir sehr selten). Mit zärtlicher Gewalt verschafft sich Martina Platz im Gefrierschrank und, schwupp, wird der zweite Lachs eingefroren. Leider ist das Übernachten hier verboten, so fahren wir kurz vor 23Uhr wieder zu WalMart.

Die nächste Nacht verbringen wir auf dem “Grey Mountain”. Auch ein Tipp eines gebürtigen “Yukies”. Die Straße auf diesen Berg ist 10km lang und grottenschlecht. Der Vorteil ist klar, es ist sehr einsam dort oben und die Aussicht in jede Richtung ist phänomenal.

Am Morgen scheint die Sonne und wir wandern auf dem abends entdeckten Summit-Trail. Bei dieser Aussicht macht es doppelt Spaß.

Den letzten Tag vor der Ankunft unserer Reise-Freunde Hella und Edgar verbringen wir am Miles Canyon, einer Stromschnelle des Yukon River kurz vor Whitehorse. Es gibt herrliche Wanderwege und die Aussicht auf den Fluß ist von jeder Stelle faszinierend.

Wie vereinbart treffen wir Hella und Edgar am Abend des 13. Juli auf dem WalMart Parkplatz. Das letzte Mal haben wir uns im Januar in Florida gesehen.

Wir übernachten auf dem sehr netten Provincial Camp Ground “Wolfs Creek” und haben uns bei Lagerfeuer und einem kalten Bierchen sehr viel zu erzählen.

Am nächsten Tag ist Hellas Geburtstag. Dazu haben wir uns etwas ganz besonderes ausgedacht. Wir werden eine Schlittenhundefarm besichtigen. Diese haben wir vor der Ankunft der Beiden ausgekundschaftet.

Zuerst erzählt Frank Turner, der Besitzer von insgesamt 120 Alaskien Huskies aus seiner Zeit als “Musher” (sozusagen der Schlittenpilot). Er hat an 12 Jahren hintereinander am wohl schwersten und längsten Schlittenhunderennen, dem über 1000 Meilen langen Yukon Quest, teilgenommen. Dieses Rennen führt von Whitehorse im Yukon nach Fairbanks in Alaska, bzw. jedes 2te Jahr umgekehrt. Einmal konnte er diese Strapaze sogar als Sieger beenden. Franks Vortrag dauert etwas mehr als eine Stunde, dann geht es nach draußen zu den Hunden.

Man kann sie alle streicheln, was wir natürlich ausgiebig tun. Es ist ein Gejaule und Gefiepe, als ob sie noch nie gekrault worden wären.

Später unternehmen wir mit Frank einen Spaziergang zum Fluß herunter, wobei uns 10 seiner Hunde begleiten. Sobald der erste losgelassen wurde, steigerte sich das Gejaule der Anderen ins Unermeßliche. Jeder möchte dabei sein und reißt sich darum, von Frank selbst gekrault zu werden. Herrchen eben!

Punkt 3 unserer Geburtstagsüberraschung (und wohl für uns alle der Höhepunkt) ist der Besuch bei den 5 Hundebabies. Jeder von uns hat sofort seinen Liebling und alle fragen sich, ob es auffallen würde, wenn man sich einen unter die Jacke stecken und hinaus schmuggeln würde.

Gekrönt wird der Abend durch ein “Yukon Dinner” in Franks guter Stube. Es gibt Bison, Elk und Caribou vom Grill und marinierten Arctic Charr aus dem Backofen. Alles schmeckt einfach hervorragend, und als der Nachtisch in Form eines Geburtstagskuchens anrollt, begleitet von einem kräftigen “Happy Birthday”, vorgetragen von Frank und seiner Familie, ist der Tag perfekt.

An einem besonders schönen Platz auf Franks Riesengrundstück dürfen wir campieren und so lassen wir einen perfekten Tag mit Lagerfeuer ausklingen.

2 Tage später bekommt unsere “Reisegruppe” Zuwachs. Eric und Melody aus Florida fliegen ein. Sie werden mit Hella und Edgar für 3 Wochen durch den Yukon und Alaska reisen.

Unser Plan sieht Alaska erst für etwas später vor, aber wir lassen uns gern zu einer Routenänderung überreden, zumal in Haines am Chilkoot River jetzt die Lachssaison begonnen hat und man Grizzlys beim fischen beobachten können soll.

Unsere neue Route führt uns zunächst von Whitehorse zur u.s.amerikanischen Grenze.

Entgegen unseren Befürchtungen läuft alles traumhaft. Keine 10 Minuten und wir haben das Visum für ein neues halbes Jahr abgestempelt. Mit breitestem Grinsen verlassen wir das Grenzerhäuschen und fahren weiter nach Skagway. In dieser Hafenstadt begann Ende des 19ten Jahrhunderts für viele tausend Goldsucher der beschwerliche Weg zum Klondyke wo der Goldrausch seinen Anfang nahm. Wir buchen Tickets für die Fähre nach Haines am nächsten Morgen und sehen uns danach das Städtchen an. Es ist nett gemacht, aber es liegen 4 riesige Kreuzfahrtschiffe in dem kleinen Hafen und deren gesamter Inhalt ergießt sich über eine 200 Meter lange Mainstreet. Es gibt nur Juweliergeschäfte und Andenkenbuden.

So sind wir nach 2 Stunden zurück bei unseren Autos und warten bis es 21:30 Uhr ist und die Fähre anlegt. Danach dürfen wir in den Wartespuren für die Verladung am nächsten Morgen parken und somit eine kostenlose Nacht verbringen. Diese fällt leider kurz aus, denn um 5:45Uhr beginnt der Check In für die Verladung. Es werden allerdings nur die Gasflaschen kontrolliert.

Die Fahrt ist ruhig und schon nach einer Stunde erreichen wir Haines.

 

Der Ort selbst hat nichts zu bieten, wir versorgen uns mit einer Angel-Lizenz für Eric und fahren zum Chilkoot River Statepark. Schnell belegen wir 2 Plätze auf dem Campingplatz und dann geht es zu Fuß zum Fluß. Eric will Lachse angeln und wir wollen Bären sehen.

Zunächst will beides nicht klappen. Eric wirft zwar tapfer immer wieder seine Angel aus, aber kein Lachs beißt an. Edgar wird schon ungeduldig, denn zum Abendessen ist Fisch satt für 6 Personen eingeplant. Und das Gefrierfach seines Campers hat er auch extra leer gegessen, …armer Edgar!

Nach einer Stunde ist es endlich so weit: Eric‘s erster Fisch…und gleich ein Prachtexemplar. Ein Sockeye-Lachs (die mit dem roten Fleisch) ist ihm ins Netz oder besser an den Köder gegangen. Ein kurzer Kampf und das Minimalabendessen ist gesichert.

Leider ist Erics Anglerglück damit für diesen Tag aufgebraucht. Dafür bricht plötzlich Hektik aus. “Bär, Bär” ruft es von überall und die Angler stürzen aus dem Wasser. Kurz darauf tauchen sie auf, eine Grizzlymama mit 2 Kleinen aus dem letzten Jahr.

Sie kommen sehr nahe an uns vorbei und … ach du Schreck … was steht denn da noch am Ufer. Wir haben Erics Stiefel und unsere Kameratasche vergessen. Na klar, so wie die Boots duften finden die Bären sie extrem interessant.

Gerade als ich sicher bin daß die Stiefel jetzt als Bärenbeute verschwinden, wenden sich die Grizzlys ab und schlurfen wieder in den Fluß. Eric hat wohl Schweißfüße J .

Wir genießen den leckeren Lachs vom Grill (so klein war die Portion für jeden gar nicht) und freuen uns auf morgen. Eric hat ja heute nur geübt, “tomorrow is the real day”.

