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6 Monate West-Kanada und Alaska

Veröffentlicht in 6 Monate West-Kanada und Alaska 2011 am Oktober 31, 2011 von crossamerika

 

Zusammenfassung 6 Monate West-Kanada und Alaska

 

  • Einreise:
  • Nach Kanada und Alaska gleich: unkompliziert, allerdings werden wir kurz interviewt. Wohin, warum, wie lang und wie wollen wir es bezahlen. Dieses mal bekommen wir in Kanada einen Stempel mit Ausreisedatum. Das Fahrzeug ist wieder einmal völlig uninteressant.
  • Übernachtungen: 171 Nächte insgesamt, davon 48 in Alaska, 44 mal auf Campingplätzen, 20 mal auf WalMart Parkplätzen, ansonsten frei in der Natur
  • gesamt gefahrene Strecke: 19000km, ergibt einen Tagesdurchschnitt von ca. 110 km
  • Straßen: 50% Asphalt, der Rest zwischen superfester Lehmtrasse und losem Geröll.
  • Dieselpreis: in Alaska ca. 1,10$, in Kanada 1,15- 1,60$. Spitzenreiter war Inuvik in den North-West Territories, am günstigsten ist der Diesel in Alberta. Er ist flächendeckend zu bekommen nur die Flächen sind etwas größer.
  • Kostenlose Dump Stationen in Gemeinden und an Tankstellen (manchmal nur bei Betankung), nicht immer gibt es Trinkwasser und man muß schon einmal länger suchen.
  • 2 Inspektionen an MANni, eine in Eigenarbeit, die 100.000km Inspektion in der Unimogwerkstatt von Hans Mross bei Vancouver. Eine Reifenpanne auf dem Dempster Highway. In Whitehorse, Yukon ein Federauge vorn links wechseln lassen.
  • Spritverbrauch/Ölverbrauch: 23l/100 km – 1l/1000km
  • Propangasverbrauch: ca. 15kg für die ganze Zeit (nur kochen und backen)
  • Propangas nachtanken: problemlos an Tankstellen mit unseren fest eingebauten ALU-Gas Tankflaschen und US Adapter
  • Propangaspreis: schwankt stark von 0,80$ bis über 2$ pro Liter
  • Defekte im Aufbau: Druckschalter der Shureflow Pumpe (kostenloses Ersatzteil in Calgary bekommen), an 2 von 3 Toilettenkassetten bricht der Mitnehmer der Verschlußdeckel, Rep. mit Bordmitteln, Austausch aller 4 Wohnraumbatterien.
  • Preisniveau: Im Yukon und in den NWT sehr, sehr hoch bei Lebensmitteln als auch bei Wein und Bier, In Alaska auf dem Niveau von “Restkanada”, außer Alkohol, der ist in Alaska günstiger.
  • Campingplätze: Variieren stark im Preis, in der Lage und der Ausstattung, unser Durchschnittspreis lag bei ca. 20$ pro Übernachtung
  • Internet: Offene WLAN (WIFI) Netze sind im Süden oft vorhanden, im Norden Mangelware. Die Geschwindigkeit ist meist eher dürftig.
  • Ein Ellenbogen ausgekugelt und ein Zahnarztbesuch. Sonst bei bester Gesundheit.

 

Subjektive Eindrücke:

  • Es gibt traumhaftschöne Sackgassen bis zu 800km Länge (z.B. Dalton und Dempster Highway). Für uns das Highlight überhaupt.
  • Bären, Lachse, Wölfe, Adler, Bison, Elche und Caribous. Tiere gab es im Überfluß!
  • Der gesamte Norden ist sehr dünn besiedelt. Immer findet man herrliche Plätze zum Übernachten mitten in der Wildnis.
  • Die Menschen in Nordkanada und Alaska wirken sehr ausgeglichen. Campen, fischen und jagen ist für sie das Wichtigste! Besonders in Alaska sind sie an Touristen gewöhnt, daher kommen die Kontakte meist über einen freundlichen Small-Talk nicht hinaus.
  • Von den großen Städten (Calgary, Edmonton, Anchorage und Vancouver) hat uns nur Vancouver gefallen. Die anderen dienten lediglich als Versorgungszentrum.
  • In diesem halben Jahr hatten wir über 3 Wochen Urlaub! J

Gesamtroute:

Oktober 2011

Veröffentlicht in Oktober 2011 am Oktober 31, 2011 von crossamerika

Über den Cassiar HWY erreichen wir am 1.10. Hyder, ein 100 Seelen Nest, es gehört zu Alaska. Die kanadische Stadt Stewart ist nur 4 km entfernt. Wir kommen im stockdunklen an, da wir vor einer Baustelle am Bear River 3 1\2 Stunden warten mußten. Die Straße ist vor 4 Wochen nach tagelangen Regenfällen völlig überflutet und zum großen Teil weggeschwemmt worden, sie wird im Großeinsatz wiederhergestellt. Wir parken hinter Hyder irgendwo am Straßenrand und schlafen ungestört. Beim Frühstück läuft ein einsamer Wolf die Straße entlang.

Wir sehen uns die “friendliest Ghost Town” an.

So mancher ist hier vor langer Zeit gestrandet, laut Nummernschild aus Californien.

In diesem “Supermarkt” hat sich der Besitzer mittels Tabaksqualm gut konserviert, uns blieb nach 2 Minuten die Luft weg.

Danach möchten wir zur Bärenplattform,

bis Ende September gibt es Lachse im Fluß und dann natürlich auch Bären. Eine deutliche Warnung für die Touristen darf nicht fehlen:

Wenn man dieses Exemplar sieht, glaubt man es:

Fische sehen wir keine mehr, aber trotzdem eine Bärenmama mit Kind.

Glück gehabt, erzählt uns ein holländisches Ehepaar, denn gestern war kein Bär hier. Wir kommen ins Gespräch, die zwei waren wie wir (wir allerdings nur 4 Wochen)  2005/2006 in Südamerika. Während wir uns unterhalten, bekomme ich immer mehr den Verdacht die Zwei damals in Chile getroffen zu haben. Ich frage Lothar, er ist der gleichen Meinung und wir fragen nach. Tatsächlich waren sie zum gleichen Zeitpunkt auf dem Camping in Villa Rica (Chile), allerdings mit einem anderen Camper. Ihr Motto von damals “rent your house, keep the budget low and it works” hat uns immer wieder angespornt. Heute sind Claudia und Pieter insgesamt 14 Jahre unterwegs. Tief beeindruckt über das zufällige Wiedersehen an diesem abgelegenen Ort bleiben wir noch eine Weile auf der Plattform und sehen einen weiteren Schwarzbär. Darüber vergessen wir völlig ein Foto von den Beiden zu machen.

Am nächsten Morgen blauer Himmel, Abfahrt zum Salmon Gletscher. Auf mal wieder schlechter Piste geht es immer höher bis wir vor diesem Eisfeld stehen.

Die Nacht ist kalt und am nächsten Morgen treffen wie vereinbart Hella und Edgar wieder ein. Sie hatten in Watson Lake noch einiges zu erledigen, wir sind daher vorausgefahren.

Gemeinsam fahren wir die abenteuerliche Strecke zurück und übernachten in Stewart. Mittlerweile wissen wir, daß durch die täglichen Bauarbeiten und die teilweise einspurige Fahrbahn der Konvoi nur 2x am Tag, um 11:00 morgens oder 18:00 Uhr Stewart verläßt.

Mit diesem merkwürdigen Gefährt wären wir vielleicht ohne den Konvoi durchgekommen (die Karosse ist ein Lloyd 600 und wurde in Deutschland zwischen 1950 und 1960 gebaut) J .

Wir entscheiden uns für den Konvoi um 11:00 Uhr und fahren pünktlich hinter dem Pilot Car durch die Baustelle vor der wir auf dem Hinweg 3 ½ Stunden gewartet haben.

Wir möchten noch ein Stück Cassiar HWY mit Hella und Edgar gemeinsam fahren. Der nächste Tag bietet Bären satt, ich habe sie gezählt, 13 Stück, rekordverdächtig! Nur weil manche der Schwarzen dann doch so nett sind ein weiteres Foto.

Im Indianerdorf Gitanyow besichtigen wir die Totempfähle von denen der “Hole in the Ice” einer der ältesten der Provinz ist.

Für uns alle 4 sind wir am Ende dieses langen Fahrtages zu schnell wieder in der “Zivilisation”, überall Häuser und Farmen. Die Bären sind plötzlich Kühe. Darauf waren wir nicht vorbereitet nach den wunderschönen Monaten im Yukon und Alaska. Nach weiteren gemeinsamen Fahrtagen finden wir zum Glück noch jeden Abend schöne Übernachtungsplätze auf denen wir bis weit nach Mitternacht bei Temperaturen um den Gefrierpunkt am Lagerfeuer sitzen. In Prince George trennen sich leider endgültig unsere Wege, wir fahren weiter nach Süden, Hella und Edgar zu ihrem Segelboot an die Ostküste. Ob und wann wir uns wiedersehen, wir wissen es nicht.

Weiter, immer weiter nach Süden. Wir stoppen am Zusammenfluß von Thompson und Fraser River. Das Wasser des Fraser ist durch Sedimente hellbraun, das des Thompson Rivers blau und klar.

Viele Baumstämme versperren den Zufluß zum Duffey Lake.

Unser Ziel ist Whistler, einer der Austragungsorte der olympischen Winterspiele 2010 von Vancouver. Kaum parken wir vor dem autofreien Städtchen höre ich Lothar bereits draußen reden. Es ist Sarah, sie wohnt in Whistler und sagt, sie haben einen ähnlichen Truck wie wir, aus Deutschland selber importiert. Das klingt spannend, wir erzählen eine ganze Weile, Baby Charly schläft und Hund Spy spielt mit mir. Kurz entschlossen lädt uns Sarah für heute abend zum Dinner ein. Wir freuen uns drauf und sehen uns das nett hergerichtete Whistler an.

Lothar findet schnell einen “Leidensgenossen”, es schmeckt halt immer so gut.

Im Sommer ein Mountainbike Ort, im Winter der Skiort rund um Vancouver. Wir genießen die Sonne, beobachten die Menschen und merken, daß wir lange in der “Provinz” waren. Gegen 18:00 Uhr parken wir bei Sarah und ihrem Mann Tim vor der Haustüre. Hier dürfen wir auch übernachten. Sie erzählen von ihrem Abenteuer ihren Truck nach Kanada zu bekommen. Die Basis, ein Feuerwehr-Mercedes Allrad in MANnis Alter, haben sie in Paris gekauft und in Deutschland bei der Firma Füss in Sigmaringen fertigstellen lassen. Die Einfuhr nach Kanada hat zum Glück keine großen Probleme bereitet. Im Januar fahren die zwei mit Baby und Hund nach Mexiko, später soll es auf die ganz große Reise gehen. Der LKW steht leider weit entfernt für den Winter sicher untergestellt. Der Abend vergeht wie im Flug und wir schlafen ruhig in der Hauszufahrt. Die Sonne scheint, früh möchten wir los, Tim ist schon zur Arbeit und wir verabschieden uns von Sarah und der kleinen Charly.

Der Olympic Park vor Whistler ist unser nächstes Ziel.

Ziemlich verlassen liegt er da, wo vor 1 ½ Jahren die Sport-Elite der ganzen Welt um Medaillen gekämpft hat.

Die Bären erobern ihr Revier zurück, die typischen beerenhaltigen “Hinterlassenschaften” sind sehr oft zu sehen. Ein Schwarzbär sitzt sogar in der Nähe des Biathlon-Schießstandes. Er hört uns und ist leider wie der Blitz im Gebüsch. So kann Lothar in Ruhe zielen. Ergebnis: 5x daneben, 5 Strafrunden J

Zum Abschluß erklimme ich noch das Maskottchen der Spiele 2010. Es ist gar nicht so groß wie wir es von den Fernsehübertragungen in Erinnerung haben.

Ein paar Kilometer weiter übernachten wir in der Nähe eines Campings. Auf dem Platz selbst sind nur Zelte erlaubt und die Bären scheinen besonders frech zu sein. Alles Eßbare muß sehr hoch hinauf.

Bei Kaiserwetter fahren wir zur Porteau Cove und übernachten auf dem schön gelegenen Campingplatz in Strandnähe. Am nächsten Morgen sind wir tapfer und frühstücken bei 7C° draußen, vielleicht das letzte mal in diesem Jahr.

Ein kurzer Stop bevor wir in Vancouver ankommen, der Hafen der Horse Shoe Bay,

wir haben Glück und sehen Mama Seeotter mit Kind.

Nun wird es ernst für MANni, wir fahren zu Hans Mross in der Nähe von Vancouver, er ist Deutscher und lebt schon lange in Kanada. Hans hat hier eine Unimog Werkstatt und kennt sich bestens mit Allrad LKWs aus. MANni soll etwas gepflegt werden. Wir fahren hin und bekommen einen Termin in drei Tagen. Prima, die Sonne scheint und wir fahren Richtung Harrison Lake, Tip von Hans. Der See liegt wunderschön, aber alle Camping Provincial Parks sind geschlossen. Leider haben nur diese Zugang zum Wasser. Gefrustet, weil 15 km Waldstraße gefahren und nun mit der Aussicht nicht am See campen zu können, halten wir an. Ein Mitarbeiter des nächsten Holzcamps fragt, ob er helfen kann und erzählt bei km 21,5 gäbe es einen kostenlosen Platz direkt am Ufer. Wir bedanken uns und schicken MANni zurück auf die Schlaglochpiste. Es stimmt, wir finden diese Stelle, sogar Feuerholz liegt noch hier, die Welt ist wieder mehr als in Ordnung.

