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Dezember 2011

Veröffentlicht in Dezember 2011 am Januar 2, 2012 von crossamerika

Ich, Martina, gewinne beim knobeln und darf das erste Türchen des Adventskalenders öffnen.

Danach beginnt wieder der Ernst, wir müssen das Leck im Boiler suchen. Wir klemmen ihn an die Wasserleitung und geben Druck drauf.

Sehr schnell zeigt sich die unserer Meinung nach viel zu dünne Schweißnaht und es kommen kleine Fontänen heraus.

Somit ist die Arbeit für heute getan und wir haben frei und bummeln noch einmal durch Port Townsend. Abends senden wir ein e-mail an Cory, o.k. wir können morgen nachmittag kommen.

Kurz nach mittag stehen wir bei Cory in der Werkshalle. Schicke Aluminiumboote werden hier gefertigt.

Er sieht sich den Boiler an, übergibt ihn einem Mitarbeiter. Während der Kessel in Arbeit ist führt uns Cory durch seine Firma, sehr beeindruckend. Der Mitarbeiter gibt sein Bestes, doch leider ist dem Boiler nicht zu helfen.

So bleiben uns die Kanister erhalten statt in den Müll zu wandern. Wir werden mit der Herstellerfirma in Deutschland Kontakt aufnehmen, denn das Gerät ist eigentlich noch in der Garantiezeit.

Am nächsten Morgen strahlender Sonnenschein, wir fahren noch einmal auf die Hurricane Ridge. Oben angekommen sehen wir, daß unser Plan, den wunderschönen Wanderweg noch einmal zu laufen, scheitert. Hier hat es richtig geschneit und viele fahren schon Snowboard oder wandern gut bestückt mit Schneeschuhen. Wir stapfen durch den Schnee und genießen den Ausblick.

Erst spät fällt uns ein, wir haben doch in Neufundland Schneeschuhe geschenkt bekommen. Aber leider haben wir uns nie darum gekümmert wie sie an unsere Schuhe zu befestigen sind. Schade, so wird aus der Wanderung nicht viel und wir sitzen faul über den Wolken bis zum Sonnenuntergang.

Der Wetterbericht hat für eine Woche gute Nachrichten. Wir fahren noch einmal zum Kalaloch Beach im Olympic National Park. Hier hat es im vergangenen Monat zu viel geregnet. Drei Tage machen wir Strandspaziergänge und richten dies und das in MANni.

Es gibt wunderschöne Bewohner in allen Farben und Größen.

Oft können wir uns erst spät von ihnen lösen und sind bis es dunkel ist am Strand.

Seattle ruft, wir möchten die Weihnachtsdekoration sehen. Vorher machen wir einen weiteren Abstecher in die Hauptstadt Olympia. Im Parlament wurde letzten Monat gerade der Weihnachtsbaum aufgebaut, diesen möchten wir uns ansehen. Wieder kommen wir ohne jegliche Kontrolle in das Gebäude.

Naja, etwas größer hatten wir ihn uns schon vorgestellt, aber schön ist er trotzdem. Nur das Ein- und Ausschalten erscheint uns ein wenig unprofessionell:

Spät am Freitag nachmittag kommen wir in Seattle an. Wir haben die Erfahrung gemacht, daß amerikanische Großstädte am Wochenende verkehrsarm und Parkplätze gut zu finden sind. Auch diesmal haben wir Glück. Direkt unterhalb des bekannten Pike Place Market finden wir einen Parkplatz. 30 $ für 24 Stunden mitten in Seattle, super. Leider haben wir den fast direkt über uns verlaufenden Freeway 99 nicht bedacht. Hier allerdings ist die ganze Nacht Verkehr und somit ist es laut. Egal, ist die Nacht eben etwas kürzer, “schlaflos in Seattle”.

Wir beginnen an der Waterfront und laufen im Pioneer Square District zum Smith Tower von dem man eine schöne Aussicht haben soll. Heute leider wegen einer privaten Veranstaltung geschlossen. Das Wetter läßt sowieso zu wünschen übrig also gehen wir zurück zu den Pike Place Markthallen.

Es gibt fast alles hier, Gemüse, Fisch, Antikes und viele Kuriositäten.

Man beachte das Preisschild für den Rosenkohl…..

Auch die lebende Tierwelt ist besonders:

Rosa lackierte Krallen

Spanner in der Damentoilette

Die Motorrad fahrende Damenwelt gibt sich selbstbewußt:

Danach fahren wir mit der Monorail (Einschienbahn), ein 2,5 km langes Nahverkehrsexperiment, zur Space Needle.

Beides wurde im Rahmen der Weltausstellung 1962 gebaut. In wenigen Sekunden geht es mit einem Außenaufzug auf 184m Höhe. Wir haben einen guten Blick auf die Skyline, bleiben bis es dunkel wird und trinken gemütlich ein Bierchen. Das Warten hat sich gelohnt.

Auf dem Weg nach oben fotografiert uns der übliche “Hausknipser”. Aber Neuzeit, das Bild gibt es über e-mail kostenlos:

Besonders schön wirkt die “Needle” von unten:

Zurück nach Down Town. Leider gibt es keine so richtig schöne Weihnachtsdekoration wie wir es uns erhofft hatten. Vielleicht sind wir auch von New York im vergangenen Jahr zu verwöhnt, vielleicht liegt es auch ganz einfach an der nicht so rosigen Wirtschaftssituation in den USA. Jedenfalls sind wir schneller als erwartet wieder an der Waterfront und essen genüßlich “Fish & Chips”. Wir bleiben eine weitere laute Nacht und fahren am nächsten Morgen auf den Capitol Hill. Ein Aussichtspunkt bietet einen schönen Blick auf die Seattle Skyline.

Wir sind in und um Seattle eher fertig als gedacht, das Aquarium besuchen wir nicht, nächstes Jahr wartet das Monterey Aquarium, von dem wir uns selbst schon einmal überzeugen konnten wie grandios es ist.

Aber Lothar hat Geburtstag und wir haben uns die Boeing Factory Tour für diesen Tag aufgehoben. Wir buchen im “Future of Flight Center” eine 1 ½ stündige Tour durch das Gelände und die Fabrikationshallen des Werkes. In der größten Halle der Welt (ca. 15,5 Millionen m3 groß) stehen viertel, halbe oder sogar ganze Jumbo Jets und auch die neuen DreamLiner Carbonflugzeuge 787 werden hier drin endmontiert. Riesige Rolltore entlassen die fertigen Flieger in die Freiheit. Beeindruckende 1 ½ Stunden. Leider können wir Lothar zum Geburtstag keine Boeing kaufen, keine Ahnung wohin damit J .

Wir entscheiden uns noch einmal nach Port Townsend zu fahren und uns in der Marina für ein paar Tage einzumieten. Stellplatz mit “Seeblick” und relativ gutes Internet, so können wir alle Weihnachtsgrüße versenden.

Außerdem bietet das Städtchen alte viktorianische Gebäude und nette Läden wie schon im Oktober berichtet.

Bei gutem Wetter spazieren wir am Puget Sound entlang und sehen häufig Robben und manchmal Seeotter im Wasser.

Hier finden wir auch den größten Seestern den wir je gesehen haben, allerdings ziemlich tot.

Am letzten Morgen wollte Familie Otter sich netter weise persönlich von uns verabschieden.

Nach einem weiteren Tag im Regenwald

fahren wir über Weihnachten zum drittenmal an den schönen Kalaloch Beach.

 

Am ersten Feiertag beobachten wir von MANni aus diesen gefräßigen Seeadler. Es ist ein großer toter Fisch angeschwemmt worden.

 

 

Das ist alles was er und ein paar gierige Möwen übergelassen haben:

 

 

Drei Tage regnet es ununterbrochen, kein Wunder auch dieser schöne Strand liegt direkt am Regenwald. Wir nutzen die Zeit und räumen mit Meerblick unsere PC’s und Festplatten auf. Nie war es so ordentlich………………… Dann ist es Zeit Kalaloch Beach endgültig Lebewohl zu sagen. Wir möchten noch ein paar Dinge erledigen und fahren zurück nach Lacey bei Olympia. Hier verbringen wir einen ruhigen Silvesterabend in MANni, Feuerwerk gibt es keines.

Der nächste Defekt:

 

So öffnen wir seit einigen Tagen unsere Thetford Toilette, der Bedienhebel ist abgebrochen. Es wird wirklich höchste Zeit in Deutschland verschiedenste Ersatzteile zu besorgen. Übermorgen kommt MANni in den Storage und wir steigen in den Flieger. Lothar wird Anfang April einen kurzen Überblick über die Monate in Deutschland einstellen.

 Fazit de Monats:

 Unverändert gegenüber November, eben Washington, “The Evergreen State”.

 Reiseroute:

 

 

November 2011

Veröffentlicht in November 2011 am Dezember 1, 2011 von crossamerika

Wir sind im Olympic National Park, er liegt auf der gleichnamigen Halbinsel vor Seattle. Das Wetter ist wider Erwarten gut und wir machen eine 10km Wanderung über die Hurricane Ridge auf ca. 1500m mit Ausblick auf die schneebedeckten Gipfel der Olympic Mountains. Nach Norden können wir Vancouver Island und die Hauptstadt von British Columbia, Victoria, erkennen.

Hier oben hat der Winter allerdings schon begonnen. Es ist ganz schön frisch.

Die nächste Wanderung zu einem kleinen Wasserfall führt uns durch einen traumhaften Wald mit riesigen Redwood-Bäumen.

Die Nacht verbringen wir auf einem Campingplatz im Regenwald. Ja ganz richtig: Regenwald. Der Olympic Nationalpark beherbergt den größten nicht tropischen Regenwald der Welt. Der Platz ist offiziell schon geschlossen, aber man darf ihn im Winter kostenlos benutzen.

Die einzigen Mitcamper sind diese “Schwarzschwanzrehe” (übersetzt heißen sie wirklich so!).

Der nächste Tag bringt trotz Regenwald Sonne und wir nutzen die Chance für eine weitere Wanderung.

Der Weg schlängelt sich durch märchenhaften Wald. Wir haben so etwas noch nie gesehen. Die Kameras laufen heiß und am Ende des Tages hat Martina die Qual der Wahl, daraus die besten Bilder auszuwählen. Und ich muß aus dieser “Essenz” noch einmal für den Blog aussuchen. Das ist mir sehr schwer gefallen, deshalb etwas zu viele Waldbilder.

 

Sogar Paparazzis leben hier:

Wir bewegen uns ca. 130km in den Nordwesten, in die äußerste Spitze der Halbinsel, zur Makah Indianer Reservation, wandern zum Cape Flattery und haben viel Glück. Wir sehen Seelöwen und einen Fischotter beim vertilgen von großen Mengen Seeigeln. Sein Freund, die Möwe, bekommt jedesmal die Reste.

Weiter der Küste entlang ist unser nächstes Ziel der Rialto Beach. Diesen haben uns die Ranger besonders zum wandern empfohlen. Es muß allerdings Ebbe sein. Der Strand liegt voller angeschwemmter Riesenbaumstämme, es ergibt zum Teil sehr bizarre Fotomotive.

In den kleinen bei Ebbe zurückbleibenden Tümpeln gibt es viel zu beobachten. Kleine Fische, Minikrabben, Seesterne und Einsiedlerkrebse. Am besten haben uns aber die Seeanemonen gefallen.

Das Wetter wird während unserer Strandwanderung immer besser und wir nutzen die Chance auf einen Sonnenuntergang am Pazifik.

Wir fahren das Abwechslungsprogramm! Es geht wieder in den Regenwald. Hoh River Rain Forest heißt er diesmal und wir machen eine Wanderung durch die sogenannte “Hall of the Mosses”, also durch die Halle der Moose.

Die hier wachsenden Zedern und Fichten erreichen eine Höhe von fast 100 Metern. Unglaublich wenn man an unsere heimischen Fichtenwälder denkt.

Am Ende des Weges läuft uns noch ganz überraschend eine “Bobcat” genannte Wildkatze über den Weg. Sie ist vielleicht doppelt so groß wie eine Hauskatze, hat aber einen ganz kurzen Schwanz. Sie ist nicht sehr scheu, und so können wir ein paar recht schöne Bilder machen.

Am nächsten Tag geht es wieder ans Meer. Vorher halten wir aber noch bei der dicksten Rot-Zeder der Welt. Sie soll einen Umfang von ca. 20 Metern haben und ist wohl über 1000 Jahre alt. Ich hab`s nicht nachgemessen, aber es kann schon stimmen.

Wir suchen uns auf dem Kalaloch Campground ein Plätzchen mit Pazifikblick und laufen noch eine Weile über den Strand. Wir haben gesehen, daß auch Bäume ganz schön durchhängen können.

Am Abend sind wir zuerst enttäuscht, weil uns Wolken den Sonnenuntergang “vermiesen” wollen, wenig später werden wir aber durch die Farben am Himmel völlig entschädigt.

Das Wetter bleibt trocken, so verlängern wir um einen Tag, den wir am Strand verbringen.

Danach leider wieder viel, viel Regen und wir besuchen die Hauptstadt Washingtons, Olympia. Für amerikanische Verhältnisse eine Kleinstadt mit gerade mal 33.000 Einwohnern. Ganz unamerikanisch darf man hier ohne jede Kontrolle und ohne ein Heer von Sicherheitsbeamten das Parlamentsgebäude von außen und innen besichtigen.

 Fast alle Türen stehen offen, so können wir einen Blick in den Senat und in das Abgeordnetenhaus werfen.

Alle Lampen, vom riesigen Lüster in der Kuppel (mehr als 3 Tonnen Messing) bis zum Lämpchen über Toilettentür, wurden von der Firma Tiffany speziell für dieses Gebäude entworfen und hergestellt. Ich war versucht, die ein oder andere abzuschrauben.

Mehr hat Olympia aber nicht zu bieten und wir bewegen uns langsam wieder Richtung Norden. Wir sind jetzt an der Westküste des Pudget Sounds, ziemlich genau gegenüber von Seattle. Die Skyline der Millionenstadt versteckt sich hinter Hügeln, aber wir haben einen guten Blick auf den riesigen Mount Rainier.

Hier auf Bainbridge Island gibt es einen kleinen staatlichen Campground direkt am Wasser. Wegen “Nachsaison” kann Martina einen 25%igen Rabatt heraus handeln und wir bleiben 3 Tage. Am Strand gibt es riesige Muscheln und Schneckenhäuser. Gegen unsere selbsterstellte Regel “Keine Souvenirs” müssen wir die beiden größten Schneckenbehausungen mitnehmen. Die früheren Bewohner mögen wir uns ob ihrer Größe aber lieber nicht vorstellen.

Am 4. Januar 2012 fliegen wie für 3 Monate nach Deutschland. Ein paar private Dinge müssen erledigt werden und so bietet sich die eher trostlose Winterzeit dazu an. Wo bleibt aber MANni? Wir brauchen einen Einstellplatz. Martina “googelt” und schon nach einer Stunde ist alles klar. Ca. 20km südlich des Flughafens von Seattle gibt es ein Storage, das noch Plätze frei hat. Teuer ist es auch nicht und die nette Dame gibt uns per mail noch den Tipp, im Internet einen Gutschein auszudrucken, so daß die ersten 3 Monate nur die Hälfte kosten. Schnell den Drucker angeschlossen und Rabattcoupon bewaffnet geht es zum Abstellplatz. Sieht gut aus … aber die Dame im Office schüttelt nur den Kopf. Ein Wohnmobil? Nein, dafür haben sie keinen Platz. Ja, aber die Auskunft..? Nein, nein, das ist wohl falsch verstanden worden. Hmmmm, grummel, wieder einmal willkommen in Südamerika. Noch nicht einmal einen Tipp will uns die gute Frau geben.

Wir beschließen weiter in Richtung Flughafen zu fahren und haben nach 10km Glück. Ein Platz voller Wohnwagen und Reisemobilen. Martina stürmt das Office und 10 Minuten später ist der Platz gebucht. Na also. Nicht teurer als der andere, näher am Flughafen und direkt vor dem Eingang fährt der Expressbus zum Airport ab. Sollte wohl so sein.

Heute ist Donnerstag der 24.11, “Thanks giving” – einer der höchsten Feiertage hier in Nordamerika. So ähnlich wie bei uns Heilig Abend. Die Familie trifft sich, es gibt Truthahn und Geschenke und um Mitternacht geht es hier allerdings zum shoppen. Dann beginnt der “Black Friday”, das Einkaufserlebnis der US-Amerikaner. Alle Läden locken mit Sonderangeboten und öffnen schon mitten in der Nacht, oder wie im Fall Wal-Mart, werden um Punkt Mitternacht die bis dahin verhängten Regale mit den Sonderangeboten freigegeben und es darf zugegriffen werden. “Shop `till you drop”, also kaufen bis zum umfallen ist angesagt. Wir haben uns auch das Sonderangebotsblättchen besorgt. Auf Seite 12 gibt’s was für uns. Externe Festplatten für nur 54$. Und auf Seite 30 Wrangler-Jeans für 9,90$.

Da müssen wir heute abend auch hin!

Vorher aber noch unsere ganz private “Bescherung”. Es läuft Wasser durchs Auto. Und gar nicht so wenig. Ich mache mich auf die Suche und nach 30 Minuten ist klar: Unser Boiler leckt. Jetzt hat‘s uns also auch erwischt. Von den unterwegs kennengelernten Reisenden sind 3 auch schon länger ohne Heißwasserversorgung unterwegs. Erst einmal klemme ich den Übeltäter vom Wasserkreislauf ab und lasse ihn über den Entlüftungshahn leer laufen. Der Wasserschaden ist damit umgangen, das Duschen leider auch. Später, wenn es einmal nicht regnet, werde ich das Gerät ausbauen und zerlegen.

Abends, oder besser nachts um 23:30Uhr geht es in den Wal-Mart. Vor jedem schwarz verhangenen Regal drängeln sich die Leute. Bei den Festplatten aber nur ca. 10, so daß wir hoffen können. Punkt Mitternacht ist es dann soweit. Folie herunter und zugelangt. Martina eine und ich auch eine J . Jetzt zu den Jeans. Clever wie ich bin hab ich schon nachmittags eine “normalpreisige” Wrangler probiert und brauche so nur noch nach der richtigen Größe zu suchen. 10 Minuten später stehen wir an der Kasse und freuen uns wie die Schneekönige. Umringt von riesigen Flat-Screens und LapTop-Kisten verbringen wir noch eine “gemütliche” Stunde in der Schlange und um 1:30Uhr sind wir wieder zu Hause.

Am Morgen die Premiere. Es wird “kanistert” und nicht geduscht. Man nehme dazu einen leeren 4l-Trinkwasserkanister, fülle ihn halbe/halbe mit heißem und kaltem Wasser (das Heiße muß man natürlich vorher mit dem Wasserkessel herstellen) und schütte sich den Kanisterinhalt mit einer langsamen aber stetigen Bewegung über den Kopf. Gut, daß man nicht allein unterwegs ist, so steht die zweite Füllung nach dem einseifen schon parat. Na also, geht doch. Wie heißt es so schön: “Ein Problem, das sich mit Bordmitteln beheben läßt, ist kein Problem”.

Genau!

Beim Frühstück fällt Martina ein, daß wir uns an der Tankstelle in der Prudhoe Bay in Alaska mit Cory unterhalten haben. Er ist Inhaber einer Aluminiumbootsbaufirma hier in Port Angeles und hat uns damals seine Karte gegeben falls wir mal Hilfe bräuchten. Dieser Fall ist jetzt eingetreten und ich frage per Mail an, wo ich meinen Edelstahlboiler schweißen lassen könnte. Nach 2 Stunden schon die Antwort. Kann er für uns machen. Jetzt sollte nur noch der Regen aufhören, damit ich das vermaledeite Teil auch ausbauen kann. Dazu muß ich mich nämlich unter MANni legen und das Wasser der Webasto-Heizung ablassen. Ich hoffe da stark auf “Weather Pete”, der ab morgen für 2 Wochen Sonne angesagt hat.