Hier noch ein Beweisfoto zu welch hinterhältigen Tricks manche Angler fähig sind um einen Lachs zu übertölpeln. Man benutzt Drogen als Köder! In diesem Fall Alkohol … wie unsportlich J !

Am Tag darauf läuft es für Eric und damit für uns alle aber auch nicht besser. Immerhin kann er zumindest einen Fisch überzeugen mit uns den Campingplatz aufzusuchen. Es gibt abends also wieder einen superleckeren Grillfisch.

Bären bekommen wir allerdings nicht zu sehen, dafür aber fischende Seeadler.

Wir fahren von Haines aus nach Norden über die kanadische Grenze und treffen in Haines Junction wieder auf den Alaska Highway. Noch einmal geht es nach Whitehorse um Lebensmittel und Diesel zu bunkern. Wir fahren auf dem Klondike Hwy nach Norden.

Nach einem letzten gemeinsamen Abend (wie immer mit Lagerfeuer) wollen die Vier nach Dawson City. Wir haben zwar die gleiche Richtung, biegen aber erst einmal auf den Silvertrail ab, eine ca. 120km lange Stichstraße die zu alten, verlassenen Silberminen führt. An deren Ende liegt der Ort Keno in dem gerade einmal 23 Menschen wohnen. Bis in die 1960er, solange die Mine (die größte in ganz Kanada) noch in Betrieb war, waren es über 500. Trotzdem hat dieses Dörfchen einen besonderen Charme. Hinter dem Ort führt eine 10km lange Schotterstrecke auf den Keno Hill (ca.1800m). Dort oben gibt es einen Signpost, und viel wichtiger, Picas oder auf deutsch: Pfeifhasen!

Diese lustigen Gesellen leben dort in einer Geröllwüste. Leider hatten wir auf unserer Wanderung dort oben das Teleobjektiv vergessen und am nächsten Tag hat es so geregnet, daß keiner der kleinen Kerle vor die Tür kam. Aber immerhin hatten wir mal wieder einen Übernachtungsplatz mit “1 Million Dollar View”.

Tags darauf ist es so weit. Eines der schon von Deutschland aus geplanten Highlights beginnt. Wir fahren auf dem Dempster Highway. Diese unbefestigte Straße führt über ca. 750km nach Norden weit über den Polarkreis hinaus bis nach Inuvik in den North West Territories. Eigentlich wissen wir von dieser Strecke nicht viel. Doch bei jedem, der sie befahren hat, leuchten die Augen wenn er davon erzählt. Jetzt werden wir es selbst erfahren.

Hier ein Eindruck der ersten 300km.

Unterwegs kommen wir am “2 Moose lake” vorbei. Der macht seinem Namen Ehre, wir sehen einer Elchkuh beim “grasen” unter Wasser zu. Jetzt verstehen wir, warum Elche in den US-Südstaaten abfällig “Swamp donkeys”, also Sumpf-Esel genannt werden.

Nach 406km erreichen wir den Artic circle. Genau hier geht am 21. Juni jeden Jahres die Sonne nicht unter und je weiter man von hieraus nach Norden fährt, umso mehr Tage vergehen, bis die Sonne wieder untergeht. Leider geht sie dafür im Winter genauso lange überhaupt nicht auf.

Nun sind es noch ungefähr 60km bis wir die kanadischen North West Territories erreichen.

2/3 des Weges nach Inuvik sind geschafft. Leider bin ich leichtsinnig geworden und hab mir gedacht “Wir hatten schon lange keinen Platten mehr”! PENG!! 10km weiter stehen wir da mit einem Plattfuß hinten rechts. An einer Mordssteigung. Was nun? Fahre ich bis zur Kuppe, ist der Reifen hin, und hier hab ich Angst MANni aufzubocken. Am Ende siegt der Geiz über die Angst! Mit Keilen gesichert kann ja auch nichts passieren und nach 80 Minuten (gefühlter persönlicher Rekord) sind wir wieder fahrbereit. Allerdings sitzt der Frust tief. Wozu hat man ein Allradfahrzeug mit sündhaft teuren Michelin XZL Reifen und hat jetzt schon den vierten Plattfuß.

(Wir sind dankbar für jeden Tipp).

Kurz darauf erreichen wir den Peele River, den wir auf einer Fähre überqueren. Danach schlagen wir uns in die Büsche und versuchen nicht mehr über Reifen, Plattfüße, Schlauchlosfelgen oder nicht, mehr oder weniger Druck, höherem K-Wert usw. nachzudenken. Das gelingt nach leckeren Nudeln und 2 Glas Rotwein!

Nach einer weiteren Fährfahrt über den MCKenzie River erreichen wir Inuvik.

Die Stadt selbst ist ziemlich häßlich, hat aber einen sehr schön gelegenen Camping Platz. Es ist Sonntag und schon spät. Wir genießen den Abend und einen ewig dauernden Sonnenuntergang. Die nachfolgenden Bilder entstanden gegen 02:00Uhr.

Morgen ist hier Feiertag (komisch, immer wenn wir einen Service brauchen ist Feiertag). Also mache ich am Montag erst einmal die fällige Inspektion. Alles läuft rund und ohne fluchen, da kann doch was nicht stimmen. Genau, die letzte zu prüfende Schlauchschelle bringt es an den Tag. Der Ablaufstutzen des Kühlwasservorratsbehälters ist angebrochen. Leider ist der aus Kunststoff. Nix mit löten. Ich klebe ihn und hoffe daß er dicht ist. Martina wird vom Erfolg/Mißerfolg dieser Aktion berichten, denn morgen ist August und ich habe einen Monat blogfrei.

Fazit:

Weg mit dem Bärenspray und Socken aus, denn Bären mögen keine Schweißfüße.

 

Reiseroute:

 

 

 

 

 

Juni 2011

Veröffentlicht in Juni 2011 am Juni 28, 2011 von crossamerika

Wenn ein Monat schon so anfängt! Leider müssen wir den Wald für kurze Zeit verlassen. Ich habe seit drei Tagen fiese Zahnweh und besuche in dem Städtchen mit schönem Namen “Rocky Mountain House” mal wieder einen meiner Lieblingsärzte, den Zahnarzt. Schon der Zweite hat Zeit für mich und die Helferin stellt bei einem Blick in meinen Mund fest, daß ich wohl viel Zeit meines Lebens beim Dentist zugebracht habe, stimmt! Ein Röntgenbild bringt es dann an den Tag, trotz sehr guter Pflege, Entzündungsherde an zwei wurzelgefüllten Zähnen. Kurz und gut, nichts dran zu machen. “Die Schmerzen kommen und gehen”, erklärt der sehr nette Arzt und ist danach mehr an unserem Labrador-Aufenthalt als an meinen Zähnen interessiert. Für heute gibt es Antibiotika und beim nächsten Deutschlandbesuch ein längeres Gespräch mit meinem Zahnarzt in Hilden. Kaum bin ich bei MANni zurück, haben wohl unsere Crewmitglieder Bär und Moosie im Fahrerhaus ihren ganzen Charme ausgepackt, jedenfalls sind zwei Gutscheine für T-Shirts, abzuholen bei der Visitor Info, hinter den Scheibenwischern. Einigermaßen glücklich meine Zähne noch einmal gerettet zu haben laufe ich dorthin und hole die beiden T-Shirts ab. Lothar hat die Zeit genutzt und den Blog für Mai, Teil 2 eingestellt.

Nun aber nichts wie weg, wieder in den Busch. Wir haben langes Wochenende, erst am Montag müssen wir zurück in Calgary sein um am Dienstag unsere Freunde vom Flughafen abzuholen. Wieder finden wir einen kostenlosen Platz am Bach, Feuerholz liegt fertig gesägt bereit, nur die im Wald versteckten Sanitäranlagen sagen uns überhaupt nicht zu (lieber nicht zu genau hinsehen)!