Mittwoch nachmittag müssen wir dieses Paradies verlassen, auf zur Werkstatt. Wir können auf dem Gelände übernachten und morgens machen sich Hans und Lothar als Azubi an die Arbeit. Motorventile einstellen, Getriebeöl und Verteilergetriebeöl werden gewechselt. Hans ist mit unserem MANni zufrieden, nach 4 Stunden verlassen wir die Werkstatt und fahren glücklich nach Vancouver City. Auf einem Home Depot Parkplatz dürfen wir für eine Nacht stehen, bei WalMart ist es verboten. Leider setzt sich diese Glückssträhne bei Home Depot nicht fort, am nächsten Abend an einem anderen Platz hat der Manager etwas gegen uns, der Straßenrand aber ist breit genug für MANni. Lothar leert morgens den Inhalt unserer Sprit-Kanister in den Tank. 1. rufen die USA mit günstigeren Preisen und 2. haben wir diesen Diesel schon sehr lange in den Kanistern. Kaum sind wir 8 Kilometer in der Stadt gefahren, sehen wir ein großes gelbes Wohnmobil aus Deutschland. Die Welt ist klein, wir wissen das Frieder auch einen Termin bei Hans in der Unimog Werkstatt hat. Es können nur Frieder und Irmi sein, wir biegen flott zum Supermarkt ab und parken neben dem gelben Riesen, keiner da.

Während wir warten flucht Lothar plötzlich ziemlich, ach du ……, unser Tankdeckel ist weg, vergessen wieder aufzuschrauben. Nein, er liegt auch nicht mehr auf dem Tank. Wir müssen uns entscheiden, Frieder und Irmi treffen oder Tankdeckel suchen. Die Entscheidung fällt klar für Tankdeckel suchen, zumal es diese Größe hier wahrscheinlich nicht gibt. 8 km zurück und wir suchen den Parkplatz ab, nichts. Fast gleichzeitig haben wir die Idee, die Kurve vor dem Supermarkt, da könnte er sein, 8 km zurück. Der Gelbe ist leider weg und unser Tankdeckel liegt ziemlich plattgefahren in genau dieser Kurve. Das hätten wir einfacher haben können, aber immerhin können wir den Deckel noch nutzen.

In North Vancouver finden wir nach 2 Stunden Stau, willkommen im Stadtverkehr, neben einem WalMart (auf dem Parkplatz selbst ist es mal wieder nicht erlaubt) einen Platz für die Nacht. Morgen möchten wir in den Lynn Canyon zur Suspension Bridge.

Endlich scheint die Sonne wieder, wir wandern mehrere Stunden durch einen schönen Regenwald. Er ist typisch für Vancouver und Umgebung.

Aber eine Suspension Bridge, Fehlanzeige. Kein Wunder wir sind im Lynn Valley Park und nicht im Lynn Canyon Park. Bewegung schadet uns ganz sicher nicht, also suchen und finden wir endlich dann doch noch die Bridge. Es ist Sonntag und die Brücke ist wohl bei vielen Ziel des Sonntagsausflugs. Es herrscht Gedränge, Geschiebe und Geknipse. Da waren wir doch vorher im Lynn Valley Park besser dran.

Down Town Vancouver ist angesagt, wir nehmen den Seabus von North Vancouver und sind in einer ¼ Stunde an der Waterfront.

Hier wird alles scharf bewacht, man geht nur zu zweit Patrouille.

Anschließend Besuch in der Gastown, mit seiner Steamclock, jede Stunde läßt sie “Dampf” ab,

ihrem Gründer Gassy Jack auf einem Whiskyfaß,

dem Cruiseship-Terminal,

Yaletown, ein Kneipenviertel.

Eine rundherum schöne Stadt. Abends fahren wir zum Viewpoint am Cypress Mountain, hier gibt es den besten Ausblick auf die City.

Wir entgehen dem allabendlichen Stau und übernachten ruhig auf dem Cypress Mountain. Um diese Jahreszeit stört es niemanden, es liegt noch kein Schnee zum Skilaufen. Am nächsten Tag fahren wir raus aufs Land.

Wir sehen eine großen Schwarm “Lesser Snow” Gänse. Herrlich das Geschnatter.

Der nächste Tag ist wieder sonnig, wir fahren durch Downtown, heute ohne Stau,

und besuchen Strände in der Nähe:

White Rock Beach

und Crescent Beach

Vancouver ist sehr, sehr schön und hat unglaubliche Freizeitmöglichkeiten, aber jetzt ist es genug. Dieses bedeutet aber für uns gleichzeitig das Ende unserer Zeit in Kanada. Am nächsten Morgen gießt es in Strömen und so fällt der Abschied leicht. 2 Stunden im Grenzstau in die USA und dann sind wir natürlich dran, rechts raus, aussteigen und rein ins Office. Erneut erklären wir wohin wir möchten, wann wir das Land verlassen und daß wir kein Obst oder gar Waffen dabei haben. Frau Offizierin nimmt den Autoschlüssel, wir müssen im Office warten. Sie möchte MANni innen kontrollieren, wir sehen uns an und sind ganz still. Es dauert nicht lange, sie kommt wieder und sagt “alles in Ordnung”. In MANni war sie niemals, bei ihrer Körpergröße und ohne Leiter? 3 Stunden sind vorbei und wir wieder in den USA. Nach einer Übernachtung in Bellingham geht es auf die kleinen Halbinseln vor der Küste. Die Fähre von 35 ruhigen Minuten bringt uns in das Städtchen Port Townsend auf der Olympic Peninsula. Ein Stadtbummel vorbei an alten Häusern, Galerien und alternativen Läden wird leider durch Sturm und Regen vorzeitig beendet. Es hat uns gut gefallen, das Örtchen ist unamerikanisch anders.

Heute ist Halloween, der 31. Oktober. Wir lassen die Horrorparty weg und fahren bei strahlend blauem Himmel in den Olympic Mountains National Park.

 

Fazit des Monats:

Adieu Kanada, es war eine schöne Zeit mit grandiosen Weiten, einsamen Straßen, vielen Tieren und sehr gastfreundlichen Menschen.

Reiseroute:

 

September 2011

Veröffentlicht in September 2011 am Oktober 2, 2011 von crossamerika

Wegen des miserablen Wetters verschieben wir den Denali Nationalparkbesuch auf später und biegen erst einmal nach Osten in den Denali Highway ein. Unterwegs haben wir von mehreren Reisenden gehört, daß diese Straße traumhaft schön sein soll und so etwas wollen wir natürlich nicht verpassen. Die ersten 2 Meilen sind asphaltiert, danach beginnt eine gut gewartete Schotterstraße. Bei diesem Mistwetter sehen wir allerdings nichts und wir suchen uns erst mal ein Plätzchen für die Nacht.

Am nächsten Morgen ist es tatsächlich viel besser geworden. Dem “Weather Pete” (Petrus) sei Dank. Wenn wir nach hinten schauen haben wir sogar eine recht gute Sicht auf den Mount McKinley, auch Denali genannt. Dieser ist mit über 6100m der höchste Berg in Nordamerika.

Wir haben leider auf unserer Route diesen Berg immer im Rücken, aber nach kurzer Zeit liegt im Norden, also links von uns die Alaska Range mit ihren schneebedeckten Riesen und vielen Gletschern.

Die Fernsicht wird immer besser und vor allem die herbstlichen Farben der Tundra kommen nun voll zur Geltung.

Sogar 3 Caribous laufen vor uns die Straße entlang. Immer wieder bleiben sie stehen und drehen sich um, um zu sehen wer sie da laut schnaufend und zischend verfolgt. Richtig ängstlich kommen uns die Tiere dabei nicht vor.

Leider ist der nächste Tag wieder total verregnet. Kein Berg, keine Tiere, keine Farben. Erst kurz vor Delta Junction (hier endet der Alaska Highway) bessert sich das Wetter wieder und wir haben noch einmal einen superschönen Ausblick auf die Eisriesen der Alaska Range.

Über den Tanana River spannt sich für die Alaska Pipeline eine eigene Hängebrücke.

Zwei Stunden später mit einem kleinen Zwischenstop beim Weihnachtsmann in North Pole (ja, die Stadt gibt es wirklich) erreichen wir Fairbanks. Mittlerweile ist das Wetter richtig gut und die Vorhersage für die nächsten Tage ebenso. Wir beschließen kurzerhand, ein Stück (oder auch mehr) den Dalton Highway zu fahren. Diese Straße, halb geteert und halb Schotter, führt über 800km nach Norden, von Fairbanks zum Örtchen Deadhorse an der Prudhoe Bay, ein Teil der Beaufort See. Dabei verläuft sie fast immer neben der berühmten Alaska Pipeline, die in den Ölfeldern rund um die Prudhoe Bay beginnt und durch ganz Alaska in den Süden zum Hafen Valdez führt.

Nach den ersten 100km ist klar, diese Straße muß bis zum Ende gefahren werden. So erreichen wir in den nächsten beiden Tagen zuerst den Polarkreis.

Nach ca. 400km überqueren wir die Brooks Range, ein gewaltiges Gebirge in der Mitte Alaskas. Der Atigun Pass ist mit über 1400m die höchste Gebirgsstraße hier im Norden. Seine Streckenführung ist wirklich atemberaubend, zumal für MANni, der bei der Schotterstrecke mit stellenweise 14% Steigung ganz schön ans schnaufen kommt. Aber auch Martina, die mal wieder an der Talseite sitzt, stockt manchmal der Atem.

Kurz hinter der Passhöhe übernachten wir und werden am Morgen bei Minusgraden und leichtem Schneefall wach.

Von hier bis zum Ziel in ca. 250km Entfernung durchqueren wir nur noch baumlose Tundra und erreichen am Ende Deadhorse an der Prudhoe Bay.

 

 

Tiere haben wir auf dieser Stecke nicht viele gesehen, aber es gab “Neuheiten”. Moschusochsen und einige Schnee-Eulen.

 

 

Deadhorse selbst ist eigentlich nur eine Industrieanlage und kein Dorf. Sogar das beste Hotel am Platz sieht aus wie ein paar zusammengewürfelte Schuppen.

 

 

 

Es läßt sich nicht näher beschreiben, dennoch hat dieser Ort eine ganz besondere Stimmung. MANni allerdings sehnt sich nach einer ausgiebigen heißen Dusche.

 

 

 

 

Wir bleiben nur bis zum nächsten Morgen, tanken wieder auf und machen uns auf den Rückweg. In der Tundra sehen wir noch einmal eine kleine Caribouherde.

 

 

Danach wird das Wetter aber immer schlechter. Den Atigunpass überqueren wir im Schneetreiben und leider an der steilsten Gefällstrecke bei festgefahrener Schneedecke. Hier spüren wir sozusagen “online”, daß unsere Reifen zwar gut fürs Gelände, aber überhaupt nicht gut bei Glätte sind. Trotz der Kälte schwitzend bin ich heilfroh, als wir unterhalb der Schneefallgrenze sind und die Straße matschig wird. Hier haben wir wieder mächtig Grip. Ein paar Stunden später gilt für den Paß übrigens Schneekettenpflicht! Glück gehabt.

 

Am nächsten Tag erreichen wir Asphalt und ein weiteres Abenteuer ist für uns beendet. Zirka 1600 spannende Kilometer Dalton Highway liegen hinter uns.

 

 

Martina hat im Reiseführer etwas über einen urigen Saloon in Fox kurz vor Fairbanks gelesen. Immer mittwochs bis samstags Live-Musik. Dieses Örtchen liegt auf der Strecke und es ist Freitag, das paßt und es wäre doch ein schöner “Feierabend” zum Abschluß der Dalton Highway Woche.

 

 

Wir dürfen über Nacht dort stehen bleiben und ab 19:00Uhr gibt es wirklich Livemusik, außerdem gute Burger, und weil wir überhaupt keine Ahnung von den Biersorten haben, die es hier “on Tap”, also vom Faß gibt, darf ich erst einmal alle probieren. Ein Favorit ist dabei schnell gefunden und wir verbringen einen rundum gelungenen Abend bei echt geiler Musik. In den Pausen quatschen wir viel mit den Musikern, deren Frauen und mit dem Boß des Saloons. Das Netteste war, daß mich der Sänger der Band, als wir zufällig gleichzeitig eine Pinkelpause einlegten, fragte “And, got your moose yet?” (“Und, schon deinen Elch geschossen?”). Wir sind wirklich mitten in Alaska! Es ist nach 2:00Uhr morgens als wir müde zu MANni schleichen, die Band spielt immer noch!

 

 

Der nächste Tag ist Arbeitstag. Auto und Wäsche waschen, einkaufen, dumpen, Trinkwasser und Diesel tanken. Die Wettervoraussage ist für die nächsten Tage richtig gut. Wir wollen noch nicht weg, also beschließen wir einen Abstecher auf den Steese Highway zu machen. Der führt als Sackgasse in das Miniörtchen Circle am Yukon River, ca. 250km nordöstlich von Fairbanks. Das erste Drittel ist asphaltiert, danach wie immer Gravel.

 

Fast die ganze Zeit führt diese Straße durch BLM (Bureau of Landmanagement) Land, was bedeutet, daß man sich überall in die Büsche schlagen darf um dort zu campen. Wir finden einen kleinen See ganz für uns allein. Das Wetter ist toll und die Herbstfarben erzeugen eine ganz besondere Stimmung.

 

 

Die Nacht verspricht sternklar zu werden und wir bleiben lange auf, weil wir hoffen zum erstenmal Nordlichter zu sehen. Kurz vor 1:00Uhr, wir wollen gerade aufgeben, sehe ich einen schmalen Steifen am Himmel. Nicht besonders beeindruckend, aber immerhin! Wir ziehen uns warm an und gehen nach draußen. Ja, eindeutig “Northern Lights”! Es wird immer mehr und dabei auch bunter und wir merken vor Staunen gar nicht, daß wir über eine Stunde in der Kälte stehen. Wir starten ein paar Versuche mit unserer Kamera und für das erste Mal sind die Ergebnisse gar nicht so schlecht.

 

 

Die Etappe des nächsten Tages führt uns über den Eagle Summit zum Ende der Straße in das Örtchen Circle am Yukon River.

 

 

Die Immobilien sind hier günstig.

 

 

Kein Wunder, denn dies ist der einzige uns freundlich gesonnene Einwohner von Circle.