Heute am letzten Novembertag haben wir tatsächlich den erwarteten Sonnenschein. Wir finden in Port Townsend einen schönen Stellplatz in der Marina und ich lege mich unters Auto.

Eine Stunde später ist der Boiler ausgebaut und zerlegt. Ein Leck ist aber erst einmal nicht zu sehen. Morgen werde ich ihn direkt an den Wasserhahn anschließen, denn ich hoffe unter Druck das Leck zu finden. Martina wird darüber berichten. Wir genießen die Abendstimmung mit Blick auf den ca. 100km entfernten Mount Baker

und knobeln, wer morgen das erste Türchen unseres Adventkalenders öffnen darf.

Fazit:

Tatsächlich regnet es im Regenwald fast ständig.

Reiseroute:

6 Monate USA 2010/2011

Veröffentlicht in 6 Monate USA 2010/2011 am Mai 11, 2011 von crossamerika

Zusammenfassung 6 Monate USA

 

  • Einreise aus Kanada: unkompliziert, niemand will ins Auto schauen und uns werden problemlos 6 Monate gewährt. (10.Mai 2011 ist als letzter Ausreisetag im Paß gestempelt) Dauer allerdings inkl. Wartezeit ca. 2 Stunden.
  • Übernachtungen: 181 Nächte insgesamt, davon 49 auf Campingplätzen, 43 auf WalMart Parkplätzen, einige auf Truck Stops und ansonsten frei in der Natur.
  • gesamt gefahrene Strecke: 14000km, ergibt einen Tagesdurchschnitt von ca. 80 km.
  • Straßen: Sind durchweg alle in einem neuwertigen Zustand. In den Nationalparks und Forests gibt es viele “dirt roads” von bestem Gravel bis zur übelsten Waschbrettpiste.
  • Dieselpreis: an der Ostküste 3-3,50$/gal (1 Galone =3,8l), sonst 3,90-4,35$/gal. Diesel ist flächendeckend zu bekommen.
  • Dump Stationen an vielen Tankstellen und Truckstops (oft bei Betankung kostenlos), nicht immer gibt es Trinkwasser.
  • 2 Inspektionen und ein Ölwechsel an MANni (in Eigenarbeit), 3 Reifenpannen (einmal falsche Montage in Deutschland, einmal Gravel road, einmal weiß nicht), Spur einstellen und ein defekter Kupplungsnehmerzylinder.
  • Spritverbrauch/Ölverbrauch: 23l/100 km – 1l/1000km
  • Propangasverbrauch: ca. 16kg für 181 Tage (nur kochen und backen)
  • Propangas nachtanken: 2x problemlos an Flying J Truck Stops mit unseren fest eingebauten ALU-Gas Tankflaschen und US Adapter
  • Propangas Preis: 2,00 – 2,90$/gal
  • Defekte im Aufbau: keine
  • Preisniveau: viel niedriger als in Kanada, vergleichbar mit Deutschland (inkl. Alkohol!). Fleisch ist viel preiswerter, Arztbesuche und Medikamente aber um ein vielfaches teurer als in Deutschland.
  • Campingplätze: Variieren stark im Preis, in der Lage und der Ausstattung, unser Durchschnittspreis lag bei ca. 15$ pro Übernachtung. 4$ war der niedrigste, 90 $ der höchste Preis (Key West in Florida). Oft kostenlos oder für wenig Geld campen kann man im BLM Land (Büro of Landmanagement) und in den National Forests. Truck Stops wie “Flying J” oder “Love’s” sind gut für kostenlose Zwischenübernachtungen, aber laut. Das Übernachten auf Wal-Mart und Home Depot (der amerikanische Obi) Parkplätzen ist bis auf Florida meist möglich.
  • Internet: Offene WLAN (WIFI) Netze sind häufig vorhanden (z.b.: Starbucks, McDonalds, Staples, Home Depot). Die Geschwindigkeit ist allerdings oft dürftig.

 

Subjektive Eindrücke:

  • Besonders Florida hat uns überrascht, wir kannten vorher nur Bilder von Hotelburgen in Miami Beach und Co. Das andere Florida mit wunderschönen kleinen State Parks, feinen, einsamen Sandstränden sowie die im Landesinneren gelegenen Wälder haben uns sehr gefallen. Die Everglades mit ihren Tieren waren für uns ein absolutes Highlight.
  • Die von uns gesehenen US-Landschaften sind insgesamt unbeschreiblich schön und die Weiten für Europäer unfaßbar.
  • Die Menschen sind durchweg sehr freundlich und hilfsbereit. Die Kontakte bleiben aber oberflächlicher als in Kanada.
  • Große Städte haben wir außer New York City, Boston und New Orleans nicht besucht.
  • Wir sind keinen Tag krank gewesen.
  • Wir haben uns diesmal ein paar Tage Urlaub gegönnt…………………..J

 

Gesamtroute:

Mai 2011

Veröffentlicht in Mai 2011 am Mai 11, 2011 von crossamerika

Es ist der erste Mai, “Tag der Arbeit”, also … arbeiten wir. Die 30.000er Inspektion ist seit 500km überfällig und der berühmte Frühjahrsputz steht auch an. Da kommt uns ein Home Depot (der US amerikanische Obi) Parkplatz und steigende Temperaturen gerade recht. Martina schafft im Auto, ich darunter. Alles läuft wie geschmiert, (kein Wunder, der größte Teil ist ja auch Abschmierarbeit) und ich fluche nur ein ganz klein wenig. Wie immer werde ich des öfteren durch einen kleinen Schnack aufgehalten. “What a biest”, “I love your truck”, “What is that?” oder noch besser “What does that do?”. Man kennt es ja mittlerweile und bei dem vierten oder fünften Frager innerhalb von zwei Stunden kann es dann vorkommen, daß die Antworten ein wenig einsilbig und in noch schlechterem Englisch als üblich vorgetragen werden. Erschwerend kommt hinzu, daß der Anteil an jungen, hübschen US Girls, die mit solchen Fragen kommen, doch eher im Promillebereich liegt.

Am nächsten Tag bewegen wir uns nach Norden in Richtung des Glacier National Park. Auf dem Weg haben wir Ausblicke auf Montana aus dem Bilderbuch.

Unterwegs übernachten wir wie schon so oft auf einem Campingplatz im National Forest. 50 Plätze und keiner außer uns da. Und weil noch “Off season” ist er sogar kostenlos.

Die von den Winterstürmen umgefallenen Bäume wurden von den Rangern schon in handliche Stücke zersägt. Holz sammeln ist hier erlaubt und die neu erstandene Axt muß sowieso mal getestet werden. Ich bereite alles für ein “Turbo Camp fire” am Abend vor.

Auf unserer Weiterfahrt nach Norden passiert es dann mal wieder. Plattfuß hinten links. Dort hatten wir noch keinen J .

Wir sind in Übung, also geht es nach kaum 80 Minuten schon weiter. Es haben in der Zeit übrigens 4 Leute angehalten und ihre Hilfe angeboten. Scheint also nur auf den Interstates schwierig zu sein. (wer hält auf einer deutschen Autobahn an, wenn man eine Panne hat?)

Direkt im nächsten Ort ist ein Reifenhändler der sich sofort an die Arbeit macht. Wieder ist der Schlauch geplatzt und nichts steckt im Reifen, auch kein Dreck. Wir sind ratlos. Allerdings ist das Felgenband an den Rändern ziemlich ausgefranst. Wir lassen lieber unser neues Reserveband einsetzen. Es ist mittlerweile spät geworden. Wir schlagen uns in die Büsche (National Forest) und fahren am nächsten Tag die beiden Straßen im Glacier Nationalpark ab, die zumindest teilweise geöffnet sind. Das Wetter ist leider schlecht, grau in grau und ständig Regen, so daß wir keinen schönen Blick auf die Berge bekommen.

Am Abend finden wir mal wieder einen Übernachtungsplatz mit “million dollar view”. Wir parken sozusagen in einem halb leeren Stausee.

MANni ist auf dieser “Dirt Road” allerdings leicht verdreckt. So kommen wir nicht über die Grenze.

In Kalispell, einem nichtssagenden Ort, der wegen der Nähe zu Kanada aber alle Einkaufsmöglichkeiten bietet (so ähnlich wie für uns NRWler Venlo in Holland) bunkern wir noch einmal alles, was unserer Erinnerung nach in Kanada teurer und dessen Einfuhr nicht unbedingt verboten ist J . Martina beehrt noch einmal einen Waschsalon “Wischwasch Wischwasch” und MANni und ich trollen uns zur Truck-Waschanlage. Macht richtig Spaß, dem ganzen Modder mit dem Hochdruckreiniger zu Leibe zu rücken.

Den letzten Abend in Montana verbringen wir kostenlos ca. 30km südlich der kanadischen Grenze auf einem offiziell noch geschlossenen Camp Ground. Die Ranger räumen gerade auf und so ist Feuerholz nicht knapp. Wir dürfen alles verbrennen, wenn wir es denn an kriegen. Haha, da kennen die mich nicht. Mein Vorrat an Brandbeschleunigern ist unermeßlich und wir steigern unser Campfire Maximum noch einmal um 100%.

Heute ist der 10. Mai und wir müssen die USA verlassen. Es war ein tolles halbes Jahr und wir haben viel gesehen und erlebt.

Unsere Route von Montana nach British Columbia führt uns über den kleinen Grenzübergang Roosville und wir schaffen den Wechsel in maximal 5 Minuten. US-amerikanische Grenzer gibt es überhaupt nicht und die kanadischen sind nett und völlig unkompliziert. Im Gegensatz zur ersten Einreise am Flughafen von Halifax bekommen wir jetzt aber auch den Ausreisezeitpunkt in den Paß gestempelt. 09.11.2011! Hach, das klingt gut, das nächste halbe Jahr Kanada ist gesichert.

Wie es in British Columbia weitergeht erfahrt ihr wie immer am Ende des Monats.

 

Fazit der ersten 10 Tage Mai:

Montana lohnt sich, … und wie!

Reiseroute:

 

 

April 2011

Veröffentlicht in April 2011 am April 30, 2011 von crossamerika

Der April startet wie der März aufgehört hat. Jeden Tag ein Highlight, welches wir entweder “erfahren” oder mit mehr oder weniger Körpereinsatz “erwandern”.

“Erfahren” haben wir diese Straßen im Capitol Reef National Park:

sowie die “Notom Bullfrog Road”

“Erwandert” haben wir:

Im Capitol Reef National Park den “Golden Throne”

sowie den “Headquarter Canyon”

Danach geht es weiter über die großartige Burr Trail Road in das “Grand Staircase-Escalante National Monument”. An einer Stelle verläuft die Straße genau auf dem Berggrat, ziemlich schmal. Zum Glück ist Lothar höhentauglich, ich lenke mich irgendwie anders ab. Das Escalante Monument ist über 7000 km² groß und zum größten Teil ursprünglich erhalten. 1996 wurde es von Bill Clinton zum National Monument ernannt. Es gibt eine Menge schlechter Straßen, MANni Sache. Außerdem darf man dort “backcountry” campen. Auf der “Hole-in-the-Rock” Road fahren wir nach Süden und übernachten. Morgens sehen wir uns zuerst den “Devils Garden” an.

 

Weiter über schlechte Lehmpiste und wandern zu den Slot Canyons, “Peek-A-Boo” und “Spooky” genannt.

Im “Peek-A-Boo” Slot Canyon:

In den “Spooky Canyon” gehe ich alleine, er ist an manchen Stellen so eng, Lothar hat nicht unbegründet ernsthafte Angst stecken zu bleiben. Ich komme manchmal nur seitwärts voran, auch die Kamera muß ich immer neben mir halten!

Wir finden wieder einen Übernachtungsplatz über einen schlechten Lehmweg.

Dafür mit viel Weitblick! Am nächsten Morgen weiter auf der “Hole-in-the-Rock” Road. Sie wird immer mehr zum “Waschbrett” und es geht steil rauf und runter. Bis zum absoluten Ende der Straße am Lake Powell eben dem “Hole-in-the-Rock” fahren wir nicht, es wird uns ein wenig langweilig. Wir wandern lieber mal wieder zu Besonderheiten:

Einfach zu erreichen “The Dance Hall Rock”

Mit deutlich mehr Anstrengung im “Willow Gulch”, ein wirklicher Frühlingstag an dem sich auch Andere aus ihrer Behausung trauen:

Wir wollen unsere Vorräte wieder auffrischen und fahren am nächsten Morgen den Rest der “Hole-in-the-Rock” Road zurück in das kleine Dorf Escalante.

Eine Straßensperre zeigt zwar Respekt vor MANni, gibt allerdings nicht allzu eilig auf.

Carsten und Esthela haben wir heute verpaßt, im Capitol Reef NP haben wir sie getroffen, vorher im Dorf Escalante und gestern ihre unverwechselbaren Michelin Reifen Spuren auf der “Hole-in-the-Rock” Road gesehen, etwas breiter als unsere!

Unser nächstes Ziel ist der Bryce Canyon National Park. Im Visitor Center sagen sie für die nächsten 3 Tage schlechtestes Wetter voraus. In ein paar Stunden kommt Sturm und Schnee! Wir kaufen mal wieder ein wenig ein und beschließen bis zum Bryce Canyon hochzufahren und uns dort für die nächsten Tage einschneien zu lassen. Danach soll es Sonnenschein geben und der freundliche Herr bei der Visitor Info meinte, dann gäbe es “Bryce at it‘s best”!

Es geht viele Höhenmeter hinauf und wir erreichen bei beginnendem Schneefall den Campground. Wer steht dort, Esthela und Carsten mit Tita. Klar wird wieder erzählt, wer wo in der Zwischenzeit gewesen ist. Wir haben uns an zwei Stellen nur knapp verpaßt. Als wir am frühen Abend zu MANni zurück gehen schneit es bereits heftig. Am nächsten Morgen ist alles weiß und es weht ein kalter Wind. Lothar und ich beschließen einen Haushaltstag einzulegen. Lothar macht Frikadellen und ich backe einen guten deutschen Streuselkuchen. Diesen verspeisen wir zu viert gemütlich am nachmittag bei einem deutschen Kaffeeklatsch in MANni. Es schneit weiter!

Esthela und Carsten fahren am nächsten Morgen ab, wir zwei bleiben und machen einen Spaziergang am “Rim”. Die Sonne kommt nicht ganz durch, aber der Anblick ist schon “breathtaking”. In der Nähe soll es eine Kolonie Präriehunde geben, die besuchen wir am nachmittag. Trotz Schnee sind sie draußen und wir können uns über eine Stunde nicht von diesen lustigen Gesellen losreißen.

Am nächsten Morgen Sonnenschein, es ist wirklich “Bryce at it’s Best”. Wir fahren alle Aussichtspunkte ab und sind begeistert. Wandern geht nicht, der Schnee liegt viel zu hoch, immerhin sind wir am höchsten Punkt auf ca. 3000 Meter.

Durch den “Red Canyon” fahren wir weiter bis Mount Carmel. Wir übernachten und haben Internet. So erfahren wir, daß die Pattis morgen im Zion National Park sind und ihre Maggie an der Visitor Information parken wollen. Klasse, das ist auch unser nächstes Ziel. Kaum fahren wir am nächsten Morgen los, sehen wir hinter uns ein deutsches Hymer Wohnmobil. Zweimal sind wir aneinander vorbeigefahren aber jetzt gibt es einen ausführlichen Schwatz mit Elke und Helmut aus München. Noch ein paar Fotos, dann fahren wir hintereinander in den Zion NP. Am Visitor Center steht tatsächlich die Maggie, das ist was für unseren MANni! Hoffentlich hecken die Zwei nicht wieder etwas aus.

Wir warten auf Simone und Olaf, durch das viele Erzählen mit den Münchnern lohnt es sich nicht mehr mit dem Shuttle Bus in den Park zu fahren. Als die Beiden wieder bei ihrer Maggie ankommen ist die Freude nicht nur bei Hund Paco groß, er mußte Maggie bewachen, Hunde sind im National Park verboten! Wir fahren gemeinsam zu einem schönen Platz in der Wildnis außerhalb des NP.

Die Männer hacken Holz (Edit Lothar: von wegen, Olaf hat eine Motorsäge :=) ) und der Grill wird vorbereitet. Grillgut aufgetaut, u. A. auch fünf von Lothar mit Liebe zubereitete Frikadellen. Als der Grill heiß ist, sind die Frikadellen weg! Ich sehe gerade noch wie Paco sich genüßlich das Maul leckt, gut waren sie………………………………..Wir können dem charmanten Dieb nicht böse sein aber am nächsten Tag passen wir besser auf!

Einen Tag genießen wir hier oben das wunderschöne Wetter, dann trennen sich unsere Wege wieder. Wir beide fahren in den Park, wandern, die Pattis in die Richtung aus der wir gekommen sind.

Mit dem Shuttle Bus geht es in 15 Minuten zum ausgesuchten Stop. “Angels Landing” heißt der “Hike” den wir uns vorgenommen haben. Im Bus wird gewarnt, nichts für kleine Kinder und Menschen mit Höhenangst, ich lasse mich überraschen.

Naja, so schlimm ist es nicht, aber wir kommen ziemlich schnaufend oben an. Die letzte Kletterpartie an der Kette lassen wir aus. Muß nicht sein und die Aussicht ist auch so wunderschön.

Noch eine Nacht in der Wildnis, dann trennen wir uns mit gemischten Gefühlen von den roten Felsen und geben Gas Richtung Salt Lake City. Einerseits ist diese Landschaft in Utah und Arizona wunderschön aber nach über einem Monat ist es genug der roten Steine. Nur noch 3 1/2 Wochen USA sind mittlerweile übrig!

In Salt Lake City kaufen wir ein. IKEA in außergewöhnlicher Lage, das Angebot ist in etwa vergleichbar. Wie immer ist mehr im Einkaufswagen als beabsichtigt, selbst für einen so kleinen Haushalt. Kerzen und Teelichter sind wieder aufgefüllt und Hering im Glas gibt es, 4 Portionen müssen mit! MANni bekommt hier einen neuen Namen. Eine junge Frau läuft lachend vorbei, sagt MANni gefalle ihr und fragt ob es ein “End of the world RV” sei. Das kann nicht ins Deutsche übersetzt werden J .

Den Mormonen Temple Square in der Innenstadt können wir nicht auslassen und zwei nette junge Damen von den Philippinen, die hier für 18 Monate freiwillig arbeiten führen uns durch die Anlage. Wir zwei erzählen von unserer Reise und da wir “homeless people” sind, möchten sie uns gleich bekehren, bieten nett ihre Hilfe an und geben uns sogar ihre Telefonnummern. Ihre Aufgabe ist zu missionieren und wir zwei nur auf Reisen, ohne Haus, das war ihnen wohl nicht geheuer.

Antelope Island im Great Salt Lake ist unser nächstes Ziel. Über eine Art Deich geht es auf die Insel auf der ca. 600 –700 Bisons frei leben. Ein primitiver Camping wunderschön gelegen ist ebenfalls vorhanden.

Wir mieten uns für zwei Nächte ein. Am nächsten Morgen machen wir uns auf die Suche nach den Riesen. Erstmal Fehlanzeige, also gehen wir wandern. Immer höher geht es an einer Traumkulisse vorbei.

Von dort oben sehen wir auf der anderen Seite des Berges einige Bisons. Wieder bei MANni angekommen machen wir uns schnell auf den Weg dorthin und da sind sie:

Zwei Tage immer weiter nach Norden, wir kommen im Schnee in Jackson in Wyoming an. Morgen wollen wir in den Grand Teton National Park. Leider sind noch viele Straßen gesperrt, so auch der weiterführende Highway 89 in den Yellowstone NP. Wir fahren zum Visitor Center und wollen wissen, ob wir in den National Forest zum übernachten fahren können oder sonst irgendwo ein Stellplatz ist. Nur KOA Camping für 40 $ die Nacht, der National Forest ist wegen Schnee noch unbefahrbar und im NP ist alles geschlossen. Andrea aus dem Nachbarort Wilson hört dies und bietet spontan an wir können bei ihr auf dem Hof übernachten. Gesagt, getan und am nächsten Morgen fahren wir in den tiefverschneiten Grand Teton NP.

