Es ist der 11.11.2010 gegen 13 Uhr. Wir haben noch einmal gedumpt, Kanada Lebewohl gesagt und fahren auf die sogenannte “Peace Bridge”, die Kanada und die USA über den Niagara River verbindet. Entgegen meines Alptraumes bleibt MANni nicht auf der steilen Rampe mit Spritmangel liegen. War wohl doch eine gute Idee, noch 20l aus einem der Reservekanister nachzufüllen.
Wir sind nicht sicher, ob die kanadischen Behörden von uns noch etwas brauchen bzgl. der Wiederausfuhr unseres Fahrzeuges, aber es gibt auf kanadischer Seite überhaupt keine Grenzkontrolle. Dann ist das wohl so in Ordnung hoffen wir. Am Ende der Brücke gibt es eine Extraspur für Wohnmobile (RV Lane). Super, keiner vor uns, wir kommen direkt dran. Eine freundliche, aber resolute Dame der Zollbehörde fragt uns wo wir zu hause wären und nachdem sie Deutschland gehört hat, ist sie mit ihrer Erfahrung am Ende. Mit dem eigenen Fahrzeug und deutschen Nummernschildern? Hat sie noch nie erlebt. Die EDV streikt, weil sie nicht weiß, wie man Deutschland abkürzt. Sie versucht es mit G, dann mit GE, dann mit einem Kollegen. Der weiß es auch nicht, interessiert sich aber sehr für unser Auto. “Is it a (J)unimog?” Mit der Abkürzung geht es allerdings nicht vorwärts, so werfe ich dezent ein, daß man es doch mit D bzw. DE versuchen sollte. Herrlich, das Gesicht der Grenzerin strahlt, es klappt. Noch eine sehr uninteressierte Frage nach Alkohol und frischem Obst/Gemüse und sie ist froh, uns ans “Emigration Office”, die Einwanderungsbehörde, weiter reichen zu können. Wir parken vor dem Gebäude (2 Grenzer fragen “Is it a (J)unimog?”) und nehmen drinnen Platz bis wir aufgerufen werden. Das dauert vielleicht 30 Minuten, es ist nicht sehr viel los. Wieder eine Dame, die unsere Pässe in der Hand hält.
“Warum haben Sie ein Visum beantragt?” fragt sie uns und nach unserer Erklärung des Halbjahrestrips rufen sie und ihre Kollegen links und rechts von ihr “Das möchten wir auch”. Kurz noch unsere Fingerabdrücke gescannt und mit unserem Visum verglichen und … das war‘s. Als erste Zieladresse (wird immer nachgefragt) geben wir einfach einen Campingplatz auf unserer Route an, reicht. Jetzt ist der Papierkrieg erledigt und wir bekommen eine Menge Insidertips von der Dame, was wir in den USA ansehen sollen. Unter anderem erfahren wir, daß die Freiheitsstatue in New York wieder geöffnet sei. Wir sind begeistert. Daran ändern auch die 12 US$ nichts mehr, die wir für die Bearbeitung zu zahlen haben. Wir haben die Stempel im Paß mit dem Datum der letzten Ausreise: 10. Mai. 2011. Wie? Das war es? Keiner will das Auto sehen, die Versicherungspolice, unseren Kontoauszug? Es gibt auch keine Papiere fürs Auto, nix!
Es ist noch nicht mal 14 Uhr und wir sind unterwegs auf dem Freeway durch Buffalo und überlegen die ganze Zeit, ob die Officers nicht etwas vergessen haben und ob uns das nicht egal sein kann. Das Ganze ging so herrlich einfach.
Weit wollen wir heute nicht mehr. Wir haben nichts Frisches mehr zu essen, kein Bier und keinen Wein und Diesel haben wir auch kaum noch. Also steuern wir den ersten Wal Mart an. Kurz vorher aber gibt es rechts an der Straße noch eine sehr erfreuliche Überraschung. Ein Schild ” ALDI ” steht da und es ist auch Aldi. Schnell hinein und tatsächlich: fast wie bei uns. Die ganze Palette weihnachtlicher Dickmacher. Da sind Nürnberger Lebkuchen, Pfeffernüsse, Spekulatius, Dominosteine, Lübecker Marzipan und sogar Christstollen. Dazu noch echte Haribos und bezahlbare deutsche Schokolade. Wir sind ja nicht gierig, aber wir nehmen alles. (Bis auf den Stollen, man weiß sich ja zu beherrschen!) Schon auf dem Parkplatz ist die Pfeffernußtüte geöffnet und ich starte den ersten erfolgreichen Geschmacksversuch.