 

 

Zwei ältere Damen fragen wir nach einer Möglichkeit, für die Nacht zu parken. Barsch wird uns erklärt, sowas gibt es in Circle nicht, wir müßten den halben Weg zurück, im Ort Central würde es gehen. Super, wir suchen andere Einwohner, aber alle verhalten sich unfreundlich und abweisend. Hier wollen wir gar nicht bleiben. Wir fahren ca. 20km zurück, dort gibt es eine Rest Area. Unterwegs zeigt uns jemand noch den Stinkefinger und brüllt “Fuck you” hinter uns her. Uijuijui, das ist uns in den 16 Monaten unserer Reise noch nicht passiert.

Am nächsten Tag, zurück am Eagle Summit machen wir eine 3 stündige Wanderung. Endlich mal wieder laufen. Eindeutig haben wir die letzen Wochen zuviel in MANni gehockt.

 

 

Unterwegs kommen wir noch an den Überresten einer verlassenen Goldmine vorbei.

 

 

Bei dem Herstellerschild der alten Dampfmaschine kommen heimatliche Gefühle auf. “Made in Germany” , tja damals galt das noch etwas.

 

Wir biegen vom Highway in eine kleine Gravelroad ein. Sie führt zum Nome Creek, an dessen Ufer wir wieder einmal einen schönen einsamen Übernachtungsplatz finden. Es beginnt leicht zu regnen und wir erwischen diesen tollen Regenbogen.

 

 

Zum Abend hin wird es besser und wir erleben zum ersten mal kein Abendrot, sondern ein Abendpink.

 

Die Nacht wird sternklar, für uns noch einmal die Chance auf Polarlicht. Und tatsächlich, gegen 1Uhr geht es los.

 

Nun gibt es leider keine Ausrede mehr. Unsere Zeit in Alaska ist abgelaufen, es geht auf dem Alaska Highway nach Süden. Die Grenze ist ca. 450km entfernt, und Whitehorse, unser erstes Ziel im Yukon, liegt noch einmal 500km weiter.

 

Die letze Nacht in Alaska verbringen wir stilecht einsam an einem See.

 

 

Leider wurde der Weg dorthin immer enger und ein paar neue Schrammen werden wir jetzt wohl im Lack haben. Aber wir sehen das anders, mit jedem Kratzer bekommt MANni mehr Charakter.

 

 

Der Grenzübergang “Beaver Creek” ist wieder einmal völlig problemlos und wir erreichen die Kluane Mountains. Ein kleiner See bietet einen einsamen Stellplatz und wir genießen einen traumhaften Sonnenuntergang.

 

 

Der Tag darauf bringt stürmisches Wetter und Wolkenformationen, die wir noch nie gesehen haben. Direkt unheimlich.

 

 

Am späten Nachmittag erreichen wir den Kluane Lake. Hier haben wir schon vor 8 Jahren am Ufer übernachtet und an die selbe Stelle wollen wir auch diesmal. Vorher aber noch die gute Tat des Tages: 2 Mädchen haben sich mit ihrem Toyota am Strand festgefahren. Premiere für den Bergegurt und MANni darf zeigen was er kann.

 

 

Eigentlich war es enttäuschend, denn das Mehrgewicht am Haken war noch nicht einmal zu spüren. Wir machen einen ausgedehnten Spaziergang am Ufer entlang und entdecken einige Bärenspuren. Manche sehen so frisch aus, daß wir uns unwillkürlich nach allen Seiten umschauen.

 

 

Nach einem Versorgungstag in Whitehorse und “Wiedervereinigung” mit Edgar und Hella machen wir vier uns gemeinsam auf den Weg nach Süden. Unser Ziel ist Watson Lake, allerdings wollen wir nicht über den Alaska Highway (hatten wir ja schon auf dem Hinweg) sondern über die South Canol Road (ca. 220km) nach Ross River und dann über den Robert Campbell Highway nach Watson Lake (ca. 330km). Diese Entscheidung erweist sich als goldrichtig, denn wir werden mit viel Natur und Einsamkeit belohnt.

 

 

 

Zum ersten Mal sehen wir eine Brücke mit temperaturabhängiger Gewichtsbeschränkung.

 

 

Der letzte Tag in der Wildnis bringt allerdings einen Temperatursturz mit sich und wir kämpfen uns durch Neuschnee und viel, viel Matsch.

 

 

In Watson Lake ist die Saison schon vorbei. Die Visitor Information ist “Closed for season” und die günstigste Tankstelle vor Ort ist auch schon im Winterschlaf. Es ist kalt, die Maximaltemperatur am Tag bleibt einstellig, aber wir sehen blauen Himmel. Nichts spricht gegen die Route nach Südwesten, dem Cassiar Highway. Wieder einmal eine Straße durch 650km geballte Einsamkeit. Wir sehen viele Schwarzbären vom Auto aus. Sogar durch MANnis Geschnaufe lassen sie sich nicht irritieren. Der Winter steht vor der Tür und es wird gefressen was rein geht. Auch Klee steht auf dem Speiseplan.

 

 

 

Ziel ist der Ort Hyder in Südalaska. Dieses Dorf kann auf dem Landweg nur über eine Sackgasse, abgehend vom Cassiar Highway, erreicht werden. So verzichtet man auf USA-Seite sogar auf Grenzkontrollen.

 

Fazit des Monats:

 

Ein Sprichwort hier oben sagt: “Man soll mindestens eine Straße bis zu ihrem Ende fahren!”

Wir haben auf 5000km mehr als 1100 Liter Diesel verheizt und das Schild “End of the road” mehrfach gesehen.

 

Reiseroute:

 

 

 

 

 

 

 

August 2011

Veröffentlicht in August 2011 am September 1, 2011 von crossamerika

Lothar hat ein wenig gemogelt, heute ist schon der 2. August. Wie so häufig hier im Norden war es gestern früh morgens (01.30Uhr) bis wir im Bett waren, wird eben nicht dunkel. Bei bestem Wetter stehen wir auf und befestigen zuerst den Schlauch an der geklebten Rißstelle des Kühlwasservorratbehälters, Kühlwasser einfüllen, erst mal dicht. Daraufhin fahren wir fix zum Reifenflicker, klar in 3 Stunden ist der Reifen fertig. Wir stellen den blog für Juli ein, schnell ist so die Zeit vorbei und wir holen den Reifen ab. Das gute Stück ist wohl ziemlich hinüber, aber als Ersatzreifen noch mal fertig für den Rückweg auf dem Dempster. Nun wollen wir endlich Downtown Inuvik sehen. Im Visitor Center holen wir uns den “Order of the Adventurers” ab. Alle die, die auf dem Landwege hier egal womit ankommen (wir haben auch einige Fahrradfahrer auf dem Dempster gesehen) bekommen diese Urkunde. Witzige Idee.

Das war aber auch wirklich alles, das Örtchen ist ziemlich öde. Der Dempster Hwy selbst ist Kult und es sind lediglich ein paar Mietcamper und normale Wohnmobile angekommen, die meisten hatten Reifenpannen wie wir.

Einziges Foto-Objekt im Ort ist diese katholische Iglu Kirche.

Und schöne KFZ Kennzeichen haben sie hier.

Der Spruch “der Weg ist das Ziel” ist mehr als richtig. Schnell sind wir fertig, tanken noch einmal teuren Diesel und fahren ca. 70km zurück in Richtung Dawson City, “it‘s a long long way to go”.

Bei bestem Wetter starten wir am nächsten Morgen und schaffen die schlimmste Etappe des Dempsters in den Northwest Territories diesmal ohne Reifenpanne.

Auf der Fahrt durch die Richardson Mountains entdecke ich weiter weg viele Caribous. Sie sind ein Teil der großen Porcupine Herde die hier entlang zieht. Wir können unser Glück gerade erst begreifen, da beginnen die Tiere zu rennen. Ein Grizzly taucht auf. Sie umkreisen den Bär und zeigen dann plötzlich wenig Respekt. Der Bär findet wohl kein krankes oder lahmes Tier und beachtet die Herde danach nicht weiter. Wir finden einen idealen Übernachtungsplatz direkt neben der großen Talsenke. Schade, keine Caribous mehr. Irgendwann sehe ich aus dem Fenster und da kommen sie alle ganz in unserer Nähe den Berg herunter, Große, Kleine, Alte, ganz Junge, und riesige Böcke. Ein sehr beeindruckendes Schauspiel diesen Tieren zuzusehen. Großes Glück gehabt, denn am nächsten Morgen sehen wir sie nur noch in der Ferne.

Wir genießen die Fahrt,

entdecken einen fetten Grizzly und zwei Schwarzbären. Zum Übernachten finden wir einen Platz an einem ausgetrockneten Flußbett. Abends sind Dallschafe am Berg .

Nun sind es nur noch ca. 80 km bis zu den Tombstone Mountains. Hier wandern wir zum Abschluß den Grizzly Lake Trail bis zum Viewpoint. 1 1/2 Stunden steil bergauf und wieder herunter, immer unter Absingen von Liedern verschiedener Qualität, der Grizzlies wegen!

Die restlichen Kilometer sind schnell gefahren, unsere 9 Tage Abenteuer “Dempster Highway” bei bestem Wetter sind damit leider beendet. 735km bis Inuvik und 735km zurück, keine Notrufsäule, kein Telefon, kein Unfallwagen, keine Ranger, keine Imbissbude, kein ADAC, zwei Tankstellen und zwei Fähren. Für uns war diese Straße landschaftlich eine der Schönsten die wir bisher gefahren sind. MANni hat sich gut geschlagen, für den platten Reifen kann er nichts.

Dawson City ist angesagt, wobei City mal wieder mehr als übertrieben ist. Die erste Nacht verbringen wir hoch oben auf dem Midnight Dome, dem Hausberg von Dawson. Die Sicht ist leider schlecht und bessert sich auch nicht am Morgen. Also runter, die City besichtigen, 1 Stunde, dann haben wir alles gesehen. In Dawson City begann 1896 der Goldrausch als hier am Klondike River das erste Gold gefunden wurde. 1900 betrug die Ausbeute im Yukon immerhin 34.000kg Gold!

Die Shows in der “Diamond Tooth Gerties Gambling Hall” beginnen erst um 20:30 Uhr. Zum Glück finden wir freies Internet und so vergeht die Zeit schnell. Um 20:00 Uhr gehen wir in den Spielsalon, der nach der Tänzerin Gertie Lovejoy benannt wurde. Sie hatte einen Diamanten zwischen den Schneidezähne und hat es in der frauenlosen Stadt zur Zeit des Goldrausches zum Wohlstand gebracht, aha J ! Wir zwei wollen nicht zocken, nein, Lothar möchte die Girls sehen. “Cancan” sollen sie tanzen, 3x am Abend, na das wird in diesem Nest was werden, wahrscheinlich sind es nur “Hupfdohlen”. Um 21:00 Uhr bin auch ich restlos begeistert, soviel Professionalität hätte ich nicht erwartet und die Girls sehen aus, alle Achtung. Kein Wunder, Lothar möchte bis zur dritten Show bleiben und wir sind um ca. 01:00 Uhr wieder in MANni. Auf Nachfrage dürfen wir auf dem Parkplatz vor der Gambling Hall übernachten. Es war ein schöner Abend trotz des krassen Gegensatzes zu den 9 stillen Tagen auf dem Dempster Hwy.

Top of the World Highway bis Chicken (23 Einwohner) ist das nächste Tagesziel.

Mal wieder ist die Grenze zu den USA angesagt. Der junge Mann schaut mürrisch, hat aber nichts zu meckern, wir reisen wieder in Alaska ein. In Chicken probieren wir unsere neue Goldwaschpfanne aus. Vor Jahren haben wir in Alaska einmal geübt wie man das Gold vom Dreck trennt, wie war das noch? Nach über einer Stunde geben wir mit Rückenschmerzen und ohne Gold auf, an unserem Einsatz kann es ganz bestimmt nicht liegen, die Pfanne ist sicherlich nur noch zu neu und außerdem eingefettet J .

In Tok versorgen wir uns mit Diesel, Lebensmitteln und lesen im Internet das die Besatzung der Maggie auf gleichem Kurs ist. Alle möchten nach Kennicott, heute eine Ghost Town am Ende einer 90km langen Gravel-Sackgasse. Wir übernachten in Chitina, dort beginnt die, wie wir am nächsten Morgen feststellen, üble Piste. Sie führt über die ehemalige Bahntrasse und bietet von Wellblech über riesige Schlaglöcher eine mehr als rüttelige Fahrt. MANni kommt gut durchgeschüttelt aber ohne Reifenpanne am Ende an. Von hier geht es nur noch über eine Fußgängerbrücke und mit einem Shuttle Bus weiter. Die ehemalige Kupfermine im 8 km entfernten Kennicott war von 1911 bis 1938 eine der reichsten Kupferminen der USA. Wir nehmen den Bus und fahren rauf. Bei strahlend blauem Himmel bieten die alten Minengebäude vor den schneebedeckten Bergen ein gigantisches Panorama.

Zurück nehmen wir den Hikingtrail durch den Wald. Leider haben wir das Bärenspray vergessen und bemerken viele der typischen Bärenhinterlassenschaften mit einer Menge roter Beeren drin. Kurz drauf sieht Lothar einen fetten Schwarzbär auf dem Weg. Er bewaffnet sich mit einem Knüppel und wir üben lauthals Verben in spanisch zu konjugieren. Kein Bär mehr zu sehen und nach 1 ½ Stunden sind wir zurück auf dem Parkplatz. Die Pattis sind da, große Freude. Wir verbringen einen langen, langen Abend am Lagerfeuer.

