‚We burned a lot of gas‘, wie die Amerikaner sagen. In den vergangenen 4 Tagen sind wir 1200km bis Marathon in Texas gefahren. Die letzten Abschnitte auf dem Highway 90 waren kurzweilig. Wir halten nach Winnetou und Pferd Iltschi Ausschau, denn es ist das ehemalige Gebiet der Apachen und Comanchen.
Wirklich sehen wir nur diese Tiere:
Unterwegs stoppt uns die Immigration Station, Paß- und Rauschgiftkontrolle. Die Grenze zu Mexiko ist nah und ungesichert. Wir zeigen unsere Pässe, der Rauschgifthund schnüffelt kurz und wir dürfen weiter fahren.
In Marathon halten wir an der Visitor Information, bestehend aus lediglich einem Unterstand mit Prospekten. Während wir noch überlegen was tun, kommt eine flotte junge Frau auf einem Geländemotorrad. Sie ruft ihren Mann an, er solle kommen, Deutsche mit einem interessanten Truck. Sie zieht den Helm ab, stellt sich als Mary vor und hat doch eher unser Alter. Ihr Ehemann Neil kommt, wir sprechen kurz. Übernachten, ja im Post Park, dort kommen selten Menschen hin, 5 Meilen hinter Marathon. Neil telefoniert mit Sheriff und Co, sie werden informiert, daß ein deutscher Truck im Park über Nacht steht. Mary zeigt uns den Weg, herrlich einsam, mal sehen ob es funktioniert. Tatsächlich stört uns niemand. Gastfreundschaft in den USA.
Am nächsten Morgen ist es kalt geworden und die Vorhersagen sind weiter schlecht. Wir beschließen trotzdem in den Big Bend NP zu fahren. Er ist nach der großen Schleife die der Rio Grande hier macht benannt und der Fluß ist die Grenze zu Mexico. Laut einer Indianerlegende nahm der Große Geist, nachdem er die Welt erschaffen hatte, alle übriggebliebenen Felsbrocken und warf sie auf den Big Bend, daher die Berge.
Wegen der Sommerhitze wird dieses Gebiet auch Teufelsspielplatz genannt, im Juli wird es über 40C° heiß. Zu diesem Zeitpunkt denken wir noch, gut daß wir Winter haben. In Panther Junction angekommen gehen wir zum Ranger Headquarter und holen uns ein Permit für 14 Tage “back country camping”, d.h. wir dürfen auf gekennzeichneten Plätzen stehen, es gibt aber nichts, kein Wasser, keine Mülleimer usw.. Uns egal, wir sind autark. Allerdings müssen im Voraus die Plätze festlegt werden auf denen wir übernachten möchten. Schnell schauen wir uns eine Route aus und geben der Rangerin unseren Plan. Etwas umständlich wird alles handschriftlich in eine Liste eingetragen und es gibt ein handschriftliches Permit mit Zeitplan für uns. Wir hinterlassen eine Nachricht für Olaf und Simone wo wir sind. Über eine wirkliche “Back Country Road” geht es auf unseren 1. ausgesuchten Platz “Pine Canyon Nr. 5″ mit großartiger Aussicht auf die Chisos Mountains. MANni hat die ersten wirklichen Charakterkratzer bekommen, riesige Kakteen ragen in die Straße. Unser “Sundowner” hier oben ist bereits ein Glühwein (Import von Aldi, Florida) und wir sind in dicke Decken gehüllt.
Über Nacht fällt das Thermometer auf – 10C°. Am Morgen leichter Schnee und eisiger Wind, die Temperatur ändert sich nicht. Heute entfällt die Wandertour. In der nächsten Nacht haben wir sogar -13C° und morgens etwas Schnee, in der Chihuahua Wüste! Es waren zwei gemütlich faule Tage, wir haben kein Auto und keinen Menschen gesehen!
Am dritten Morgen Sonne und nur noch –6C°, heute gehen wir endlich in den Canyon wandern. Widersprüchliche Landschaft begegnet uns, Wüste und Wald.
Wir fahren zum nächsten gebuchten Camp, Twisted Shoe. Nach übler Piste, 1 Stunde für 8km und weitere Kratzer für MANni ist der Ausblick wieder grandios. Am nächsten Morgen wandern wir zum Juniper Canyon. Der Weg ist eher langweilig und wir drehen nach 2 Stunden bergauf um.