Man hat uns Elche, Rehe, Wapiti Hirsche und Bären versprochen. Vorsorglich habe ich ein Bärenspray gekauft, welches den Namen auch verdient. Es ist so groß wie ein kleiner Feuerlöscher. Außer den Bären bekommen wir auch alles zu sehen, sogar die große Wapiti Hirschherde die von hier aus weiter in den Yellowstone zieht. Die Tiere haben Glück, sie brauchen nicht auf die gesperrten Straßen zu achten.

Lange haben wir davon gesprochen, jetzt fahren wir hinein in den Yellowstone NP. Kaiserwetter und direkt am Eingang Bisons die durch den Schnee stapfen.

Wir halten noch für jeden Büffel an, bis plötzlich eine ganze Herde die Straße kreuzt und die Letzten angstvoll MANni beäugen. Kaum weiter sehen wir einen Kojoten oder Wolf.

Später als geplant treffen wir auf unserem Campground ein und Tiere sind immer noch unfaßbar nah.

Am nächsten Morgen schneit es wieder. Die armen Büffel staksen durch den Schnee, eine ganze Herde zieht über den Camping. Weiter oben sehen wir diese armen Kreaturen in noch tieferem Schnee, wir dachten der Winter wäre ausgestanden, wie haben sie erst im Januar ausgesehen?

Am nachmittag werden wir im “Lamar Valley” Zeuge einer kleinen Zankerei. Ein Grizzly Bär hat wohl Aas gefunden und kämpft mit zwei Wölfen um die Beute. Die erste Wolf gibt schnell auf, ein Zweiter ist geduldiger und wartet bis der Bär satt ist. Ca. 1 1/2 Stunden beobachten wir mit mehreren Touristen das Geschehen. Leider brauchen wir alle ein Fernglas und das Aas liegt in einer Senke. Trotzdem sind wir zwei mehr als dankbar dieses Schauspiel beobachten zu dürfen. Vorteil eines Winterbesuches im Yellowstone NP.

Auf dem Rückweg sehen wir noch einen Schwarzbär, er sieht im Vergleich zum Grizzly richtig niedlich aus.

Neuer Tag, neuer Schnee. Wir fahren zum “Old Faithful” (der alte Getreue), dem wohl bekanntesten Geysir im Yellowstone NP. Verläßlich wie sein Name sagt, bricht er ca. alle 90 Minuten aus. Für uns ist es heute zwischen 14:50 und 15:10 Uhr. Wir sind um 14:40 Uhr an Ort und Stelle und warten frierend. Um 15:08 Uhr geht es los. Wie ein Springbrunnen schießt das Wasser aus dem kleinen Loch. Mit einer 30-55 m hohen Wassersäule die zwischen 1 und 5 Minuten anhält und durchschnittlich rund 41.000 Liter Wasser verspritzt hat er eine beachtliche Höhe und entwickelt dabei eine beeindruckende Geräuschkulisse.

Leider hat heute der Himmel die gleiche Farbe wie der Wasserdampf und der böige Wind weht die Wasserwolke schnell weg.

Trotzdem war es ein besonderes Schauspiel. Weiter geht’s zum Midway Geysir Basin. Die Farben hier scheinen aus einer anderen Welt.

Den gleichen Eindruck haben wir am Norris Geysir Basin.

Ebenfalls nicht von dieser Welt:

Mittlerweile sind wir vollends der Büffel-Mania verfallen. Überall laufen sie über die Straße und selbst die Kleinen und Kleinstkinder leben schon auf der Straße. Im Gegensatz zu den Alten sind sie oft neugierig und kennen weniger Furcht.

Der nächste Tag bringt Sonnenschein und wir gönnen MANni eine Ruhepause. Der Camping ist nahe bei den Mammoth Hot Springs und wir laufen den kurzen Trail. Wieder sind die Farben faszinierend und zum Glück ist noch keine Saison. Hier wie überall im Park ist es im Sommer wohl unerträglich voll.

Abends feiern wir unser Jubiläum. Genau vor einem Jahr haben wir unsere Wohnung verlassen und sind mit MANni und dem Mietmobil Richtung Hamburg gestartet. Mit Ausnahme von 7 Nächten (zwei Nächte bei Freunden vor dem Abflug und 5 in Halifax im Hotel) schlafen wir nun 365 Tage auf der “Straße”. Wir sind uns einig, besser hätte es nicht werden können, es war ein tolles und ereignisreiches Jahr. Ein Glas Sekt rundet diesen Tag ab.

Es wird Zeit, wir verlassen den Yellowstone NP und fahren nach Bozeman in Montana. Der Schnee hat uns fest im Griff und wie es im Mai wird ?—– Lothars Sache. Er darf zum zweiten Mal den Grenzwechsel beschreiben, diesmal umgekehrt von den USA nach Kanada. Alpträume wegen Spritmangel wird es nicht geben, wir tanken ganz sicher vorher noch einmal voll.

Fazit: Es war der rot/weiße National Park Monat (Felsen in Utah/Schnee im Rest).

Reiseroute:

 

 

März 2011

Veröffentlicht in März 2011 am März 31, 2011 von crossamerika

Am ersten März verabschieden wir uns von André und seiner Familie sowie von Simone, Olaf und Paco. Bei den dreien sind wir relativ sicher, daß wir sie irgendwo wiedersehen. Sind doch unsere Routen sehr ähnlich. Wir machen uns auf den Weg nach Südwesten. Die Landschaft hier ist schon sehr eintönig. Links und rechts nur eingezäuntes Raketentestgelände. Endlich, nach über 90km und 2 Kurven in der Autobahn erreichen wir Las Cruces und gehen Lebensmittel shoppen. Wir sind vielleicht 20 Kilometern wieder auf der Interstate als MANni plötzlich ungewohnte Geräusche von sich gibt. Noch bevor ich rechts heran fahren kann, herrscht jedoch wieder Ruhe. Naja, vielleicht eine flatternde Plastiktüte unter dem Wagen denke ich mir, werde aber schon 3-4 Minuten später eines Besseren belehrt. Mit Mühe und Not bekomme ich den plötzlich extrem nach links ziehenden MANni auf der Standspur zum Halten. Der linke Vorderreifen ist völlig platt. Ich fluche erst einmal nicht druckreif in deutsch und englisch, schließlich habe ich dieses Rad erst gestern mit Olaf montiert. Vorher hat es sich die ganze Zeit als Reserverad durch die Gegend schaukeln lassen und kaum soll es arbeiten……!

Es hilft also nichts. Reifenwechsel ist angesagt. Hab ich ja auch gerade erst geübt und Gott sei Dank eben bei WalMart die fehlenden Montiereisen gekauft. So vergeht kaum mehr als eine Stunde und der Reifen ist gewechselt. Nur alleine bekommen wir den platten Reifen noch immer nicht auf den Reserveradhalter. Ich hab zwar eine Idee wie das zukünftig klappen soll, aber die nötigen Teile gab es bei WalMart nicht. Martina versucht also jemanden anzuhalten und ich räume schon einmal alles zusammen. Ca. 20 Minuten und ein selbstgemaltes “Help” Schild später hält auch tatsächlich jemand und in 10 Sekunden ist das Rad sicher verstaut.

Wie geplant verbringen wir die Nacht bei Flying J´s Truckstop und erreichen am frühen Nachmittag Tombstone.

Wir besorgen uns ein Plätzchen auf dem RV-Park direkt im Ort (Martina hat den Preis kräftig herunter gehandelt) und schlendern durch das wirklich sehr gut erhaltene Cowboystädtchen. Überall wird an die berühmte Schießerei am O.K.Corral zwischen den Earp Brüdern und Doc Holiday auf der einen Seite und dem Clan der Clanton-Brüder auf der anderen Seite erinnert. Mehrmals am Tag wird dieser “Show down” life aufgeführt. Uns scheinen allerdings 10$ pro Nase für dieses Touristenspektakel etwas happig. So genießen wir die Mainstreet und bummeln durch Geschäfte mit allem was der Cowboy braucht, wie Hüte, Stiefel, Pistolen und Gewehre, ja sogar Sättel sind im Angebot. Die Saloons und auch das Theater mit dem schönen Namen “The Birds cage” sind im alten Stil erhalten.

An nächsten Tag wollen wir uns nachmittags mit Maria und Ingo treffen. Das sind die Beiden mit dem “Lebkuchenstand” auf dem New Yorker Weihnachtsmarkt. Sie sind im Januar nach Mexiko geflogen um ihr dort abgestelltes Toyota Buschtaxi abzuholen und damit durch den Westen der USA zu touren. Zufällig sind sie in der Nähe und so haben wir dieses Treffen per e-mail verabredet.

Vorher besuchen wir aber noch den Friedhof von Tombstone. Eine etwas skurrile Angelegenheit, wie gleich das Schild am Eingang beweist.

 

Um 1880 war Tombstone dank einiger Silberminen mit ca. 16.000 Einwohnern die größte Stadt im Westen der USA und, den Grabkreuzen und Steinen nach, wohl auch die gefährlichste.

 

Vom tragischsten Fall zeugt dieser Grabstein

Unser Treffen mit Maria und Ingo verlagern wir nach kurzer gemeinsamer Stadtrunde in die Prärie. Leider sind wir auch da nicht ungestört. Zuerst besucht uns die Bordercontrol, dann die Ranger um zu guter letzt noch der Rancher von nebenan. Trotzdem tauschen wir viele Erfahrungen aus, wir aus dem Norden, die beiden aus dem Süden. Um 18:00 machen Martina und ich uns dank Tipp der Bordercontrol auf in einen nahegelegenen State Forest zum campen. Maria und Ingo fahren zurück zu ihren Freunden, bei denen sie gerade wohnen.

Von den 10 Meilen Schotterpiste bis zum State Forest haben wir vielleicht 8 hinter uns, als MANni plötzlich extrem nach rechts zieht. Ich ahne Böses und halte so schnell es geht. Ein kurzer Blick genügt, Reifenpanne hinten rechts. Ist das `ne Seuche?

Kurz ein paar (man kennt es schon) nicht druckreife aber für den Blutdruck äußerst hilfreiche Flüche und ich mache mich an die Arbeit. Leider dämmert es schon, und die Dunkelheit wird schneller sein als ich schrauben kann. Mittlerweile bin ich geübt. Fahrräder und Sandbleche runter, Hebekissen raus und so weiter …..

Ein netter Rancher hält mit seinem Pferdetransporter und bietet Hilfe an. Darauf würde ich gerne in einer Stunde zurückkommen, wenn ich den Platten wieder aufs Auto hieven muß. Kein Problem, meint unser nichtgelber Engel, er fährt seine Pferde abladen und kommt später zurück.

Leider bin ich dann doch noch lange nicht fertig als er ohne Pferde wieder da ist, aber mit seiner Hilfe geht es jetzt schnell. Er bietet uns an, auf seiner Ranch zu übernachten. Er hätte auch einen Service Truck und morgen früh könnten wir zusammen die beiden Reifen flicken. Diesem Angebot können wir natürlich nicht widerstehen und richten uns nach kurzer Fahrt auf seinem Hof ein. Noch ein kühles Bierchen mit Carlo und Marsha, seiner Frau, sowie eine kleine Warnung vor dem freilaufenden Esel (will nur spielen) und wir fallen müde ins Bett.

 

Der nächste Morgen bringt uns (bald muß man es nicht mehr erwähnen) wieder Sonnenschein pur. Carlo ist schon seit 6:00Uhr bei der Arbeit. Pferde füttern usw. Gegen 9:00 Uhr kommt sein Sohn vorbei und zu dritt zerlegen wir die “Plattfüßler”.

Bei dem Hinterreifen (Plattfuß Nr.2) ergibt sich folgende Diagnose: Schlauch geplatzt auf Grund von irgend etwas Spitzem, was den dicken Michelin Reifen durchbohrt hat und ein völlig zerfetztes Felgenschutzband, wohl eine Folge des Fahrens mit dem Plattfuß (dauert ja bis man steht).

Beim anderen Platten ergibt sich eine andere Diagnose: Schlauch geplatzt auf Grund der Montage eines viel zu schmalen Felgenbandes. Dadurch Scheuerstellen am Schlauch, Überhitzung und Peng. Der Reifenhändler in Deutschland kann froh sein, daß ich mir in New Orleans die Voodoopuppe NICHT gekauft habe!

Jetzt stehen wir doof da, Schläuche hab ich ja zwei in Reserve, aber Felgenbänder? Zu meiner Schande muß ich gestehen, daß ich bis zu der Aktion mit Olaf nicht einmal gewußt habe, daß es so was überhaupt gibt.

Carlo telefoniert und, alles klar, ein Reifenladen in Tucson hat angeblich passende vorrätig. Martina und Marsha machen sich in ihrem Privatwagen auf den Weg. Zwei Stunden hin und zwei wieder zurück. Ich bastle mittlerweile an allen Stellen herum und bekomme von Carlo zwei selbstgeschweißte Ösen für den Flaschenzug am Reserveradhalter geschenkt.  Die halten nicht lange, meint er, aber zum Testen wird es reichen. Leider erreichen uns aus Tucson schlechte Nachrichten. Die vorrätigen Bänder haben doch nicht die richtige Größe, aber ein anderer Händler im Ort hat zumindest ein solches Band. Okay, damit können wir leben, haben wir doch somit wieder ein funktionsfähiges Reserverad.

Leider stirbt auch diese Hoffnung durch einen weiteren Anruf bald. Dieses Band ist auch zu schmal. Aber sie schicken 3 Stück nach Tombstone. Kommen am Montag an, und heute ist Freitag – super!

Wir freunden uns mit dem Esel, den beiden Hunden und der Katze an, besichtigen jedes auf der Farm stehende alte Auto, Carlo hat eine Menge davon und kennen schon bald alle Pferde beim Namen. Sonntag machen wir einen Fahrradausflug (ohne Plattfuß) zu den Bergen, in denen wir campen wollten. Es gibt hier wirklich viele herrliche “camp spots” und später können wir zuschauen, wie ein Pferd neu beschlagen wird. Ist eine Höllenarbeit aber “Billy the good boy” hält erstaunlich still. Ich möchte diese Arbeit nicht an einem Pferd erleben, daß an den Füßen genauso kitzlig ist wie ich.

 

Endlich naht der Montag, und mit ihm unsere Felgenbänder. Gegen 14:00 Uhr bekomme ich den Karton, um 14:01Uhr weiß ich: Immer noch zu schmal! Südamerika läßt grüßen. Mit Carlos Hilfe und seinem Service Truck bauen wir ein Rad wieder mit dem alten zu schmalen Band zusammen.

So haben wir für Notfälle ein Reserverad und machen uns auf den Weg nach Tucson zum Reifenhändler. Der telefoniert und: ja, die richtigen sind in Phoenix vorrätig und morgen hier. Ich kann´s zwar nicht glauben, aber eine Wahl haben wir nicht. Wir lassen die beiden Räder da und sollen sie morgen gegen 14:00Uhr wieder abholen können.

Heute hat Martina Geburtstag. Unser Frühstück fällt daher etwas ausgiebiger aus (nicht von der Menge, von der Zeit). Danach besuchen wir den riesigen Flugzeugfriedhof von Tucson. Hier auf der Davis Monthan Air Force Base  werden alle ausrangierten Militärmaschinen der USA abgestellt und dienen fortan als Ersatzteillager. Leider stehen hier keine MANnis!

Über 5000 Maschinen sollen es sein, wir hätten noch viel höher geschätzt.

Punkt 14:00Uhr sind wir beim Reifen-Dealer. Sie fangen gerade mit der Montage an und so kann ich noch mal schnell die neuen Bänder mit unserem Musterstück vergleichen. Passt! Pahaaaasst! Geht doch, na also, bekommt Tina doch noch ihr Geburtstagsgeschenk. Auf meine Reifen Frage erhalte  ich sogar eine freudige Nachricht. Unsere Michelin Reifen sollen in den USA vorrätig sein. Jeder in Deutschland hat uns gesagt, daß es diese hier in Nordamerika überhaupt nicht gäbe, völlig unübliches Maß usw.. Um ein paar Sorgen und einige Dollar erleichtert machen wir uns wieder auf den Weg. Wir besichtigen noch eine wunderschöne Missionskirche und bleiben für die Nacht auf dem Parkplatz eines Spielcasinos in einer Indianerreservation 15 km südlich von Tucson.

Am nächsten morgen erhalten wir unerwarteten Besuch.

Es sind zwei nordamerikanische Wildschweine, Javelinas genannt. Sie sind höchstens halb so groß wie unsere einheimischen, aber ähnlich gefräßig. Sie machen sich über Pecan Nüsse her, die hier mengenweise vom Baum gefallen sind. Nach ungefähr 20 Minuten sind alle Nüsse aufgefuttert und die Schweinchen wieder weg. Wahrscheinlich kommen sie jeden Morgen hierher um zu fressen, was in den letzten 24 Stunden vom Baum gefallen ist.

Wir besuchen ein Mahnmal der jüngsten Geschichte. Eine stillgelegte Abschußbasis für eine Titan II Interkontinentalrakete mit atomarem Sprengkopf ist als Zeugnis für den kalten Krieg erhalten und zum Museum umfunktioniert worden (natürlich ohne Sprengkopf). Wir sehen die gesamte Anlage inkl. des Kommandoraums und des Silos mit der über 30m hohen 2 stufigen Rakete. Uns überläuft jetzt noch, 28 Jahre nach Stillegung, eine Gänsehaut. Über 20 Jahre hat dieses Monstrum hier vollbetankt in seinem Betonloch gestanden (wie übrigens noch 53 andere in den USA) und auf den Befehl des amerikanischen Präsidenten gewartet um dann innerhalb von 3 Minuten zu starten.

Wir machen uns nun endgültig auf den Weg nach Norden. Nach den vielen Pannen der letzten Wochen rennt uns die Zeit davon. Am 10. Mai müssen wir an der kanadischen Grenze sein und es gibt noch so unendlich viel zu sehen.

Nach zwei Tagen Fahrt durch immer grüner werdende Prärie erreichen wir Kingman an der historischen Route 66.

 

“Get your kicks on Route Sixty-Six”

Wir fahren auf dieser alten Traumstraße ungefähr 130 Meilen nach Osten bis nach Williams. Von dort biegen wir nach Norden zum Grand Canyon Nationalpark ab.

“Kicks” bekommen wir hier wirklich, denn auf der alten 66 gibt es herrlich viel Kitsch, alte Autos, ebenso alte Tankstellen und allen möglichen Kram anzuschauen. Nach mehreren Wochen Wüste macht uns das ungemein Spaß.

Ich bin bei meiner Prinzessin abgemeldet. Sie hat nur noch Augen für den “King”.

Macht aber nichts. Ich halte mich an die jüngere Schwester von Janis Joplin.

Besonders gefallen haben uns die “Restrooms” im Cruisers 66. Hier wurden alte Autotüren und Heckklappen einem neuen Zweck zugeführt. Der eingefleischte VW-Bus Fan Olaf wird weinen, wenn er sieht, daß eine T1 Beifahrertür nun als Pissoirtrennwand dient.

 

Auch ein Grab der besonderen Art hat speziell mir gut gefallen.

Martina hat´s nicht verstanden, da sie nicht wußte was ein Edsel ist. Dabei steht der direkt vor dem Grab.

Aber Martinas Interessen waren kurzfristig sowieso ganz anders gelagert. Zum ersten Mal wurde nicht ich, sondern MANni eifersüchtig.

 

Hat MANni ja auch recht! Wie und wo soll denn da eine Wohnkabine drauf passen? Und Allrad? Differentialsperren? (Unter uns: Ich fand die Corvette auch supertoll.)

Auch den alten Knasttransporter fanden wir wert, von uns getestet zu werden. Entsprach dann aber doch nicht unserem Wunsch nach Komfort. Die Isolation war verbesserungswürdig und der Plattfuß weckte in mir unangenehme Erinnerungen.