Nach kurzer Nacht wieder bestes Wetter, wir nehmen die Fahrräder herunter. Ich drehe eine kurze Runde, geht. Der rechte Arm ist zwar noch nicht ganz o.k. aber stört weniger als befürchtet. Die Pattis sind bereits mit dem Shuttelbus voraus. Nach einer Stunde stramm bergauf und immer gegen die Bären ansingend sind auch wir oben in Kennicott. Heute ist der Root Glacier Trail angesagt. Er ist nicht anstrengend und nach 3 km sitzen wir vor dieser Aussicht:

Schweren Herzens reißen wir uns los und machen uns auf den Rückweg. Das gibt es doch nicht, Melanie und Werner aus der Schweiz kommen uns entgegen. Sie haben wir zuletzt in Florida getroffen und immer mal gemailt. Während noch erzählt wird kommen auch die Pattis hinzu. Travellertreffen auf dem Trail.

Irgendwann gehen wir weiter runter, die Pattis sind schon voraus und die Schweizer hoch zum Gletscher. Unten treffen wir auf den müden Paco samt Anhang.

Wir nehmen unsere Fahrräder und können uns gemächlich herunter rollen lassen aber immer schön lärmen sonst folgt der Bär. Die Pattis und wir beschließen uns ein schöneres Nachtlager zu suchen. Fündig werden wir am Lakina River. Die weitgereiste Flasche Maggi geht endlich in den Besitz der Maggie Besatzung über. Danach Lagerfeuer, grillen und erzählen bis in die Nacht.

Am nächsten Morgen treffen wir noch einmal Melanie und Werner in Chitina, aber dann trennen sich unsere Wege, wir vier möchten nach Valdez.

Dort fahren wir zuerst an die Stelle an der die Bären zu dieser Jahreszeit Lachse fischen sollen. Tatsächlich ein Schwarzbär hat viel Hunger.

Wir übernachten ein letztes mal mit den Pattis im Gebüsch bei Valdez. Morgens lange Verabschiedung mit ein paar Tränen, wir wissen nicht wann und ob wir die Drei wiedersehen werden. Selbst Paco gibt mir zum Abschied die Pfote.

Danach fahren Lothar und ich nach Valdez rein. Einkaufen und Internet checken. So lesen wir, daß Hiltrud und Helmut aus Köln hier in Valdez auf dem Bayside RV Park sind. Die Beiden haben wir zuletzt in Texas getroffen. Wir wollen nur noch schnell Geld holen, da klopft es und Helmut steht mit dem Fahrrad vor der Tür. Wir verabreden uns für Abends. Bei bestem Wetter sehen wir uns Valdez an und kaufen frischen Lachs in der Fischfabrik.

Es wird kalt und es ist ein gemütlicher Abend in Hiltrud und Helmut’s großem Bocklet Wohnmobil mit Margerita a la Hiltrud, unserem leckeren Lachs und der köstlichen über Stunden gekochten Fischsoße von Hiltrud. Um 2:30 Uhr sind wir bereits im Bett!

Am nächsten Morgen wollen wir weiter, aber vor mittag wird daraus nichts. So kommen wir nur bis zu unserem Lagerplatz mit den Pattis vor drei Tagen. Gerade überlegen wir was mit dem nachmittag anzufangen ist, da hupt es mehrfach. Die Maggie kommt! Dieses war nun aber wirklich unser letzter gemeinsamer Abend für lange lange Zeit, ohne Lagerfeuer aber dafür mit viel Regen.

Anchorage ist das nächste Ziel, alle Vorräte auffrischen, Tanken usw. Vorher biegen wir noch zur Rentier Farm ab. Hier waren wir vor 8 Jahren schon einmal und fanden die Viecher zu komisch. Wir bekommen Futter und los geht’s. Alle sind sie gierig und fressen aus der Hand, die Nase ist so schön weich! Die Rentiere gehen wenn man die Hände hoch hält und sie kein Futter mehr sehen. Ich hatte allerdings u. A. einen besonders ungeduldigen Kandidaten. Dessen Geruchsinn und die Gier haben das Futter in meiner Jackentasche bemerkt, Hände hoch hat bei diesem Schlaumeier nicht geholfen. Er war so verfressen und hat mich mit der Hufe angeschubst. Den dicken blauen Fleck am Bein hatte ich noch eine Woche später.

Wir bleiben zwei Tage in der Stadt Anchorage und sehen für uns zwei Badebekleidung im Alaska Style:

Für den eiskalten Alaska Winter sind diese Stiefel bestimmt. Es ist tatsächlich meine Schuhgröße 39!!!

Bei Sonnenschein fahren wir zum nahegelegenen Lake Hood, hier starten und landen im Sommer täglich bis zu 800 Wasserflugzeuge. Begeistert sehen wir weit über eine Stunde bei Start und Landung zu.

Es geht weiter Richtung Seward. In Girdwood biegen wir in die Crow Creek Road ein und versuchen noch einmal Gold am gleichnamigen Fluß zu waschen. Wieder vollkommen unerklärlicherweise ohne Erfolg!!!

Wir bleiben über Nacht auf dem Trailhead Parkplatz zum Crow Creek Pass. Das Wetter macht einen Strich durch unserer Pläne, keine Wanderung auf den Pass und auch kein weiteres Goldwaschen an der offiziellen Stelle. Vielleicht hätten wir dort mehr Glück gehabt? Auch in Seward ist uns der Wettergott noch nicht besser gesonnen. Schwere Wolken hängen vor den Bergen und verhindern den Blick auf die Gletscher. Zum Trost parken wir MANni auf dem städtischen Marathon Campground und haben eine schöne Sicht auf die Bucht. Wir gehen in die “City” und besuchen jede Andenkenbude. Schließlich kommen drei Touristen mit ihrem Fischfang zurück. Die Fische werden fotogerecht aufgehangen.

Am nächsten Morgen Regen, langes Frühstück und wir verbummeln den Tag wieder in Seward. In der Marina

entdecken wir diese Außerirdischen.

Abends werden die Wolken etwas weniger und endlich haben wir Aussicht auf die Resurrection Bay mit ihren Bergen und Gletschern.

Zum Abschied von Seward am nächsten Tag noch dieser Ausblick.

Von hier zum Exit Gletscher ist es nicht weit. Wir können bis ganz nahe an das Eis heran wandern.

Einem schönen Tag folgt ein Regentag, am Portage Gletscher ist Wetter wie im tiefsten November an der deutschen Nordsee, wir steigen erst gar nicht aus. Über Anchorage fahren wir zum Hatcher Pass, heute wieder Sonne.

Kurz dahinter finden wir ein schönen Platz zum übernachten und bleiben den nächsten Tag bei Sonnenschein. Ich hole Kies aus dem Bach und versuche Gold zu waschen, nichts. Abends werfe ich unsere Goldpfanne ins Lagerfeuer, nicht aus Wut, den Tip hatte uns ein Einheimischer gegeben. So wird sie richtig entfettet, schwarz und aufgerauht. Am nächsten Morgen noch schnell den Rest des Kies gewaschen und es sind tatsächlich zwei Mini Goldflakes in der Pfanne. Gold, Gold, ob es an der schlechten Behandlung der Pfanne am Abend zuvor liegt? Wer weiß………

Wir verfallen nicht dem Goldrausch und fahren weiter zum Mount MC Kinley, Mist Wolken, einen Tag zu spät!

Vielleicht sehen wir ihn im September.

 

 

Fazit des Monats: Die Sache mit dem Gold ist wohl doch nicht so einfach.

Reiseroute:

 

 

 

Juli 2011

Veröffentlicht in Juli 2011 am August 2, 2011 von crossamerika

Wir beschließen den Juni mit einem Bad in den Liard River Hot Springs. Und sie sind wirklich heiß. Jetzt weiß ich, wie sich ein Hummer fühlt, wenn er in den Topf mit kochendem Wasser geworfen wird. Die heißen Quellen haben zwar “nur” zwischen 41°C und 51°C, aber mir fehlt eben der isolierende Panzer. Und rot wie ein Hummer werde ich auch nach ein paar Minuten. Es macht mir aber trotzdem einen Riesenspaß. Martina geht mit, die Erfahrung vom vergangenen Monat soll sich nicht wiederholen (alle gehen baden und Martina ins Hospital). Außerdem sind diese Quellen weitgehend naturbelassen und es ist sehr leer.

Wenn man auf dem Campingplatz im selben Park übernachtet, ist der Eintritt zu den Quellen frei. Wir bleiben also über Nacht. Es geht weiter auf dem Alaska Highway in Richtung Watson Lake im Yukon.

Hier ist das bisher schönste Stück dieser Route.

Wir sehen unglaublich viele Tiere, Schwarzbären, Dallschafe, Elche und eine ganze Herde Waldbisons. Hier nur eine Miniauswahl:

Für die Nacht finden wir einen supertollen Platz direkt am Fluß. Eine Feuerstelle gibt es auch und, wie für uns gemacht, liegt das Holz schon fein sortiert daneben. Herrlich, hier bleiben wir.

Doch leider haben wir nicht mit “Eingeborenenbesuch” gerechnet.

Dieser olle Bulle mag uns nicht. Ganz demonstrativ kommt er immer näher und läßt sich schließlich gemütlich direkt neben MANni nieder.

Wir warten ab, wir starten den Motor …. alles läßt ihn kalt. Naja, bei dem schönen Wetter wollte ich nicht im Auto hocken und draußen beim Feuer sitzen mit einem ausgewachsenen Bisonbullen? Wir geben also nach und ziehen weiter. Kurze Zeit später, direkt vor Watson Lake, erreichen wir endgültig die Yukon Territories.

Wir treffen eine fünfköpfige Familie aus Frankreich mit ihrem Laika Wohnmobil. 3 Jahre haben die fünf Zeit und wollen die ganze Welt umrunden. Donnerwetter, das ist eine Herausforderung!

Am nächsten Tag besuchen wir Watson Lake. Hier gibt es den weltbekannten Schilderwald. Angefangen hat alles im Jahr 1942. Beim Bau des Alaska Highways wurde hier ein Wegweiser aufgestellt, der die Entfernung zu den größten kanadischen und US. amerikanischen Städten zeigte. Ein Straßenarbeiter mit Heimweh hat darunter ein Hinweisschild seiner Heimatstadt angebracht. Der Anfang war gemacht. Heute sind es über 71.000 Schilder. Es ist unglaublich mit welchen riesigen Tafeln die Leute aus aller Welt anreisen um sie hier aufzuhängen. Wir haben leider keines dabei, montieren aber kurzfristig ein Nummernschild ab, um zumindest ein Bild machen zu können. Hilden haben wir nicht gefunden, aber Mettmann war dabei!

Vor der Weiterfahrt treffen wir auf ein australisches Pärchen, die mit ihrem Isuzu Allrad unterwegs sind. Natürlich klönen wir eine ganze Weile (reden Australier wirklich englisch?, ich verstehe höchstens die Hälfte), danach tanken wir noch einmal voll und trollen uns ‚gen‘ Norden.

50km nördlich finden wir wieder ein Plätzchen im Grünen. Noch ein letzter Kontrollgang rund um MANni, ich gehe hinein und was starrt mich durch die Scheibe an? Ein Wolf! Direkt vor unserem Auto, und gerade war ich noch draußen. Ups, dem hätte ich aber nicht begegnen mögen.

Ist doch ein nettes Hündchen, oder?

Bevor wir nach Whitehorse weiterfahren schieben wir 2 faule Tage auf dem einsam gelegenen Timberpoint Campground am Teslin Lake ein. Wir sind die einzigen Gäste, obwohl der Platz schön liegt und nur 10$ incl. Feuerholz kostet. Wir genießen die Ruhe und haben den ganzen Platz für uns. Die “Bedienungsanleitung” für den Campingplatz in deutsch haben wir allerdings nicht ganz verstanden J .

Kurz vor der Stadt haben wir noch eine besondere Begegnung. Ein Bruder von MANni parkt in einer Baustelle am Straßenrand. Kurz entschlossen halte ich an und spreche mit den Bauarbeitern.

Leider, so erfahre ich, hat vor rund 20 Jahren Kenworth nicht VW-MANs unter eigenem Namen in den USA verkauft sondern die LKWs von VW Truck in Brasilien importiert. So stimmt lediglich das Fahrerhaus mit unserem überein, aber man weiß ja nie, ob wir nicht einmal eine Scheibe o.ä. brauchen. Die sollte ja passen.

In Whitehorse parken wir erst einmal bei WalMart. Es ist schon so etwas wie Kult, daß alle Yukon/Alaska-Reisenden hier eine Nacht verbringen.

Der Iveco rechts im Bild hat übrigens auch ein Kennzeichen aus ME. Dolores und Alfred aus Heiligenhaus sind damit seit 8 Monaten in Nordamerika unterwegs. Wir quatschen den ganzen Abend bis nach elf, keiner wird müde, denn dunkel wird es hier nicht so richtig.

Am nächsten Tag spielt Deutschland gegen Japan im Viertelfinale der Frauenfußball WM. Alfred hat sich erkundigt, bei “Boston Pizza” gibt es eine Großleinwand. Wir vier sind pünktlich um 11:15Uhr dort und fiebern mit… gebracht hat es nichts L , 1:0 haben die Japanerinnen gewonnen. Immerhin war die Pizza lecker und auch das kühle Bierchen war nicht zu verachten. Am frühen Nachmittag machen sich Dolores und Alfred auf in Richtung Dawson City und wir zum Laundromat. Es ist mal wieder Waschtag.

Am nächsten Tag folgen wir dem Tipp eines Einheimischen und fahren zum “Fish Lake”, etwa 20km außerhalb der Stadt. Dort kann man wild campen. Leider hat der “Yukie” nicht erwähnt, daß man nach spätestens 5 Minuten von Moskitos aufgefressen wird. Wir bestellen noch schnell bei der Fischzucht unterwegs 2 frische Lachse für morgen, flüchten wieder und verbringen die Nacht streß- und Moskito-frei an einem Stück des alten, originalen Alaska Highways. Am Morgen holen wir unsere beiden kleinen Fische ab. Jeder wiegt ausgenommen ca. 2 kg. Es ist eine spezielle Süßwasserlachssorte, “Arctic Charr” genannt.

