Archiv für die Kategorie November 2010

November 2010

Veröffentlicht in Kanada/Alaska, November 2010 am November 14, 2010 von crossamerika

Der November startet für uns mit sehr schönem Herbstwetter. Es ist kalt (tagsüber bis 8°C, nachts bis an die 0°C Grenze) aber die Sonne scheint und wir sind auf dem Weg nach “Niagara Falls” (doch, das ist grammatikalisch richtig, denn an den Niagara Falls liegt die Stadt “Niagara Falls”). Es geht immer am Ufer des Lake Ontario entlang und wir haben noch einmal einen schönen Blick auf die Skyline von Toronto.

Wir wollen einiges erledigen und so scheint uns mal wieder die Zeit für ein oder 2 Tage Campingplatz gekommen zu sein. Ist in der “Unsaison” aber gar nicht so einfach. Selbst im hypertouristischen Zentrum von “Niagara Falls” sind schon fast alle CPs geschlossen. Nach langer Suche finden wir endlich “Scott´s Camping and RV”. Ist nicht gerade billig, aber dafür nur 5km von den Wasserfällen entfernt und mit einem superschnellen Internet ausgerüstet. Es ist noch früh, also beschließen wir, uns schon mal einen Überblick über die Wasserfälle zu verschaffen und fahren mit MANni auf die extra für Besucher angelegten Parkplätze. Es ist absolut leer, aber an der Größe der Parkplatzanlage (ich schätze allein den Platz für Wohnmobile auf 200-300) läßt sich erkennen, was hier in der Saison los sein muß. Wir sind kaum aus dem Auto, da hupt es und ein großer BMW hält an. Ein lachender Mann springt heraus und begrüßt uns mit den Worten, er hätte uns doch in Labrador City kennen gelernt. In meinem Gehirn knackt und rappelt es, aber ohne Ergebnis. Ist das peinlich, irgendwie kommen mir ja die Augen bekannt vor aber der “Rest”? Er hilft mir mit “Motorcycle BiiEmmDabbelju” und dann fällt der Groschen. Es ist Andy aus Ontario. Klar, den haben wir an der Dumpstation in Labrador City kennen gelernt. Kam mit einer uralten BMW und wir kennen ihn nur mit Motorradhelm. Wir quatschen bestimmt eine halbe Stunde, tauschen email Adressen aus und sagen “Bis zum nächsten Mal”. Zu Fuß laufen wir am Fluß entlang zu den Fällen. Es sind zwei, einer auf der kanadischen, der andere auf der u.s. amerikanischen Seite. Weil ich selbst auch immer völlig falsche Vorstellungen hatte, hier mal eine etwas nähere Erklärung. Im Süden liegt der große Eriesee, nördlich davon der Ontariosee, dessen Wasserspiegel ca. 100m tiefer liegt als der des Eriesees. Beide sind verbunden durch den Niagara River, der vom Eriesee in den Ontariosee fließt. Das westliche Ufer dieses Flußes liegt in Kanada, das östliche in den USA. Genau an der Stelle des Wasserfalls liegt in der Mitte des Flusses eine Insel. So gibt es westlich der Insel einen Wasserfall (der kanadische) und östlich der Insel einen zweiten (den u.s.amerikanischen). Wobei der kanadische bei weitem spektakulärer ist, weil er geformt ist wie ein Hufeisen, viel mehr Wasser führt und auch tiefer fällt (ca. 58m). Das darf man natürlich in den USA nicht sagen!

Gegen Abend machen wir uns auf den Weg zu unserem CP. Strom ist inklusive, also vergeuden wir ihn! Direkt nach Ankunft beide Laptops raus und ab ins Internet. Erstmal den blog für Oktober eingestellt. Alle wichtigen und unwichtigen emails geschrieben sowie versucht ein neu aufgetauchtes Problem zu lösen. Unsere Kreditkarten werden, obwohl noch bis 02/12 gültig am 15. Januar gesperrt. Die Bank hat fusioniert und damit einen neuen Namen. Die neuen Karten liegen nun in Hilden bei unserem treuen Freund und Backofficebetreiber Ralf. Wie also jetzt die Plastikkärtchen nach Nordamerika bekommen? Internet hilft: UPS, DHL und wie sie alle heißen bieten einen Expressversand an. Kosten: weit jenseits der 40€. Außerdem sehr umständlich als Privatmann anzuleiern. Na toll, so einfach geht es wohl nicht, warten wir was die Bank uns antwortet, irgendwie geht es ja immer.

Am nächsten Tag satteln wir die Fahrräder um von den Wasserfällen nach Norden am Niagara River entlang zu fahren. Das Wetter ist gut und ein sehr schöner Fahrradweg ist auch vorhanden. Es wird also eine richtig schöne Radtour mit Picknick, vielen Eichhörnchen und allem was dazu gehört. Zum krönenden Abschluß sogar ein Blueberry Muffin …. hmmm!

 

Meine flüchtige “Restroom-Bekanntschaft” irgendwo auf der Radtour.