Wir fahren weiter auf dieser Gravelroad und finden einmal mehr einen schönen Platz am Fluß. Morgens kommt Frühstücksbesuch.

Die letzten beiden Nächte wollen wir an bekannter Stelle an der Hunter Valley Road (dort sind wir vor einer Woche eingeschneit) verbringen. Was ist denn hier los? Haben wohl mehrere die Idee gehabt am Wochenende heraus zu fahren. Es gibt aber genug Platz für alle und so sitzen wir zwei lange Abende am eigenen Lagerfeuer.

Zurück in Calgary holen wir Jenni und Ralf vom Flughafen ab und vertreiben uns den Abend “Down Town”.

Unser Parkplatzaufenthalt mitten in Calgary ist auf 6:00 Uhr morgens begrenzt. Also stehen wir früh auf und frühstücken erst auf dem Weg zur Wohnmobilvermietstation in Airdrie bei Bass Pro. Wir haben sogar noch Zeit MANni zu waschen, so dreckig wollen wir nicht mit Jenni und Ralf reisen. Kurz nach Mittag ist Mietmobilübergabe. Alles wird auf deutsch erklärt und wir sehen zu viert nach evtl. Vorschäden, kaum welche vorhanden. Dann der unvermeidliche Einkaufsmarathon, im National Park gibt es nur noch wenig. Den wunderschönen Bass Pro Shop wollen wir den Beiden noch zeigen und dann schleunigst los Richtung Banff NP in den Rocky Mountains.

Kaum fahren wir auf den Campingplatz in Banff wird schon gewunken, die “Franzosen”, Anne Laure und Thibault mit den beiden Töchtern Paola und Bruna, wir haben sie im Yellowstone NP USA getroffen. Sie sind mit ihren zwei Mädchen ein halbes Jahr unterwegs. Die Welt ist doch klein! Jetzt aber schnell für uns vier Essen gekocht und Lagerfeuer an. Am nächsten Morgen “Campingfrühstück”, Neuland für unsere Beiden. Danach wandern wir bei bestem Wetter in die kleine Stadt Banff mit anschließendem “Stadtbummel”. Abends wieder Lagerfeuer und endlich auspacken der Wunderkiste aus Deutschland, Leckereien für uns, ein paar Ersatzteile für MANni. Vielen Dank an Jenni und Ralf.

Anmerkung von Lothar. Die Maggi Flasche ist für Simone und Olaf, sozusagen Maggi für Maggie!

Heute ist Wandertag, Sulphur Mountain, 2 Stunden und 700 Höhenmeter bergauf. Die Aussicht ist wie immer klasse. Runter sind wir faul und fahren kostenlos mit der Seilbahn. Im Mietmobil machen wir unsere Hamburger selbst und vertilgen sie mit großem Appetit. MANni ist auf dem Campground geblieben.

Lothar, Ralf und Jenni möchten entspannen und in die heißen Quellen, Upper Hot Springs. Ich werfe einen Blick auf den Pool, nichts für mich, heißes Wasser und zu viele Menschen. Ich gehe nicht mit, eine folgenschwere, falsche Entscheidung wie sich 1 ¼ Stunden später herausstellt. Lothar und Ralf leihen sich historische Badekleidung. Lustig sehen die Zwei aus, ich mache noch ein paar nette Fotos und gehe dann spazieren.

Bald müßten die Drei wiederkommen, ich habe den einzigen Autoschlüssel. Eine ca. 5-6 m hohe Anhöhe direkt oberhalb des Mietmobils scheint mir gut, ich habe Aussicht und kann einsehen wenn sie zurückkommen. Nach einiger Zeit ist die Sonne weg, ich verlasse meinen Aussichtspunkt. Plötzlich rutschen meine Füße in den ach so tollen Trekkingsandalen auf dem steinigen, losen Untergrund weg wie auf Eis, ich sitze in Sekundenschnelle auf dem Boden. Sofort weiß ich, hier stimmt was nicht, der rechte Arm schmerzt höllisch, Finger kann ich bewegen, sonst nichts. Ich ertaste meinen Ellenbogen, tatsächlich stimmt hier gar nichts mehr. Mühsam rutsche ich auf dem Hosenboden weiter, da kommt auch schon Lothar und ahnt Schlimmes. Ralf und Jenni treffen einige Minuten später ein, wir fahren sofort in das Hospital von Banff. Notaufnahme, die Schwester befühlt den Ellbogen und nickt bereits wissend, ausgekugelt oder wie es richtig heißt: Luxation. Es wird geröntgt, stimmt, die Knochen hängen nicht mehr da wo sie hingehören. Ich werde für ein ¼ Stunde schlafen geschickt, bekomme Schmerzmittel. Erneutes Röntgen zeigt alles ist wieder an Ort und Stelle, der Arzt kommt noch einmal, es gibt eine Schlinge und gute Tips. Die Schwester will mich anziehen, ich helfe mit, verdrehe den Arm, zack, den Schmerz kenne ich, ein Knochen ist wieder raus. Der Arzt, Herr Professor kommt zurück, übrigens wieder ein besonders Netter, fragt nach erneuter Narkose oder nicht. Nein, ich bin tapfer, es muß ohne gehen. So ist es, aber ungeduldige Patienten wie ich bekommen dann eben für ca. 14 Tage eine Gips-Schale. Wir verlassen um eine vierstellige Summer ärmer, aber gut versorgt das Krankenhaus. Kontrolle in 7 Tagen. Ich bin froh abends mit Allen wieder am Feuer zu sitzen und nicht wie befürchtet im Krankenhaus zu liegen.

Wir beschließen die Tour weiter zufahren. Leider kann ich ohne funktionstüchtigen rechten Arm nicht mehr in MANni’s Fahrerhaus einsteigen, zu hoch. Fluch eines Allrad-Wohnmobils.

Zum Glück komme ich durch den ca. 80cm x 80cm großen Durchgang von der Wohnkabine ins Fahrerhaus, langsam, aber es geht. Lothar muß nun immer unsere Treppe anbauen damit ich MANni aus der Kabine verlassen kann. Zum Glück haben wir die Treppe und keine Leiter für den Einstieg in die Kabine, sonst wäre ich für weit mehr als 14 Tage in MANni gefangen.

Im Konvoi geht es weiter nach Lake Louise. Es ist spät geworden und regnet, kein Lagerfeuer. Am nächsten Tag gehen wir zum eigentlichen Lake Louise. Wunderschön! Die Männer wandern 2 Stunden weiter, vorbei am Mirror Lake zum Lake Agnes. Auf dem Weg liegt noch teilweise Schnee, ich bin vernünftig und erkunde lieber mit Jenni das Luxushotel “The Fairmont Chateau Lake Louise”.

 

Der Wettergott meint es nicht wirklich gut mit uns. Im Regen fahren wir über den Kicking Horse Pass zum wunderschönen Emerald Lake im Yoho NP. Wir nutzen eine Regenpause für einen Spaziergang.

Abends ist es trocken, Lagerfeuer, Lothar spielt Gitarre, die “Franzosen” sind auch wieder da und kommen auf ein Glas Wein vorbei. Die beiden Töchter schlafen bereits.

The Icefields Parkway, eine der schönsten Straßen der Welt.

Wir stoppen am wunderschönen Peyto Lake.

Laufen kann ich ja, also wandern wir den kurzen Trail zum Bow Summit. Es lohnt sich, das wissen viele andere auch.

Wir übernachten in der Nähe des großen Gletschers und sind morgens am Columbia Icefield. Hier fahren große Allrad-Busse mit den Touristen auf das Icefield. Selbst im Reiseführer steht dieses als ein teures und eher zweifelhaftes Vergnügen beschrieben. Der Gletscher graust sich so vor den Touristenströmen, daß er sich immer mehr zurück zieht J .

