Archiv für die Kategorie Mai 2010

Mai 2010

Veröffentlicht in Mai 2010 am Mai 31, 2010 von crossamerika

ES GEHT LOS!
Am späten Nachmittag des 27. April ist es endlich soweit. Unser MANni ist fertig gepackt (naja, sagen wir mal es ist alles drin, die Ordnung lässt wohl noch viele Verbesserungen zu), das Mietwohnmobil, in dem wir bis zu unserem Abflug am 14. Mai wohnen werden, ist auch gepackt, die Wohnung ist leer und bereits an die Mieter übergeben.
Wir fahren nach Hamburg (ich mit MANni, Tina mit dem Mietwomo) wobei wir bei Osnabrück erst mal übernachten. Am nächsten Morgen lesen wir uns die nicht ganz so einfache Beschreibung der Wegstrecke im Hamburger Hafen durch, die uns “Seabridge”, die WOMO-Verschiffungsprofis, mitgegeben haben. Kaum eine Stunde später haben wir es auch schon kapiert und machen uns auf den Weg.
Tatsächlich finden wir den Schuppen 48 von UniKai (so heißt der mysteriöse Ort, wo wir MAnni abgeben sollen) wider Erwarten völlig problemlos. Nach Seabridge-Angaben soll die Übergabe ca 2-3 Stunden dauern und nur eine Person darf dazu ins Hafengelände. Ich mach mich also mit Warnweste bekeidet auf den Weg und Martina richtet sich bei Sonnenschein mit Campingstuhl vor dem Mietwomo ein. Tatsächlich verläuft die Übergabe so unspektakulär wie das Abgeben von Pfandflaschen im Getränkemarkt. Ich gebe den Autoschlüssel ab, ich bekomme eine Quittung und fertig. Das finde ich nun aber dem Anlaß völlig unangemessen (3 Minuten bei einer Vorbereitung von fast 6 Jahren) und ich beschwere mich bei dem Hafenmitarbeiter. “Sie können ja beim Waschen der Autos zuschauen” war sein einziger Kommentar. Das will ich nicht und so bin ich nach 5 Minuten wieder zurück. Martina hat noch nicht mal Platz genommen und glaubt, ich hätte was vergessen. Ein letzter Blick auf MAnni, ein Foto noch (wird auf Anweisung der Hafensecurity aber sofort wieder gelöscht!) und wir haben frei.

Das Wochenende über besuchen wir Freunde in der Umgebung von Hamburg und machen uns am Sonntag wieder auf den Heimweg (was für ein komisches Wort, wenn man kein Heim mehr hat:-)). Die nächsten Tage vergehen mit Behördengängen und Abschiedsbesuchen bei Freunden. Das nächste Wochenende bringt noch ein letztes mal das “Leerkabinentreffen” in Bodenheim mit sich, wo sich immer ein bunter und verrückter Haufen von Wohnmobil-Selbstbauern trifft.
Zurück in Hilden noch ein Abschiedsessen mit der Familie und die letzten amtlichen Tätigkeiten und schon geben wir unser Mietmobil wieder ab. 17 Tage sind vergangen wie im Flug. Die letzten beiden Nächte wohnen wir bei Freunden und am Freitag den 14.05 um 8:30 werden wir zum Düsseldorfer Fughafen chauffiert. Vielen lieben Dank nochmal an Ralf und Jenny. Von hier gehts nach Frankfurt, wo wir dummerweise 8 Stunden Aufenthalt haben. Wir nutzen die kanadischen Zollbestimmungen voll aus und erstehen im Dutyfreeshop 2 Liter Whisky. Und weil wir vorher einen Glückskeks geschenkt bekommen haben, dessen Spruch mit dem auf dem Kassenbon übereinstimmt, bekommen wir einen Gutschein über die gesamte Einkaufssumme!
Wow, schnell das ganze Geld in Lindt Schokolade und 2 Pikolos investiert und den Sekt sofort auf unser Glück anstoßend geleert. Leider erfährt unsere Glückssträhne gleich darauf eine Unterbrechung. Wir steigen zwar pünktlich in den Flieger nach Halifax, doch der fliegt nicht. Er hat ‘ne Panne mit einer Hydraulikpumpe und muß repariert werden. Eine Stunde ist nicht klar, ob wir in eine Ersatzmaschine umsteigen müßen (dauert min. 3 Stunden) oder nicht. Dann kommt die erleichternde Meldung des Kapitäns, daß der Fehler behoben sei. Wir starten also mit 90 minütiger Verspätung.
Der Flug verläuft super ruhig und der Pilot tritt kräftig aufs Gaspedal, so daß bei Ankunft in Halifax nur noch 40 Minuten Verspätung übrig sind. Gott sei Dank setzt unsere Glückssträhne wieder ein und wir haben überhaupt kein Problem mit der Einreise. Ein Taxi bringt uns nach Halifax in das von Deutschland aus reservierte Hotel und endlich (es ist jetzt ca 5:30 MEZ) dürfen wir ins Bett.
Den folgenden Tag verbringen wir in Downtown Halifax mit NICHTSTUN. W0w, ist das ein Gefühl: definitiv nichts zu tun. Das ist so lange her,  daß wir uns daran erst mal gewöhnen müssen. Am Sonntag den 16.05 (heute soll das Schiff in Halifax ankommen) machen wir uns auf den ca 6km langen Fußweg zum Hafenterminal um zu schauen, ob es irgendwas von MANni zu sehen gibt. Das Wetter ist super und wir geniessen den Fußweg an der Waterfront entlang. Tatsächlich (Glückssträhne hält noch an) liegt die “Altantic Compass” schon am Kai und Container werden entladen. Unsere Glückssträhne ist noch steigerungsfähig und so sehen wir auch MANni bereits im Hafen stehen. So weit sichtbar unbeschädigt steht er da und mir kribbelt es nicht nur in den Fingern. Halifax ist nett, aber ich will los. Das muß aber laut Seabridge noch bis Mittwoch warten.
Solange halten wir es aber nicht aus und erscheinen schon am Dienstag beim Spediteur, um die erforderlichen Papiere für den Zoll zu bekommen. Das klappt wieder super und weil besagte Glückssträhne echt eine der besten ist, bezahlen wir statt der von Seabridge avisierten 260$ nur 150$. Jetzt direkt zum Zoll und … Glückssträhne! Stempel hier und Unterschrift da und wir haben alles um MANni aus dem Hafen zu holen. Allerdings nicht mehr heute, weil das nur vormittags geht. Den Rest des Tages verbringen wir wieder an der Halifax Waterfront und holen uns den ersten kanadischen Sonnenbrand, wozu auch Sonnenschutz benutzen, es gibt eben Dinge, die lernen wir nie!