Am frühen Abend erreichen wir den Campingplatz am Grand Canyon. Hier liegt noch an jeder Ecke Schnee. Der ganze nächste Tag vergeht bei einer Wanderung entlang des South Rims, also des südlichen Randes des GC (Grand Canyon). Immer wieder ist der Ausblick so toll, daß man mit fotografieren nicht mehr aufhören kann. Leider ist es etwas dunstig, daher nur 3 Fotos.

 

Als wir diese Reise planten, war es unser Traum, auf dem “Bright Angel Trail” in den GC hinab zu wandern (15km und ca. 1000 Höhenmeter pro Strecke). Unten am Grund fließt der Colorado River, und dort liegt die Phantom Ranch, neben der man sein Zelt aufschlagen kann um dort zu übernachten. Leider wird aus diesem Traum vorerst nichts. Viel zu viel haben wir in MANni gesessen, meist vorn, aber auch hinten und unsere Kondition ist miserabel. Wir beschließen aber am nächsten Tag zumindest an diesem Weg zu schnuppern und die ersten 2-3 Meilen bergab und wieder bergauf zu laufen.

Der Weg ist zuerst richtig vereist, und wir sind froh, daß wir die Rangerwarnung ernst genommen und uns Eiskrallen unter die Wanderschuhe geschnallt haben. Was wir hier an Touristen den Weg in Stoffschühchen herunter rutschen sehen ist grotesk. Vorsicht oder gar Angst kennen die Wenigsten.

 

Wir machen nach ca. 1,5 Stunden eine Rast mit Picknick, genießen die Aussicht und drehen um. Jetzt geht es für mindestens 2 Stunden wieder bergauf. Martina, beim heruntergehen doch zaghaft ob der Steilheit und der Höhenangst, dreht jetzt auf. Andauernd bleibt sie stehen, macht Fotos oder quatscht mit anderen Wanderern und holt doch immer problemlos wieder auf, während ich mir wie eine bergauf rollende Dampfwalze vorkomme. Langsam und bei jedem Meter schnaufend!

Zurück auf dem Campingplatz leg ich mich erst mal eine Stunde aufs Bett und Tina dreht `ne Runde mit dem Rad (Feuerholz sammeln). Leute: Ich glaub` ich werde alt!

Am nächsten Tag führt unsere Route nach Page. Die Straße dorthin ist wieder einmal ein Traum.

Auf dem WalMart Parkplatz steht schon ein deutscher Truck. Wieder ein Magirus.

Wir warten auf die Besitzer und lernen so Esthela und Carsten kennen. Die beiden sind schon seit mehr als 2 Jahren unterwegs und haben in Buenos Aires begonnen. Klar, daß der Plan für den Abend umgeworfen wird und wir zusammen hocken. Wieder einmal sind wir gerne in der Rolle des Zuhörers, erfahren wir doch von vielen spannenden Erlebnissen der beiden in Südamerika.

Der nächste Tag vergeht mit einer Wanderung zum Horseshoe Bend, einer atemberaubenden Schleife des Colorado Rivers ca. 120 Meter unter uns.

Danach schauen wir uns die zweitgrößte Staumauer der USA an, den Glen Canyon Dam. Hier wird das Wasser des Colorado Rivers zum Lake Powell aufgestaut.

 

 

Weiter geht unsere Fahrt, allerdings verlassen wir heute Arizona und erreichen Utah. Direkt hinter der Grenze beginnt das Monument Valley. Es liegt mitten in der Navajo Indian Reservation und ist wirklich monumental. Dazu gibt es einen sogenannten “primitive Camping” für 5$ die Nacht. Hat absolut nichts zu bieten außer Aussicht. Aber die ist Weltklasse! Sprachlos machen wir nach unserer Ankunft ein Foto nach dem andern, nur um zu erkennen, daß die Bilder zum Sonnenuntergang noch um ein Vielfaches besser sind.

Auch bei Mondschein wirkt es toll.

Und hier noch einmal zum Vergleich ein Bild bei Sonnenuntergang und eines bei Sonnenaufgang. Fotografiert am nächsten Morgen um 06:22Uhr.

Jetzt sind wir einmal früh auf, da machen wir unsere persönliche Monument Valley Rundtour auch ganz früh und völlig ohne andere Touristen. Man darf hier mit dem eigenen Fahrzeug nämlich einen ca. 23km langen Rundtrip befahren, vorausgesetzt, das Fahrzeug ist geländegängig. Und das ohne Extrakosten! Wir können uns nicht retten vor lauter Spitzenmotiven. Daher konnte ich die Bildauswahl auch nicht kleiner machen, sorry!

Was kippt wohl zuerst um?

Von unserem motorisierten Ausflug zurück, beschließen wir noch eine 3,5 Meilen Wanderung (Wild Cat Trail) anzuhängen. Der Trail beginnt direkt am Campingplatz und verläuft als Rundweg um eines der “Monumente”.

Wieder liegt ein spannendes Ziel unserer Reise hinter uns. Es ist aber auch schon der 20. März, und das Damoklesschwert des 10.Mai schwebt über uns. Also auf zu den “Canyon Lands” dem nächsten Utah-Nationalpark. Auf dem Weg weiß unser Reiseführer aber noch von zwei kleinen Abstechern zu berichten. Zuerst kommen wir zum “Valley of the Gods”, durch das eine 27km lange Gravelstrecke führt. Phantastisch. Mir gefällt es fast noch besser als das große Monument Valley.

Wir hätten hier auch überall campen dürfen, doch es ist erst Mittag und wir wollen noch zum zweiten Abstecher, dem “Natural Bridges National Monument”. Auch hier sind wir a) sprachlos bei diesen Naturwundern und b) völlig allein unterwegs. Es ist einfach atemberaubend, diese “Brücken” aus Fels zu betrachten und unter ihnen hindurch zu wandern.

Am nächsten Tag kommen wir in den südlichen Teil des Canyonland Nationalparks, Needles genannt wegen der vielen nadelförmigen Felsspitzen. Gerade bekommen wir noch den letzten Platz auf dem einzigen Campingplatz und starten zu eine 3-4 stündigen Wanderung durch diese unbeschreibliche Landschaft.

Upps! Beinahe wäre ich stecken geblieben!

Es ist so einzigartig hier, daß wir noch einen Tag bleiben. Zwei weitere Wanderungen haben es uns angetan. Langsam stellt sich bei mir auch wieder so etwas wie Kondition ein. (Fange jetzt erst nach dem 4. Kilometer das Schnaufen an! J ).

Der nächste Morgen bringt allerdings schlechtes Wetter. Es ist kalt (unter 3°C), es stürmt und es schneit! Nicht schlimm, wir wollen sowieso unseren Standort wechseln und fahren nach Norden, nach Moab. Dieses kleine Städtchen bietet alles zur Versorgung für die nächste Woche, denn wir wollen in den “Arches” und dann in die nördliche Hälfte des Canyonlands Nationalparks.

Abends erreicht uns eine Mail von Simone und Olaf. Sie sind am Grand Canyon eingeschneit. Oweiha, da haben wir ja noch Glück, wenn auch für die nächsten Tage Regen angekündigt ist. Abwarten!

Nach dem Abendessen hat sich unser Plan schon wieder geändert. Wir brauchen einen Zahnarzt. Martina hat eine Krone verloren. Waren meine Spaghetti wohl doch nicht “al dente” sondern “al dentiste”.

Am nächsten Morgen wirkt nach längerer Pause wieder einmal unsere Glückssträhne. Obwohl freitags alle Zahnärzte geschlossen haben, ist der Arzt in der Praxis und nach 15 Minuten ist die Krone wieder eingeklebt und wir sind “on the road again”.

Die Straße in den “Arches” ist spektakulär, so wie der ganze Park. Leider können wir hier nicht über Nacht bleiben, der einzige Campingplatz ist schon bis Juni ausgebucht. Allerdings ist dieser Nationalpark relativ klein, so daß man an einem Tag alles sehen und erwandern kann.

Die Landschaft versuche ich nicht zu beschreiben, mir fehlen die Worte.

Den Abend verbringen wir mit Carsten und Esthela, die wir hier zufällig wieder getroffen haben, auf einen BLM Camp Ground direkt außerhalb der Parkgrenze am Ufer des Colorado River.

Am Morgen machen wir uns auf in den nördlichen Teil des Canyon Lands National Parks. Wir laufen fast alle Hiking Trails und halten an allen Aussichtspunkten.

Wieder einmal ist die Landschaft “breath taking”. Andererseits bemerken wir an uns langsam eine “Rote Felsen Sehmüdigkeit”. Mal sehen, wann die Landschaft wieder eine andere Farbe bekommt.

Wir übernachten auf einem fünf Sterne Campingplatz, hier ein Bild von der erstklassig belüfteten Sanitäranlage.

Heute ist der 31. März. Wir sind in Green River/Utah angekommen. Von hier geht es morgen zum Capitol Reef Nationalpark, aber davon wird Martina berichten…Ende April!

Fazit:

Bei der nächsten Gelegenheit kauf ich doch eine Voodoo Puppe!

Reiseroute:

 

Februar 2011

Veröffentlicht in Februar 2011 am März 2, 2011 von crossamerika

‚We burned a lot of gas‘, wie die Amerikaner sagen. In den vergangenen 4 Tagen sind wir 1200km bis Marathon in Texas gefahren. Die letzten Abschnitte auf dem Highway 90 waren kurzweilig. Wir halten nach Winnetou und Pferd Iltschi Ausschau, denn es ist das ehemalige Gebiet der Apachen und Comanchen.

Wirklich sehen wir nur diese Tiere:

Unterwegs stoppt uns die Immigration Station, Paß- und Rauschgiftkontrolle. Die Grenze zu Mexiko ist nah und ungesichert. Wir zeigen unsere Pässe, der Rauschgifthund schnüffelt kurz und wir dürfen weiter fahren.

In Marathon halten wir an der Visitor Information, bestehend aus lediglich einem Unterstand mit Prospekten. Während wir noch überlegen was tun, kommt eine flotte junge Frau auf einem Geländemotorrad. Sie ruft ihren Mann an, er solle kommen, Deutsche mit einem interessanten Truck. Sie zieht den Helm ab, stellt sich als Mary vor und hat doch eher unser Alter. Ihr Ehemann Neil kommt, wir sprechen kurz. Übernachten, ja im Post Park, dort kommen selten Menschen hin, 5 Meilen hinter Marathon. Neil telefoniert mit Sheriff und Co, sie werden informiert, daß ein deutscher Truck im Park über Nacht steht. Mary zeigt uns den Weg, herrlich einsam, mal sehen ob es funktioniert. Tatsächlich stört uns niemand. Gastfreundschaft in den USA.

Am nächsten Morgen ist es kalt geworden und die Vorhersagen sind weiter schlecht. Wir beschließen trotzdem in den Big Bend NP zu fahren. Er ist nach der großen Schleife die der Rio Grande hier macht benannt und der Fluß ist die Grenze zu Mexico. Laut einer Indianerlegende nahm der Große Geist, nachdem er die Welt erschaffen hatte, alle übriggebliebenen Felsbrocken und warf sie auf den Big Bend, daher die Berge.

Wegen der Sommerhitze wird dieses Gebiet auch Teufelsspielplatz genannt, im Juli wird es über 40C° heiß. Zu diesem Zeitpunkt denken wir noch, gut daß wir Winter haben. In Panther Junction angekommen gehen wir zum Ranger Headquarter und holen uns ein Permit für 14 Tage “back country camping”, d.h. wir dürfen auf gekennzeichneten Plätzen stehen, es gibt aber nichts, kein Wasser, keine Mülleimer usw.. Uns egal, wir sind autark. Allerdings müssen im Voraus die Plätze festlegt werden auf denen wir übernachten möchten. Schnell schauen wir uns eine Route aus und geben der Rangerin unseren Plan. Etwas umständlich wird alles handschriftlich in eine Liste eingetragen und es gibt ein handschriftliches Permit mit Zeitplan für uns. Wir hinterlassen eine Nachricht für Olaf und Simone wo wir sind. Über eine wirkliche “Back Country Road” geht es auf unseren 1. ausgesuchten Platz “Pine Canyon Nr. 5″ mit großartiger Aussicht auf die Chisos Mountains. MANni hat die ersten wirklichen Charakterkratzer bekommen, riesige Kakteen ragen in die Straße. Unser “Sundowner” hier oben ist bereits ein Glühwein (Import von Aldi, Florida) und wir sind in dicke Decken gehüllt.

 

Über Nacht fällt das Thermometer auf – 10C°. Am Morgen leichter Schnee und eisiger Wind, die Temperatur ändert sich nicht. Heute entfällt die Wandertour. In der nächsten Nacht haben wir sogar -13C° und morgens etwas Schnee, in der Chihuahua Wüste! Es waren zwei gemütlich faule Tage, wir haben kein Auto und keinen Menschen gesehen!

Am dritten Morgen Sonne und nur noch –6C°, heute gehen wir endlich in den Canyon wandern. Widersprüchliche Landschaft begegnet uns, Wüste und Wald.

Wir fahren zum nächsten gebuchten Camp, Twisted Shoe. Nach übler Piste, 1 Stunde für 8km und weitere Kratzer für MANni ist der Ausblick wieder grandios. Am nächsten Morgen wandern wir zum Juniper Canyon. Der Weg ist eher langweilig und wir drehen nach 2 Stunden bergauf um.

Gerade haben wir die Wanderschuhe ausgezogen hört Lothar einen Motor. Die Haupt Gravel Road ist weit weg, von dort kann das Geräusch nicht kommen. Während wir uns noch wundern, sehen wir wie die “dicke Maggie” sich durch das Gelände wühlt. Die Pattis kommen!

Wir freuen uns sehr und verbringen den Abend frierend und erzählend draußen mit Grillen und ein paar Bier. Leider sind hier Lagerfeuer verboten, irgendwie verständlich, nur schön warm wäre es gewesen.

 

Am nächsten Tag ist es warm und wir genießen den Tag in der Sonne sitzend, die Männer basteln hier und da. Abends wieder grillen und ein paar gemütliche Stunden in der “Maggie”. Am nächsten Morgen heißt es Abschied nehmen, “Maggie” fährt vor. Praktisch, wenn sie schaukelt wissen wir, hier wird es besonders “rough”.

Nach ein paar Meilen trennen sich unsere Wege, wir fahren nach Westen, Olaf, Simone und Paco nach Osten. Unser nächster Platz ist in der Nähe der alten Quecksilber Mine Mariscal. Sie wurde 1943 endgültig geschlossen.

Spannend finde ich allerdings nur die gigantische Aussicht.

Weiter zum Rio Grande, Trockenzeit, so “grande” ist er im Augenblick nicht.

Abends liegt die Mondsichel mal wieder quer, für uns immer noch ein ungewohntes Bild.

Außerdem sehen wir den Großen Wagen auf dem Kopf stehen und eine sehr klare “Milky Way”.

Am nächsten Tag sind die Temperaturen wieder deutlich gefallen. Wir fahren weiter und sehen in der Ferne ein STOP Schild, ungewohnt nach so vielen Tagen “back country”. Wir haben in den 7 Tagen keine 10 Autos gezählt sind ca. 120km offroad gefahren. Getroffen haben wir nur Simone und Olaf!

Selbst Tiere waren fast nicht zu gegen. Die Kojoten haben wir nur jaulen gehört.

Gesehen haben wir Paco J

diesen “Jack Rabbit”

sowie einen “Road Runner” der seinem Namen alle Ehre machte und wie der Blitz verschwand.

Unser letzter primitive Camping heißt Ocotillo Grove. Am nächsten Morgen wollen wir in den Santa Elena Canyon wandern. Eine kurze aber sehr beeindruckende Wanderung.

Ein Roadrunner hat sich offensichtlich verirrt, so bekommen wir aber doch noch ein Exemplar vor die Kamera.

Zurück auf dem Parkplatz spricht uns ein Schwede auf MANni an. Wir erzählen kurz und bei der Verabschiedung sagt er, er wäre der Autotester der damals beim Elchtest die Mercedes A Klasse umgeworfen hat. Ob es stimmt? Warum nicht, danach geht er wandern und wir fahren weiter.

Wir übernachten noch einmal auf Ocotillo Grove. Heute stehen wir zum Sonnenaufgang auf, einmal muß es sein und die Temperaturen sind nur knapp unter 0C°. Eine wunderschöne Stimmung in der Wüste.

 

So sind wir früh unterwegs und fahren weiter auf der spannenden 170 am Rio Grande entlang. Weite Ausblicke und eine Mondlandschaft begeistern uns.

Leider wird ein Problem mit MANni immer deutlicher. Haben wir noch vor ein paar Tagen gedacht nur die Rückholfeder am Kupplungspedal sei verdreckt (wir, o.k. Lothar hat sie gesäubert und gefettet) stellt sich leider heraus, das war es nicht. MANni läßt sich immer schlechter kuppeln und wir sind noch weit im Nirgendwo in Texas. Im Davis Mountain State Park übernachten wir, Lothar sieht sich die Bescherung an. Der Kupplungnehmerzylinder, wie ich gelernt habe, verliert Öl, undicht. Wir sind nicht sicher ob wir noch bis zur nächsten Stadt kommen und beschließen in Fort Davis, ein Dorf mit 900 Seelen zu bleiben. Nach Verhandlung mieten wir uns günstig eine Woche auf dem nicht sehr schönen aber mitten im Dorf gelegenen Camping mit Internet ein. So haben wir immerhin einen Lebensmittelladen, eine Post und ein paar sehenswerte alte Gebäude.

Schnell schreiben wir ein Fax an MAN Düsseldorf mit den Ersatzteilnummern, wir bestellen vorsichtshalber auch neue Bremsbelege mit, und können es im Lebensmittelladen für 1$ versenden.

Was danach passiert hier nur in Kurzform:

Montag morgen rufen wir bei MAN Düsseldorf an. Das Fax ging nach München und von dort weiter an eine Tochtergesellschaft in Florida. Ab jetzt begann die Wartezeit. Erst am Mittwoch ging die Bestellung wieder nach München, die Teile sollen 5 Tage bis Florida (sündhaft teurer Express) und per overnight flight dann zu uns nach Texas kommen, ebenfalls teuer. Bezahlen ist im Land der unbegrenzten Möglichkeiten hier im Dorf nicht machbar. Überweisen geht nicht, kein Konto bei der Bank. Per “wire transfer” ginge es im Lebensmittelladen aber wir müssen bar einzahlen. Die ATM Maschine will uns aber nur 100$ am Tag spendieren, damit kommen wir nicht weit. Zum Glück hilft unsere Bank in Düsseldorf. Gefrustet sitzen wir auf dem Camping, da sehen wir einen “Reisebus” vorbeifahren und im letzten Augenblick das Schild Bocklet. Das ist der Hersteller auch unserer Wohnkabine. Schnell sind wir aufgesprungen, es sind Hiltrud und Helmut, sie haben von Bocklet aus Deutschland ein Ersatzteil für unsere Dachhaube mitgebracht. Wir wußten dank Internet daß sie in der Nähe sind, aber sie kamen zum richtigen Zeitpunkt um uns aufzumuntern. 2 schöne Tage vergingen mit viel Erzählen, Infos austauschen, gemeinsamen Abendessen inkl. Campingchef und beim Dorf Mexikaner mit leckeren Fajitas. Die Zwei haben die Panamericana in Südamerika bereits gefahren. Wir waren mehr als dankbar für die Ablenkung.

Nachdem die Beiden abgereist sind, sitzen wir abends in MANni als es um 21:30 Uhr klopft. Da stehen Simone, Olaf und Paco, die Pattis, vor der Tür. Wir freuen uns sehr. Im Dorf weiß man natürlich daß “Germans” hier sind und wo. Wieder verbringen wir eine schöne Zeit zusammen und gehen noch einmal zum Dorf Mexikaner Fajitas essen.

Am nächsten Morgen fahren die Drei weiter. Unsere Route ist sehr ähnlich, mal sehen wann wir uns wieder treffen.