Gerade haben wir die Wanderschuhe ausgezogen hört Lothar einen Motor. Die Haupt Gravel Road ist weit weg, von dort kann das Geräusch nicht kommen. Während wir uns noch wundern, sehen wir wie die “dicke Maggie” sich durch das Gelände wühlt. Die Pattis kommen!
Wir freuen uns sehr und verbringen den Abend frierend und erzählend draußen mit Grillen und ein paar Bier. Leider sind hier Lagerfeuer verboten, irgendwie verständlich, nur schön warm wäre es gewesen.
Am nächsten Tag ist es warm und wir genießen den Tag in der Sonne sitzend, die Männer basteln hier und da. Abends wieder grillen und ein paar gemütliche Stunden in der “Maggie”. Am nächsten Morgen heißt es Abschied nehmen, “Maggie” fährt vor. Praktisch, wenn sie schaukelt wissen wir, hier wird es besonders “rough”.
Nach ein paar Meilen trennen sich unsere Wege, wir fahren nach Westen, Olaf, Simone und Paco nach Osten. Unser nächster Platz ist in der Nähe der alten Quecksilber Mine Mariscal. Sie wurde 1943 endgültig geschlossen.
Spannend finde ich allerdings nur die gigantische Aussicht.
Weiter zum Rio Grande, Trockenzeit, so “grande” ist er im Augenblick nicht.
Abends liegt die Mondsichel mal wieder quer, für uns immer noch ein ungewohntes Bild.
Außerdem sehen wir den Großen Wagen auf dem Kopf stehen und eine sehr klare “Milky Way”.
Am nächsten Tag sind die Temperaturen wieder deutlich gefallen. Wir fahren weiter und sehen in der Ferne ein STOP Schild, ungewohnt nach so vielen Tagen “back country”. Wir haben in den 7 Tagen keine 10 Autos gezählt sind ca. 120km offroad gefahren. Getroffen haben wir nur Simone und Olaf!
Selbst Tiere waren fast nicht zu gegen. Die Kojoten haben wir nur jaulen gehört.
Gesehen haben wir Paco J
sowie einen “Road Runner” der seinem Namen alle Ehre machte und wie der Blitz verschwand.
Unser letzter primitive Camping heißt Ocotillo Grove. Am nächsten Morgen wollen wir in den Santa Elena Canyon wandern. Eine kurze aber sehr beeindruckende Wanderung.
Ein Roadrunner hat sich offensichtlich verirrt, so bekommen wir aber doch noch ein Exemplar vor die Kamera.
Zurück auf dem Parkplatz spricht uns ein Schwede auf MANni an. Wir erzählen kurz und bei der Verabschiedung sagt er, er wäre der Autotester der damals beim Elchtest die Mercedes A Klasse umgeworfen hat. Ob es stimmt? Warum nicht, danach geht er wandern und wir fahren weiter.
Wir übernachten noch einmal auf Ocotillo Grove. Heute stehen wir zum Sonnenaufgang auf, einmal muß es sein und die Temperaturen sind nur knapp unter 0C°. Eine wunderschöne Stimmung in der Wüste.
So sind wir früh unterwegs und fahren weiter auf der spannenden 170 am Rio Grande entlang. Weite Ausblicke und eine Mondlandschaft begeistern uns.
Leider wird ein Problem mit MANni immer deutlicher. Haben wir noch vor ein paar Tagen gedacht nur die Rückholfeder am Kupplungspedal sei verdreckt (wir, o.k. Lothar hat sie gesäubert und gefettet) stellt sich leider heraus, das war es nicht. MANni läßt sich immer schlechter kuppeln und wir sind noch weit im Nirgendwo in Texas. Im Davis Mountain State Park übernachten wir, Lothar sieht sich die Bescherung an. Der Kupplungnehmerzylinder, wie ich gelernt habe, verliert Öl, undicht. Wir sind nicht sicher ob wir noch bis zur nächsten Stadt kommen und beschließen in Fort Davis, ein Dorf mit 900 Seelen zu bleiben. Nach Verhandlung mieten wir uns günstig eine Woche auf dem nicht sehr schönen aber mitten im Dorf gelegenen Camping mit Internet ein. So haben wir immerhin einen Lebensmittelladen, eine Post und ein paar sehenswerte alte Gebäude.