Wir bleiben noch in der Gegend, weil ab Samstag den 06.11. an den Wasserfällen überall Lichter aufgestellt werden. Viele Bäume sind dann farbig beleuchtet, es soll bunte und bewegte Bilder geben. Dazu ein Feuerwerk und ab der Dämmerung werden die Wasserfälle farbig angestrahlt. Das wollen wir natürlich sehen.

Jetzt machen wir uns allerdings erst einmal ein wenig nach Norden auf. Niagara on the Lake heißt unser Ziel und hier machen wir ein wenig in amerikanischer Geschichte. 1812-1814 gab es einen Krieg zwischen den USA und Kanada, und dieser wurde zum großen Teil hier im Niagara Gebiet ausgefochten. Wir besuchen also das wiederaufgebaute Fort Henry an der westlichen Seite der Niagara River Mündung in den Ontariosee. Plötzlich taucht auch Andy wieder auf, der wegen des tollen Wetters seine BMW noch einmal ausfährt. Er gibt uns den Tipp, den Welland-Kanal zu besuchen. Dieser verbindet schifffahrtsgerecht die beiden Seen.

Zuerst geht es aber zurück an die Wasserfälle um bei Dunkelheit die Lichtershow anzuschauen. Es ist natürlich sehr viel amerikanischer Kitsch dabei, aber das macht dieses Land ja auch ein Stückchen weit aus.

Zum Abschluß des Tages noch ein Bild eines typischen kanadischen Stillebens.

Es ist wirklich schwer, Kanadier ohne einen Pappbecher Kaffee in der Hand anzutreffen. Dabei sind sie oft meilenweit von der nächsten Kaffeebude (und Tim Hortons ist nur eine davon) entfernt. Im Stillen haben wir schon Vermutungen angestellt, daß der Becher nur der Tarnung gilt und der Inhalt mit Kaffee vielleicht doch nicht mehr viel gemeinsam hat.

Am nächsten Tag fahren wir zum Welland Kanal. Es gibt an Schleuse 3 ein kleines kostenloses Museum mit einer Aussichtsplattform. Von dort kann man tief in die Schleuse einsehen denn die Schiffe werden hier über 14m nach oben bzw. unten bewegt. Und das in einem atemberaubenden Tempo. Gerade als wir auf der Plattform stehen wird ein über 220m langer Frachter von Norden kommend eingeschleust.

 

 

 

Kaum 3-4 Minuten später hat sich das Bild stark verändert

Wir fänden es super spannend auf dem Museumsparkplatz zu übernachten, also fragt Martina im Museum nach. Sie ist ja in der Crew für Kommunikation zuständig. Wie so oft in Kanada ist es überhaupt kein Problem, nur Security (also einen Wachmann) gibt es nachts nicht. Gut, das schreckt uns wenig. Wir parken so, daß wir aus dem Wohnzimmerfenster einen optimalen Blick auf die Schleuse haben und genießen einen spannenden Abend mit weiteren Schiffen. Auch am nächsten Morgen kurz vor unserem Start wird noch einmal ein sehr großer Frachter geschleust.

 

Wir fahren am Kanal entlang nach Süden, aber viel gibt es nicht mehr zu sehen. Unsere ersten Blicke auf den Eriesee sind eigentlich enttäuschend. Es sind schöne Sandstrände, aber so wie wir uns Kanada vorstellen (und bis jetzt kennengelernt haben) sieht es hier nicht aus.

Ein wunderschöner Sonnenuntergang über dem See entschädigt uns aber und wir verbringen mal wieder eine Nacht auf einem Wal Mart Parkplatz.

Hier in Fort Erie, direkt am Niagara River gegenüber der us-amerikanischen Großstadt Buffalo gelegen, machen wir bei schönem Wetter noch einmal eine Radtour. Bis auf ein altes Bollwerk aus dem US/kanadischen Krieg von 1812-1814 gibt es aber nicht viel zu sehen und wir sind froh, daß unser “Grenzwechsel” für morgen geplant ist.

Erst aber noch einmal zur Dumpstation und dann schütte ich noch aus einem unserer Reservekanister 20l Diesel in den Tank. Der ist nämlich fast leer und ich habe geträumt, daß wir auf der steilen Rampe der Brücke zwischen Kanada und den USA mit Sprit-Mangel liegen bleiben. Tanken will ich aber hier auch nicht mehr, denn in den USA soll es viel günstiger sein. Zu guter Letzt bringe ich noch unsere neu erstandene USA Fahne an MANni an, ein wenig bei den Grenzbeamten einschleimen kann ja nicht schaden.

Es ist heute der 11.11.2010, zu Hause in Deutschland beginnt der Karneval und für uns ist das erste halbe Jahr unserer Reise schon zu Ende. Wir fahren auf die Brücke und …

…. Fortsetzung folgt unter Reiseberichte USA November

An dieser Stelle möchten wir uns für die fleißigen Kommentare und emails aus der Heimat bedanken. Ein besonders großes Dankschön geht an unseren Backofficemanager Ralf, der die ersten Anlaufschwierigkeiten geduldig und kompentent gelöst hat!

 

Fazit:

Touristische Höhepunkte in der “Unsaison” zu besuchen ist eine sehr angenehme und entspannte Sache, aber wir vermissen die Wildnis.

Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.