Wir besichtigen die “Fishladder” am Wasserkraftwerk südlich von Whitehorse. Hier wird der “Yukon River” aufgestaut um Elektrizität zu gewinnen. Damit die Wanderung der Lachse nicht behindert wird, wurde eine spezielle Fischleiter konstruiert, so daß die Fische die Staumauer umgehen oder besser gesagt umschwimmen können.

An dem See, der sich an die Staumauer anschließt gibt es einige sehr schöne Stellen für ein Picknick. Wir finden einen freien Spot und bleiben bis nach dem Abendessen.

Wir braten einen unserer Fische (zwei passen nicht in die Pfanne) und genießen …..

Der Plan war, danach noch den zweiten Fisch zu verzehren, aber wir sind absolut satt (bei mir sehr selten). Mit zärtlicher Gewalt verschafft sich Martina Platz im Gefrierschrank und, schwupp, wird der zweite Lachs eingefroren. Leider ist das Übernachten hier verboten, so fahren wir kurz vor 23Uhr wieder zu WalMart.

Die nächste Nacht verbringen wir auf dem “Grey Mountain”. Auch ein Tipp eines gebürtigen “Yukies”. Die Straße auf diesen Berg ist 10km lang und grottenschlecht. Der Vorteil ist klar, es ist sehr einsam dort oben und die Aussicht in jede Richtung ist phänomenal.

Am Morgen scheint die Sonne und wir wandern auf dem abends entdeckten Summit-Trail. Bei dieser Aussicht macht es doppelt Spaß.

Den letzten Tag vor der Ankunft unserer Reise-Freunde Hella und Edgar verbringen wir am Miles Canyon, einer Stromschnelle des Yukon River kurz vor Whitehorse. Es gibt herrliche Wanderwege und die Aussicht auf den Fluß ist von jeder Stelle faszinierend.

Wie vereinbart treffen wir Hella und Edgar am Abend des 13. Juli auf dem WalMart Parkplatz. Das letzte Mal haben wir uns im Januar in Florida gesehen.

Wir übernachten auf dem sehr netten Provincial Camp Ground “Wolfs Creek” und haben uns bei Lagerfeuer und einem kalten Bierchen sehr viel zu erzählen.

Am nächsten Tag ist Hellas Geburtstag. Dazu haben wir uns etwas ganz besonderes ausgedacht. Wir werden eine Schlittenhundefarm besichtigen. Diese haben wir vor der Ankunft der Beiden ausgekundschaftet.

Zuerst erzählt Frank Turner, der Besitzer von insgesamt 120 Alaskien Huskies aus seiner Zeit als “Musher” (sozusagen der Schlittenpilot). Er hat an 12 Jahren hintereinander am wohl schwersten und längsten Schlittenhunderennen, dem über 1000 Meilen langen Yukon Quest, teilgenommen. Dieses Rennen führt von Whitehorse im Yukon nach Fairbanks in Alaska, bzw. jedes 2te Jahr umgekehrt. Einmal konnte er diese Strapaze sogar als Sieger beenden. Franks Vortrag dauert etwas mehr als eine Stunde, dann geht es nach draußen zu den Hunden.

Man kann sie alle streicheln, was wir natürlich ausgiebig tun. Es ist ein Gejaule und Gefiepe, als ob sie noch nie gekrault worden wären.

Später unternehmen wir mit Frank einen Spaziergang zum Fluß herunter, wobei uns 10 seiner Hunde begleiten. Sobald der erste losgelassen wurde, steigerte sich das Gejaule der Anderen ins Unermeßliche. Jeder möchte dabei sein und reißt sich darum, von Frank selbst gekrault zu werden. Herrchen eben!

Punkt 3 unserer Geburtstagsüberraschung (und wohl für uns alle der Höhepunkt) ist der Besuch bei den 5 Hundebabies. Jeder von uns hat sofort seinen Liebling und alle fragen sich, ob es auffallen würde, wenn man sich einen unter die Jacke stecken und hinaus schmuggeln würde.

Gekrönt wird der Abend durch ein “Yukon Dinner” in Franks guter Stube. Es gibt Bison, Elk und Caribou vom Grill und marinierten Arctic Charr aus dem Backofen. Alles schmeckt einfach hervorragend, und als der Nachtisch in Form eines Geburtstagskuchens anrollt, begleitet von einem kräftigen “Happy Birthday”, vorgetragen von Frank und seiner Familie, ist der Tag perfekt.

An einem besonders schönen Platz auf Franks Riesengrundstück dürfen wir campieren und so lassen wir einen perfekten Tag mit Lagerfeuer ausklingen.

2 Tage später bekommt unsere “Reisegruppe” Zuwachs. Eric und Melody aus Florida fliegen ein. Sie werden mit Hella und Edgar für 3 Wochen durch den Yukon und Alaska reisen.

Unser Plan sieht Alaska erst für etwas später vor, aber wir lassen uns gern zu einer Routenänderung überreden, zumal in Haines am Chilkoot River jetzt die Lachssaison begonnen hat und man Grizzlys beim fischen beobachten können soll.

Unsere neue Route führt uns zunächst von Whitehorse zur u.s.amerikanischen Grenze.

Entgegen unseren Befürchtungen läuft alles traumhaft. Keine 10 Minuten und wir haben das Visum für ein neues halbes Jahr abgestempelt. Mit breitestem Grinsen verlassen wir das Grenzerhäuschen und fahren weiter nach Skagway. In dieser Hafenstadt begann Ende des 19ten Jahrhunderts für viele tausend Goldsucher der beschwerliche Weg zum Klondyke wo der Goldrausch seinen Anfang nahm. Wir buchen Tickets für die Fähre nach Haines am nächsten Morgen und sehen uns danach das Städtchen an. Es ist nett gemacht, aber es liegen 4 riesige Kreuzfahrtschiffe in dem kleinen Hafen und deren gesamter Inhalt ergießt sich über eine 200 Meter lange Mainstreet. Es gibt nur Juweliergeschäfte und Andenkenbuden.

So sind wir nach 2 Stunden zurück bei unseren Autos und warten bis es 21:30 Uhr ist und die Fähre anlegt. Danach dürfen wir in den Wartespuren für die Verladung am nächsten Morgen parken und somit eine kostenlose Nacht verbringen. Diese fällt leider kurz aus, denn um 5:45Uhr beginnt der Check In für die Verladung. Es werden allerdings nur die Gasflaschen kontrolliert.

Die Fahrt ist ruhig und schon nach einer Stunde erreichen wir Haines.

 

Der Ort selbst hat nichts zu bieten, wir versorgen uns mit einer Angel-Lizenz für Eric und fahren zum Chilkoot River Statepark. Schnell belegen wir 2 Plätze auf dem Campingplatz und dann geht es zu Fuß zum Fluß. Eric will Lachse angeln und wir wollen Bären sehen.

Zunächst will beides nicht klappen. Eric wirft zwar tapfer immer wieder seine Angel aus, aber kein Lachs beißt an. Edgar wird schon ungeduldig, denn zum Abendessen ist Fisch satt für 6 Personen eingeplant. Und das Gefrierfach seines Campers hat er auch extra leer gegessen, …armer Edgar!

Nach einer Stunde ist es endlich so weit: Eric‘s erster Fisch…und gleich ein Prachtexemplar. Ein Sockeye-Lachs (die mit dem roten Fleisch) ist ihm ins Netz oder besser an den Köder gegangen. Ein kurzer Kampf und das Minimalabendessen ist gesichert.

Leider ist Erics Anglerglück damit für diesen Tag aufgebraucht. Dafür bricht plötzlich Hektik aus. “Bär, Bär” ruft es von überall und die Angler stürzen aus dem Wasser. Kurz darauf tauchen sie auf, eine Grizzlymama mit 2 Kleinen aus dem letzten Jahr.

Sie kommen sehr nahe an uns vorbei und … ach du Schreck … was steht denn da noch am Ufer. Wir haben Erics Stiefel und unsere Kameratasche vergessen. Na klar, so wie die Boots duften finden die Bären sie extrem interessant.

Gerade als ich sicher bin daß die Stiefel jetzt als Bärenbeute verschwinden, wenden sich die Grizzlys ab und schlurfen wieder in den Fluß. Eric hat wohl Schweißfüße J .

Wir genießen den leckeren Lachs vom Grill (so klein war die Portion für jeden gar nicht) und freuen uns auf morgen. Eric hat ja heute nur geübt, “tomorrow is the real day”.

Hier noch ein Beweisfoto zu welch hinterhältigen Tricks manche Angler fähig sind um einen Lachs zu übertölpeln. Man benutzt Drogen als Köder! In diesem Fall Alkohol … wie unsportlich J !

Am Tag darauf läuft es für Eric und damit für uns alle aber auch nicht besser. Immerhin kann er zumindest einen Fisch überzeugen mit uns den Campingplatz aufzusuchen. Es gibt abends also wieder einen superleckeren Grillfisch.

Bären bekommen wir allerdings nicht zu sehen, dafür aber fischende Seeadler.

Wir fahren von Haines aus nach Norden über die kanadische Grenze und treffen in Haines Junction wieder auf den Alaska Highway. Noch einmal geht es nach Whitehorse um Lebensmittel und Diesel zu bunkern. Wir fahren auf dem Klondike Hwy nach Norden.

Nach einem letzten gemeinsamen Abend (wie immer mit Lagerfeuer) wollen die Vier nach Dawson City. Wir haben zwar die gleiche Richtung, biegen aber erst einmal auf den Silvertrail ab, eine ca. 120km lange Stichstraße die zu alten, verlassenen Silberminen führt. An deren Ende liegt der Ort Keno in dem gerade einmal 23 Menschen wohnen. Bis in die 1960er, solange die Mine (die größte in ganz Kanada) noch in Betrieb war, waren es über 500. Trotzdem hat dieses Dörfchen einen besonderen Charme. Hinter dem Ort führt eine 10km lange Schotterstrecke auf den Keno Hill (ca.1800m). Dort oben gibt es einen Signpost, und viel wichtiger, Picas oder auf deutsch: Pfeifhasen!

Diese lustigen Gesellen leben dort in einer Geröllwüste. Leider hatten wir auf unserer Wanderung dort oben das Teleobjektiv vergessen und am nächsten Tag hat es so geregnet, daß keiner der kleinen Kerle vor die Tür kam. Aber immerhin hatten wir mal wieder einen Übernachtungsplatz mit “1 Million Dollar View”.

Tags darauf ist es so weit. Eines der schon von Deutschland aus geplanten Highlights beginnt. Wir fahren auf dem Dempster Highway. Diese unbefestigte Straße führt über ca. 750km nach Norden weit über den Polarkreis hinaus bis nach Inuvik in den North West Territories. Eigentlich wissen wir von dieser Strecke nicht viel. Doch bei jedem, der sie befahren hat, leuchten die Augen wenn er davon erzählt. Jetzt werden wir es selbst erfahren.

Hier ein Eindruck der ersten 300km.

Unterwegs kommen wir am “2 Moose lake” vorbei. Der macht seinem Namen Ehre, wir sehen einer Elchkuh beim “grasen” unter Wasser zu. Jetzt verstehen wir, warum Elche in den US-Südstaaten abfällig “Swamp donkeys”, also Sumpf-Esel genannt werden.

Nach 406km erreichen wir den Artic circle. Genau hier geht am 21. Juni jeden Jahres die Sonne nicht unter und je weiter man von hieraus nach Norden fährt, umso mehr Tage vergehen, bis die Sonne wieder untergeht. Leider geht sie dafür im Winter genauso lange überhaupt nicht auf.

Nun sind es noch ungefähr 60km bis wir die kanadischen North West Territories erreichen.

2/3 des Weges nach Inuvik sind geschafft. Leider bin ich leichtsinnig geworden und hab mir gedacht “Wir hatten schon lange keinen Platten mehr”! PENG!! 10km weiter stehen wir da mit einem Plattfuß hinten rechts. An einer Mordssteigung. Was nun? Fahre ich bis zur Kuppe, ist der Reifen hin, und hier hab ich Angst MANni aufzubocken. Am Ende siegt der Geiz über die Angst! Mit Keilen gesichert kann ja auch nichts passieren und nach 80 Minuten (gefühlter persönlicher Rekord) sind wir wieder fahrbereit. Allerdings sitzt der Frust tief. Wozu hat man ein Allradfahrzeug mit sündhaft teuren Michelin XZL Reifen und hat jetzt schon den vierten Plattfuß.

(Wir sind dankbar für jeden Tipp).

Kurz darauf erreichen wir den Peele River, den wir auf einer Fähre überqueren. Danach schlagen wir uns in die Büsche und versuchen nicht mehr über Reifen, Plattfüße, Schlauchlosfelgen oder nicht, mehr oder weniger Druck, höherem K-Wert usw. nachzudenken. Das gelingt nach leckeren Nudeln und 2 Glas Rotwein!

Nach einer weiteren Fährfahrt über den MCKenzie River erreichen wir Inuvik.

Die Stadt selbst ist ziemlich häßlich, hat aber einen sehr schön gelegenen Camping Platz. Es ist Sonntag und schon spät. Wir genießen den Abend und einen ewig dauernden Sonnenuntergang. Die nachfolgenden Bilder entstanden gegen 02:00Uhr.

Morgen ist hier Feiertag (komisch, immer wenn wir einen Service brauchen ist Feiertag). Also mache ich am Montag erst einmal die fällige Inspektion. Alles läuft rund und ohne fluchen, da kann doch was nicht stimmen. Genau, die letzte zu prüfende Schlauchschelle bringt es an den Tag. Der Ablaufstutzen des Kühlwasservorratsbehälters ist angebrochen. Leider ist der aus Kunststoff. Nix mit löten. Ich klebe ihn und hoffe daß er dicht ist. Martina wird vom Erfolg/Mißerfolg dieser Aktion berichten, denn morgen ist August und ich habe einen Monat blogfrei.

Fazit:

Weg mit dem Bärenspray und Socken aus, denn Bären mögen keine Schweißfüße.