Ich werde an Lothars Arm gut gesichert, weil Geröllweg. So erreichen wir vier den Gletscherrand. Es ist bitterkalt. Wir bleiben eine kurze Weile vor dieser unwirtlichen Eismenge.

Nächster Stop sind die Sunwapta Falls.

Weiterfahrt nach Jasper, ich muß zum “re-check” für meinen Ellenbogen. Es ist alles in Ordnung, noch ein paar Tage Gipsschiene und dann vorsichtig versuchen den Arm zu bewegen. Die vierstellige Summe ist auch hier fast erreicht, wieso auch immer! Trotzdem, Glück im Unglück gehabt und ich sollte gut versichert sein.

Auf zum Mount Robson, leider wieder Wolken und Regen, aber abends Lagerfeuer!

Im Wells Grey PP besichtigen wir zwei schöne Wasserfälle, die Spahat und Helmken Falls.

Abends Mückenplage auf dem Campground. Ralf und Jenni halten tapfer durch. Am nächsten Abend ein anderes Extrem, es gießt wie verrückt. Wir sollten langsam unsere gemeinsamen Vorräte aufessen und die Rippchen müssen weg, also Grillen im Wolkenbruch.

Der letzte Tag mit den Beiden versöhnt mit Sonnenschein und einem der schönsten Campgrounds und Übernachtungsplätze die wir bisher hatten: Chancellor Peak im Yoho NP. Natürlich Lagerfeuer ab 16:30 Uhr und wir sitzen bis lange nach Mitternacht. Am Morgen heißt es Abschied nehmen, die Beiden müssen ihr Mietmobil in Calgary abgeben und haben dann noch eine Woche in Vancouver. Zwei der schönen Kanada Stühle dürfen wir behalten!

Die Zwei haben sich als Wohnmobil-Neulinge wacker geschlagen und Ralf ist jetzt “Lagerfeuer-süchtig”. Die Wetterbedingungen waren nicht immer gut! Es war eine schöne Zeit, bis zum Wiedersehen in Deutschland.

In den National Parks haben wir u.a. insgesamt 8-10 erwachsene Schwarzbären, 4 junge Schwarzbären, einen Grizzly sowie einen Weißkopf-Seeadler gesehen. Merkwürdigerweise mehr Bären als in der gesamten Zeit zuvor in der Wildnis. Zur besonderen Beruhigung von Jenni und Ralf oft genau vor Campingplätzen. Doch Zivilisationfolger? Das wäre auf Dauer sehr gefährlich.

Hier eine kleine Bildauswahl:

Wir fahren auf dem Highway 11 nach Osten, zurück Richtung Forestry Trunk Road, endlich wieder eine MANni Aufgabe. Einige Kilometer hinter dem National Park Ausgang finden wir nach holpriger Strecke am Abrahams Lake einen Platz mit Weitsicht und er ist kostenlos. Die Sonne scheint, wir bleiben 2 Tage. Ich nehme den Gips ab und bin erschrocken wie schnell so ein Gelenk steif wird und die Muskeln abgebaut sind.

Am zweiten Nachmittag bekommen wir Besuch in der Ferne.

Morgens schlägt das Wetter um, Regenwolken ziehen auf, also verlassen wir diesen schönen Platz. An der Forestry Trunk Road finden wir eine Stelle mit Feuerholz und bekannt komfortablen Sanitär Anlagen.

Wir machen uns auf den langen Weg nach Whitehorse im Yukon. Hier sind wir Mitte Juli mit Hella und Edgar verabredet. Zuletzt haben wir uns am anderen Ende des Kontinents in Florida gesehen. Über 2000km liegen noch vor uns, aber wir haben 3 Wochen Zeit.

In Dawson Creek biegen wir auf den Alaska Highway ein. Hier ist die Meile 0. Die Straße wurde 1942 aus Angst vor einer japanischen Invasion Alaskas von der US Armee gebaut. Die Bauzeit für diese 2288 km betrug lediglich 8 Monate. Während dieser Zeit frieren Arbeiter an ihren Maschinen fest, verirren sich in den endlosen Wäldern oder ertrinken in reißenden Flüssen. Der Bau hat 138 Millionen Dollar gekostet und mindestens 50 Menschen starben.

Ein kurzer Abstecher über den “Old Alaska Highway” und die Kiskatinaw Bridge.

Dann zurück auf den neuen Highway, heute ist er gut ausgebaut. Ab hier sind es ohne einmal abzubiegen 1522km bis Whitehorse im Yukon.

Die Strecke bis Fort Nelson ist schön aber nicht aufregend. Lediglich diesen Bär haben wir beim Fressen etwas gestört.

Wir sind jetzt in Fort Nelson auf dem Alaska Highway angekommen. Dies ist die letzte nennenswerte Ortschaft vor dem 1000km entfernten Whitehorse. Internet wird es somit auch keines mehr geben. Deshalb verabschiede ich mich schon jetzt bis Ende August.

Fazit:

Offensichtlich bin ich bei Weitem nicht so geländegängig wie MANni, dafür mache ich aber ab jetzt alles mit links.

Reiseroute:

Mai 2011

Veröffentlicht in Mai 2011 am Juni 2, 2011 von crossamerika

Wir sind wieder in Kanada. Die Entfernungsangaben und die Geschwindigkeitsbeschränkungen sind in km bzw. km/h angegeben. Und der Dieselpreis bezieht sich leider auf einen Liter und nicht mehr auf Gallonen. Er liegt jetzt bei ungefähr 1,25$ pro Liter. Für deutsche Verhältnisse superbillig, für uns mit USA Preisen im Kopf eher teuer.

In Richtung “Waterton Lake Nationalpark” überqueren wir die Rockies über den “Crowsnest Pass”. Auf der Ostseite findet man sich plötzlich in einer riesigen Prärielandschaft wieder, und das mit Blick auf die verschneiten Berge.

Das Dorf Waterton im gleichnamigen Nationalpark erwacht gerade aus dem Winterschlaf. Auch die Ranger sind noch nicht so ganz wach und wissen nicht recht, was in ihrem Park noch geschlossen oder schon offen ist. Sogar der bereits seit dem 3.Mai geöffnete Campingplatz im Dorf wurde ein Kilometer vorher an der Visitor Information für geschlossen erklärt.

Der See ist noch halb zugefroren, aber mit dem Sonnenschein ergeben sich phantastische Eindrücke.

Im Dorf selbst scheint es mehr Wildlife als Einwohner zu geben.

Für eine Nacht nisten wir uns auf dem Campingplatz ein (mit maximal noch 4 anderen) und haben den ganzen Abend und den nächsten Morgen ungeheuer viel Spaß an unseren quirligen Nachbarn, den “Columbian Ground Squirrels”, die hier schon fast eine Plage sind.

Eine kleine Schneewanderung führt uns nach sehr viel Anstrengung auf den Aussichtspunkt “Bear Hump”. Die Ausblicke auf den Waterton Lake der bis in den Glacier NP in den USA reicht sind unbeschreiblich. Dazu wimmelt es auf diesem Felsen vor neugierigen Streifenhörnchen, so daß wir stundenlang dort oben bleiben.

Auf dem Weg aus dem Park befahren wir eine ca. 13 km lange Sackgasse zum Red Canyon. Auch hier wandern wir ein bißchen, allerdings schwer gehandikapt durch Schneehöhen von bis zu einem Meter.

Auf dem Rückweg passieren wir eine mobile Straßensperre.

Wir machen uns nun auf in Richtung Calgary. Dort wollen wir am 07. Juni Freunde treffen, die 2 Wochen lang mit uns gemeinsam durch die kanadischen Rockies fahren wollen. Wir haben viel von der “Forestry Trunk Road” gelesen, einer ca. 1000km langen Gravelroad entlang der Ostflanke der Rockies, die zur Waldbrandbekämpfung angelegt wurde. Die südlichen 180km dieser Straße wollen wir für die nächsten Tage in Angriff nehmen.