Mittwoch morgen checken wir aus dem Hotel aus und nehmen ein Taxi zum ACL Terminal. Im Gegensatz zum Hamburger Hafen läuft hier alles locker ab. Wir bekommen Ausweise und werden mit einem Kleinbus zu einem Büro im Hafengelände gebracht. Ich erledige drinnen den Papierkram (max. 5 Minuten) und Tina läuft draussen knipsend um MANni herum.

Dann die Aushändigung der Schlüßel und ein “Save Travel”. Wir kontrollieren unser rollendes Zuhause eingehend und sind wirklich happy, daß wir noch nichtmal den kleinsten Kratzer entdecken können. Auch die den Hafenarbeitern zugedachten Beutestücke, 2 Schachteln Marlboro, eine Taschenlampe, ein kleines Radio, liegen noch im unverschlossenen Handschuhfach. MANni springt auch sofort an und wir verlassen den Hafen nach 10 Minuten ohne irgendwelche Kontrollen. Draußen quatschen wir noch ein viertel Stündchen mit einem Pärchen aus Deutschland, die kurz vor uns ihr Wohnmobil aus dem Hafen geholt haben und im Flieger fast neben uns gesessen haben. Die Welt ist klein. Auch bei den beiden gab es keinerlei Probleme.

Wir arbeiten unser Programm ab: Tanken, Lebensmittel kaufen, Besuch beim kanadischen ADAC (CAA), Gas tanken und noch einmal zum Hotel, um unser eingelagertes Gepäck abzuholen. Danach gehts die Küste entlang nach Nordosten wo wir in ca 80km Entfernung unser Ziel für die nächste Woche erreichen, den Campingplatz “Murphy’s” in Murphy’s Cove. Wir bekommen den besten Platz und richten unsere Wohnung her. Die Arbeit für diese Woche: Fahrradträger montieren, Fahrräder zusammenbauen und fahrfertig machen (lag alles im Bett), Martina räumt drinnen alle Schränke leer und versucht sie wieder sinnvoll zu füllen. Ich mache das gleiche mit den Staukästen und unserer Garage. Nebenbei werden wir von fast allen Besuchern auf unseren “Awsome Truck” angesprochen, wie es scheint haben die Leute hier noch nie einen Allrad-LKW gesehen. Das Wetter ist super und es weht soviel Wind, daß wir auch unseren Windgenerator zum ersten mal laufen lassen. Er arbeitet super, das Geräusch ist drinnen kaum zu hören, dagegen macht er, wenn man draussen ist, einen ziemlichen Krach. Naja, wir wollen die “windmill” ja auch nicht laufen lassen wenn wir Nachbarn haben.

So nebenbei haben wir natürlich auch viel Zeit, um mit Leuten zu quatschen (die Kanadier sind alle ganz heiß darauf, mehr über unseren MANni zu erfahren) und abends am Lagerfeuer frische Muscheln zu essen (gibt der Chef aus). Wir werden vom Chef zu einer Bootstour eingeladen an der aus bekannten Gründen nur ich, Lothar teilnehme. Auch frischen Hummer kochen wir uns!

Am Freitag ist endlich die bestellte SAT-Telefonkarte eingetroffen. Wir checken also bei Murphys aus und machen uns zurück auf den Weg nach Halifax. Das Programm umfasst Shopping (Lebensmittel, Kleinkram), Tanken und Karte abholen.  Dann geht es Richtung  Westen, zur Bay of Fundy. Das sind nur ca. 100km zu fahren. Diese Bay of Fundy ist deshalb sehenswert, weil es hier den größten Tiedenhub der Welt (über 18m) gibt. Es ist schon sehr imposant, mit welcher Geschwindigkeit das Wasser steigt bzw. fällt. Wir machen eine Strandwanderung bei Ebbe um uns die tolle Küstenformation anzuschauen.

Die letzten beiden Maitage verbringen wir bei gutem Wetter auf einem Minicamping mit dem schönen Namen “Spencer Islands old shipyard, another day in paradise” direkt am Ufer der Bay of Fundy.

Reiseroute:

Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.