Leider gab es nichts, das wie deutsches Brot ausgesehen hätte.
Kurz darauf finden wir eine Tankstelle und sättigen erst einmal MANni. 3,30$ für eine Gallone Diesel (ca. 3,8l), das ist schon um einiges günstiger als in Kanada. Dann in den Wal-Mart. Bier, Butter, Milch – alles gut 20% billiger als weiter im Norden. Das erfreut meine Frau Finanzminister, ihren Fahrer und vor allem das Budget. Sogar frischen Grünkohl erstehen wir!
Ein Gläschen mehr Rotwein als üblich und wir gehen zufriedenst schlafen.
Die nächsten 3 Tage verbringen wir eigentlich nur auf der Straße. Wir wollen nach Boston und das sind ca. 800km nach Osten. Die Interstate ist “toll” was leider nicht heißt, daß sie super wäre, sondern, daß man bezahlen muß. Wollen wir nicht, also nehmen wir den Highway (klingt auch toll, ist aber nur ´ne Landstraße). Die Strecke führt durch hügeliges Farmland, die ganzen 800km! Es gibt demnach kein Bild und auch nichts zu schreiben. Nur eine Sache ist der Erzählung wert: Freunde zu hause gaben uns den Tipp, einen Laden der Kette “Bass Pro” zu besuchen wenn wir ihn sähen. Es ist eigentlich ein Ausrüster für Angelsport. Was sollen wir damit, wir essen Fisch, aber wir fangen ihn nicht. So ungefähr auf halber Strecke kommen wir jedenfalls an einem solchen Laden vorbei. Sieht von außen schon so spannend aus (aufgemacht wie ein riesiges Blockhaus), daß wir auf jeden Fall hinein wollen. Drinnen sind wir dann wirklich sprachlos. Erstmal ist der Laden größer als ein Fußballplatz und hergerichtet! Wow. An jeder Ecke ausgestopfte Wildtiere vom Eichhörnchen bis zum Elch, von der Ente bis zum Grizzly. Ein riesiges Aquarium und als Dekoration überall alte Outfitterutensilien wie Kanus aus Leder, alte Expeditionskisten und so weiter.
Kaufen kann man hier alles was auch nur entfernt mit jagen und fischen zu tun hat. Boote, Quads, natürlich Gewehre und Pistolen, Angeln und jegliches Zubehör. Sogar Plastikenten zum Anlocken. Ein meterlanges Regal voll mit Pfeifen, die alle möglichen Ententöne nachmachen sollen, ebenfalls als Lockmittel.
Aber was macht man, wenn man seinen Lachs gefangen, seinen Elch geschossen hat? Es gibt Grills in jeder Größe, Räucheröfen, Wurstmaschinen, Hamburgerautomaten, ein Set heißt: “Wie mache ich meine Bratwurst unterwegs selbst”. Besonders “beeindruckt” waren wir von sogenannten Ansitzstühlen. Jeder kennt diese Jägerhochsitze in deutschen Wäldern. So etwas gibt es hier in den USA wohl nicht. Die Wälder sind zu groß, so viele Türme kann man ja gar nicht bauen. Also gibt es Sitze, die man in jeder Höhe einfach an einen Baumstamm schnallen kann. Mit Fußbänkchen oder ohne, mit Rundumschutz für den nicht schwindelfreien Hobbyjäger, mit Baldachin für das Jägerweichei, mit Pelz ausgekleidet für den Winter…… Nur eine Frage blieb unbeantwortet. Wir kriegen die Leute das Ding so weit nach oben auf den Baum, daß es auch Sinn macht. Aber vielleicht waren die passenden Mobilkräne auch nur gerade ausverkauft.