Wir finden ein lauschiges Plätzchen an einem Gebirgsbach und feiern unsere Ankunft in Halifax genau heute vor einem Jahr.

Das Plätzchen gefällt uns so gut, daß wir gleich noch 2 Tage Urlaub machen. Völlig allein und fernab von jedem Trubel …. herrlich.

Weiter geht es, immer noch über die gleiche Straße, bis wir wieder Asphalt und damit die Zivilisation erreichen.

Wir sind im Großraum Calgary angekommen. Hier muß einiges erledigt werden. MANni will zu unserem Leidwesen neue Wohnraumbatterien, unsere Wasserpumpe im Wohnbereich braucht ein paar Teilchen und auch die Toilette bedarf der Wartung. Außerdem wollen wir unser Satellitentelefon wieder in Betrieb nehmen, (die einzige Chance, im Yukon oder in den “Northwest Territories” zu telefonieren), also benötigen wir eine neue Chipkarte.

Wir waren vor 12 Jahren schon einmal in Calgary. Damals hat uns die Stadt nicht begeistern können und daran hat sich nichts geändert. Die Innenstadt ist langweilig und durch viele Parkhäuser und eine Eisenbahnlinie mitten durch auch ziemlich häßlich. Aber es gibt den ultimativen Cowboy-Outfitter.

Eine ganze Wand voller Hüte und gegenüber an der Wand noch viel mehr Westernstiefel, leider auch für Ladies.

Nur unter Aufbietung aller Kräfte und einiger Tricks gelingt es mir, meine Kreditkarte zu verteidigen und mit Martina den Laden “stiefellos” zu verlassen. Aber bevor ich jetzt Hunderte von emails leidgeprüfter Männer bekomme: Diese Tricks funktionieren nur auf Langzeitreisen in einem kleinen Fahrzeug! Jungs…tut mir leid L !

Nach ein paar Tagen ist das Meiste erledigt (es gibt keine Ersatzteile für unsere Pumpe, obwohl “made in USA”) und wir dürfen endlich wieder in die Wildnis. Die Forestry Trunk Road geht nördlich von Calgary noch ein paar hundert Kilometer weiter und dort wollen wir hin. Nach den ersten 20km Asphalt wird es wieder “gravelig” und wir biegen auf einen abenteuerlichen Forstweg ein. Herrlich, es regnet, Matsch und Schlamm überall, MANni und ich fühlen uns wohl, außerdem ist wild campen erlaubt! Das tut der arg geschundenen Haushaltskasse gut.

Nach 3 Tagen Dauerregen ändert sich das Wetter Gott sei Dank wieder…..es wird kälter und schneit, am 25.Mai!

Das gefällt zwar MANni immer noch, uns aber um so weniger. Das Fahren auf Matsch unter einer geschlossenen Schneedecke ist, wie soll ich es sagen, immer für die ein oder andere eher unliebsame Überraschung gut.

Es ist außerdem an einigen Stellen schon zu kleineren Erdrutschen gekommen und wir beschließen, uns fürs erste wieder zivilisierteren Gegenden zuzuwenden. Edmonton, die Hauptstadt Albertas ist nicht mehr so weit entfernt (270km nach Norden). Dort gibt es das größte Einkaufszentrum der Welt, die West Edmonton Mall.

Über 800 Geschäfte, mehr als 100 Restaurants, mehrere Kinos, ein Wellenbad mit vielen Riesenrutschen, den größten Indoorvergnügungspark, eine Eislauffläche (echte Hockeyfeldgröße) und einen großen See, in dem ein 1/1 Nachbau von Columbus´ Santa Maria liegt. Dort findet auch mehrmals täglich eine Seelöwenshow statt.

Ich bin nicht gerade der Einkaufsbummelfan, aber dieses Shopping Mekka ist schon etwas besonderes. Besonders die Indoorachterbahn mit 3 Loopings…wow!

Leider gelingt es mir heute nicht, Martina erfolgreich vom Schuhkauf abzuhalten (nach dem fünften Shoe Shop läßt meine Aufmerksamkeit nur für Sekunden nach), aber ein Rabatt von mehr als 60% und Martinas Versprechen, mich zum Essen ins “Hooters” einzuladen, hellt meine Laune augenblicklich wieder auf. Nach einem Blick (oder mehreren) auf die Bedienung und mein frisch gezapftes Pint kommt mir die Idee, Martina könnte wirklich ab und zu ein Paar neuer Schuhe gebrauchen.

Nur übernachten ist auf den Parkplätzen der Mall nicht erlaubt. Dazu empfiehlt uns die Security den WalMart um die Ecke, echt nett J . Dort ist MANni am nächsten Morgen endlich einmal nicht das meist fotografierte Fahrzeug. Beim ersten verschlafenen Blick aus dem Fenster glauben wir unseren Augen kaum.

Und ich dachte, MANni hätte große Räder!

Spontan fällt mir ein, daß das doch die ultimative Basis für eine Absetzkabine wäre. Nur wie kommt man rein und raus? Eine Strickleiter? Oder ein Treppenlift aus dem Anzeigenteil der ADAC-Zeitung?

Wegen unserer Pumpe besuchen wir noch ein paar RV-Händler und haben Glück. Ersatzteile sind zwar auch hier nicht zu bekommen, aber der zweite Händler schenkt uns eine defekte, ausgebaute Pumpe. Noch fast neu, aber ein Frostschaden. Das ist mir völlig egal, ich brauche nur den Druckschalter. Außerdem scheint endlich wieder die Sonne und so machen wir uns rundherum zufrieden auf den Weg zurück in die Wildnis.

Am Abend, es ist der 31. Mai finden wir ein traumhaftes Plätzchen direkt an einem kleinen Fluß. Feuerholz gibt es in Mengen und so genießen wir unser “Langzeit-Campfire” von 17:00 Uhr bis Mitternacht. Eben “Canada at it’s best!”

Fazit:

Seien wir ehrlich: Ab und zu sollte man den Frauen ein paar neue Schuhe gönnen! J

Reiseroute:

 

 

 

 

 

 

 

 

6 Monate USA 2010/2011

Veröffentlicht in 6 Monate USA 2010/2011 am Mai 11, 2011 von crossamerika

Zusammenfassung 6 Monate USA

 