 

Reiseroute:

 

 

 

 

 

Juni 2011

Veröffentlicht in Juni 2011 am Juni 28, 2011 von crossamerika

Wenn ein Monat schon so anfängt! Leider müssen wir den Wald für kurze Zeit verlassen. Ich habe seit drei Tagen fiese Zahnweh und besuche in dem Städtchen mit schönem Namen “Rocky Mountain House” mal wieder einen meiner Lieblingsärzte, den Zahnarzt. Schon der Zweite hat Zeit für mich und die Helferin stellt bei einem Blick in meinen Mund fest, daß ich wohl viel Zeit meines Lebens beim Dentist zugebracht habe, stimmt! Ein Röntgenbild bringt es dann an den Tag, trotz sehr guter Pflege, Entzündungsherde an zwei wurzelgefüllten Zähnen. Kurz und gut, nichts dran zu machen. “Die Schmerzen kommen und gehen”, erklärt der sehr nette Arzt und ist danach mehr an unserem Labrador-Aufenthalt als an meinen Zähnen interessiert. Für heute gibt es Antibiotika und beim nächsten Deutschlandbesuch ein längeres Gespräch mit meinem Zahnarzt in Hilden. Kaum bin ich bei MANni zurück, haben wohl unsere Crewmitglieder Bär und Moosie im Fahrerhaus ihren ganzen Charme ausgepackt, jedenfalls sind zwei Gutscheine für T-Shirts, abzuholen bei der Visitor Info, hinter den Scheibenwischern. Einigermaßen glücklich meine Zähne noch einmal gerettet zu haben laufe ich dorthin und hole die beiden T-Shirts ab. Lothar hat die Zeit genutzt und den Blog für Mai, Teil 2 eingestellt.

Nun aber nichts wie weg, wieder in den Busch. Wir haben langes Wochenende, erst am Montag müssen wir zurück in Calgary sein um am Dienstag unsere Freunde vom Flughafen abzuholen. Wieder finden wir einen kostenlosen Platz am Bach, Feuerholz liegt fertig gesägt bereit, nur die im Wald versteckten Sanitäranlagen sagen uns überhaupt nicht zu (lieber nicht zu genau hinsehen)!

Wir fahren weiter auf dieser Gravelroad und finden einmal mehr einen schönen Platz am Fluß. Morgens kommt Frühstücksbesuch.

Die letzten beiden Nächte wollen wir an bekannter Stelle an der Hunter Valley Road (dort sind wir vor einer Woche eingeschneit) verbringen. Was ist denn hier los? Haben wohl mehrere die Idee gehabt am Wochenende heraus zu fahren. Es gibt aber genug Platz für alle und so sitzen wir zwei lange Abende am eigenen Lagerfeuer.

Zurück in Calgary holen wir Jenni und Ralf vom Flughafen ab und vertreiben uns den Abend “Down Town”.

Unser Parkplatzaufenthalt mitten in Calgary ist auf 6:00 Uhr morgens begrenzt. Also stehen wir früh auf und frühstücken erst auf dem Weg zur Wohnmobilvermietstation in Airdrie bei Bass Pro. Wir haben sogar noch Zeit MANni zu waschen, so dreckig wollen wir nicht mit Jenni und Ralf reisen. Kurz nach Mittag ist Mietmobilübergabe. Alles wird auf deutsch erklärt und wir sehen zu viert nach evtl. Vorschäden, kaum welche vorhanden. Dann der unvermeidliche Einkaufsmarathon, im National Park gibt es nur noch wenig. Den wunderschönen Bass Pro Shop wollen wir den Beiden noch zeigen und dann schleunigst los Richtung Banff NP in den Rocky Mountains.

Kaum fahren wir auf den Campingplatz in Banff wird schon gewunken, die “Franzosen”, Anne Laure und Thibault mit den beiden Töchtern Paola und Bruna, wir haben sie im Yellowstone NP USA getroffen. Sie sind mit ihren zwei Mädchen ein halbes Jahr unterwegs. Die Welt ist doch klein! Jetzt aber schnell für uns vier Essen gekocht und Lagerfeuer an. Am nächsten Morgen “Campingfrühstück”, Neuland für unsere Beiden. Danach wandern wir bei bestem Wetter in die kleine Stadt Banff mit anschließendem “Stadtbummel”. Abends wieder Lagerfeuer und endlich auspacken der Wunderkiste aus Deutschland, Leckereien für uns, ein paar Ersatzteile für MANni. Vielen Dank an Jenni und Ralf.

Anmerkung von Lothar. Die Maggi Flasche ist für Simone und Olaf, sozusagen Maggi für Maggie!

Heute ist Wandertag, Sulphur Mountain, 2 Stunden und 700 Höhenmeter bergauf. Die Aussicht ist wie immer klasse. Runter sind wir faul und fahren kostenlos mit der Seilbahn. Im Mietmobil machen wir unsere Hamburger selbst und vertilgen sie mit großem Appetit. MANni ist auf dem Campground geblieben.

Lothar, Ralf und Jenni möchten entspannen und in die heißen Quellen, Upper Hot Springs. Ich werfe einen Blick auf den Pool, nichts für mich, heißes Wasser und zu viele Menschen. Ich gehe nicht mit, eine folgenschwere, falsche Entscheidung wie sich 1 ¼ Stunden später herausstellt. Lothar und Ralf leihen sich historische Badekleidung. Lustig sehen die Zwei aus, ich mache noch ein paar nette Fotos und gehe dann spazieren.

Bald müßten die Drei wiederkommen, ich habe den einzigen Autoschlüssel. Eine ca. 5-6 m hohe Anhöhe direkt oberhalb des Mietmobils scheint mir gut, ich habe Aussicht und kann einsehen wenn sie zurückkommen. Nach einiger Zeit ist die Sonne weg, ich verlasse meinen Aussichtspunkt. Plötzlich rutschen meine Füße in den ach so tollen Trekkingsandalen auf dem steinigen, losen Untergrund weg wie auf Eis, ich sitze in Sekundenschnelle auf dem Boden. Sofort weiß ich, hier stimmt was nicht, der rechte Arm schmerzt höllisch, Finger kann ich bewegen, sonst nichts. Ich ertaste meinen Ellenbogen, tatsächlich stimmt hier gar nichts mehr. Mühsam rutsche ich auf dem Hosenboden weiter, da kommt auch schon Lothar und ahnt Schlimmes. Ralf und Jenni treffen einige Minuten später ein, wir fahren sofort in das Hospital von Banff. Notaufnahme, die Schwester befühlt den Ellbogen und nickt bereits wissend, ausgekugelt oder wie es richtig heißt: Luxation. Es wird geröntgt, stimmt, die Knochen hängen nicht mehr da wo sie hingehören. Ich werde für ein ¼ Stunde schlafen geschickt, bekomme Schmerzmittel. Erneutes Röntgen zeigt alles ist wieder an Ort und Stelle, der Arzt kommt noch einmal, es gibt eine Schlinge und gute Tips. Die Schwester will mich anziehen, ich helfe mit, verdrehe den Arm, zack, den Schmerz kenne ich, ein Knochen ist wieder raus. Der Arzt, Herr Professor kommt zurück, übrigens wieder ein besonders Netter, fragt nach erneuter Narkose oder nicht. Nein, ich bin tapfer, es muß ohne gehen. So ist es, aber ungeduldige Patienten wie ich bekommen dann eben für ca. 14 Tage eine Gips-Schale. Wir verlassen um eine vierstellige Summer ärmer, aber gut versorgt das Krankenhaus. Kontrolle in 7 Tagen. Ich bin froh abends mit Allen wieder am Feuer zu sitzen und nicht wie befürchtet im Krankenhaus zu liegen.

Wir beschließen die Tour weiter zufahren. Leider kann ich ohne funktionstüchtigen rechten Arm nicht mehr in MANni’s Fahrerhaus einsteigen, zu hoch. Fluch eines Allrad-Wohnmobils.

Zum Glück komme ich durch den ca. 80cm x 80cm großen Durchgang von der Wohnkabine ins Fahrerhaus, langsam, aber es geht. Lothar muß nun immer unsere Treppe anbauen damit ich MANni aus der Kabine verlassen kann. Zum Glück haben wir die Treppe und keine Leiter für den Einstieg in die Kabine, sonst wäre ich für weit mehr als 14 Tage in MANni gefangen.

Im Konvoi geht es weiter nach Lake Louise. Es ist spät geworden und regnet, kein Lagerfeuer. Am nächsten Tag gehen wir zum eigentlichen Lake Louise. Wunderschön! Die Männer wandern 2 Stunden weiter, vorbei am Mirror Lake zum Lake Agnes. Auf dem Weg liegt noch teilweise Schnee, ich bin vernünftig und erkunde lieber mit Jenni das Luxushotel “The Fairmont Chateau Lake Louise”.

 

Der Wettergott meint es nicht wirklich gut mit uns. Im Regen fahren wir über den Kicking Horse Pass zum wunderschönen Emerald Lake im Yoho NP. Wir nutzen eine Regenpause für einen Spaziergang.

Abends ist es trocken, Lagerfeuer, Lothar spielt Gitarre, die “Franzosen” sind auch wieder da und kommen auf ein Glas Wein vorbei. Die beiden Töchter schlafen bereits.

The Icefields Parkway, eine der schönsten Straßen der Welt.

Wir stoppen am wunderschönen Peyto Lake.

Laufen kann ich ja, also wandern wir den kurzen Trail zum Bow Summit. Es lohnt sich, das wissen viele andere auch.

Wir übernachten in der Nähe des großen Gletschers und sind morgens am Columbia Icefield. Hier fahren große Allrad-Busse mit den Touristen auf das Icefield. Selbst im Reiseführer steht dieses als ein teures und eher zweifelhaftes Vergnügen beschrieben. Der Gletscher graust sich so vor den Touristenströmen, daß er sich immer mehr zurück zieht J .

Ich werde an Lothars Arm gut gesichert, weil Geröllweg. So erreichen wir vier den Gletscherrand. Es ist bitterkalt. Wir bleiben eine kurze Weile vor dieser unwirtlichen Eismenge.

Nächster Stop sind die Sunwapta Falls.

Weiterfahrt nach Jasper, ich muß zum “re-check” für meinen Ellenbogen. Es ist alles in Ordnung, noch ein paar Tage Gipsschiene und dann vorsichtig versuchen den Arm zu bewegen. Die vierstellige Summe ist auch hier fast erreicht, wieso auch immer! Trotzdem, Glück im Unglück gehabt und ich sollte gut versichert sein.

Auf zum Mount Robson, leider wieder Wolken und Regen, aber abends Lagerfeuer!

Im Wells Grey PP besichtigen wir zwei schöne Wasserfälle, die Spahat und Helmken Falls.

Abends Mückenplage auf dem Campground. Ralf und Jenni halten tapfer durch. Am nächsten Abend ein anderes Extrem, es gießt wie verrückt. Wir sollten langsam unsere gemeinsamen Vorräte aufessen und die Rippchen müssen weg, also Grillen im Wolkenbruch.

Der letzte Tag mit den Beiden versöhnt mit Sonnenschein und einem der schönsten Campgrounds und Übernachtungsplätze die wir bisher hatten: Chancellor Peak im Yoho NP. Natürlich Lagerfeuer ab 16:30 Uhr und wir sitzen bis lange nach Mitternacht. Am Morgen heißt es Abschied nehmen, die Beiden müssen ihr Mietmobil in Calgary abgeben und haben dann noch eine Woche in Vancouver. Zwei der schönen Kanada Stühle dürfen wir behalten!

Die Zwei haben sich als Wohnmobil-Neulinge wacker geschlagen und Ralf ist jetzt “Lagerfeuer-süchtig”. Die Wetterbedingungen waren nicht immer gut! Es war eine schöne Zeit, bis zum Wiedersehen in Deutschland.

In den National Parks haben wir u.a. insgesamt 8-10 erwachsene Schwarzbären, 4 junge Schwarzbären, einen Grizzly sowie einen Weißkopf-Seeadler gesehen. Merkwürdigerweise mehr Bären als in der gesamten Zeit zuvor in der Wildnis. Zur besonderen Beruhigung von Jenni und Ralf oft genau vor Campingplätzen. Doch Zivilisationfolger? Das wäre auf Dauer sehr gefährlich.

Hier eine kleine Bildauswahl:

Wir fahren auf dem Highway 11 nach Osten, zurück Richtung Forestry Trunk Road, endlich wieder eine MANni Aufgabe. Einige Kilometer hinter dem National Park Ausgang finden wir nach holpriger Strecke am Abrahams Lake einen Platz mit Weitsicht und er ist kostenlos. Die Sonne scheint, wir bleiben 2 Tage. Ich nehme den Gips ab und bin erschrocken wie schnell so ein Gelenk steif wird und die Muskeln abgebaut sind.

Am zweiten Nachmittag bekommen wir Besuch in der Ferne.

Morgens schlägt das Wetter um, Regenwolken ziehen auf, also verlassen wir diesen schönen Platz. An der Forestry Trunk Road finden wir eine Stelle mit Feuerholz und bekannt komfortablen Sanitär Anlagen.

Wir machen uns auf den langen Weg nach Whitehorse im Yukon. Hier sind wir Mitte Juli mit Hella und Edgar verabredet. Zuletzt haben wir uns am anderen Ende des Kontinents in Florida gesehen. Über 2000km liegen noch vor uns, aber wir haben 3 Wochen Zeit.

In Dawson Creek biegen wir auf den Alaska Highway ein. Hier ist die Meile 0. Die Straße wurde 1942 aus Angst vor einer japanischen Invasion Alaskas von der US Armee gebaut. Die Bauzeit für diese 2288 km betrug lediglich 8 Monate. Während dieser Zeit frieren Arbeiter an ihren Maschinen fest, verirren sich in den endlosen Wäldern oder ertrinken in reißenden Flüssen. Der Bau hat 138 Millionen Dollar gekostet und mindestens 50 Menschen starben.

Ein kurzer Abstecher über den “Old Alaska Highway” und die Kiskatinaw Bridge.

Dann zurück auf den neuen Highway, heute ist er gut ausgebaut. Ab hier sind es ohne einmal abzubiegen 1522km bis Whitehorse im Yukon.