Trotz allen Anreizes verlassen wir den Laden Stunden später ohne Einkäufe. Ich konnte mich mit meinem Wunsch nach einem Fleischwolf für den frisch erlegten Grizzly nicht durchsetzen und Martina wollte sowieso nur die unverkäuflichen, ausgestopften Waschbären mitnehmen.
An den Abenden lesen wir viel über Boston und versuchen herauszufinden, wo wir MANni am besten lassen. Das scheint schwierig. Es gibt weder einen offenen Campingplatz noch einen RV-Park in erreichbarer Nähe. Sogar der nächste Wal-Mart ist weit von der Stadt weg. An den Endstationen der U-Bahnlinien darf man nachts nicht stehen. (will man wahrscheinlich auch gar nicht). Die beste Lösung erscheint uns ein großes Einkaufszentrum in der Nähe eines U-Bahnhofes. Auf dem Parkplatz stehen keine Verbotsschilder. Schon mal ein gutes Zeichen aber die Security-Frau zeigt sich unerbittlich. Auf keinen Fall können wir hier stehen. Wir sollen doch direkt nach Boston hineinfahren. Es gäbe genug Parkraum. Nun ja, da haben wir in verschiedenen amerikanischen Wohnmobilforen schon ganz andere Sachen gelesen. Aber es ist gerade mal früher Nachmittag, schnell eine Straße in Down Town Boston aus dem Stadtplan gesucht, ins Navi eingegeben und schon startet die Expedition “MANni und die 7 Unerschrockenen in der großen Stadt” (die Crew zählt in solchen Fällen immer mit, macht mehr her).
Es ist natürlich gerade Feierabend-Rush Hour als wir die Brücke nach Boston überqueren und wir stecken tief im Stau.
Erschwerend kommt hinzu, daß die von uns ausgesuchte Straße in der Fußgängerzone liegt. Gerade kommt mir die Idee, daß das mit MANni und Down Town doch nicht so ganz durchdacht war, da werden wir von hinten von einem riesigen Feuerwehrfahrzeug allein durch den Luftdruck seiner Fanfaren von der Straße gedrückt.
Allerdings, oh Wunder, bin ich wegen des Ausweichmanövers rein zufällig in eine Straße eingebogen die zur Waterfront führt. Und 300 Meter weiter ist ein riesiger Parkplatz. Wir halten bei der Bezahlbude und fragen nach Overnight Parking. Überhaupt kein Problem. 24 Stunden parken kosten allerdings 50$. Wir überlegen nur kurz. Wozu stehen wir, wenn es nichts zu sehen gibt, auf kostenlosen Wal Mart Plätzen, wenn nicht um in solchen Momenten auch mal mehr auszugeben. Und wir sind wirklich mitten in der Stadt.
Es ist erst halb fünf, zu früh, um jetzt schon die Füße hochzulegen, also machen wir uns auf zur ersten Erkundungsrunde Down Town. Die Skyline überrascht durch architektonisch unterschiedlichste Wolkenkratzer. In Toronto und Montreal sahen die alle irgendwie gleich aus. Es beginnt auch schon dunkel zu werden und so hat der Anblick einen ganz besonderen Reiz.
Aber auch in der Stadt ist es viel angenehmer als erwartet. Fast wie in einer Kleinstadt. Kein irrer Verkehrslärm wie in New York oder Paris. Die riesigen Ausfallstraßen liegen unterirdisch! Dazu noch sehr viele kleine alte Häuser aus dem 18ten und 19ten Jahrhundert. Viele Plätze und Parks und in europäischer Menge Kneipen und Pubs die auch noch einen für die USA ungewöhnlich gemütlichen Eindruck machen.
Am nächsten Morgen, das Wetter ist klasse, laufen wir den sogenannten “Freedom trail”. Das ist ein durch eine rote Linie gekennzeichneter Fußweg von ca. 6km Länge quer durch die Bostoner Innenstadt. Er führt an allen wichtigen Orten vorbei, die in irgendeiner Form mit dem Unabhängigkeitskrieg (um 1770) der amerikanischen Kolonien gegen das Mutterland England zusammen hängen. Man sieht das Haus, in dem die Rebellen sich zur Bostoner Tea Party verabredeten, das Gebäude, von dessen Balkon die Unabhängigkeitserklärung verlesen wurde, die Friedhöfe, auf denen die ersten Opfer liegen und der gleichen mehr. Das ganze ist sehr gut aufbereitet und man lernt ein wenig über amerikanische Geschichte. Der Weg endet im Hafen der US Navy, wo das älteste, noch immer in Dienst befindliche Kriegsschiff der Welt zu besichtigen ist, die U.S.S. Constitution aus dem Jahr 1779.