  • Einreise aus Kanada: unkompliziert, niemand will ins Auto schauen und uns werden problemlos 6 Monate gewährt. (10.Mai 2011 ist als letzter Ausreisetag im Paß gestempelt) Dauer allerdings inkl. Wartezeit ca. 2 Stunden.
  • Übernachtungen: 181 Nächte insgesamt, davon 49 auf Campingplätzen, 43 auf WalMart Parkplätzen, einige auf Truck Stops und ansonsten frei in der Natur.
  • gesamt gefahrene Strecke: 14000km, ergibt einen Tagesdurchschnitt von ca. 80 km.
  • Straßen: Sind durchweg alle in einem neuwertigen Zustand. In den Nationalparks und Forests gibt es viele “dirt roads” von bestem Gravel bis zur übelsten Waschbrettpiste.
  • Dieselpreis: an der Ostküste 3-3,50$/gal (1 Galone =3,8l), sonst 3,90-4,35$/gal. Diesel ist flächendeckend zu bekommen.
  • Dump Stationen an vielen Tankstellen und Truckstops (oft bei Betankung kostenlos), nicht immer gibt es Trinkwasser.
  • 2 Inspektionen und ein Ölwechsel an MANni (in Eigenarbeit), 3 Reifenpannen (einmal falsche Montage in Deutschland, einmal Gravel road, einmal weiß nicht), Spur einstellen und ein defekter Kupplungsnehmerzylinder.
  • Spritverbrauch/Ölverbrauch: 23l/100 km – 1l/1000km
  • Propangasverbrauch: ca. 16kg für 181 Tage (nur kochen und backen)
  • Propangas nachtanken: 2x problemlos an Flying J Truck Stops mit unseren fest eingebauten ALU-Gas Tankflaschen und US Adapter
  • Propangas Preis: 2,00 – 2,90$/gal
  • Defekte im Aufbau: keine
  • Preisniveau: viel niedriger als in Kanada, vergleichbar mit Deutschland (inkl. Alkohol!). Fleisch ist viel preiswerter, Arztbesuche und Medikamente aber um ein vielfaches teurer als in Deutschland.
  • Campingplätze: Variieren stark im Preis, in der Lage und der Ausstattung, unser Durchschnittspreis lag bei ca. 15$ pro Übernachtung. 4$ war der niedrigste, 90 $ der höchste Preis (Key West in Florida). Oft kostenlos oder für wenig Geld campen kann man im BLM Land (Büro of Landmanagement) und in den National Forests. Truck Stops wie “Flying J” oder “Love’s” sind gut für kostenlose Zwischenübernachtungen, aber laut. Das Übernachten auf Wal-Mart und Home Depot (der amerikanische Obi) Parkplätzen ist bis auf Florida meist möglich.
  • Internet: Offene WLAN (WIFI) Netze sind häufig vorhanden (z.b.: Starbucks, McDonalds, Staples, Home Depot). Die Geschwindigkeit ist allerdings oft dürftig.

 

Subjektive Eindrücke:

  • Besonders Florida hat uns überrascht, wir kannten vorher nur Bilder von Hotelburgen in Miami Beach und Co. Das andere Florida mit wunderschönen kleinen State Parks, feinen, einsamen Sandstränden sowie die im Landesinneren gelegenen Wälder haben uns sehr gefallen. Die Everglades mit ihren Tieren waren für uns ein absolutes Highlight.
  • Die von uns gesehenen US-Landschaften sind insgesamt unbeschreiblich schön und die Weiten für Europäer unfaßbar.
  • Die Menschen sind durchweg sehr freundlich und hilfsbereit. Die Kontakte bleiben aber oberflächlicher als in Kanada.
  • Große Städte haben wir außer New York City, Boston und New Orleans nicht besucht.
  • Wir sind keinen Tag krank gewesen.
  • Wir haben uns diesmal ein paar Tage Urlaub gegönnt…………………..J

 

Gesamtroute:

Mai 2011

Veröffentlicht in Mai 2011 am Mai 11, 2011 von crossamerika

Es ist der erste Mai, “Tag der Arbeit”, also … arbeiten wir. Die 30.000er Inspektion ist seit 500km überfällig und der berühmte Frühjahrsputz steht auch an. Da kommt uns ein Home Depot (der US amerikanische Obi) Parkplatz und steigende Temperaturen gerade recht. Martina schafft im Auto, ich darunter. Alles läuft wie geschmiert, (kein Wunder, der größte Teil ist ja auch Abschmierarbeit) und ich fluche nur ein ganz klein wenig. Wie immer werde ich des öfteren durch einen kleinen Schnack aufgehalten. “What a biest”, “I love your truck”, “What is that?” oder noch besser “What does that do?”. Man kennt es ja mittlerweile und bei dem vierten oder fünften Frager innerhalb von zwei Stunden kann es dann vorkommen, daß die Antworten ein wenig einsilbig und in noch schlechterem Englisch als üblich vorgetragen werden. Erschwerend kommt hinzu, daß der Anteil an jungen, hübschen US Girls, die mit solchen Fragen kommen, doch eher im Promillebereich liegt.

Am nächsten Tag bewegen wir uns nach Norden in Richtung des Glacier National Park. Auf dem Weg haben wir Ausblicke auf Montana aus dem Bilderbuch.

Unterwegs übernachten wir wie schon so oft auf einem Campingplatz im National Forest. 50 Plätze und keiner außer uns da. Und weil noch “Off season” ist er sogar kostenlos.

Die von den Winterstürmen umgefallenen Bäume wurden von den Rangern schon in handliche Stücke zersägt. Holz sammeln ist hier erlaubt und die neu erstandene Axt muß sowieso mal getestet werden. Ich bereite alles für ein “Turbo Camp fire” am Abend vor.

Auf unserer Weiterfahrt nach Norden passiert es dann mal wieder. Plattfuß hinten links. Dort hatten wir noch keinen J .

Wir sind in Übung, also geht es nach kaum 80 Minuten schon weiter. Es haben in der Zeit übrigens 4 Leute angehalten und ihre Hilfe angeboten. Scheint also nur auf den Interstates schwierig zu sein. (wer hält auf einer deutschen Autobahn an, wenn man eine Panne hat?)

Direkt im nächsten Ort ist ein Reifenhändler der sich sofort an die Arbeit macht. Wieder ist der Schlauch geplatzt und nichts steckt im Reifen, auch kein Dreck. Wir sind ratlos. Allerdings ist das Felgenband an den Rändern ziemlich ausgefranst. Wir lassen lieber unser neues Reserveband einsetzen. Es ist mittlerweile spät geworden. Wir schlagen uns in die Büsche (National Forest) und fahren am nächsten Tag die beiden Straßen im Glacier Nationalpark ab, die zumindest teilweise geöffnet sind. Das Wetter ist leider schlecht, grau in grau und ständig Regen, so daß wir keinen schönen Blick auf die Berge bekommen.

Am Abend finden wir mal wieder einen Übernachtungsplatz mit “million dollar view”. Wir parken sozusagen in einem halb leeren Stausee.

MANni ist auf dieser “Dirt Road” allerdings leicht verdreckt. So kommen wir nicht über die Grenze.

In Kalispell, einem nichtssagenden Ort, der wegen der Nähe zu Kanada aber alle Einkaufsmöglichkeiten bietet (so ähnlich wie für uns NRWler Venlo in Holland) bunkern wir noch einmal alles, was unserer Erinnerung nach in Kanada teurer und dessen Einfuhr nicht unbedingt verboten ist J . Martina beehrt noch einmal einen Waschsalon “Wischwasch Wischwasch” und MANni und ich trollen uns zur Truck-Waschanlage. Macht richtig Spaß, dem ganzen Modder mit dem Hochdruckreiniger zu Leibe zu rücken.

Den letzten Abend in Montana verbringen wir kostenlos ca. 30km südlich der kanadischen Grenze auf einem offiziell noch geschlossenen Camp Ground. Die Ranger räumen gerade auf und so ist Feuerholz nicht knapp. Wir dürfen alles verbrennen, wenn wir es denn an kriegen. Haha, da kennen die mich nicht. Mein Vorrat an Brandbeschleunigern ist unermeßlich und wir steigern unser Campfire Maximum noch einmal um 100%.

Heute ist der 10. Mai und wir müssen die USA verlassen. Es war ein tolles halbes Jahr und wir haben viel gesehen und erlebt.

Unsere Route von Montana nach British Columbia führt uns über den kleinen Grenzübergang Roosville und wir schaffen den Wechsel in maximal 5 Minuten. US-amerikanische Grenzer gibt es überhaupt nicht und die kanadischen sind nett und völlig unkompliziert. Im Gegensatz zur ersten Einreise am Flughafen von Halifax bekommen wir jetzt aber auch den Ausreisezeitpunkt in den Paß gestempelt. 09.11.2011! Hach, das klingt gut, das nächste halbe Jahr Kanada ist gesichert.

Wie es in British Columbia weitergeht erfahrt ihr wie immer am Ende des Monats.

 

Fazit der ersten 10 Tage Mai:

Montana lohnt sich, … und wie!