Schnell schreiben wir ein Fax an MAN Düsseldorf mit den Ersatzteilnummern, wir bestellen vorsichtshalber auch neue Bremsbelege mit, und können es im Lebensmittelladen für 1$ versenden.
Was danach passiert hier nur in Kurzform:
Montag morgen rufen wir bei MAN Düsseldorf an. Das Fax ging nach München und von dort weiter an eine Tochtergesellschaft in Florida. Ab jetzt begann die Wartezeit. Erst am Mittwoch ging die Bestellung wieder nach München, die Teile sollen 5 Tage bis Florida (sündhaft teurer Express) und per overnight flight dann zu uns nach Texas kommen, ebenfalls teuer. Bezahlen ist im Land der unbegrenzten Möglichkeiten hier im Dorf nicht machbar. Überweisen geht nicht, kein Konto bei der Bank. Per “wire transfer” ginge es im Lebensmittelladen aber wir müssen bar einzahlen. Die ATM Maschine will uns aber nur 100$ am Tag spendieren, damit kommen wir nicht weit. Zum Glück hilft unsere Bank in Düsseldorf. Gefrustet sitzen wir auf dem Camping, da sehen wir einen “Reisebus” vorbeifahren und im letzten Augenblick das Schild Bocklet. Das ist der Hersteller auch unserer Wohnkabine. Schnell sind wir aufgesprungen, es sind Hiltrud und Helmut, sie haben von Bocklet aus Deutschland ein Ersatzteil für unsere Dachhaube mitgebracht. Wir wußten dank Internet daß sie in der Nähe sind, aber sie kamen zum richtigen Zeitpunkt um uns aufzumuntern. 2 schöne Tage vergingen mit viel Erzählen, Infos austauschen, gemeinsamen Abendessen inkl. Campingchef und beim Dorf Mexikaner mit leckeren Fajitas. Die Zwei haben die Panamericana in Südamerika bereits gefahren. Wir waren mehr als dankbar für die Ablenkung.
Nachdem die Beiden abgereist sind, sitzen wir abends in MANni als es um 21:30 Uhr klopft. Da stehen Simone, Olaf und Paco, die Pattis, vor der Tür. Wir freuen uns sehr. Im Dorf weiß man natürlich daß “Germans” hier sind und wo. Wieder verbringen wir eine schöne Zeit zusammen und gehen noch einmal zum Dorf Mexikaner Fajitas essen.
Am nächsten Morgen fahren die Drei weiter. Unsere Route ist sehr ähnlich, mal sehen wann wir uns wieder treffen.
Am Sonntag gehen wir dann das eigentliche Fort Davis besichtigen. Fort Davis wurde 1854 gegründet. Hier kreuzten sich der berühmte “Chinchilla-Trail” und die “Butterfield Overland Main Road”. Das Fort diente zum Schutz der Postkutschen, Pioniere, Goldsucher und wer immer sich auf dem ca. 1000km langen Trail durch die Wildnis zwischen San Antonio und El Paso befand. Nach dem Bürgerkrieg waren die “Black Buffalo Soldiers” dort stationiert, die großenteils vor dem Krieg Sklaven waren. Bis 1891 war das Fort aktiv.
Die weiteren Tage vergehen mit Warten, Wäsche waschen und einer kurzen Wanderung oberhalb von Fort Davis.
Am Mittwoch warten wir gespannt auf unser “Päckchen”. Um 12:30 Uhr fährt UPS auf den Camping, das kann nur für uns sein. Glücklich nehmen wir das weit gereiste Stück in Empfang. Lothar packt alles aus. Der Zylinder ist richtig und innerhalb einer Stunde eingebaut, die Kupplung entlüftet und alles ist wie vor 1 ½ Wochen. Weg hier! Überglücklich fahren wir weiter bis Pecos. Wir kaufen ein und lernen bei dem Versuch eßbares Brot und guten Käse zu finden Hugh kennen. Er gibt uns ein paar Tips zum Käse und lädt uns kurz entschlossen in seinen privaten Countryclub ein. Nicht weit und wir können vor der Tür übernachten. Das Angebot lehnen wir selbstverständlich nicht ab. Wir lernen seine Frau Gail und einige wohlhabende Bänker und Ranchbesitzer kennen. Hugh lädt uns zu Bier, Wein und Steak ein. Es war ein schöner Abend und die Texaner hatten ihren Spaß mit uns zwei verrückten Deutschen.