Von dort geht es mit einem kleinen Shuttleboot an der Water Front vorbei zurück in die Innenstadt.
Im Quincy Market, einer pittoresken Markthalle, essen wir New England Clam Chowder, eine Kartoffel/Muschelsuppe, serviert in einem kleinen ausgehöhlten Brot und gönnen uns in einer der zahlreichen Kneipen noch ein Bier. Dabei beschließen wir, unseren Aufenthalt um einen Tag zu verlängern und am nächsten Tag noch eine Radtour durch den Hafen und nach Cambridge zur Havard University zu machen.
“Man at work”. Vielleicht auch etwas für uns, wenn das Geld knapp wird?
Der “Herr Havard” auf dem Campus der Universität.
Auch in Sachen Weihnachtsdekoration hat Boston schon ordentlich aufgerüstet.
Gegen 16:30 Uhr sind wir zurück und machen uns mit MANni auf nach Süden. Unser nächstes Ziel ist Cape Cod und auf dem Weg wollen wir auf einem Wal-Mart Parklatz übernachten.
Der Erste überrascht uns mit dem übergroßen Hinweis: “absolute no overnight parking”. Uups, die nehmen das wohl ernst. Naja, nicht schlimm, 12km weiter nach Süden gibt es den nächsten Wal Mart. Hier gibt es keine Schilder. Wir richten uns ein und wollen gerade anfangen zu kochen als es klopft. 19:30Uhr, da kann man noch aufmachen. Huch, die Polizei ist da. 2 Officer fragen sehr nett, was wir den vorhätten. Die weiblichen Angestellten der kleinen Bank (ebenfalls direkt an dem Parkplatz gelegen) wären etwas nervös geworden als sie MANni gesehen hätten und haben die Polizei gerufen. Wären halt komisch, diese Banker. Leider wollen die Polizisten uns trotz aller Freundlichkeit nicht übernachten lassen. Der nächste Wal Mart in Plymouth, da ginge es. Naja, hoffen wir und machen uns wieder auf den Weg. 25 Minuten später sind wir da. Ein riesiger Parkplatz und leer!
Kein Schild, kein Sheriff, jetzt aber.
Wir haben unsere Ruhe bis gegen 3:30Uhr, als ich davon geweckt werde, wie jemand über ein Funkgerät oder Handy unseren MANni mit einer ziemlichen Lautstärke in allen Einzelheiten beschreibt. “Fat Truck, huge tires, German licence plates, map of the world on both sides…..” Ich hab keine Ahnung, was das wird aber ich wecke mal vorsichtig Martina, damit sie sich nicht erschreckt wenn es gleich klopft. Tut es aber nicht und wir hören wie sich ein Fahrzeug entfernt.
Holt er jetzt Verstärkung oder was? Es schläft sich so leicht nicht mehr ein, zumal plötzlich eine Kehrmaschine aktiv wird. Der ganze Parkplatz wird gesäubert. Das dauert gefühlte Stunden. Am Morgen sind wir beide überzeugt, nicht mehr eingeschlafen zu sein und sind sicher, daß der jeweilig Andere die ganze Zeit geschnarcht hat. Geht das? Einen Strafzettel haben wir jedenfalls nicht erhalten.
Wir machen uns auf den Weg nach Cape Cod, halten aber noch einmal in Plymouth an der Waterfront. Hier ist die Stelle (Plymouth Rock) an der 1620 die Pilgrim fathers mit der Mayflower anlandeten zum Denkmal für die ganzen USA ausgebaut worden. Ein originalgetreuer Nachbau der Mayflower liegt am Landesteg. Es ist schon erstaunlich, oder besser gesagt erschreckend, wie klein dieses Schiff ist. Und damit sind die ersten Siedler über den Atlantik gesegelt. Mit Frauen, Kindern, Pferden, Kühen, Ziegen, Schafen und weiß der Himmel was man noch braucht um eine Siedlung zu gründen. Die Wochen auf See müssen furchtbar gewesen sein.