Die Strecke bis Fort Nelson ist schön aber nicht aufregend. Lediglich diesen Bär haben wir beim Fressen etwas gestört.

Wir sind jetzt in Fort Nelson auf dem Alaska Highway angekommen. Dies ist die letzte nennenswerte Ortschaft vor dem 1000km entfernten Whitehorse. Internet wird es somit auch keines mehr geben. Deshalb verabschiede ich mich schon jetzt bis Ende August.

Fazit:

Offensichtlich bin ich bei Weitem nicht so geländegängig wie MANni, dafür mache ich aber ab jetzt alles mit links.

Reiseroute:

Mai 2011

Veröffentlicht in Mai 2011 am Juni 2, 2011 von crossamerika

Wir sind wieder in Kanada. Die Entfernungsangaben und die Geschwindigkeitsbeschränkungen sind in km bzw. km/h angegeben. Und der Dieselpreis bezieht sich leider auf einen Liter und nicht mehr auf Gallonen. Er liegt jetzt bei ungefähr 1,25$ pro Liter. Für deutsche Verhältnisse superbillig, für uns mit USA Preisen im Kopf eher teuer.

In Richtung “Waterton Lake Nationalpark” überqueren wir die Rockies über den “Crowsnest Pass”. Auf der Ostseite findet man sich plötzlich in einer riesigen Prärielandschaft wieder, und das mit Blick auf die verschneiten Berge.

Das Dorf Waterton im gleichnamigen Nationalpark erwacht gerade aus dem Winterschlaf. Auch die Ranger sind noch nicht so ganz wach und wissen nicht recht, was in ihrem Park noch geschlossen oder schon offen ist. Sogar der bereits seit dem 3.Mai geöffnete Campingplatz im Dorf wurde ein Kilometer vorher an der Visitor Information für geschlossen erklärt.

Der See ist noch halb zugefroren, aber mit dem Sonnenschein ergeben sich phantastische Eindrücke.

Im Dorf selbst scheint es mehr Wildlife als Einwohner zu geben.

Für eine Nacht nisten wir uns auf dem Campingplatz ein (mit maximal noch 4 anderen) und haben den ganzen Abend und den nächsten Morgen ungeheuer viel Spaß an unseren quirligen Nachbarn, den “Columbian Ground Squirrels”, die hier schon fast eine Plage sind.

Eine kleine Schneewanderung führt uns nach sehr viel Anstrengung auf den Aussichtspunkt “Bear Hump”. Die Ausblicke auf den Waterton Lake der bis in den Glacier NP in den USA reicht sind unbeschreiblich. Dazu wimmelt es auf diesem Felsen vor neugierigen Streifenhörnchen, so daß wir stundenlang dort oben bleiben.

Auf dem Weg aus dem Park befahren wir eine ca. 13 km lange Sackgasse zum Red Canyon. Auch hier wandern wir ein bißchen, allerdings schwer gehandikapt durch Schneehöhen von bis zu einem Meter.

Auf dem Rückweg passieren wir eine mobile Straßensperre.

Wir machen uns nun auf in Richtung Calgary. Dort wollen wir am 07. Juni Freunde treffen, die 2 Wochen lang mit uns gemeinsam durch die kanadischen Rockies fahren wollen. Wir haben viel von der “Forestry Trunk Road” gelesen, einer ca. 1000km langen Gravelroad entlang der Ostflanke der Rockies, die zur Waldbrandbekämpfung angelegt wurde. Die südlichen 180km dieser Straße wollen wir für die nächsten Tage in Angriff nehmen.

Wir finden ein lauschiges Plätzchen an einem Gebirgsbach und feiern unsere Ankunft in Halifax genau heute vor einem Jahr.

Das Plätzchen gefällt uns so gut, daß wir gleich noch 2 Tage Urlaub machen. Völlig allein und fernab von jedem Trubel …. herrlich.

Weiter geht es, immer noch über die gleiche Straße, bis wir wieder Asphalt und damit die Zivilisation erreichen.

Wir sind im Großraum Calgary angekommen. Hier muß einiges erledigt werden. MANni will zu unserem Leidwesen neue Wohnraumbatterien, unsere Wasserpumpe im Wohnbereich braucht ein paar Teilchen und auch die Toilette bedarf der Wartung. Außerdem wollen wir unser Satellitentelefon wieder in Betrieb nehmen, (die einzige Chance, im Yukon oder in den “Northwest Territories” zu telefonieren), also benötigen wir eine neue Chipkarte.

Wir waren vor 12 Jahren schon einmal in Calgary. Damals hat uns die Stadt nicht begeistern können und daran hat sich nichts geändert. Die Innenstadt ist langweilig und durch viele Parkhäuser und eine Eisenbahnlinie mitten durch auch ziemlich häßlich. Aber es gibt den ultimativen Cowboy-Outfitter.

Eine ganze Wand voller Hüte und gegenüber an der Wand noch viel mehr Westernstiefel, leider auch für Ladies.

Nur unter Aufbietung aller Kräfte und einiger Tricks gelingt es mir, meine Kreditkarte zu verteidigen und mit Martina den Laden “stiefellos” zu verlassen. Aber bevor ich jetzt Hunderte von emails leidgeprüfter Männer bekomme: Diese Tricks funktionieren nur auf Langzeitreisen in einem kleinen Fahrzeug! Jungs…tut mir leid L !

Nach ein paar Tagen ist das Meiste erledigt (es gibt keine Ersatzteile für unsere Pumpe, obwohl “made in USA”) und wir dürfen endlich wieder in die Wildnis. Die Forestry Trunk Road geht nördlich von Calgary noch ein paar hundert Kilometer weiter und dort wollen wir hin. Nach den ersten 20km Asphalt wird es wieder “gravelig” und wir biegen auf einen abenteuerlichen Forstweg ein. Herrlich, es regnet, Matsch und Schlamm überall, MANni und ich fühlen uns wohl, außerdem ist wild campen erlaubt! Das tut der arg geschundenen Haushaltskasse gut.

Nach 3 Tagen Dauerregen ändert sich das Wetter Gott sei Dank wieder…..es wird kälter und schneit, am 25.Mai!

Das gefällt zwar MANni immer noch, uns aber um so weniger. Das Fahren auf Matsch unter einer geschlossenen Schneedecke ist, wie soll ich es sagen, immer für die ein oder andere eher unliebsame Überraschung gut.

Es ist außerdem an einigen Stellen schon zu kleineren Erdrutschen gekommen und wir beschließen, uns fürs erste wieder zivilisierteren Gegenden zuzuwenden. Edmonton, die Hauptstadt Albertas ist nicht mehr so weit entfernt (270km nach Norden). Dort gibt es das größte Einkaufszentrum der Welt, die West Edmonton Mall.

Über 800 Geschäfte, mehr als 100 Restaurants, mehrere Kinos, ein Wellenbad mit vielen Riesenrutschen, den größten Indoorvergnügungspark, eine Eislauffläche (echte Hockeyfeldgröße) und einen großen See, in dem ein 1/1 Nachbau von Columbus´ Santa Maria liegt. Dort findet auch mehrmals täglich eine Seelöwenshow statt.

Ich bin nicht gerade der Einkaufsbummelfan, aber dieses Shopping Mekka ist schon etwas besonderes. Besonders die Indoorachterbahn mit 3 Loopings…wow!

Leider gelingt es mir heute nicht, Martina erfolgreich vom Schuhkauf abzuhalten (nach dem fünften Shoe Shop läßt meine Aufmerksamkeit nur für Sekunden nach), aber ein Rabatt von mehr als 60% und Martinas Versprechen, mich zum Essen ins “Hooters” einzuladen, hellt meine Laune augenblicklich wieder auf. Nach einem Blick (oder mehreren) auf die Bedienung und mein frisch gezapftes Pint kommt mir die Idee, Martina könnte wirklich ab und zu ein Paar neuer Schuhe gebrauchen.

Nur übernachten ist auf den Parkplätzen der Mall nicht erlaubt. Dazu empfiehlt uns die Security den WalMart um die Ecke, echt nett J . Dort ist MANni am nächsten Morgen endlich einmal nicht das meist fotografierte Fahrzeug. Beim ersten verschlafenen Blick aus dem Fenster glauben wir unseren Augen kaum.

Und ich dachte, MANni hätte große Räder!

Spontan fällt mir ein, daß das doch die ultimative Basis für eine Absetzkabine wäre. Nur wie kommt man rein und raus? Eine Strickleiter? Oder ein Treppenlift aus dem Anzeigenteil der ADAC-Zeitung?

Wegen unserer Pumpe besuchen wir noch ein paar RV-Händler und haben Glück. Ersatzteile sind zwar auch hier nicht zu bekommen, aber der zweite Händler schenkt uns eine defekte, ausgebaute Pumpe. Noch fast neu, aber ein Frostschaden. Das ist mir völlig egal, ich brauche nur den Druckschalter. Außerdem scheint endlich wieder die Sonne und so machen wir uns rundherum zufrieden auf den Weg zurück in die Wildnis.

Am Abend, es ist der 31. Mai finden wir ein traumhaftes Plätzchen direkt an einem kleinen Fluß. Feuerholz gibt es in Mengen und so genießen wir unser “Langzeit-Campfire” von 17:00 Uhr bis Mitternacht. Eben “Canada at it’s best!”

Fazit:

Seien wir ehrlich: Ab und zu sollte man den Frauen ein paar neue Schuhe gönnen! J

Reiseroute:

 

 

 

 

 

 

 

 

6 Monate Ost-Kanada

Veröffentlicht in 6 Monate Ost-Kanada 2010, Reiseberichte am November 14, 2010 von crossamerika

Zusammenfassung 6 Monate Ost-Kanada

 

  • Einreise: unkompliziert, niemand hat nach Rückflugticket oder Ähnlichem gefragt, gewährt werden immer 6 Monate (nur Einreisedatum im Paß)
  • Wohnmobilverschiffung Hamburg/Halifax: problemlos mit Seabridge und ACL (Reederei), keine Beschädigung oder Diebstahl
  • Übernachtungen: 176 Nächte insgesamt, davon 49 auf Campingplätzen, 43 auf WalMart Parkplätzen, ansonsten frei in der Natur
  • gesamt gefahrene Strecke: 14000km, ergibt einen Tagesdurchschnitt von ca. 80 km
  • Straßen: in Labrador Gravel bzw. Wellblech oder viele Schlaglöcher und Bodenwellen, in Newfoundland besteht die Wahl zwischen Asphalt und Abenteuer
  • Dieselpreis: in Labrador 1,27$, Newfoundland 1,07-1,15$, andere Provinzen 0,99-1,08$, Diesel war außer in Labrador flächendeckend zu bekommen
  • Kostenlose Dump Stationen in Gemeinden, an Kläranlagen, Tankstellen (manchmal nur bei Betankung), und Truckstops, sowie bei Canadian Tire, nicht immer gibt es Trinkwasser
  • 2 Inspektionen an MANni (in Eigenarbeit), Reifen und andere Pannen bisher keine!
  • Spritverbrauch/Ölverbrauch: 23l/100 km – 1l/1000km
  • Propangasverbrauch: ca. 11kg für 85 Tage (nur kochen und backen)
  • Propangas nachtanken: 3x problemlos an Tankstellen mit unseren fest eingebauten ALU-Gas Tankflaschen und US Adapter
  • Propangaspreis: schwankt stark von 0,80$ bis über 2$ pro Liter
  • Defekte im Aufbau: eine LED Leselampe, kein Glas- oder Geschirrbruch
  • Preisniveau: hoch, sowohl bei Lebensmitteln (außer Fleisch und Fisch) als auch bei Wein und Bier
  • Campingplätze: Variieren stark im Preis, in der Lage und der Ausstattung, unser Durchschnittspreis lag bei ca. 22$ pro Übernachtung
  • Internet: Offene WLAN (WIFI) Netze sind oft vorhanden. Die Geschwindigkeit ist allerdings meist eher dürftig.

 

Subjektive Eindrücke:
  • Besonders die Atlantic Provinzen mit Labrador und Newfoundland sind wie Kanada aus dem Bilderbuch
  • Dort nie vorher erlebte Gastfreundschaft und menschenleere Landschaften
  • Die südlichen Teile von Quebec und Ontario an den großen Seen sind stark besiedelt und wir fanden sie langweilig
  • Wir sind keinen Tag krank gewesen (kleine Erkältung nicht einbezogen)
  • Wir hatten keinen Tag Urlaub! J

 

Gesamtroute:

November 2010

Veröffentlicht in Kanada/Alaska, November 2010 am November 14, 2010 von crossamerika

Der November startet für uns mit sehr schönem Herbstwetter. Es ist kalt (tagsüber bis 8°C, nachts bis an die 0°C Grenze) aber die Sonne scheint und wir sind auf dem Weg nach “Niagara Falls” (doch, das ist grammatikalisch richtig, denn an den Niagara Falls liegt die Stadt “Niagara Falls”). Es geht immer am Ufer des Lake Ontario entlang und wir haben noch einmal einen schönen Blick auf die Skyline von Toronto.