Am nächsten Morgen haben wir eine email von den Pattis, die Dicke Maggie hat die selbe Krankheit wie MANni, defekter Kupplungszylinder. Wir haben zwar Maggie und MANni im Big Bend nicht aus den Augen gelassen, aber irgend etwas muß vorgefallen sein, wie kommen sie sonst an die gleiche Krankheit J .
Die Pattis sind in Carlsbad, New Mexico, das liegt an unserer Route. Vorbei geht es an riesigen Ölfeldern und vielen Förderpumpen.
Am frühen nachmittag kommen wir in Carlsbad an und räumen unsere Einkäufe ein, da steht ein Paketbote aufgeregt neben Lothar. Schon das zweite Auto heute aus Germany, das andere stände in der Werkstatt mit Kupplungsproblemen. Das kann nur die Maggie sein, ein Bild auf seinem Handy bestätigt es. Schnell packen wir ein und fahren zur Werkstatt. Tatsächlich, da sind sie! Lachend über so viele Zufälle beschließen wir, wenn die Maggie wieder flott ist, hier zusammen zu übernachten.
Maggie ist tatsächlich mit den reparierten Zylindern wieder auf dem Weg, während MANni gleich einen neuen haben wollte. So oder so, alle sind froh und wir haben viel Spaß auf unserem Stellplatz am Pecos River.
Am nächsten Morgen fahren wir weiter, verabreden uns aber mit den Pattis in White Sands. 5 Stunden fahren wir durch mehr als abwechslungsreiche Landschaft. Wüste und auf fast 3000 Meter Höhe Wald mit Schnee.
Kurz vor White Sands biegen wir in eine kleine Straße ein. Tip von anderen Reisenden. Tatsächlich steht hier ein kleines Schild “Camping” im Nichts. Wir genießen einmal mehr einen Sonnenuntergang als es an der Eingangstür poltert.
Weil wieder nahe an der Grenze zu Mexiko stand an der Einfahrt ein Schild, verdächtige Personen seien sofort zu melden. Lothar sieht vorsichtig aus dem Fenster. Zwei Soldaten von der nahen US Air Force Base stehen vor der Türe und wollen nur fragen ob bei uns alles in Ordnung sei und uns eine Telefonnummer für den Notfall geben. Dafür hätten sie auch weniger rabiat anklopfen können. Morgen kommt wieder eine Kontrolle, uns soll es recht sein, wir sind vorbereitet.
Das White Sands National Monument liegt in etwa 1200 Metern Höhe. Die schneeweiße Landschaft besteht komplett aus Gips und ist in etwa 10.000 Jahren entstanden.
Abends treffen wir die Pattis wieder, grillen und sitzen bis 24:00 Uhr Draußen.
Am nächsten Morgen weckt uns ein heftiger Sandsturm. Olaf und Lothar wollten eigentlich die Reifen an MANni wechseln, daraus wird heute nichts. Es ist eiskalt und es fallen Schneegriesel. Der nächste Morgen entschädigt mit strahlend blauem Himmel, kein Wind. Früh stehen wir auf und fahren noch einmal zu den White Sands. Wir laufen den Alkali Trail, 7,5km durch weißen Sand, niemand war heute vor uns hier. Es ist anstrengend aber nach 2 Stunden sind wir ohne Sonnenbrand oder verdurstet zu sein wieder bei MANni.
Nachmittags machen wir uns an die Arbeit. Die Reserveräder können Lothar und ich dank Flaschenzug alleine herunterlassen, Hebekissen pumpen MANni auf, schnell sind dank ein paar Tips von Olaf die Räder gewechselt. Danach machen sich die Männer ans Werk und drehen die Mäntel der demontierten Vorderräder um. Auf den Reserveradhalter bekommen Lothar und ich die Räder allerdings nicht mehr (zu schwer), da müssen wir uns für die Zukunft etwas Neues ausdenken, Olaf ist ja nicht immer dabei.
Zufrieden werfen wir den Grill an da kommt eine französische Familie mit zwei Kindern und einem großen MAN auf unseren Platz gefahren. Sie sind seid 2003 unterwegs in Asien, Afrika, Südamerika und Nordamerika. Unser Platz ist damit überbelegt.
Fazit des Monats: Lasse nie einen MANni mit einer Maggie allein.
Reiseroute:
























