Wir fahren weiter nach Cape Cod. Dies ist eine sandige über 100km lange Halbinsel im Atlantik südlich von Boston. Der amerikanische Präsident hat hier einen seiner Sommersitze und überhaupt scheint hier im Sommer eine Menge los zu sein. Jetzt ist es fast ausgestorben. Schön, hat aber auch Nachteile. Alle Campingplätze sind geschlossen und wir müssen langsam mal wieder Frischwasser tanken. Es gibt hier auch keinen Wal Mart, wo stellen wir uns also hin. Die Parkplätze an den verlassenen Stränden sehen zwar verlockend aus, jedoch überall Verbotsschilder. Wir fahren zur “Chamber of Commerce”, soetwas wie die Industrie- und Handelskammer. Die ersetzen in den Wintermonaten die geschlossene Touristen Info. Die drei dort arbeitenden Damen sind sofort völlig aus dem Häuschen und telefonieren wie wild. Aber es bleibt dabei, die Campingplätze sind geschlossen. Die Damen geben nicht auf und so haben wir nach 30 Minuten einen kostenlosen Stellplatz auf dem Parkplatz eines Motels.
Die Leute des Motels sind wirklich supernett, so beschließen wir, zumindest unser Frühstück dort einzunehmen. Hat ja auch mal etwas von Urlaub sich morgens an einen gedeckten Tisch zu setzen. Schinken und Rührei, Toast und “Coffee bottomless”, also Kaffee soviel man möchte. Herrlich!
Glücklicherweise hat der Ort auch eine Kläranlage, bei der wir MANni um seine Abwässer erleichtern dürfen. Und nach einem notleidenden Blick Martinas rollt ein Mitarbeiter sogar noch einen Trinkwasserschlauch aus der Halle und wir sind mal wieder für lange Zeit “entsorgt”.
Wir fahren zum Parkplatz in Strandnähe um bei kalten aber schönen Wetter eine längere “Beach” Wanderung zu machen. Dabei stellen wir fest, daß hier ab und zu Autos über den Sand fahren.
Auf dem Rückweg kommt ein Wagen der “Strandaufsicht” vorbei. Ich halte ihn an und frage den Ranger, ob wir auf dem Parkplatz übernachten dürfen. Leider dürfen wir nicht, aus reiner Neugier frage ich aber noch, ob wir denn auch auf den Strand fahren dürfen. Ja, daß dürfen wir, wenn wir ein Allradfahrzeug und ein festgelegtes Sortiment an Bergehilfen haben. Kostet einmalig 50$ für den ganzen Winter und, ach ja, das habe er fast vergessen, dann dürfen wir auch auf dem Strand übernachten, kostenlos.
Wenn das so ist, wollen wir natürlich. Erst fahren wir aber nach unserem Plan an die Spitze von Cape Cod, noch einmal ca. 80km nach Nordosten und umrunden die Landzunge zu Fuß. Eine herrliche Wanderung völlig alleine, die Landschaft schwankt zwischen holländischer Nordseeküste und der Insel Sylt.
Nach Lebensmitteleinkauf, oh Wunder, deutsches Schwarzbrot und Rosenkohl am Stück
sind wir am nächsten Morgen zurück am Anmeldehäuschen, um unser Strandfahr-Permit zu erlangen. Jetzt ist ein anderer Ranger da, der nimmt es sehr genau. Alles läßt er sich zeigen, Schaufel, Abschleppseil, Sandbleche, Wagenheber, Gerät zum Reifendruck ablassen und die Abwassertanks. Dann ist er zufrieden und der Papierkrieg beginnt. Aber auch das geht vorüber und um 12:00Uhr haben wir unser Permit. Ich lasse den Reifendruck auf 2,5bar ab (vorgeschrieben sind noch viel weniger, aber sie benutzen hier auch nur leichte Jeeps) und schalte die Differentialsperren ein.