Am Sonntag gehen wir dann das eigentliche Fort Davis besichtigen. Fort Davis wurde 1854 gegründet. Hier kreuzten sich der berühmte “Chinchilla-Trail” und die “Butterfield Overland Main Road”. Das Fort diente zum Schutz der Postkutschen, Pioniere, Goldsucher und wer immer sich auf dem ca. 1000km langen Trail durch die Wildnis zwischen San Antonio und El Paso befand. Nach dem Bürgerkrieg waren die “Black Buffalo Soldiers” dort stationiert, die großenteils vor dem Krieg Sklaven waren. Bis 1891 war das Fort aktiv.

Die weiteren Tage vergehen mit Warten, Wäsche waschen und einer kurzen Wanderung oberhalb von Fort Davis.

Am Mittwoch warten wir gespannt auf unser “Päckchen”. Um 12:30 Uhr fährt UPS auf den Camping, das kann nur für uns sein. Glücklich nehmen wir das weit gereiste Stück in Empfang. Lothar packt alles aus. Der Zylinder ist richtig und innerhalb einer Stunde eingebaut, die Kupplung entlüftet und alles ist wie vor 1 ½ Wochen. Weg hier! Überglücklich fahren wir weiter bis Pecos. Wir kaufen ein und lernen bei dem Versuch eßbares Brot und guten Käse zu finden Hugh kennen. Er gibt uns ein paar Tips zum Käse und lädt uns kurz entschlossen in seinen privaten Countryclub ein. Nicht weit und wir können vor der Tür übernachten. Das Angebot lehnen wir selbstverständlich nicht ab. Wir lernen seine Frau Gail und einige wohlhabende Bänker und Ranchbesitzer kennen. Hugh lädt uns zu Bier, Wein und Steak ein. Es war ein schöner Abend und die Texaner hatten ihren Spaß mit uns zwei verrückten Deutschen.

Am nächsten Morgen haben wir eine email von den Pattis, die Dicke Maggie hat die selbe Krankheit wie MANni, defekter Kupplungszylinder. Wir haben zwar Maggie und MANni im Big Bend nicht aus den Augen gelassen, aber irgend etwas muß vorgefallen sein, wie kommen sie sonst an die gleiche Krankheit J .

Die Pattis sind in Carlsbad, New Mexico, das liegt an unserer Route. Vorbei geht es an riesigen Ölfeldern und vielen Förderpumpen.

Am frühen nachmittag kommen wir in Carlsbad an und räumen unsere Einkäufe ein, da steht ein Paketbote aufgeregt neben Lothar. Schon das zweite Auto heute aus Germany, das andere stände in der Werkstatt mit Kupplungsproblemen. Das kann nur die Maggie sein, ein Bild auf seinem Handy bestätigt es. Schnell packen wir ein und fahren zur Werkstatt. Tatsächlich, da sind sie! Lachend über so viele Zufälle beschließen wir, wenn die Maggie wieder flott ist, hier zusammen zu übernachten.

Maggie ist tatsächlich mit den reparierten Zylindern wieder auf dem Weg, während MANni gleich einen neuen haben wollte. So oder so, alle sind froh und wir haben viel Spaß auf unserem Stellplatz am Pecos River.

 

 

Am nächsten Morgen fahren wir weiter, verabreden uns aber mit den Pattis in White Sands. 5 Stunden fahren wir durch mehr als abwechslungsreiche Landschaft. Wüste und auf fast 3000 Meter Höhe Wald mit Schnee.

Kurz vor White Sands biegen wir in eine kleine Straße ein. Tip von anderen Reisenden. Tatsächlich steht hier ein kleines Schild “Camping” im Nichts. Wir genießen einmal mehr einen Sonnenuntergang als es an der Eingangstür poltert.

Weil wieder nahe an der Grenze zu Mexiko stand an der Einfahrt ein Schild, verdächtige Personen seien sofort zu melden. Lothar sieht vorsichtig aus dem Fenster. Zwei Soldaten von der nahen US Air Force Base stehen vor der Türe und wollen nur fragen ob bei uns alles in Ordnung sei und uns eine Telefonnummer für den Notfall geben. Dafür hätten sie auch weniger rabiat anklopfen können. Morgen kommt wieder eine Kontrolle, uns soll es recht sein, wir sind vorbereitet.

Das White Sands National Monument liegt in etwa 1200 Metern Höhe. Die schneeweiße Landschaft besteht komplett aus Gips und ist in etwa 10.000 Jahren entstanden.

Abends treffen wir die Pattis wieder, grillen und sitzen bis 24:00 Uhr Draußen.

Am nächsten Morgen weckt uns ein heftiger Sandsturm. Olaf und Lothar wollten eigentlich die Reifen an MANni wechseln, daraus wird heute nichts. Es ist eiskalt und es fallen Schneegriesel. Der nächste Morgen entschädigt mit strahlend blauem Himmel, kein Wind. Früh stehen wir auf und fahren noch einmal zu den White Sands. Wir laufen den Alkali Trail, 7,5km durch weißen Sand, niemand war heute vor uns hier. Es ist anstrengend aber nach 2 Stunden sind wir ohne Sonnenbrand oder verdurstet zu sein wieder bei MANni.

 

 

 

 

 

Nachmittags machen wir uns an die Arbeit. Die Reserveräder können Lothar und ich dank Flaschenzug alleine herunterlassen, Hebekissen pumpen MANni auf, schnell sind dank ein paar Tips von Olaf die Räder gewechselt. Danach machen sich die Männer ans Werk und drehen die Mäntel der demontierten Vorderräder um. Auf den Reserveradhalter bekommen Lothar und ich die Räder allerdings nicht mehr (zu schwer), da müssen wir uns für die Zukunft etwas Neues ausdenken, Olaf ist ja nicht immer dabei.

 

 

Zufrieden werfen wir den Grill an da kommt eine französische Familie mit zwei Kindern und einem großen MAN auf unseren Platz gefahren. Sie sind seid 2003 unterwegs in Asien, Afrika, Südamerika und Nordamerika. Unser Platz ist damit überbelegt.

 

 

 

 

 

 

 

 

Fazit des Monats: Lasse nie einen MANni mit einer Maggie allein.

 

Reiseroute:

 

 

 

 

 

Januar 2011

Veröffentlicht in Januar 2011 am Januar 31, 2011 von crossamerika

Es ist der 01.01.2011 und es ist 1 Uhr morgens. Wir sitzen bei unserem letzten “Tröpfchen”, da fällt mir ein, daß ich in Deutschland extra für diesen Abend “Dinner for one” auf DVD erstanden habe. Und nun hab ich`s vergessen. Jetzt aber schnell noch nachgeholt.

Also sitzen wir um 01:15 Uhr in den Everglades im Wohnmobil, starren auf den Computerbildschirm und amüsieren uns köstlich zum x-ten Mal über “Mister Winterbottom” und “Cheerio Miss Sofie”.

Neujahr, eigentlich gedacht, um sich nach einer ausschweifenden Party zu erholen, verbringen wir auf dem Fahrrad und in der Marina bei einem leckeren Eis. Abends kommt Markus zu Besuch und wir essen zu dritt, trinken das ein oder andere Bier und quatschen übers Reisen. Markus erzählt uns viel über seine Trips durch Rußland, Australien und Afrika.

Leider ist nun unser “Urlaub” zu Ende und wir verlassen den Everglades Nationalpark. Vorher halten wir aber zum zweitenmal bei Royal Palm. Wer weiß, ob wir noch einmal Alligatoren und exotische Vögel so hautnah erleben können.

Nach Großeinkauf und Telefonat mit Laura machen wir uns auf den Weg zu den Florida Keys. Laura haben wir vor Monaten im Hafen von Halifax kennen gelernt. Sie wohnt auf Key Largo, der größten der Inseln und betreibt mit ihrem Mann eine Delphinschule. Hier kann man sogar mit den Delphinen schwimmen. Laura hat uns damals eingeladen, sie zu besuchen, wenn wir jemals in Florida wären. Das werden wir jetzt morgen tun. Und nicht nur das, für 13:00 Uhr haben wir einen Termin mit Flipper und Co. Wir sind sehr gespannt. Die Nacht verbringen wir auf einem Campingplatz auf Key Largo, bei dem nur der Preis von 67$ erwähnenswert ist und sind mittags bei Laura und Erich, ihrem Mann. Pünktlich um 13:00Uhr beginnt eine junge Dame uns und 6 anderen “Mitschwimmern” sowie ca. 25 Zuschauern alles Wissenswerte über die Anlage “Dolphins Cove” und die 4 hier wohnenden Delphine, Samantha, Leo, Alfonz und Kimbit zu erzählen. Dann heißt es für uns 8, Neoprenanzüge an und hinein ins Wasser. Brrrrr, ist das kalt. Für zirka 30 Minuten werden nun jeweils 2 Delphine von ihrer Trainerin zur Bespassung von 4 Schwimmern ermuntert. Und es macht wirklich Spaß, wie die folgenden Fotos zeigen, die übrigens von einer Mitarbeiterin aufgenommen wurden. Zum Abschluß erhält man eine DVD mit Bildern. Bei uns mehr als 50!

 

Gegen 15:30 Uhr machen wir uns auf den Weg weiter Richtung Süden und kommen nach ca. 160km auf Key West, der letzten Insel in der Reihe, an.

Campingplatzsuche ist einfach, es gibt nur 2. Wir nehmen für die erste Nacht den Billigeren für 69$ (uijuijui) und weil der für die zweite Nacht ausgebucht ist, ziehen wir um auf den Teureren für 90$ (Uijuijuijuijuijuijui). Sie gefallen uns beide nicht. Es ist eng, voll und laut. Aber wir wollen einmal die “Sunset Celebrations” auf Key West miterleben. Das ist so etwas wie ein kleiner Jahrmarkt mit Gauklern, Jongleuren und Musikern, der jeden Abend kurz vor Sonnenuntergang auf der Promenade beginnt und ca. eine Stunde dauert. Wir wärmen schon mal mit einem Mojito vor und stürzen uns dann ins Getümmel.

Wir sind von den Darbietungen wirklich begeistert. Vor allem wie diese Artisten es schaffen, das Publikum mit in ihre Show einzubeziehen ist toll. Wir gehen erst, als der letzte Gaukler einpackt und radeln zurück zum Campingplatz. Der ist zu allem Überfluß auch noch Moskito verseucht und wir verziehen uns auf dem teuersten Campground unseres Lebens sehr früh nach drinnen.

Okay, die Keys muß man gesehen haben, jetzt aber nichts wie weg hier. Am achten Januar sind wir auf einer Geburtstagsparty eingeladen und dahin sind es noch fast 700km zu fahren. Wir übernachten im Big Cypress National Reserve auf einem traumhaft schön gelegenen Campingplatz für 19$. Gott sei Dank, die normale Welt hat uns wieder.

Kurz vor St. Petersburg erreichen wir die Tampa-Bay, deren Einfahrt zum Golf von Mexico von einer kühn anmutenden Brücke überspannt wird.

Die Brücke ist “toll”, man muß also bezahlen, aber der Umweg wären ca. 100km, also nehmen wir das Risiko (man weiß ja vorher nie, wieviel sie für MANni verlangen) auf uns. Der freundliche Herr an der Booth will dann tatsächlich nur einen Dollar, und läßt sich auch von meinem 20 Dollarschein nicht aus der Ruhe bringen. Manches ist eben auch in Florida preiswert. Dank unseres Navis finden wir das Haus von Ingeborg sofort und erschrecken alle Nachbarn, als wir direkt in der Hauseinfahrt parken. Ingeborg ist übrigens die Schwester von Hella, die wir mit Mann Edgar in Meat Cove auf Cape Breton Island kennen gelernt haben. Als wir den Beiden mailten, daß wir gerade in Florida seien, haben sie uns spontan eingeladen. Wir werden herzlich aufgenommen und gehen gemeinsam am Abend auf ein Straßenfest in St. Pete. Geradezu europäisch. Eine Live-Band spielt, es gibt Bierstände und es ist relativ voll.

Der nächste Vormittag vergeht mit Vorbereitungen für die Party und Edgar und ich kopieren uns gegenseitig unseren Vorrat an Spielfilmen. Martina und Hella tauschen Bücher und so ist unsere Medienbibliothek wieder um ein Stück gewachsen. Die Party startet um 15:00 Uhr und findet gleichzeitig drinnen, auf der Terrasse und im Garten statt. Es gibt eine große Schüssel Margerita und mit der Dämmerung werden draußen Feuer angezündet.

Ich steige nach dem 3. Glas “Bowle” erstmal auf Wasser um. Diese Margeritas sind superlecker und trinken sich wie Limo, haben aber eine Menge Alkohol. Später am Abend packe ich die Gitarre aus und wir machen Lagerfeuermusik.

Inge lädt uns ein, noch ein zwei Tage länger zu bleiben, und so erkunden wir mit Edgar und Hella die Gegend um die Tampa Bay. Die weißen Sandstrände dort sind schon etwas besonderes. Von hier soll in die ganze Welt Sand zum Bau von Eieruhren exportiert werden. Ob`s stimmt? Fein genug ist er jedenfalls.

Am Dienstag brechen wir dann endlich wieder auf. Wir wollen eine Werkstatt aufsuchen, die in der Lage ist, bei MANni die Spur einzustellen. Unsere schönen Michelin Reifen werden vorn sehr einseitig (außen) abgefahren. Von einem der Partygäste haben wir den Tipp für eine Werkstatt bekommen. Die suchen wir auf und, wie das immer ist, bekommen einen Tipp für eine andere Garage. Sie selbst können so etwas nicht. Na gut, also 30 km weiter nach Tampa zu “Frame and Axles”. Hier wird unser MANni direkt auf die Vermessungsbühne gefahren und wir erfahren, daß Spur und Sturz nicht stimmen. Spur einstellen wäre je schnell und einfach zu machen aber den Sturz könne man nur einstellen indem man die Vorderachse ausbaut und in einer speziellen Presse verbiegt. Nicht nur der Preis von 1500$ läßt mich erschreckt zusammen fahren. Achse ausbauen und verbiegen? Nee nee, ich kann nicht glauben, daß unsere Achse verbogen werden muß und auch Billy, der technische Chef räumt ein, es wäre möglich, daß dieser Sturz gewollt sei und somit konstruktionsbedingt. OK, ich lasse die Spur einstellen, zahle 110$ und wir sind 2 Stunden später wieder on the Road, beide der Meinung, das Auto führe jetzt ruhiger und der Geradeauslauf hätte sich verbessert.

Gut gelaunt besuchen wir eine Stelle der Tampa-Bay, an der man die Manatees sehr gut beobachten können soll. Hier liegt ein großes Kraftwerk am Ufer und das Kühlwasser heizt die Bucht um 2-3°C auf, und das finden die Seekühe im Winter wohl sehr angenehm. Tatsächlich sehen wir zirka 20 bis 30 dieser langsam und behäbig dahin gleitenden Tiere aus nächster Nähe. Leider taucht immer nur eine Nase auf, so daß auf den Fotos nicht sehr viel von ihnen zu sehen ist. Eine Amerikanerin neben uns meint: “They look like big potatoes”. Und damit hat sie irgendwie recht. Auch ein ganzer Schwarm Rochen ist zu sehen, die aber logischerweise gar nicht auftauchen.

Wir nehmen Kurs auf den im Binnenland gelegenen Ocala State Forest. Hier gibt es das “andere” Florida mit vielen kristallklaren Quellen und einigen sehr einfachen, schönen Campgrounds. An einem Office erstehen wir eine Karte des Parks die uns wirklich viel hilft. Jede Sandpiste, und davon gibt es hier hunderte Kilometer (der Wald ist größer als der Kreis Mettmann), ist eingezeichnet und so benutzen wir für die nächsten Tage keine Asphaltstraßen mehr. Auch Martina nimmt ihre erste “Auf Sand” Fahrstunde und hat sichtlich ihren Spaß. Wir genießen die Wildnis mit einigen Wanderungen und abends mit Lagerfeuer.

 

Leider müssen wir nach 4 Tagen diese traumhafte Einsamkeit wieder verlassen, sonst wird das bis Mai nix mit unserer Route durch die USA. Jetzt ist erst mal wieder Arbeit angesagt, denn von der 20.000er Inspektion fehlt immer noch der Ölwechsel. Den möchte ich selbst machen. Ist ja kein Akt, allerdings fragt sich wo geht das und wie entsorgt man das Altöl. Wir steuern Tallahassee an und fragen im ersten WalMart. Kein Problem, jeder WalMart mit Autowerkstatt nimmt kostenlos Altöl an. Also kaufen wir 4 Gallonen Motoröl, einen Trichter und eine billige Wanne. Auf unserem weiteren Weg liegt wieder ein großer State Forest und da es dort sehr einsam ist, wird es mit dem Ölwechsel schon klappen.

Leider kommt‘s mal wieder anders. Dieser Wald hat keine Campings und auch unser Versuch, einfach so im Wald zu übernachten scheitert einfach mangels Möglichkeiten. Es gibt zwar genügend Wege, aber links und rechts davon sehr tiefe morastige Gräben. Nirgendwo eine Chance, den Weg zu verlassen, noch nicht einmal wenden könnte ich hier. Als dann, es wird schon dunkel, auch noch der Weg direkt vor uns in einem großen Schlammloch endet, und ich bis zur letzten Abzweigung rückwärts fahren muß, haben wir keine Lust mehr auf Wald. Der nächste State Park Camping liegt nur 17 Meilen entfernt an der Küste. Den nehmen wir jetzt. Allerdings überrascht uns am Parkeingang eine Schranke und das Schild: “Open from 8AM to sun down”. Na toll, es ist jetzt 19:00Uhr vorbei, weiterfahren hat keinen Sinn, zumal immer mehr Nebel aufzieht. Wir parken kurzerhand neben der Schranke und übersehen großzügig das Schild “No parking”.

Am nächsten Morgen melden wir uns an und sind so schon vor dem Frühstück auf dem Campground. Der liegt wirklich herrlich in den Dünen. Allein von der Anmeldebude bis zu unserem Platz sind es mehr als 4 Meilen.

Der Ölwechsel ist schnell erledigt und wir machen eine ausgedehnte Beachwanderung. Es ist immer noch neblig, aber wir haben kilometerweise Strand für uns allein. Und Muscheln liegen hier, und Seesterne und Schneckenhäuser, unglaublich, diese Menge und Vielfalt. Dazu Sand so fein wie Puderzucker. Abends gibt’s wieder Lagerfeuer, dieses Mal mit Nebel.

 

Wir machen uns auf den Weg. Es geht weiter in Richtung Alabama. Vorher wollen wir noch ein oder zwei Tage im St. Joseph State Park verbringen. Ein Tipp von Sandra und Carsten. Dieser Park liegt in der äußersten Spitze einer schmalen langgezogenen Halbinsel. Man steht in den Dünen und kann wandern und Fahrrad fahren. Wir bekommen einen traumhaften Platz unter Palmen

und laufen den ganzen Tag den Strand auf und ab und genießen einmal mehr einen traumhaften Sonnenuntergang.

Am Tag darauf machen wir eine Fahrradtour, die allerdings sehr anstrengend verläuft, weil die Räder ständig im überall vorhandenen feinen Sand einsinken. Wir hätten wohl die Hälfte der Luft ablassen und die Diff. Sperren einlegen sollen. Wir sind halt immer noch Sandfahranfänger.

Die Küstenstreifen von Alabama und Mississippi erweisen sich in unseren Augen als wenig sehenswert. Strand hatten wir vorläufig genug. Wir bleiben auf der Interstate 10 und fahren direkt nach New Orleans. Wir wollen das French Quarter besuchen, ein bißchen Jazzmusik hören und vielleicht die ein oder andere Margerita probieren. Unweit des Zentrums gibt es einen WalMart auf dessen Parkplatz man über Nacht stehen kann. Von dort nehmen wir morgens den Bus (5Minuten) und die Street Car, eine uralte Straßenbahn, die für 2-3km gute 20 Minuten braucht. Es ist jedoch herrlich nostalgisch, auf den blank polierten Holzbänken sitzend durch die City gefahren zu werden.