Reiseroute:

 

 

April 2011

Veröffentlicht in April 2011 am April 30, 2011 von crossamerika

Der April startet wie der März aufgehört hat. Jeden Tag ein Highlight, welches wir entweder “erfahren” oder mit mehr oder weniger Körpereinsatz “erwandern”.

“Erfahren” haben wir diese Straßen im Capitol Reef National Park:

sowie die “Notom Bullfrog Road”

“Erwandert” haben wir:

Im Capitol Reef National Park den “Golden Throne”

sowie den “Headquarter Canyon”

Danach geht es weiter über die großartige Burr Trail Road in das “Grand Staircase-Escalante National Monument”. An einer Stelle verläuft die Straße genau auf dem Berggrat, ziemlich schmal. Zum Glück ist Lothar höhentauglich, ich lenke mich irgendwie anders ab. Das Escalante Monument ist über 7000 km² groß und zum größten Teil ursprünglich erhalten. 1996 wurde es von Bill Clinton zum National Monument ernannt. Es gibt eine Menge schlechter Straßen, MANni Sache. Außerdem darf man dort “backcountry” campen. Auf der “Hole-in-the-Rock” Road fahren wir nach Süden und übernachten. Morgens sehen wir uns zuerst den “Devils Garden” an.

 

Weiter über schlechte Lehmpiste und wandern zu den Slot Canyons, “Peek-A-Boo” und “Spooky” genannt.

Im “Peek-A-Boo” Slot Canyon:

In den “Spooky Canyon” gehe ich alleine, er ist an manchen Stellen so eng, Lothar hat nicht unbegründet ernsthafte Angst stecken zu bleiben. Ich komme manchmal nur seitwärts voran, auch die Kamera muß ich immer neben mir halten!

Wir finden wieder einen Übernachtungsplatz über einen schlechten Lehmweg.

Dafür mit viel Weitblick! Am nächsten Morgen weiter auf der “Hole-in-the-Rock” Road. Sie wird immer mehr zum “Waschbrett” und es geht steil rauf und runter. Bis zum absoluten Ende der Straße am Lake Powell eben dem “Hole-in-the-Rock” fahren wir nicht, es wird uns ein wenig langweilig. Wir wandern lieber mal wieder zu Besonderheiten:

Einfach zu erreichen “The Dance Hall Rock”

Mit deutlich mehr Anstrengung im “Willow Gulch”, ein wirklicher Frühlingstag an dem sich auch Andere aus ihrer Behausung trauen:

Wir wollen unsere Vorräte wieder auffrischen und fahren am nächsten Morgen den Rest der “Hole-in-the-Rock” Road zurück in das kleine Dorf Escalante.

Eine Straßensperre zeigt zwar Respekt vor MANni, gibt allerdings nicht allzu eilig auf.

Carsten und Esthela haben wir heute verpaßt, im Capitol Reef NP haben wir sie getroffen, vorher im Dorf Escalante und gestern ihre unverwechselbaren Michelin Reifen Spuren auf der “Hole-in-the-Rock” Road gesehen, etwas breiter als unsere!

Unser nächstes Ziel ist der Bryce Canyon National Park. Im Visitor Center sagen sie für die nächsten 3 Tage schlechtestes Wetter voraus. In ein paar Stunden kommt Sturm und Schnee! Wir kaufen mal wieder ein wenig ein und beschließen bis zum Bryce Canyon hochzufahren und uns dort für die nächsten Tage einschneien zu lassen. Danach soll es Sonnenschein geben und der freundliche Herr bei der Visitor Info meinte, dann gäbe es “Bryce at it‘s best”!

Es geht viele Höhenmeter hinauf und wir erreichen bei beginnendem Schneefall den Campground. Wer steht dort, Esthela und Carsten mit Tita. Klar wird wieder erzählt, wer wo in der Zwischenzeit gewesen ist. Wir haben uns an zwei Stellen nur knapp verpaßt. Als wir am frühen Abend zu MANni zurück gehen schneit es bereits heftig. Am nächsten Morgen ist alles weiß und es weht ein kalter Wind. Lothar und ich beschließen einen Haushaltstag einzulegen. Lothar macht Frikadellen und ich backe einen guten deutschen Streuselkuchen. Diesen verspeisen wir zu viert gemütlich am nachmittag bei einem deutschen Kaffeeklatsch in MANni. Es schneit weiter!

Esthela und Carsten fahren am nächsten Morgen ab, wir zwei bleiben und machen einen Spaziergang am “Rim”. Die Sonne kommt nicht ganz durch, aber der Anblick ist schon “breathtaking”. In der Nähe soll es eine Kolonie Präriehunde geben, die besuchen wir am nachmittag. Trotz Schnee sind sie draußen und wir können uns über eine Stunde nicht von diesen lustigen Gesellen losreißen.

Am nächsten Morgen Sonnenschein, es ist wirklich “Bryce at it’s Best”. Wir fahren alle Aussichtspunkte ab und sind begeistert. Wandern geht nicht, der Schnee liegt viel zu hoch, immerhin sind wir am höchsten Punkt auf ca. 3000 Meter.

Durch den “Red Canyon” fahren wir weiter bis Mount Carmel. Wir übernachten und haben Internet. So erfahren wir, daß die Pattis morgen im Zion National Park sind und ihre Maggie an der Visitor Information parken wollen. Klasse, das ist auch unser nächstes Ziel. Kaum fahren wir am nächsten Morgen los, sehen wir hinter uns ein deutsches Hymer Wohnmobil. Zweimal sind wir aneinander vorbeigefahren aber jetzt gibt es einen ausführlichen Schwatz mit Elke und Helmut aus München. Noch ein paar Fotos, dann fahren wir hintereinander in den Zion NP. Am Visitor Center steht tatsächlich die Maggie, das ist was für unseren MANni! Hoffentlich hecken die Zwei nicht wieder etwas aus.

Wir warten auf Simone und Olaf, durch das viele Erzählen mit den Münchnern lohnt es sich nicht mehr mit dem Shuttle Bus in den Park zu fahren. Als die Beiden wieder bei ihrer Maggie ankommen ist die Freude nicht nur bei Hund Paco groß, er mußte Maggie bewachen, Hunde sind im National Park verboten! Wir fahren gemeinsam zu einem schönen Platz in der Wildnis außerhalb des NP.

Die Männer hacken Holz (Edit Lothar: von wegen, Olaf hat eine Motorsäge :=) ) und der Grill wird vorbereitet. Grillgut aufgetaut, u. A. auch fünf von Lothar mit Liebe zubereitete Frikadellen. Als der Grill heiß ist, sind die Frikadellen weg! Ich sehe gerade noch wie Paco sich genüßlich das Maul leckt, gut waren sie………………………………..Wir können dem charmanten Dieb nicht böse sein aber am nächsten Tag passen wir besser auf!

Einen Tag genießen wir hier oben das wunderschöne Wetter, dann trennen sich unsere Wege wieder. Wir beide fahren in den Park, wandern, die Pattis in die Richtung aus der wir gekommen sind.

Mit dem Shuttle Bus geht es in 15 Minuten zum ausgesuchten Stop. “Angels Landing” heißt der “Hike” den wir uns vorgenommen haben. Im Bus wird gewarnt, nichts für kleine Kinder und Menschen mit Höhenangst, ich lasse mich überraschen.

Naja, so schlimm ist es nicht, aber wir kommen ziemlich schnaufend oben an. Die letzte Kletterpartie an der Kette lassen wir aus. Muß nicht sein und die Aussicht ist auch so wunderschön.

Noch eine Nacht in der Wildnis, dann trennen wir uns mit gemischten Gefühlen von den roten Felsen und geben Gas Richtung Salt Lake City. Einerseits ist diese Landschaft in Utah und Arizona wunderschön aber nach über einem Monat ist es genug der roten Steine. Nur noch 3 1/2 Wochen USA sind mittlerweile übrig!