Es dauert aber nur ein paar hundert Meter, und ich muß erkennen, daß zwischen 2 Tonnen Jeep und 8 Tonnen MANni wohl doch ein gewaltiger Unterschied ist. Die Fahrerei macht alles andere als Spaß. Ich arbeite am Lenkrad wie noch nie zuvor und aus den vorhandenen Spurrillen herauszukommen erweist sich als fast unmöglich. Außerdem müssen wir parallel zum Dünenhang fahren und haben ständig das Gefühl bald umzukippen. Super, das hatte ich mir anders vorgestellt, aber die Gelegenheit ist schließlich günstig, um Fahren im Sand zu üben. Wir lassen den Druck also noch weiter auf 1,9 bar ab und fahren nur noch im ersten Gang. Jetzt wird es langsam besser. Wir (MANni und ich) bekommen etwas Routine und Gefühl, auch ein bißchen Spaß stellt sich ein. Jetzt noch eine Stelle über der Flutlinie suchen die auch noch einigermaßen gerade ist. Nicht so einfach, aber da kommt Strandgut zur Hilfe, ein ca. 4 m langer Balken liegt am Stand. Genau richtig, um ihn unter die talwärts zeigenden Räder zu legen.
Gesagt, getan und wir stehen tatsächlich gerade.
Wir genießen einen sehr einsamen Abend und eine ruhige Nacht. Jedenfalls ab 24:00Uhr, dann ist Fluthöchststand. Ca. 1m von MANni entfernt hält das Wasser an und Martina ist beruhigt, daß wir nicht wegschwimmen. Den ganzen nächsten Tag verbringen wir wandernd am Strand und in den Dünen und bleiben für eine weitere Nacht.
Am Morgen wird es allerdings recht stürmisch und die geplante dritte Nacht am Strand fällt damit wörtlich ins Wasser, denn die Flut steigt so hoch, daß vor den Dünen kein trockenes Plätzchen mehr bleibt. In weiser Voraussicht haben wir uns allerdings schon weit vor der Flut vom Strand gemacht und verbringen die Nacht wie so oft auf einem Kaufhausparkplatz. Am nächsten Tag, “Thanks Giving” der 25. November, ist der Wind wieder abgeflaut und wir fahren zurück an den Strand. Leider ist unsere “Strandgutrampe” ein Opfer des Sturms geworden und einfach nicht mehr da. So sehr wir uns auch bemühen, wir finden keinen Platz, der zum Übernachten gerade genug ist und oberhalb der Flutlinie liegt. Pech, aber ich habe noch einmal Fahren in tiefem Sand geübt. Wir übernachten, mal was neues, auf einem Wal-Mart Parkplatz im Süden der Halbinsel. Es ist völlig still und leer, denn an Thanks Giving sind alle Geschäfte geschlossen. Ab 23:30Uhr beginnt allerdings ein hektisches Gefahre und Gerenne auf dem Parkplatz. Um 24 Uhr hat sich am Wal-Mart Eingang eine große Schlange gebildet. Meine Neugier treibt mich nach draußen. Jetzt will ich wissen was hier los ist. Ich spreche eine Dame ganz vorn in der Schlange an. “A big sale” sagt sie und ihre Nachbarin verbessert sie: “Not a big sale, THE big sale”. Aha! Ich bin nicht viel schlauer, aber ein Blick auf einen kleinen Zettel auf der Eingangstür klärt mich endgültig auf. Sonderverkauf ab 4:00 Uhr morgens! Was? Die Leute stehen Ende November über 4 Stunden in der Nacht vor dem Wal-Mart wegen eines Sonderverkaufs? Da muß es ja wohl Riesenrabatte geben. Zurück in MANni überlegen wir was wir wohl noch brauchen könnten, aber das Auto ist voll und so können wir beruhigt schlafen gehen.
Am nächsten Tag machen wir noch eine kleine Wanderung um eine sehr schöne Bucht und verlassen Cape Cod in Richtung Rhode Island.