An der Endstation beginnt direkt die berühmte Bourbon Street, die Vergnügungsmeile von New Orleans. Leider folgt die Ernüchterung ziemlich bald. Von Jazzkneipen ist nur wenig zu sehen. Es gibt Stripteaselokale, Andenkenbuden und Fastfood an jeder Ecke. Und es stinkt, wir werden beide sofort an die Geruchskulisse von Kathmandu in Nepal erinnert. Die Architektur entschädigt ein wenig. Man sieht überall reich verziertes Gußeisen und wird an jeder Ecke an den berühmten Beerdigungszug aus einem James Bond Film erinnert.

Wir laufen jede andere Gasse dieses Viertels ab, aber Lust auf Essen oder Margarita haben wir nicht mehr. Und für Live Musik sind wir zu früh dran, also beschließen wir, einmal mit der blauen Street Car Linie die Waterfront auf und ab zu fahren. Das ist eine Strecke von ca. 6 km, aber zu unserer großen Enttäuschung sieht man den Mississippi so gut wie nie. Dafür geht die Fahrt an endlosen Rückseiten von Lagerhallen entlang, wir sehen das Cruiseship-Terminal, allerdings nur die Hinterseite, ein paar häßliche Parkplätze und das New Orleans Aquarium (auch von hinten). Enttäuscht laufen wir zur Canal Street, auf der die rote Street Car verkehrt. Dies ist die Haupteinkaufsstraße von New Orleans. Sie ist wirklich schön anzusehen und wir bummeln ein wenig an den Geschäften vorbei.

 

Leider beginnt es nun zu regnen. Wir haben heute einfach kein Glück, also entern wir die grüne Bahn und lassen uns Richtung Bus schaukeln. Der kommt immerhin relativ schnell, so daß wir nach 6-7 Stunden New Orleans Rundtour wieder bei MANni sind. Wir machen uns ein Bier auf und schieben eine Paolo Conte CD ein. So haben wir unseren Drink und Jazz-Musik letztendlich doch noch bekommen.

Heute wollen wir eine Plantage besuchen. Wir überqueren den Mississippi und fahren auf der “Old River Road” den Fluß aufwärts, vorbei an schönen Herrenhäusern, jedes früher einmal das Wohnhaus eines reichen Zuckerrohrplantagenbesitzers.

Das Haupthaus der Oak Alley Plantation besichtigen wir. Eine Dame in einem historischen Kostüm führt recht witzig und kurzweilig durch die Räume des Gebäudes.

Mittlerweile haben wir uns mit Simone und Olaf (die beiden mit dem großen Magirus) über e-mail im Big Bend Nationalpark im Südwesten von Texas an der mexikanischen Grenze verabredet. Wir machen uns also auf den Weg und bleiben die nächsten Tage auf der I-10 in Richtung Westen. Es sind immerhin 1300km quer durch Louisiana und Texas.

“Lone Star State”, wir kommen!

Kurz vor Houston müssen wir uns einmal mehr den Weg durch ein typisch amerikanisches Autobahnkreuz suchen. Was sind wir froh ein Navi zu besitzen. Duisburg Kaiserberg kommt uns jetzt wie eine Vorstadtkreuzung vor.

Zirka auf halben Weg machen wir aber dank Simones Tip noch einen Zwischenstop in San Antonio. Hier liegt das berühmte Alamo, eine Missionsstation, die 1836 von der mexikanischen Armee belagert und in Schutt und Asche gelegt wurde. Die Älteren erinnern sich sicherlich noch an den Western “Fort Alamo” mit John Wayne als David Crockett. Heute liegt dieses Gelände wirklich mitten in der Millionenstadt, unvorstellbar, daß hier vor ca. 170 Jahren Platz genug war für die Kavallerie.

Nur ein paar Meter von Alamo entfernt liegt San Antonios zweite echte Sehenswürdigkeit: der Riverwalk. Ein Kanal schlängelt sich durch die Innenstadt und an beiden Ufern verläuft dieser Fußweg. An jeder Ecke gibt es Bars und Restaurants, viele Menschen sitzen auf den Terrassen bei einem Bier oder Kaffee und die Stimmung ist so locker, daß man denkt man wäre in Südamerika und nicht in den sonst so puritanischen USA.

In einem kleinen Laden begegne ich schließlich noch dieser hübschen Südstaatlerin, die ich spontan “Texas Lightning” taufe (aber bitte verpetzt mich nicht bei Martina).

Auf dem immer noch 500km langen Weg zum Big Bend Nationalpark kommen wir an vielen Ranches vorbei, oder besser gesagt an den Eingangstoren. Die Ranches selber liegen so weit von der Straße weg, daß man sie nicht sehen kann. Texas ist wirklich riesig.

Unsere letzte Januarnacht verbringen wir wieder einmal in einem State Park. Diesmal sehr nah an der mexikanischen Grenze mitten in der weiten Prärie.

 

 

 

Fazit des Monats:

Florida hat viel mehr zu bieten als Strände, schnelle Autos und Yachten.

 

Reiseroute:

Dezember 2010

Veröffentlicht in Dezember 2010, USA am Januar 3, 2011 von crossamerika

Leider beginnt der 1. 12. nicht so schön wie der November aufgehört hat. Wir werden von Wind und Regen geweckt. Maria hatte uns gestern schon gewarnt, es gibt Sturm. Egal, wir wollen in die Stadt und überlegen noch was wir anziehen, da hören wir auch im Radio eine Sturmwarnung und die Ansage von heftigsten Regenfällen. So schnell wird aber nicht aufgegeben. Wir beschließen Trekking-Jacken und darüber noch die Wanderponchos anzuziehen. Schirme funktionieren nicht, das haben wir beim Frühstück bereits beobachtet. Zwei mal Regenschutz sollte für den 20 minütigen Weg bis zur U-Bahn genug sein. Während wir noch alles zusammensuchen wird MANni von einer Sturmböe hin- und hergeschaukelt. Wir sehen hinaus und der Regen kommt waagerecht auf uns zu. So kommen wir nicht bis zur U-Bahn, das Schnellboot können wir auch nicht mehr nehmen, der Ticketschalter ist bereits ab 10:00 Uhr geschlossen und es ist 10:05 Uhr. Wir bleiben wie alle Nachbarn einen Tag zu Hause und faulenzen. Schade, wenn New York City so nahe ist, aber nicht zu ändern; zumal in den Häuserschluchten der Sturm noch schlimmer sein würde.

Dafür erwachen wir am nächsten Morgen bei strahlendem Sonnenschein, das Unwetter ist weitergezogen. Unsere Füße sind gut erholt und wir sind dank der U-Bahn in 35 Minuten Midtown New York City. Zuerst ist der große Elektronik Laden “H&B” an der Reihe, wir brauchen einen Ersatzakku für unsere Kamera. So ein Geschäft haben wir noch nicht gesehen. An der Theke müssen Nummern gezogen werden und dann wird aufgerufen, die Ware geht auf Fließbändern zur Ausgabe. Vorher müssen wir natürlich an einer der vielen Kassen bezahlen. Das Geschäft wird von Juden geführt und die meisten Angestellten tragen jüdische Trachten und Frisuren. Danach ist das große Kaufhaus Macy’s an der Reihe. Spielwarenabteilung und Weihnachtsdeko, mehr brauchen wir nicht.

Als nächstes ist die wunderschöne New Public Library an der Reihe und der dahinter liegende Bryant Park. Hier wird Schlittschuh gelaufen wo wir vor Jahren Pizza draußen gegessen haben. Die Highlights Grand Central Station, Time Square, Chrysler Building und Empire State Building dürfen nicht fehlen.

 

 

 

 

Wir haben uns entschieden diesmal nicht auf die Empire zu fahren, sondern dem 2005 wieder eröffneten “Top of the Rock” den Vorrang zu geben. “Top of the Rock” ist die obere Plattform des Rockefeller Centers. Auf eine lange Wartezeit gefaßt, sind wir aber dank guter Organisation in 30 Minuten oben, gerade richtig zum Sonnenuntergang. Was für eine Stadt…….. die Bilder sagen alles.

 

Wieder unten besichtigen wir den Prometheus an der Eisbahn und die berühmte Weihnachtsdeko vor dem Rockefeller Center.

 

Tiffany’s für mich und den Spielwarenladen FAO Schwarz für Lothar lassen wir nicht aus. Am Central Park ist der zweite Weihnachtsmarkt von New York und dort wollen wir Ingo, den Freund von Maria treffen und eine echte importierte deutsche Bratwurst essen. Ingo weiß bereits alles über uns und wir erzählen und tauschen ein paar Infos aus. Die Bratwurst wird von …. gebraten, ebenfalls Deutscher und ….. hilft beim Kinderpunsch ausschenken.

Beides schmeckt auch uns vorzüglich! Der Weihnachtsmarkt schließt um 20:00 Uhr, schnell gehen wir noch bei Maria an einem anderen Stand “hallo” sagen und verabschieden uns. Vielleicht sehen wir uns im Sommer an der Westküste, wer weiß.

 

Dann machen wir uns auf den langen Heimweg. 26 Straßen weit herunter zur U-Bahn, 15 Minuten Fahrt und ein 20 minütiger Fußmarsch zu MANni. Wie schön, Füße hoch und man ist wieder zu Hause. Ein langer und wunderschöner Tag in einer faszinierenden Stadt.

Tag 3 in der “City”. Am Anfang ist Lothar Tag. Zuerst zu Victoria’s Secret (nur schauen J ) dann kaufen wir ein verfrühtes Geburtstagsgeschenk. Ein Foto davon in Aktion gibt es später bei wärmerem Wetter. Irgendwie paßt es noch in MANni, ich habe ja extra nichts bei Victoria’s eingekauft! Von hier geht es Richtung Hudson River auf die ‚Intrepid‘, einen Flugzeugträger aus dem 2. Weltkrieg, mit Museum und vielen alten Flugzeugen. Die Küche und die Messe sowie die Schlafräume haben wir auch besichtigt. Immerhin lebten 3000 Menschen auf diesem Schiff. Trotz seiner Größe kann man kaum glauben das auf dem Schiff Flugzeuge starten und landen konnten.

 

 

Wir bleiben länger als erwartet und müssen uns schleunigst auf den Weg zum Central Park machen, denn die dortige Eislaufbahn hat besonders in der Dämmerung eine wunderschöne Häuserkulisse im Hintergrund.

Ein Besuch im Edelkaufhaus Bloomingdales, kurz Bloomies genannt darf nicht fehlen. Wir möchten nur die Weihnachtsartikel und -deko anschauen. Das kleine Klavier fanden wir so wunderschön bis gruselig kitschig. Man kann verschiedene Täfelchen mit Weihnachtsliedern auf den Notenständer des Klavieres legen und die Maus spielt dann u.A. Oh Tannenbaum oder Stille Nacht. Sogar die Tasten bewegen sich.

 

Der Weg zur U-Bahn ist wieder lang, bei Macy’s noch ein Abschiedsrundblick, dann geht es in den Untergrund. Morgen fahren wir weiter!

Übrigens, die Stiefel die ich in Kanada noch so toll fand, haben wir nicht gekauft, hier zwar 100 Dollar billiger aber an jedem dritten Paar Füße! Außerdem brauche ich sie in Florida nicht mehr!

Unser Kreditkarten Problem haben wir zwischenzeitlich auch gelöst. In Ambler bei Philadelphia hat mein ehemaliger Arbeitgeber eine Niederlassung. Dort habe ich vor 6 Jahren zwei Wochen gearbeitet. “Philly” und damit auch Ambler liegen 150 km hinter New York auf unserem Weg. Dank “alter Kollegen” sind die Kreditkarten sicher eingetroffen und glücklich holen wir sie ab. Vielen lieben Dank!

 

Wir fahren durch Lancaster County und sehen ein paar Amish People beim Einkaufen!

Es wird nun richtig kalt, nachts ist es –5°C und tagsüber geht es auch nicht über null! Hätte ich doch die Stiefel gekauft J ! Die Abwasserrohre beginnen einzufrieren und wir auch. Es gibt nun drei Möglichkeiten in den Süden: Interstate, Küste oder die Appalachian Mountains. Als wäre es nicht kalt genug entscheiden wir uns für die Mountains. Wir können nochmal alle Abwässer ablassen, nun sind wir wieder für einige Tage autark, solange die Leitungen zu den Tanks unterm Auto offen bleiben. Bei bestem Winterwetter erreichen wir den Shenandoah National Park in Virginia um den Skyline Drive zu fahren. 150 km geht es über eine traumhafte Straße mit ein bißchen Schnee, vereisten Wasserfällen und wunderschönen Ausblicken. Wir sind fast so alleine unterwegs wie in Labrador!

 

Übernachten dürfen wir nicht im Park, alle Campgrounds sind zu und auf den Rest Areas ist es verboten. So bleibt am Ende des Parks mal wieder WalMart übrig. Es ist allerdings sehr schön ruhig und die Temperaturanzeige zeigt morgens um sieben –8°C an. Wir drehen uns noch einmal kurz um, dann aber raus, die Sonne scheint von einem strahlend blauen Himmel. Der Blue Ridge Parkway schließt sich direkt an den Shenandoah NP an, den möchten wir weiterfahren. Gut gelaunt und warm in MANni sitzend fahren wir los und dann das:

 

Enttäuschung macht sich breit, unsere Gesichter hätte ich gerne gesehen. Was nun? Wir fahren zurück zur Ranger Bude des National Parks. Die nette Dame erklärt die Straße sei zu vereist, daher gesperrt. Sie macht sich aber die Mühe uns alle offenen Teilstücke aufzuschreiben. So ganz glauben wir nicht an das Eis, sondern vermuten daß die Strecke einfach im Winter immer gesperrt bleibt. Uns bleibt nun doch nur die Interstate. Wir kommen natürlich schneller voran und die Landschaft ist mit sehr großen und schönen Farmen kurzweilig. In das nächste längere offene Parkwaystück biegen wir ein. Schon nach der ersten Kurve müssen wir gestehen der Rangerin zu unrecht nicht geglaubt zu haben.

 

Die 50 Kilometer sind dank 4×4 gut zu fahren, zumal das Eis nicht überall ist. Dort wo die Sonne hinkam ist es bereits getaut. Der Parkway ist im Vergleich zu der Strecke gestern schön, aber die Landschaft ist ein wenig eintöniger. Nach einer weiteren kalten Nacht wollen wir die Fahrt auf dem Blue Ridge Mountain Parkway fortsetzten. Bereits nach ca. einer halben Meile verliert MANni den Halt unter seinen Reifen. Er schlingert beängstigend auf dem Eis. Einstimmig beschließen wir umzudrehen und auf der geräumten Straße weiter zu fahren. Die Landschaft ist leicht verschneit aber mehr gibt sie nicht her. Plötzlich trauen wir unseren Augen nicht, eine riesige “Tannenbaum-Plantage”. Über Kilometer geht es vorbei an diesen Weihnachtsbaumfeldern. Hier muß die Produktion für ganz USA sein, in North Carolina!

 

 

Nach einer lauten Nacht, Autorennen auf dem WalMart Parkplatz, fahren wir in den Great Smoky National Park.

Vorher kommen wir an einem großen RV Dealer vorbei. Wir halten an, denn wir suchen noch einen speziellen Campgroundführer für die USA. Schnell werden wir fündig, aber danach müssen wir uns noch die 300000-600000 $ teuren Ami Camper ansehen. Nein, tauschen wollen wir nicht, obwohl sie Spülmaschine, Waschmaschine und Trockner sowie die bekannten 3 Flat-Screen Fernseher an Bord haben.

 

Der Campingplatz im Great Smoky NP ist verlassen. Der Ranger kündigt uns für diese Nacht Schnee und für morgen noch mehr Schnee an und besonders extrem fallende Temperaturen. Außerdem wird er die Straße, welche weiter in den Park führt morgen schließen. Wir warten ab und genießen eine ruhige Nacht, sehr ruhig denn morgens sieht es so aus:

 

Jetzt reicht es aber, auch im Radio hören wir über den angekündigten Wettersturz. Der Ranger hat die Straße weiter in den Park tatsächlich gesperrt. Entweder einschneien oder sobald wie möglich verschwinden. Wir entscheiden uns für letzteres und fahren in den nächsten zwei Tagen ca. 580 km in den Süden. Die Interstate ist nicht gerade MANni’s Stärke also dauert es bei 75km/h etwas länger. Wir erreichen Savannah am Nachmittag. Auf Nachfrage dürfen wir auf dem Parkplatz am Museum hinter der Visitor Information für kleines Geld 48 Stunden stehen. Wir laufen bei eiskaltem Wind noch eine Stunde durch die Stadt, verspricht nett zu werden morgen. So ist es auch, Palmen und ein ganz besonderer Südstaaten Flair geben der Stadt etwas Besonderes.

 

Ein Tag ist ausreichend für das Städtchen, am nächsten Tag fahren wir noch zum Tybee Strand auf einer Halbinsel. Bei strahlendem Sonnenschein ein herrlicher Spaziergang am Strand. Wir sehen die ersten Palmen und Pelikane.

 

Florida ruft, also muß MANni arbeiten und Interstate fahren. Wir kommen spät bei Flying J an, einem riesigen Travel Stop mit RV Parkplatz und 24 Std. Service. Hinter den hier versammelten großen RVs verschwindet MANni fast. Wir schlafen gut und beschließen morgens zu dumpen und Frischwasser zu bunkern. Leider war auch hier die Wasserleitung zugefroren und es gibt dank eines Rohrbruchs kein Trinkwasser. Nicht schlimm, wir haben noch genügend, aber wenn der Tag so anfängt! Ein lästiges Übel muß vor den Weihnachtsferien erledigt werden, zum Arzt und ein paar Medikamente für das neue Jahr verschreiben lassen. Nach dem dritten Anlauf sind wir bei der “Walk-in-Clinic” endlich richtig. Einfach zu irgendeinem Arzt geht nicht! Ich warte also geduldig und bin glücklich nach einer Stunde mit den Rezepten wieder draußen. Weiter zur Post Briefmarken kaufen. Lothar kommt nach schon 45 Minuten! mit drei Briefmarken zurück, es ist Weihnachtspäckchen Hochsaison. Weit kommen wir heute nicht mehr, daher sehen wir uns, nicht mehr so richtig gut gelaunt, kurz St. Augustine an. Immerhin ist bestes Wetter.

 

 

Wir möchten die Sache zu Ende bringen, warum nicht die Medikamente abholen. In die WalMart Pharmacy, Rezepte abgegeben. “Will be ready in 50 Minutes”! Wie, für zwei Rezepte fast eine Stunde warten? Wir sind nicht mehr in Deutschland! Mittlerweile ist es 17:30 Uhr! Zwei, drei, vier, fünf Runden durch den Laden, dann stellen wir uns wieder in die Schlange. 18:20 Uhr, wir sind dran! Kreditkarte rein, Karte gesperrt. Zweiter Versuch, Karte gesperrt. Siegessicher hole ich meine Karte aus MANni, Kreditkarte gesperrt! Ein letzter Versuch mit der für Notfälle reservierten Karte einer anderen Bank: gesperrt. 19:15 Uhr und nach Bemühungen von weiteren drei WalMart Mitarbeiterinnen geben wir für heute auf und lassen die Medikamente dort, wir kommen morgen wieder! Zurück zu Flying J, das war der gefühlte Freitag der 13.

Wir finden keine Erklärung für dieses Kartendisaster! Am nächsten Morgen können wir bei Flying J mit meiner Karte wieder Internet bezahlen. Keine Nachrichten über Kreditkartenprobleme. Unserer Sache wieder sicher fahren wir zu WalMart zurück, jetzt können wir bezahlen. Leider nicht, beide Karten, gesperrt. Wir lassen uns die Rezepte wiedergeben und fahren zur nächsten “Geldmaschine”, sie spuckt ohne Murren Geld aus.

Keine Lust mehr auf Kreditkartenfrust, Geld haben wir ja wieder. Also auf zum Daytona Beach, Lothar will MANni ein wenig Spaß am Strand gönnen nach den vielen Meilen Interstate. Das Wetter ist zwar nicht mehr so schön, aber es macht Riesenspaß, zumal der Sand sehr fest ist. Ein wenig Nostalgie kommt auf, der Strand ist Teil der alten Rennstrecke von Daytona.