In Salt Lake City kaufen wir ein. IKEA in außergewöhnlicher Lage, das Angebot ist in etwa vergleichbar. Wie immer ist mehr im Einkaufswagen als beabsichtigt, selbst für einen so kleinen Haushalt. Kerzen und Teelichter sind wieder aufgefüllt und Hering im Glas gibt es, 4 Portionen müssen mit! MANni bekommt hier einen neuen Namen. Eine junge Frau läuft lachend vorbei, sagt MANni gefalle ihr und fragt ob es ein “End of the world RV” sei. Das kann nicht ins Deutsche übersetzt werden J .

Den Mormonen Temple Square in der Innenstadt können wir nicht auslassen und zwei nette junge Damen von den Philippinen, die hier für 18 Monate freiwillig arbeiten führen uns durch die Anlage. Wir zwei erzählen von unserer Reise und da wir “homeless people” sind, möchten sie uns gleich bekehren, bieten nett ihre Hilfe an und geben uns sogar ihre Telefonnummern. Ihre Aufgabe ist zu missionieren und wir zwei nur auf Reisen, ohne Haus, das war ihnen wohl nicht geheuer.

Antelope Island im Great Salt Lake ist unser nächstes Ziel. Über eine Art Deich geht es auf die Insel auf der ca. 600 –700 Bisons frei leben. Ein primitiver Camping wunderschön gelegen ist ebenfalls vorhanden.

Wir mieten uns für zwei Nächte ein. Am nächsten Morgen machen wir uns auf die Suche nach den Riesen. Erstmal Fehlanzeige, also gehen wir wandern. Immer höher geht es an einer Traumkulisse vorbei.

Von dort oben sehen wir auf der anderen Seite des Berges einige Bisons. Wieder bei MANni angekommen machen wir uns schnell auf den Weg dorthin und da sind sie:

Zwei Tage immer weiter nach Norden, wir kommen im Schnee in Jackson in Wyoming an. Morgen wollen wir in den Grand Teton National Park. Leider sind noch viele Straßen gesperrt, so auch der weiterführende Highway 89 in den Yellowstone NP. Wir fahren zum Visitor Center und wollen wissen, ob wir in den National Forest zum übernachten fahren können oder sonst irgendwo ein Stellplatz ist. Nur KOA Camping für 40 $ die Nacht, der National Forest ist wegen Schnee noch unbefahrbar und im NP ist alles geschlossen. Andrea aus dem Nachbarort Wilson hört dies und bietet spontan an wir können bei ihr auf dem Hof übernachten. Gesagt, getan und am nächsten Morgen fahren wir in den tiefverschneiten Grand Teton NP.

Man hat uns Elche, Rehe, Wapiti Hirsche und Bären versprochen. Vorsorglich habe ich ein Bärenspray gekauft, welches den Namen auch verdient. Es ist so groß wie ein kleiner Feuerlöscher. Außer den Bären bekommen wir auch alles zu sehen, sogar die große Wapiti Hirschherde die von hier aus weiter in den Yellowstone zieht. Die Tiere haben Glück, sie brauchen nicht auf die gesperrten Straßen zu achten.

Lange haben wir davon gesprochen, jetzt fahren wir hinein in den Yellowstone NP. Kaiserwetter und direkt am Eingang Bisons die durch den Schnee stapfen.

Wir halten noch für jeden Büffel an, bis plötzlich eine ganze Herde die Straße kreuzt und die Letzten angstvoll MANni beäugen. Kaum weiter sehen wir einen Kojoten oder Wolf.

Später als geplant treffen wir auf unserem Campground ein und Tiere sind immer noch unfaßbar nah.

Am nächsten Morgen schneit es wieder. Die armen Büffel staksen durch den Schnee, eine ganze Herde zieht über den Camping. Weiter oben sehen wir diese armen Kreaturen in noch tieferem Schnee, wir dachten der Winter wäre ausgestanden, wie haben sie erst im Januar ausgesehen?

Am nachmittag werden wir im “Lamar Valley” Zeuge einer kleinen Zankerei. Ein Grizzly Bär hat wohl Aas gefunden und kämpft mit zwei Wölfen um die Beute. Die erste Wolf gibt schnell auf, ein Zweiter ist geduldiger und wartet bis der Bär satt ist. Ca. 1 1/2 Stunden beobachten wir mit mehreren Touristen das Geschehen. Leider brauchen wir alle ein Fernglas und das Aas liegt in einer Senke. Trotzdem sind wir zwei mehr als dankbar dieses Schauspiel beobachten zu dürfen. Vorteil eines Winterbesuches im Yellowstone NP.

Auf dem Rückweg sehen wir noch einen Schwarzbär, er sieht im Vergleich zum Grizzly richtig niedlich aus.

Neuer Tag, neuer Schnee. Wir fahren zum “Old Faithful” (der alte Getreue), dem wohl bekanntesten Geysir im Yellowstone NP. Verläßlich wie sein Name sagt, bricht er ca. alle 90 Minuten aus. Für uns ist es heute zwischen 14:50 und 15:10 Uhr. Wir sind um 14:40 Uhr an Ort und Stelle und warten frierend. Um 15:08 Uhr geht es los. Wie ein Springbrunnen schießt das Wasser aus dem kleinen Loch. Mit einer 30-55 m hohen Wassersäule die zwischen 1 und 5 Minuten anhält und durchschnittlich rund 41.000 Liter Wasser verspritzt hat er eine beachtliche Höhe und entwickelt dabei eine beeindruckende Geräuschkulisse.

Leider hat heute der Himmel die gleiche Farbe wie der Wasserdampf und der böige Wind weht die Wasserwolke schnell weg.

Trotzdem war es ein besonderes Schauspiel. Weiter geht’s zum Midway Geysir Basin. Die Farben hier scheinen aus einer anderen Welt.

Den gleichen Eindruck haben wir am Norris Geysir Basin.

Ebenfalls nicht von dieser Welt:

Mittlerweile sind wir vollends der Büffel-Mania verfallen. Überall laufen sie über die Straße und selbst die Kleinen und Kleinstkinder leben schon auf der Straße. Im Gegensatz zu den Alten sind sie oft neugierig und kennen weniger Furcht.

Der nächste Tag bringt Sonnenschein und wir gönnen MANni eine Ruhepause. Der Camping ist nahe bei den Mammoth Hot Springs und wir laufen den kurzen Trail. Wieder sind die Farben faszinierend und zum Glück ist noch keine Saison. Hier wie überall im Park ist es im Sommer wohl unerträglich voll.

Abends feiern wir unser Jubiläum. Genau vor einem Jahr haben wir unsere Wohnung verlassen und sind mit MANni und dem Mietmobil Richtung Hamburg gestartet. Mit Ausnahme von 7 Nächten (zwei Nächte bei Freunden vor dem Abflug und 5 in Halifax im Hotel) schlafen wir nun 365 Tage auf der “Straße”. Wir sind uns einig, besser hätte es nicht werden können, es war ein tolles und ereignisreiches Jahr. Ein Glas Sekt rundet diesen Tag ab.

Es wird Zeit, wir verlassen den Yellowstone NP und fahren nach Bozeman in Montana. Der Schnee hat uns fest im Griff und wie es im Mai wird ?—– Lothars Sache. Er darf zum zweiten Mal den Grenzwechsel beschreiben, diesmal umgekehrt von den USA nach Kanada. Alpträume wegen Spritmangel wird es nicht geben, wir tanken ganz sicher vorher noch einmal voll.

Fazit: Es war der rot/weiße National Park Monat (Felsen in Utah/Schnee im Rest).

Reiseroute:

 

 

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