Dies ist der kleinste Bundesstaat der USA. Wir sind eigentlich nur auf der Durchreise nach New York City. Martina hat beim RV-Park in New Jersey angerufen und der ist erfreulicher Weise offen und hat reichlich Platz. Wir brauchen nicht zu reservieren. Dieser RV Park liegt direkt am Hudson River, genau gegenüber von Manhattan und eine Personenfähre gibt es auch. Ist also optimal für uns. “Christmas shopping in Big Apple”. Juchuh, wir werden zwar nichts kaufen, aber wir stehen auf Weihnachtsdeko, und schöner als hier ist die wohl nirgendwo.
Aber erst einmal sind wir in Rhode Island und erreichen Newport. Dieser kleine Küstenort ist durch die Sommerhäuschen berühmt geworden, die sich die überreichen Familien wie die Astors, die Vanderbilts oder die Belmonts hier um 1900 haben bauen lassen. Wir machen einen schönen Spaziergang und schauen uns ein paar dieser “Cottages” an.
Was sind wir froh, nicht so beengt wohnen zu müssen! Glücklich übernachten wir bei einem großen Wohnmobilhändler in der Nähe von Providence. Der hat vor seinem Gelände ein paar Stellplätze für RVs eingerichtet. Sogar Steckdosen gibt es für die Durchreisenden. Am Morgen machen wir uns auf den Weg nach New York. Dank unseres Navigationssystems wird es nicht ganz so furchtbar wie wir befürchteten und noch vor der Dämmerung stehen wir in New Jersey am Liberty Harbor, haben uns ein Plätzchen ausgesucht, Strom angedockt und die Leiter ist draußen. New York kann kommen oder besser: New York, wir kommen!
Direkt vom Wohnmobilstellplatz fährt das “Water Taxi” ab. Ein Hochgeschwindigkeitsboot, daß uns in unter 10 Minuten zum Pier 11 down town zur Wall Street bringt.
Das letzte Boot zurück fährt um 21:40 Uhr, wir haben viel, viel Zeit um alles Sehenswerte in der Unterstadt in Ruhe anzuschauen. Dazu gehört natürlich die Großbaustelle am Ground Zero, der Financial District mit New York Stock Exchange und Wall Street, der Battery Park an der Südspitze von Manhattan, die Triniti Church, St. Pauls Chapel und nicht zuletzt die Brooklyn Bridge.
Nach Einbruch der Dunkelheit laufen wir den Broadway noch eine oder zwei Meilen nach Norden und genießen das hektische Treiben und die schöne Weihnachtsdekoration.
Zu unserer Überraschung finden wir am Union Square einen kleinen Weihnachtsmarkt. Sofort fällt uns an einem kleinen Stand die deutsche Flagge auf und der Schriftzug “There is a little German in everyone”.
Hier gibt es die gesamte deutsche “Weihnachtsschweinkram-Palette”. Sogar heißer Glühwein (wenn auch ohne Alkohol) wird angeboten. Wir kommen natürlich ins Gespräch. Maria ist Deutsche und im Winter betreibt sie mit Freund Ingo mehrere Stände auf den beiden Weihnachtsmärkten in Manhattan. Und den Rest des Jahres? Ja, da fahren sie mit ihrem Toyota Landcruiser durch die Lande. Im letzten Jahr von Ushuaia auf Feuerland, Argentinien, durch ganz Südamerika bis nach Mexiko. Dort steht das Auto jetzt über die Weihnachtszeit und dann geht es weiter nach Norden. So schnell haben wir noch nie E-mail Adressen ausgetauscht. Die beiden haben das gemacht, was noch vor uns liegt und haben sicher noch viele Tips für uns. Wir versprechen, in den nächsten Tagen noch auf dem zweiten Weihnachtsmarkt an der 59sten Straße vorbeizuschauen. Dort können wir auch Ingo kennen lernen und eine deutsche Bratwurst essen.
Nach einem leckeren “Beer on Tap”, Bier vom Faß, am Pier 17 besteigen wir wieder das “Rennboot” und sind ein paar Minuten später zu Hause. Unfaßbar, wir sitzen in MANni, sehen die voll beleuchteten Down Town Skycraper und auch “Miss Liberty”, die Freiheitsstatue schaut durch unser Küchenfenster.
Schöner hätte der November nicht enden können.























