 

Auf zu den Raketen nach Cape Canaveral! Wir finden einen schönen Campground im Jetty Park auf dem Cape.

Am nächsten Morgen fahren wir die 30 km zum Kennedy Space Center. Ich habe mir die Bilder im Flyer angesehen, ich bin nicht der Weltraumfahrer-Fan. Lothar geht also alleine und ist ausnahmsweise Gastschreiber im Dezember:

Männersache: Raketen, Astronauten, Spaceshuttles, Mondlandefähren und vieles mehr.

Ich mache mich allein auf den Weg und bin von der ersten Minute an begeistert. Flugsimulatoren und IMAX Kinos interessieren mich zwar überhaupt nicht, aber es gibt ungeheuer viel “Echtes” zu sehen und es wird wirklich hervorragend präsentiert. Zuerst gehe ich durch den “Rocket Garden”. Hier sind bis auf die Saturn V alle Trägerraketen aufgestellt, die jemals von hier gestartet sind.

 

 

Danach klettere ich durch ein Spaceshuttle und versuche per “Remote Control” einen Marsroboter zu steuern.

 

 
Dann geht es mit einem Bus auf das echte Startgelände. Von einem Aussichtsturm aus kann man die Startrampen (2 Stück) für die Shuttles sehr gut sehen. Auf Rampe 38B steht sogar ein Shuttle, das am 3. Februar starten soll. Und ich dachte, das Shuttleprogramm sei vor kurzem eingestellt worden.

 

 
Von hier aus bringt mich ein weiterer Bus zum Saturn V Center. Dies ist eine riesige Halle, in der eine echte Mondrakete ausgestellt ist. Es ist gewaltig, unter den Triebwerken der ersten Stufe zu stehen. Ebenso spannend ist ein Blick in die original Kapsel der Apollo 14 Mission.

 

 
Gegen 16:00Uhr bin ich mit einer Kamera voller Bilder zurück bei Tina und MANni. 

Auf dem Parkplatz haben wir schon am Morgen ein deutsches Wohnmobil gesichtet, Sprinter 4×4. Während ich noch auf Lothar warte, kommt Sandra und wir erzählen mal wieder woher, wieso, warum, wo gewesen. Wir zwei tauschen Bücher und dann kommen auch die Männer dazu. Die beiden Töchter Nele und Marieke haben bevor für die Ältere die Schule beginnt viel zu sehen bekommen, sie sind wie wir seid Mai 2010 in Kanada und USA unterwegs. Irgendwann wird es leider Zeit zu fahren, wir wollen zum Jetty Park zurück, die Vier haben bereits auf einem anderen Camping gebucht. Wie verbringen eine weitere ruhige Nacht auf dem Jetty Park Campground.

 

Wir müssen weiter, MANni, immer noch kein Highway-Star, muß wieder auf die Interstate. In Fort Pierce wollen wir es nochmal mit der Abholung der Medikamente versuchen. Bei Walgreen warten wir nur 20 Minuten, dafür sind die Medikamente 100 $ teurer. Nein, die nehmen wir nicht mit. Auf dem Weg zur nächsten WalMart Pharmacy haben wir plötzlich eine Vermutung warum alle Kreditkarten nicht funktionierten. Der Betrag ist für eine Pharmacy wahrscheinlich verdächtig hoch. Bei WalMart angekommen fragen wir die Shopmanagerin ob wir übernachten dürfen. Unsere Abholung ist erst nach 19:00 Uhr oder besser erst morgen früh möglich ist. Wir bekommen eine persönliche Parkerlaubnis “overnight” für die Security! Am nächsten Morgen zahlen wir die Medikamente lieber bar.

Wieder Interstate bis Miami Beach. Erstaunlicherweise gefällt es uns hier, alles sehr gepflegt und die Häuser deutlicher niedriger als in Daytona Beach. Besonders angetan sind wir von der Art Deco Meile.

Lothar vermißt nur die im Reiseführer angekündigten Superfrauen am Strand J

Nach ein paar Stunden müssen wir weiter, eine Übernachtungsmöglichkeit suchen. Es dämmert bereits.

 

In Miami Beach haben wir keine gefunden. Ein uns mittlerweile fast unbekannter Stau bringt uns nach ca. 1 1/2 Stunden und 50 km hierhin:

 

Am nächsten Morgen fahren wir schnell weiter in die Everglades, Nationalpark, Camping ohne Strom, dort sollte es anders aussehen!

Kurz hinter dem Parkeingang ist gleich das erste Highlight: Royal Palm. “A lot of Birds and Alligators” sagt der Ranger, na wenn das hier so ist wie mit den Elchen auf Neufundland, dann wird es nicht viel. Aber kaum haben wir den Fotoapparat fertig sind die ersten beeindruckenden Motive zu sehen und es geht immer so weiter.

Es trennt uns kein Zaun oder ähnliches von diesen Ungetümen! Alle künstlich oder?

Anzunehmen, daß alle nur angelockt worden sind. Wir halten völlig alleine einige Kilometer weiter an einem See und ich sage noch: ” wenn jetzt hier auch so ein Monster auftaucht ……. ” und da liegt es, keine 3 Meter weg!

Es interessiert sich auch nach einer halben Stunde nicht für uns und wir fahren zu unserem gebuchten Campground. Morgen ist der 24.12.2010!

 

Die Sonne scheint, es sind 23°C und wir machen Urlaub. In und um MANni ruft allerdings einiges nach umräumen, ausräumen, putzen und sortieren. Trotz Heiligabend “arbeiten” wir ein wenig. Zwischenzeitlich kommen die Schweizer Melanie und Werner mit Land Rover und Tischer Kabine. Sie sind seid September unterwegs und in den USA fast die gleiche Route wie wir gefahren. Um 17:00 Uhr ist Bescherung, wir haben noch ein Päckchen von Freunden, es sollte erst Weihnachten geöffnet werden. Wie schön, daß wir uns daran gehalten haben. Bei einem Glas Sekt öffnen wir das Paket und finden herrliche Dinge und sogar eine Weihnachtskarte darin. Vielen Dank Petra und Stephan!

 

Um 18:00 Uhr wird es dunkel und die Mücken kommen wieder in Schwärmen. Ich habe heute morgen gezählt, 30 Stiche an einem Bein. Wir gehen herein, kochen etwas Leckeres und genießen unseren kleinen Weihnachtsbaum. Der 1. Feiertag vergeht mit “Draußenfrühstück” und einer kleinen Fahrradtour zur Flamingo Marina. Ein Eis, ein Krokodil, ein Manatee und viel Sonne. In der Visitorinformation lesen wir daß morgen ein “Manatee Talk” stattfindet. Ein Ranger wird über diese Seekuh-Art erzählen. Den Abend verbringen wir mit Lagerfeuer und Mückenabwehr.

 

Sturm weckt uns, trotzdem fahren mit den Fahrrädern zum Talk und erfahren einiges. Die Tiere sind bis zu einer Tonne schwer und fressen Gras. Man sieht immer nur die Nase auftauchen und einen Schatten im Wasser. Tatsächlich bekommen wir vier bis fünf Nasen zu sehen. Auch ein Krokodil ist wieder da! Es wird richtig kalt und es gibt Sturm Warnung, nichts mit Sunshine State. Wir verabschieden uns von Melanie und Werner, erzählen eine ganze Weile. Die Beiden fahren morgen weiter. Abwarten wann und ob wir uns wiedersehen, sie haben die gleiche Route geplant. Weihnachten ist vorbei und arbeiten angesagt. MANni bekommt eine komplette Inspektion und innen einen mehr als gründlichen Putz. Wir holen unser Kanu vom Dach, pumpen es auf auf und wollen beobachten ob es dicht ist. Wäre nicht so spannend, Auge in Auge mit einem Alligator unterzugehen! Auch der nächste Tag ist für Florida viel zu kühl, wir arbeiten noch ein wenig hier und da. Nachmittags kommen Hannie und Jean Pierre  aus den Niederlanden auf einen Schwatz vorbei. Sie sind seit  Juli unterwegs und fahren ebenfalls die gleiche Route. Das wird doch wohl keine Karawane? Wir besichtigen ihr außergewöhnliches zu Hause. Auch ein Land Rover aber mit Anhänger, aufgebaut hat er ein riesiges Platzangebot hat. Mal ganz etwas Anderes.

Am nächsten Morgen wird es ernst, die Luft wird aus dem Kanu gelassen. Wir fahren in die Marina und dank MANni’s bordeigener Preßluft pumpen wir das Boot wieder auf. Skeptisch lassen wir es zu Wasser, es sinkt nicht und wir paddeln los. Auf der Tour sehen wir weit und breit kein Krokodil oder einen Alligator. Ich bin ganz froh. Nach 4 ½ Stunden sind wir zurück in der Marina, dort schnauft gleich neben uns ein Manatee und das Hafen-Krokodil liegt auch wieder an seinem Platz.

 

Am nächsten Tag Fahrrad fahren in den Everglades, weit kommen wir allerdings nicht, denn plötzlich versperrt uns jemand den Weg. Nicht gerade ein Alligator, an die haben wir uns mittlerweile gewöhnt! Dieses Tier sieht uns trotzdem mehr als unheimlich aus.

 

Nach ein paar Schrecksekunden wird sie böse, hebt den Kopf und rasselt sehr laut. Eine Klapperschlange, stimmt, davor wurde gewarnt! Zum Glück kommt ein Auto, hupt und die Schlange schleicht gaaaanz gemächlich langsam ihrer Wege. Wir fahren weiter, der Weg endet in einer Sackgasse, uuuuh wieder zurück, hoffentlich ist die Schlange nicht wieder auf dem Weg. Ist sie nicht und wir können weiter radeln, halten aber vorerst nicht mehr an, wer weiß, wer oder was noch so alles im Gebüsch sitzt. Schwarze Witwen soll es hier auch geben!

Auf dem Rückweg noch ein paar Alligatoren am Straßenrand, sie dösen friedlich in der Sonne.

Wir haben wie fast jeden Abend den Sonnenuntergang angesehen, da kommen Rosi und Jim vorbei. Rosi ist vor 50 Jahren von Berlin weggegangen und Jim war Austauschschüler in der Schweiz. Beide sprechen hervorragendes Deutsch. Sie laden uns auf ein/zwei Glas Wein in ihr Wohnmobil ein. Wir erzählen drei Stunden mit diesen beiden außergewöhnlichen Menschen. Sie haben lange Zeit abwechselnd auf zwei Segelbooten gelebt, im Sommer an der Grenze zu Kanada, im Winter in der Karibik und sind jetzt auf ein Womo umgestiegen.

Silvester gehen wir ganz ruhig an, fahren mit den Fahrrädern in die Marina und schauen wer so kommt und geht. Gehässiger weise machen wir uns über die Paddler lustig die mit den gemieteten Booten starten. Es geht von links nach rechts und wieder zurück, nur nicht voran. Die meisten Anfänger kennen das, wir auch! Noch eine Campingplatzrunde, wir lernen Markus aus Bayern kennen. Er fährt mit seinem Motorrad und Zelt mit Unterbrechungen seit 2003 um die Welt. Wir wünschen uns gegenseitig einen guten Rutsch, er ist bereits bei seinen Zeltnachbarn eingeladen. Wir zünden unser Lagerfeuer an und erleben das wohl ruhigste Silvester so lange wir uns erinnern können. Bereits um 22:00 Uhr wird es still und um 23:30 Uhr ist niemand mehr wach, alles dunkel. Wir trinken, den Mücken sei dank, drinnen unser Glas Sekt um 24:00 Uhr und sind einfach sprachlos. So etwas haben wir noch nie erlebt, selbst nicht an so entlegenen Plätzen wie in den Bergen von Nepal.

 

Fazit:

Ein Monat der Gegensätze. 

Reiseroute:

 

 

 

 

 

 

 

November 2010 Part 2

Veröffentlicht in November 2010 am Dezember 5, 2010 von crossamerika

Es ist der 11.11.2010 gegen 13 Uhr. Wir haben noch einmal gedumpt, Kanada Lebewohl gesagt und fahren auf die sogenannte “Peace Bridge”, die Kanada und die USA über den Niagara River verbindet. Entgegen meines Alptraumes bleibt MANni nicht auf der steilen Rampe mit Spritmangel liegen. War wohl doch eine gute Idee, noch 20l aus einem der Reservekanister nachzufüllen.

Wir sind nicht sicher, ob die kanadischen Behörden von uns noch etwas brauchen bzgl. der Wiederausfuhr unseres Fahrzeuges, aber es gibt auf kanadischer Seite überhaupt keine Grenzkontrolle. Dann ist das wohl so in Ordnung hoffen wir. Am Ende der Brücke gibt es eine Extraspur für Wohnmobile (RV Lane). Super, keiner vor uns, wir kommen direkt dran. Eine freundliche, aber resolute Dame der Zollbehörde fragt uns wo wir zu hause wären und nachdem sie Deutschland gehört hat, ist sie mit ihrer Erfahrung am Ende. Mit dem eigenen Fahrzeug und deutschen Nummernschildern? Hat sie noch nie erlebt. Die EDV streikt, weil sie nicht weiß, wie man Deutschland abkürzt. Sie versucht es mit G, dann mit GE, dann mit einem Kollegen. Der weiß es auch nicht, interessiert sich aber sehr für unser Auto. “Is it a (J)unimog?” Mit der Abkürzung geht es allerdings nicht vorwärts, so werfe ich dezent ein, daß man es doch mit D bzw. DE versuchen sollte. Herrlich, das Gesicht der Grenzerin strahlt, es klappt. Noch eine sehr uninteressierte Frage nach Alkohol und frischem Obst/Gemüse und sie ist froh, uns ans “Emigration Office”, die Einwanderungsbehörde, weiter reichen zu können. Wir parken vor dem Gebäude (2 Grenzer fragen “Is it a (J)unimog?”) und nehmen drinnen Platz bis wir aufgerufen werden. Das dauert vielleicht 30 Minuten, es ist nicht sehr viel los. Wieder eine Dame, die unsere Pässe in der Hand hält.

“Warum haben Sie ein Visum beantragt?” fragt sie uns und nach unserer Erklärung des Halbjahrestrips rufen sie und ihre Kollegen links und rechts von ihr “Das möchten wir auch”. Kurz noch unsere Fingerabdrücke gescannt und mit unserem Visum verglichen und … das war‘s. Als erste Zieladresse (wird immer nachgefragt) geben wir einfach einen Campingplatz auf unserer Route an, reicht. Jetzt ist der Papierkrieg erledigt und wir bekommen eine Menge Insidertips von der Dame, was wir in den USA ansehen sollen. Unter anderem erfahren wir, daß die Freiheitsstatue in New York wieder geöffnet sei. Wir sind begeistert. Daran ändern auch die 12 US$ nichts mehr, die wir für die Bearbeitung zu zahlen haben. Wir haben die Stempel im Paß mit dem Datum der letzten Ausreise: 10. Mai. 2011. Wie? Das war es? Keiner will das Auto sehen, die Versicherungspolice, unseren Kontoauszug? Es gibt auch keine Papiere fürs Auto, nix!

Es ist noch nicht mal 14 Uhr und wir sind unterwegs auf dem Freeway durch Buffalo und überlegen die ganze Zeit, ob die Officers nicht etwas vergessen haben und ob uns das nicht egal sein kann. Das Ganze ging so herrlich einfach.

Weit wollen wir heute nicht mehr. Wir haben nichts Frisches mehr zu essen, kein Bier und keinen Wein und Diesel haben wir auch kaum noch. Also steuern wir den ersten Wal Mart an. Kurz vorher aber gibt es rechts an der Straße noch eine sehr erfreuliche Überraschung. Ein Schild ” ALDI ” steht da und es ist auch Aldi. Schnell hinein und tatsächlich: fast wie bei uns. Die ganze Palette weihnachtlicher Dickmacher. Da sind Nürnberger Lebkuchen, Pfeffernüsse, Spekulatius, Dominosteine, Lübecker Marzipan und sogar Christstollen. Dazu noch echte Haribos und bezahlbare deutsche Schokolade. Wir sind ja nicht gierig, aber wir nehmen alles. (Bis auf den Stollen, man weiß sich ja zu beherrschen!) Schon auf dem Parkplatz ist die Pfeffernußtüte geöffnet und ich starte den ersten erfolgreichen Geschmacksversuch.

Leider gab es nichts, das wie deutsches Brot ausgesehen hätte.

Kurz darauf finden wir eine Tankstelle und sättigen erst einmal MANni. 3,30$ für eine Gallone Diesel (ca. 3,8l), das ist schon um einiges günstiger als in Kanada. Dann in den Wal-Mart. Bier, Butter, Milch – alles gut 20% billiger als weiter im Norden. Das erfreut meine Frau Finanzminister, ihren Fahrer und vor allem das Budget. Sogar frischen Grünkohl erstehen wir!

Ein Gläschen mehr Rotwein als üblich und wir gehen zufriedenst schlafen.

Die nächsten 3 Tage verbringen wir eigentlich nur auf der Straße. Wir wollen nach Boston und das sind ca. 800km nach Osten. Die Interstate ist “toll” was leider nicht heißt, daß sie super wäre, sondern, daß man bezahlen muß. Wollen wir nicht, also nehmen wir den Highway (klingt auch toll, ist aber nur ´ne Landstraße). Die Strecke führt durch hügeliges Farmland, die ganzen 800km! Es gibt demnach kein Bild und auch nichts zu schreiben. Nur eine Sache ist der Erzählung wert: Freunde zu hause gaben uns den Tipp, einen Laden der Kette “Bass Pro” zu besuchen wenn wir ihn sähen. Es ist eigentlich ein Ausrüster für Angelsport. Was sollen wir damit, wir essen Fisch, aber wir fangen ihn nicht. So ungefähr auf halber Strecke kommen wir jedenfalls an einem solchen Laden vorbei. Sieht von außen schon so spannend aus (aufgemacht wie ein riesiges Blockhaus), daß wir auf jeden Fall hinein wollen. Drinnen sind wir dann wirklich sprachlos. Erstmal ist der Laden größer als ein Fußballplatz und hergerichtet! Wow. An jeder Ecke ausgestopfte Wildtiere vom Eichhörnchen bis zum Elch, von der Ente bis zum Grizzly. Ein riesiges Aquarium und als Dekoration überall alte Outfitterutensilien wie Kanus aus Leder, alte Expeditionskisten und so weiter.

Kaufen kann man hier alles was auch nur entfernt mit jagen und fischen zu tun hat. Boote, Quads, natürlich Gewehre und Pistolen, Angeln und jegliches Zubehör. Sogar Plastikenten zum Anlocken. Ein meterlanges Regal voll mit Pfeifen, die alle möglichen Ententöne nachmachen sollen, ebenfalls als Lockmittel.

Aber was macht man, wenn man seinen Lachs gefangen, seinen Elch geschossen hat? Es gibt Grills in jeder Größe, Räucheröfen, Wurstmaschinen, Hamburgerautomaten, ein Set heißt: “Wie mache ich meine Bratwurst unterwegs selbst”. Besonders “beeindruckt” waren wir von sogenannten Ansitzstühlen. Jeder kennt diese Jägerhochsitze in deutschen Wäldern. So etwas gibt es hier in den USA wohl nicht. Die Wälder sind zu groß, so viele Türme kann man ja gar nicht bauen. Also gibt es Sitze, die man in jeder Höhe einfach an einen Baumstamm schnallen kann. Mit Fußbänkchen oder ohne, mit Rundumschutz für den nicht schwindelfreien Hobbyjäger, mit Baldachin für das Jägerweichei, mit Pelz ausgekleidet für den Winter…… Nur eine Frage blieb unbeantwortet. Wir kriegen die Leute das Ding so weit nach oben auf den Baum, daß es auch Sinn macht. Aber vielleicht waren die passenden Mobilkräne auch nur gerade ausverkauft.

 

 

Trotz allen Anreizes verlassen wir den Laden Stunden später ohne Einkäufe. Ich konnte mich mit meinem Wunsch nach einem Fleischwolf für den frisch erlegten Grizzly nicht durchsetzen und Martina wollte sowieso nur die unverkäuflichen, ausgestopften Waschbären mitnehmen.

An den Abenden lesen wir viel über Boston und versuchen herauszufinden, wo wir MANni am besten lassen. Das scheint schwierig. Es gibt weder einen offenen Campingplatz noch einen RV-Park in erreichbarer Nähe. Sogar der nächste Wal-Mart ist weit von der Stadt weg. An den Endstationen der U-Bahnlinien darf man nachts nicht stehen. (will man wahrscheinlich auch gar nicht). Die beste Lösung erscheint uns ein großes Einkaufszentrum in der Nähe eines U-Bahnhofes. Auf dem Parkplatz stehen keine Verbotsschilder. Schon mal ein gutes Zeichen aber die Security-Frau zeigt sich unerbittlich. Auf keinen Fall können wir hier stehen. Wir sollen doch direkt nach Boston hineinfahren. Es gäbe genug Parkraum. Nun ja, da haben wir in verschiedenen amerikanischen Wohnmobilforen schon ganz andere Sachen gelesen. Aber es ist gerade mal früher Nachmittag, schnell eine Straße in Down Town Boston aus dem Stadtplan gesucht, ins Navi eingegeben und schon startet die Expedition “MANni und die 7 Unerschrockenen in der großen Stadt” (die Crew zählt in solchen Fällen immer mit, macht mehr her).

Es ist natürlich gerade Feierabend-Rush Hour als wir die Brücke nach Boston überqueren und wir stecken tief im Stau.

 

 

Erschwerend kommt hinzu, daß die von uns ausgesuchte Straße in der Fußgängerzone liegt. Gerade kommt mir die Idee, daß das mit MANni und Down Town doch nicht so ganz durchdacht war, da werden wir von hinten von einem riesigen Feuerwehrfahrzeug allein durch den Luftdruck seiner Fanfaren von der Straße gedrückt.

Allerdings, oh Wunder, bin ich wegen des Ausweichmanövers rein zufällig in eine Straße eingebogen die zur Waterfront führt. Und 300 Meter weiter ist ein riesiger Parkplatz. Wir halten bei der Bezahlbude und fragen nach Overnight Parking. Überhaupt kein Problem. 24 Stunden parken kosten allerdings 50$. Wir überlegen nur kurz. Wozu stehen wir, wenn es nichts zu sehen gibt, auf kostenlosen Wal Mart Plätzen, wenn nicht um in solchen Momenten auch mal mehr auszugeben. Und wir sind wirklich mitten in der Stadt.

Es ist erst halb fünf, zu früh, um jetzt schon die Füße hochzulegen, also machen wir uns auf zur ersten Erkundungsrunde Down Town. Die Skyline überrascht durch architektonisch unterschiedlichste Wolkenkratzer. In Toronto und Montreal sahen die alle irgendwie gleich aus. Es beginnt auch schon dunkel zu werden und so hat der Anblick einen ganz besonderen Reiz.

 

Aber auch in der Stadt ist es viel angenehmer als erwartet. Fast wie in einer Kleinstadt. Kein irrer Verkehrslärm wie in New York oder Paris. Die riesigen Ausfallstraßen liegen unterirdisch! Dazu noch sehr viele kleine alte Häuser aus dem 18ten und 19ten Jahrhundert. Viele Plätze und Parks und in europäischer Menge Kneipen und Pubs die auch noch einen für die USA ungewöhnlich gemütlichen Eindruck machen.

Am nächsten Morgen, das Wetter ist klasse, laufen wir den sogenannten “Freedom trail”. Das ist ein durch eine rote Linie gekennzeichneter Fußweg von ca. 6km Länge quer durch die Bostoner Innenstadt. Er führt an allen wichtigen Orten vorbei, die in irgendeiner Form mit dem Unabhängigkeitskrieg (um 1770) der amerikanischen Kolonien gegen das Mutterland England zusammen hängen. Man sieht das Haus, in dem die Rebellen sich zur Bostoner Tea Party verabredeten, das Gebäude, von dessen Balkon die Unabhängigkeitserklärung verlesen wurde, die Friedhöfe, auf denen die ersten Opfer liegen und der gleichen mehr. Das ganze ist sehr gut aufbereitet und man lernt ein wenig über amerikanische Geschichte. Der Weg endet im Hafen der US Navy, wo das älteste, noch immer in Dienst befindliche Kriegsschiff der Welt zu besichtigen ist, die U.S.S. Constitution aus dem Jahr 1779.

 

 

 

 

Von dort geht es mit einem kleinen Shuttleboot an der Water Front vorbei zurück in die Innenstadt.

Im Quincy Market, einer pittoresken Markthalle, essen wir New England Clam Chowder, eine Kartoffel/Muschelsuppe, serviert in einem kleinen ausgehöhlten Brot und gönnen uns in einer der zahlreichen Kneipen noch ein Bier. Dabei beschließen wir, unseren Aufenthalt um einen Tag zu verlängern und am nächsten Tag noch eine Radtour durch den Hafen und nach Cambridge zur Havard University zu machen.

“Man at work”. Vielleicht auch etwas für uns, wenn das Geld knapp wird?

Der “Herr Havard” auf dem Campus der Universität.

Auch in Sachen Weihnachtsdekoration hat Boston schon ordentlich aufgerüstet.

 

 

Gegen 16:30 Uhr sind wir zurück und machen uns mit MANni auf nach Süden. Unser nächstes Ziel ist Cape Cod und auf dem Weg wollen wir auf einem Wal-Mart Parklatz übernachten.

Der Erste überrascht uns mit dem übergroßen Hinweis: “absolute no overnight parking”. Uups, die nehmen das wohl ernst. Naja, nicht schlimm, 12km weiter nach Süden gibt es den nächsten Wal Mart. Hier gibt es keine Schilder. Wir richten uns ein und wollen gerade anfangen zu kochen als es klopft. 19:30Uhr, da kann man noch aufmachen. Huch, die Polizei ist da. 2 Officer fragen sehr nett, was wir den vorhätten. Die weiblichen Angestellten der kleinen Bank (ebenfalls direkt an dem Parkplatz gelegen) wären etwas nervös geworden als sie MANni gesehen hätten und haben die Polizei gerufen. Wären halt komisch, diese Banker. Leider wollen die Polizisten uns trotz aller Freundlichkeit nicht übernachten lassen. Der nächste Wal Mart in Plymouth, da ginge es. Naja, hoffen wir und machen uns wieder auf den Weg. 25 Minuten später sind wir da. Ein riesiger Parkplatz und leer!

Kein Schild, kein Sheriff, jetzt aber.

Wir haben unsere Ruhe bis gegen 3:30Uhr, als ich davon geweckt werde, wie jemand über ein Funkgerät oder Handy unseren MANni mit einer ziemlichen Lautstärke in allen Einzelheiten beschreibt. “Fat Truck, huge tires, German licence plates, map of the world on both sides…..” Ich hab keine Ahnung, was das wird aber ich wecke mal vorsichtig Martina, damit sie sich nicht erschreckt wenn es gleich klopft. Tut es aber nicht und wir hören wie sich ein Fahrzeug entfernt.

Holt er jetzt Verstärkung oder was? Es schläft sich so leicht nicht mehr ein, zumal plötzlich eine Kehrmaschine aktiv wird. Der ganze Parkplatz wird gesäubert. Das dauert gefühlte Stunden. Am Morgen sind wir beide überzeugt, nicht mehr eingeschlafen zu sein und sind sicher, daß der jeweilig Andere die ganze Zeit geschnarcht hat. Geht das? Einen Strafzettel haben wir jedenfalls nicht erhalten.

Wir machen uns auf den Weg nach Cape Cod, halten aber noch einmal in Plymouth an der Waterfront. Hier ist die Stelle (Plymouth Rock) an der 1620 die Pilgrim fathers mit der Mayflower anlandeten zum Denkmal für die ganzen USA ausgebaut worden. Ein originalgetreuer Nachbau der Mayflower liegt am Landesteg. Es ist schon erstaunlich, oder besser gesagt erschreckend, wie klein dieses Schiff ist. Und damit sind die ersten Siedler über den Atlantik gesegelt. Mit Frauen, Kindern, Pferden, Kühen, Ziegen, Schafen und weiß der Himmel was man noch braucht um eine Siedlung zu gründen. Die Wochen auf See müssen furchtbar gewesen sein.

 

 

Wir fahren weiter nach Cape Cod. Dies ist eine sandige über 100km lange Halbinsel im Atlantik südlich von Boston. Der amerikanische Präsident hat hier einen seiner Sommersitze und überhaupt scheint hier im Sommer eine Menge los zu sein. Jetzt ist es fast ausgestorben. Schön, hat aber auch Nachteile. Alle Campingplätze sind geschlossen und wir müssen langsam mal wieder Frischwasser tanken. Es gibt hier auch keinen Wal Mart, wo stellen wir uns also hin. Die Parkplätze an den verlassenen Stränden sehen zwar verlockend aus, jedoch überall Verbotsschilder. Wir fahren zur “Chamber of Commerce”, soetwas wie die Industrie- und Handelskammer. Die ersetzen in den Wintermonaten die geschlossene Touristen Info. Die drei dort arbeitenden Damen sind sofort völlig aus dem Häuschen und telefonieren wie wild. Aber es bleibt dabei, die Campingplätze sind geschlossen. Die Damen geben nicht auf und so haben wir nach 30 Minuten einen kostenlosen Stellplatz auf dem Parkplatz eines Motels.

 

Die Leute des Motels sind wirklich supernett, so beschließen wir, zumindest unser Frühstück dort einzunehmen. Hat ja auch mal etwas von Urlaub sich morgens an einen gedeckten Tisch zu setzen. Schinken und Rührei, Toast und “Coffee bottomless”, also Kaffee soviel man möchte. Herrlich!

Glücklicherweise hat der Ort auch eine Kläranlage, bei der wir MANni um seine Abwässer erleichtern dürfen. Und nach einem notleidenden Blick Martinas rollt ein Mitarbeiter sogar noch einen Trinkwasserschlauch aus der Halle und wir sind mal wieder für lange Zeit “entsorgt”.

Wir fahren zum Parkplatz in Strandnähe um bei kalten aber schönen Wetter eine längere “Beach” Wanderung zu machen. Dabei stellen wir fest, daß hier ab und zu Autos über den Sand fahren.

 

Auf dem Rückweg kommt ein Wagen der “Strandaufsicht” vorbei. Ich halte ihn an und frage den Ranger, ob wir auf dem Parkplatz übernachten dürfen. Leider dürfen wir nicht, aus reiner Neugier frage ich aber noch, ob wir denn auch auf den Strand fahren dürfen. Ja, daß dürfen wir, wenn wir ein Allradfahrzeug und ein festgelegtes Sortiment an Bergehilfen haben. Kostet einmalig 50$ für den ganzen Winter und, ach ja, das habe er fast vergessen, dann dürfen wir auch auf dem Strand übernachten, kostenlos.

Wenn das so ist, wollen wir natürlich. Erst fahren wir aber nach unserem Plan an die Spitze von Cape Cod, noch einmal ca. 80km nach Nordosten und umrunden die Landzunge zu Fuß. Eine herrliche Wanderung völlig alleine, die Landschaft schwankt zwischen holländischer Nordseeküste und der Insel Sylt.

 

Nach Lebensmitteleinkauf, oh Wunder, deutsches Schwarzbrot und Rosenkohl am Stück sind wir am nächsten Morgen zurück am Anmeldehäuschen, um unser Strandfahr-Permit zu erlangen. Jetzt ist ein anderer Ranger da, der nimmt es sehr genau. Alles läßt er sich zeigen, Schaufel, Abschleppseil, Sandbleche, Wagenheber, Gerät zum Reifendruck ablassen und die Abwassertanks. Dann ist er zufrieden und der Papierkrieg beginnt. Aber auch das geht vorüber und um 12:00Uhr haben wir unser Permit. Ich lasse den Reifendruck auf 2,5bar ab (vorgeschrieben sind noch viel weniger, aber sie benutzen hier auch nur leichte Jeeps) und schalte die Differentialsperren ein.

Es dauert aber nur ein paar hundert Meter, und ich muß erkennen, daß zwischen 2 Tonnen Jeep und 8 Tonnen MANni wohl doch ein gewaltiger Unterschied ist. Die Fahrerei macht alles andere als Spaß. Ich arbeite am Lenkrad wie noch nie zuvor und aus den vorhandenen Spurrillen herauszukommen erweist sich als fast unmöglich. Außerdem müssen wir parallel zum Dünenhang fahren und haben ständig das Gefühl bald umzukippen. Super, das hatte ich mir anders vorgestellt, aber die Gelegenheit ist schließlich günstig, um Fahren im Sand zu üben. Wir lassen den Druck also noch weiter auf 1,9 bar ab und fahren nur noch im ersten Gang. Jetzt wird es langsam besser. Wir (MANni und ich) bekommen etwas Routine und Gefühl, auch ein bißchen Spaß stellt sich ein. Jetzt noch eine Stelle über der Flutlinie suchen die auch noch einigermaßen gerade ist. Nicht so einfach, aber da kommt Strandgut zur Hilfe, ein ca. 4 m langer Balken liegt am Stand. Genau richtig, um ihn unter die talwärts zeigenden Räder zu legen.

Gesagt, getan und wir stehen tatsächlich gerade.

Wir genießen einen sehr einsamen Abend und eine ruhige Nacht. Jedenfalls ab 24:00Uhr, dann ist Fluthöchststand. Ca. 1m von MANni entfernt hält das Wasser an und Martina ist beruhigt, daß wir nicht wegschwimmen. Den ganzen nächsten Tag verbringen wir wandernd am Strand und in den Dünen und bleiben für eine weitere Nacht.

Am Morgen wird es allerdings recht stürmisch und die geplante dritte Nacht am Strand fällt damit wörtlich ins Wasser, denn die Flut steigt so hoch, daß vor den Dünen kein trockenes Plätzchen mehr bleibt. In weiser Voraussicht haben wir uns allerdings schon weit vor der Flut vom Strand gemacht und verbringen die Nacht wie so oft auf einem Kaufhausparkplatz. Am nächsten Tag, “Thanks Giving” der 25. November, ist der Wind wieder abgeflaut und wir fahren zurück an den Strand. Leider ist unsere “Strandgutrampe” ein Opfer des Sturms geworden und einfach nicht mehr da. So sehr wir uns auch bemühen, wir finden keinen Platz, der zum Übernachten gerade genug ist und oberhalb der Flutlinie liegt. Pech, aber ich habe noch einmal Fahren in tiefem Sand geübt. Wir übernachten, mal was neues, auf einem Wal-Mart Parkplatz im Süden der Halbinsel. Es ist völlig still und leer, denn an Thanks Giving sind alle Geschäfte geschlossen. Ab 23:30Uhr beginnt allerdings ein hektisches Gefahre und Gerenne auf dem Parkplatz. Um 24 Uhr hat sich am Wal-Mart Eingang eine große Schlange gebildet. Meine Neugier treibt mich nach draußen. Jetzt will ich wissen was hier los ist. Ich spreche eine Dame ganz vorn in der Schlange an. “A big sale” sagt sie und ihre Nachbarin verbessert sie: “Not a big sale, THE big sale”. Aha! Ich bin nicht viel schlauer, aber ein Blick auf einen kleinen Zettel auf der Eingangstür klärt mich endgültig auf. Sonderverkauf ab 4:00 Uhr morgens! Was? Die Leute stehen Ende November über 4 Stunden in der Nacht vor dem Wal-Mart wegen eines Sonderverkaufs? Da muß es ja wohl Riesenrabatte geben. Zurück in MANni überlegen wir was wir wohl noch brauchen könnten, aber das Auto ist voll und so können wir beruhigt schlafen gehen.

Am nächsten Tag machen wir noch eine kleine Wanderung um eine sehr schöne Bucht und verlassen Cape Cod in Richtung Rhode Island.

 

Dies ist der kleinste Bundesstaat der USA. Wir sind eigentlich nur auf der Durchreise nach New York City. Martina hat beim RV-Park in New Jersey angerufen und der ist erfreulicher Weise offen und hat reichlich Platz. Wir brauchen nicht zu reservieren. Dieser RV Park liegt direkt am Hudson River, genau gegenüber von Manhattan und eine Personenfähre gibt es auch. Ist also optimal für uns. “Christmas shopping in Big Apple”. Juchuh, wir werden zwar nichts kaufen, aber wir stehen auf Weihnachtsdeko, und schöner als hier ist die wohl nirgendwo.

Aber erst einmal sind wir in Rhode Island und erreichen Newport. Dieser kleine Küstenort ist durch die Sommerhäuschen berühmt geworden, die sich die überreichen Familien wie die Astors, die Vanderbilts oder die Belmonts hier um 1900 haben bauen lassen. Wir machen einen schönen Spaziergang und schauen uns ein paar dieser “Cottages” an.

Was sind wir froh, nicht so beengt wohnen zu müssen! Glücklich übernachten wir bei einem großen Wohnmobilhändler in der Nähe von Providence. Der hat vor seinem Gelände ein paar Stellplätze für RVs eingerichtet. Sogar Steckdosen gibt es für die Durchreisenden. Am Morgen machen wir uns auf den Weg nach New York. Dank unseres Navigationssystems wird es nicht ganz so furchtbar wie wir befürchteten und noch vor der Dämmerung stehen wir in New Jersey am Liberty Harbor, haben uns ein Plätzchen ausgesucht, Strom angedockt und die Leiter ist draußen. New York kann kommen oder besser: New York, wir kommen!

Direkt vom Wohnmobilstellplatz fährt das “Water Taxi” ab. Ein Hochgeschwindigkeitsboot, daß uns in unter 10 Minuten zum Pier 11 down town zur Wall Street bringt.

 

Das letzte Boot zurück fährt um 21:40 Uhr, wir haben viel, viel Zeit um alles Sehenswerte in der Unterstadt in Ruhe anzuschauen. Dazu gehört natürlich die Großbaustelle am Ground Zero, der Financial District mit New York Stock Exchange und Wall Street, der Battery Park an der Südspitze von Manhattan, die Triniti Church, St. Pauls Chapel und nicht zuletzt die Brooklyn Bridge.

 

Nach Einbruch der Dunkelheit laufen wir den Broadway noch eine oder zwei Meilen nach Norden und genießen das hektische Treiben und die schöne Weihnachtsdekoration.

 

Zu unserer Überraschung finden wir am Union Square einen kleinen Weihnachtsmarkt. Sofort fällt uns an einem kleinen Stand die deutsche Flagge auf und der Schriftzug “There is a little German in everyone”.

Hier gibt es die gesamte deutsche “Weihnachtsschweinkram-Palette”. Sogar heißer Glühwein (wenn auch ohne Alkohol) wird angeboten. Wir kommen natürlich ins Gespräch. Maria ist Deutsche und im Winter betreibt sie mit Freund Ingo mehrere Stände auf den beiden Weihnachtsmärkten in Manhattan. Und den Rest des Jahres? Ja, da fahren sie mit ihrem Toyota Landcruiser durch die Lande. Im letzten Jahr von Ushuaia auf Feuerland, Argentinien, durch ganz Südamerika bis nach Mexiko. Dort steht das Auto jetzt über die Weihnachtszeit und dann geht es weiter nach Norden. So schnell haben wir noch nie E-mail Adressen ausgetauscht. Die beiden haben das gemacht, was noch vor uns liegt und haben sicher noch viele Tips für uns. Wir versprechen, in den nächsten Tagen noch auf dem zweiten Weihnachtsmarkt an der 59sten Straße vorbeizuschauen. Dort können wir auch Ingo kennen lernen und eine deutsche Bratwurst essen.

Nach einem leckeren “Beer on Tap”, Bier vom Faß, am Pier 17 besteigen wir wieder das “Rennboot” und sind ein paar Minuten später zu Hause. Unfaßbar, wir sitzen in MANni, sehen die voll beleuchteten Down Town Skycraper und auch “Miss Liberty”, die Freiheitsstatue schaut durch unser Küchenfenster.

Schöner hätte der November nicht enden können.

 

Fazit:   There`s a little German in everyone and they are everywhere!

Reiseroute:

 

 

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