Wir wollen einiges erledigen und so scheint uns mal wieder die Zeit für ein oder 2 Tage Campingplatz gekommen zu sein. Ist in der “Unsaison” aber gar nicht so einfach. Selbst im hypertouristischen Zentrum von “Niagara Falls” sind schon fast alle CPs geschlossen. Nach langer Suche finden wir endlich “Scott´s Camping and RV”. Ist nicht gerade billig, aber dafür nur 5km von den Wasserfällen entfernt und mit einem superschnellen Internet ausgerüstet. Es ist noch früh, also beschließen wir, uns schon mal einen Überblick über die Wasserfälle zu verschaffen und fahren mit MANni auf die extra für Besucher angelegten Parkplätze. Es ist absolut leer, aber an der Größe der Parkplatzanlage (ich schätze allein den Platz für Wohnmobile auf 200-300) läßt sich erkennen, was hier in der Saison los sein muß. Wir sind kaum aus dem Auto, da hupt es und ein großer BMW hält an. Ein lachender Mann springt heraus und begrüßt uns mit den Worten, er hätte uns doch in Labrador City kennen gelernt. In meinem Gehirn knackt und rappelt es, aber ohne Ergebnis. Ist das peinlich, irgendwie kommen mir ja die Augen bekannt vor aber der “Rest”? Er hilft mir mit “Motorcycle BiiEmmDabbelju” und dann fällt der Groschen. Es ist Andy aus Ontario. Klar, den haben wir an der Dumpstation in Labrador City kennen gelernt. Kam mit einer uralten BMW und wir kennen ihn nur mit Motorradhelm. Wir quatschen bestimmt eine halbe Stunde, tauschen email Adressen aus und sagen “Bis zum nächsten Mal”. Zu Fuß laufen wir am Fluß entlang zu den Fällen. Es sind zwei, einer auf der kanadischen, der andere auf der u.s. amerikanischen Seite. Weil ich selbst auch immer völlig falsche Vorstellungen hatte, hier mal eine etwas nähere Erklärung. Im Süden liegt der große Eriesee, nördlich davon der Ontariosee, dessen Wasserspiegel ca. 100m tiefer liegt als der des Eriesees. Beide sind verbunden durch den Niagara River, der vom Eriesee in den Ontariosee fließt. Das westliche Ufer dieses Flußes liegt in Kanada, das östliche in den USA. Genau an der Stelle des Wasserfalls liegt in der Mitte des Flusses eine Insel. So gibt es westlich der Insel einen Wasserfall (der kanadische) und östlich der Insel einen zweiten (den u.s.amerikanischen). Wobei der kanadische bei weitem spektakulärer ist, weil er geformt ist wie ein Hufeisen, viel mehr Wasser führt und auch tiefer fällt (ca. 58m). Das darf man natürlich in den USA nicht sagen!

Gegen Abend machen wir uns auf den Weg zu unserem CP. Strom ist inklusive, also vergeuden wir ihn! Direkt nach Ankunft beide Laptops raus und ab ins Internet. Erstmal den blog für Oktober eingestellt. Alle wichtigen und unwichtigen emails geschrieben sowie versucht ein neu aufgetauchtes Problem zu lösen. Unsere Kreditkarten werden, obwohl noch bis 02/12 gültig am 15. Januar gesperrt. Die Bank hat fusioniert und damit einen neuen Namen. Die neuen Karten liegen nun in Hilden bei unserem treuen Freund und Backofficebetreiber Ralf. Wie also jetzt die Plastikkärtchen nach Nordamerika bekommen? Internet hilft: UPS, DHL und wie sie alle heißen bieten einen Expressversand an. Kosten: weit jenseits der 40€. Außerdem sehr umständlich als Privatmann anzuleiern. Na toll, so einfach geht es wohl nicht, warten wir was die Bank uns antwortet, irgendwie geht es ja immer.

Am nächsten Tag satteln wir die Fahrräder um von den Wasserfällen nach Norden am Niagara River entlang zu fahren. Das Wetter ist gut und ein sehr schöner Fahrradweg ist auch vorhanden. Es wird also eine richtig schöne Radtour mit Picknick, vielen Eichhörnchen und allem was dazu gehört. Zum krönenden Abschluß sogar ein Blueberry Muffin …. hmmm!

 

Meine flüchtige “Restroom-Bekanntschaft” irgendwo auf der Radtour.

Wir bleiben noch in der Gegend, weil ab Samstag den 06.11. an den Wasserfällen überall Lichter aufgestellt werden. Viele Bäume sind dann farbig beleuchtet, es soll bunte und bewegte Bilder geben. Dazu ein Feuerwerk und ab der Dämmerung werden die Wasserfälle farbig angestrahlt. Das wollen wir natürlich sehen.

Jetzt machen wir uns allerdings erst einmal ein wenig nach Norden auf. Niagara on the Lake heißt unser Ziel und hier machen wir ein wenig in amerikanischer Geschichte. 1812-1814 gab es einen Krieg zwischen den USA und Kanada, und dieser wurde zum großen Teil hier im Niagara Gebiet ausgefochten. Wir besuchen also das wiederaufgebaute Fort Henry an der westlichen Seite der Niagara River Mündung in den Ontariosee. Plötzlich taucht auch Andy wieder auf, der wegen des tollen Wetters seine BMW noch einmal ausfährt. Er gibt uns den Tipp, den Welland-Kanal zu besuchen. Dieser verbindet schifffahrtsgerecht die beiden Seen.

Zuerst geht es aber zurück an die Wasserfälle um bei Dunkelheit die Lichtershow anzuschauen. Es ist natürlich sehr viel amerikanischer Kitsch dabei, aber das macht dieses Land ja auch ein Stückchen weit aus.

Zum Abschluß des Tages noch ein Bild eines typischen kanadischen Stillebens.

Es ist wirklich schwer, Kanadier ohne einen Pappbecher Kaffee in der Hand anzutreffen. Dabei sind sie oft meilenweit von der nächsten Kaffeebude (und Tim Hortons ist nur eine davon) entfernt. Im Stillen haben wir schon Vermutungen angestellt, daß der Becher nur der Tarnung gilt und der Inhalt mit Kaffee vielleicht doch nicht mehr viel gemeinsam hat.

Am nächsten Tag fahren wir zum Welland Kanal. Es gibt an Schleuse 3 ein kleines kostenloses Museum mit einer Aussichtsplattform. Von dort kann man tief in die Schleuse einsehen denn die Schiffe werden hier über 14m nach oben bzw. unten bewegt. Und das in einem atemberaubenden Tempo. Gerade als wir auf der Plattform stehen wird ein über 220m langer Frachter von Norden kommend eingeschleust.

 

 

 

Kaum 3-4 Minuten später hat sich das Bild stark verändert

Wir fänden es super spannend auf dem Museumsparkplatz zu übernachten, also fragt Martina im Museum nach. Sie ist ja in der Crew für Kommunikation zuständig. Wie so oft in Kanada ist es überhaupt kein Problem, nur Security (also einen Wachmann) gibt es nachts nicht. Gut, das schreckt uns wenig. Wir parken so, daß wir aus dem Wohnzimmerfenster einen optimalen Blick auf die Schleuse haben und genießen einen spannenden Abend mit weiteren Schiffen. Auch am nächsten Morgen kurz vor unserem Start wird noch einmal ein sehr großer Frachter geschleust.

 

Wir fahren am Kanal entlang nach Süden, aber viel gibt es nicht mehr zu sehen. Unsere ersten Blicke auf den Eriesee sind eigentlich enttäuschend. Es sind schöne Sandstrände, aber so wie wir uns Kanada vorstellen (und bis jetzt kennengelernt haben) sieht es hier nicht aus.

Ein wunderschöner Sonnenuntergang über dem See entschädigt uns aber und wir verbringen mal wieder eine Nacht auf einem Wal Mart Parkplatz.

Hier in Fort Erie, direkt am Niagara River gegenüber der us-amerikanischen Großstadt Buffalo gelegen, machen wir bei schönem Wetter noch einmal eine Radtour. Bis auf ein altes Bollwerk aus dem US/kanadischen Krieg von 1812-1814 gibt es aber nicht viel zu sehen und wir sind froh, daß unser “Grenzwechsel” für morgen geplant ist.

Erst aber noch einmal zur Dumpstation und dann schütte ich noch aus einem unserer Reservekanister 20l Diesel in den Tank. Der ist nämlich fast leer und ich habe geträumt, daß wir auf der steilen Rampe der Brücke zwischen Kanada und den USA mit Sprit-Mangel liegen bleiben. Tanken will ich aber hier auch nicht mehr, denn in den USA soll es viel günstiger sein. Zu guter Letzt bringe ich noch unsere neu erstandene USA Fahne an MANni an, ein wenig bei den Grenzbeamten einschleimen kann ja nicht schaden.

Es ist heute der 11.11.2010, zu Hause in Deutschland beginnt der Karneval und für uns ist das erste halbe Jahr unserer Reise schon zu Ende. Wir fahren auf die Brücke und …

…. Fortsetzung folgt unter Reiseberichte USA November

An dieser Stelle möchten wir uns für die fleißigen Kommentare und emails aus der Heimat bedanken. Ein besonders großes Dankschön geht an unseren Backofficemanager Ralf, der die ersten Anlaufschwierigkeiten geduldig und kompentent gelöst hat!

 

Fazit:

Touristische Höhepunkte in der “Unsaison” zu besuchen ist eine sehr angenehme und entspannte Sache, aber wir vermissen die Wildnis.

Oktober 2010

Veröffentlicht in Oktober 2010 am November 2, 2010 von crossamerika

Oktober und wir haben nur noch 6 Wochen Kanada, dann ist das erste halbe Jahr schon vorbei. In New Brunswick möchten wir den Fundy National Park besichtigen, dort ist Lothar vor 4 Monaten mit MANni zum Duschhaus gefahren, so hat es gegossen. Diesmal regnet es auch und die Vorhersagen sind weiterhin schlecht. Ist der Park nicht sehenswert oder warum präsentiert er sich immer mit schlechtem, nassem Wetter wenn wir ankommen? Aber jetzt sind wir stur und fahren nicht weiter. Der Morgen beginnt mit Regen und wir schlafen lang, Lothar überlegt schon was er alles um- ein- oder ausbauen könnte. Zum Glück kommen Conny und Hubert aus Liechtenstein vorbei als die Sonne es mal versucht. Die Zwei sind seid einem halben Jahr unterwegs und auf dem Weg nach Halifax. Der Nachmittag vergeht im Sonnenschein und es ist 18:30 Uhr als uns auffällt, daß wir mal wieder den Tag verquasselt haben.

Der nächste Tag wirft uns mit blauen Himmel aus dem Bett. Sturheit scheint sich auszuzahlen. Wir machen uns wanderfertig, müssen allerdings MANni mitnehmen, der Startpunkt ist über 10 km weit weg. Ich überlege kurz, meine Fahrstunden sind etwas zu kurz gekommen. Die Strecke ist nicht sehr befahren, aber hat viele Anstiege und Gefälle, also viel rauf- und runterschalten üben. Unterwegs merke ich, daß meine größte Angst den niedlichen Rothörnchen gilt, die immer wieder todesmutig die Straße queren. Wenn ich die unter die großen Reifen bekomme….. Es geht aber alles gut und wir wandern einige Stunden bei bestem Wetter nahe der Küste. Während des 2. Teils meiner Fahrstunde auf dem Rückweg bleiben die lustigen Kerlchen alle in Deckung. Vor etwa einer Woche hatten wir mal wieder so einen kleinen Einbrecher unter der offenen Dachhaube auf unserem Mückennetz. Dieser war sogar so rabiat, er hat versucht das Mückengitter zu zerbeißen. Da hörte dann doch der Spaß auf und wir haben ihn erbost vertrieben.

 

 

 Als wollte der Park es beweisen scheint am nächsten Tag wieder die Sonne. Es ist zwar kalt, aber wir beschließen die Fahrräder mal wieder auszufahren. Schnell stellt sich heraus, daß wir seid Monaten durch PS und nicht durch eigene Muskelkraft bewegt wurden, die Steigungen werden zur Tortur. Wir schaffen allerdings unser Ziel 10 km steil bergauf und bergab und genießen ein paar Stunden am Point Wolfe Beach. Zurück geht es erstaunlicherweise besser.

Der Abschied naht, der Park gibt alles um uns dort zu behalten aber jetzt müssen wir los. Vorher sieht Lothar nochmal nach der Wasserpumpe und dem Ausgleichsbehälter. Die Pumpe macht seit mehreren Tagen gequälte Geräusche, der Ausgleichsbehälter ist voller Wasser, was er eigentlich nicht sein darf. Wir entleeren ihn, nun hat er wieder Luft über dem Wasser und mir ist rätselhaft warum, aber alles hört sich wieder ordentlich an und das Wasser “spuckt” nicht mehr aus den Armaturen. Bei “Indian Summer” Wetter fahren wir einige Stunden, ich sehe nahe der Straße einen Kojoten oder vielleicht doch einen Wolf? Nachträglich bekomme ich Respekt, denn auf Cape Breton Island wurde vor Antritt jeder Wanderung eindringlich vor Kojoten gewarnt und Handzettel mit Verhaltensregeln verteilt. Diese mageren Gesellen, was sollen die schon anrichten? Ich hatte sie augenscheinlich mit den artverwandten traurigen Gestalten im Death Valley, USA verwechselt. Auch ein Elch zeigt sich zum Abschied aus dem “Niemandsland”. Von nun an fahren wir quer durch New Brunswick und dann in Quebec den St. Lorenz Strom flußaufwärts. Wunderschöne Villen mit traumhaften Lagen sowie richtig schönes “Indian Summer” Wetter begleiten uns.

 

Am späten Nachmittag kommen wir in Levis an, der Ort liegt gegenüber Quebec City und wir wissen daß es eine Fähre direkt in die “Old Town” gibt. Der Parkplatz am Anleger ist schnell gefunden, 5 $ pro Tag. Wir fragen, ob wir auch über Nacht stehen dürfen? Klar, 10 $ für 2 Nächte nur am Sonntag müssen wir morgens bis 9:00 Uhr weg sein. Da haben wir in Düsseldorf am Rhein schon deutlich mehr für eine Nacht bezahlt! Das Wetter ist wunderschön, allerdings glauben wir für die Jahreszeit zu kalt, 9°C nachmittags um 16:00 Uhr? Egal, der Ausblick auf die Stadt ist irre und wir freuen uns über diesen tollen Platz und genießen den Sonnenuntergang.

 

Am nächsten Morgen setzen wir mit der Fähre über, 10 Minuten selbst für mich nun nicht mehr der Rede wert. Sonnenschein, aber immer noch so kalt. Einige haben bereits Mützen und Handschuhe an. Die “Old Town” ist wunderschön, allerdings sind wir diese vielen Menschen nicht mehr gewöhnt, Busladungen mit Deutschen und Asiaten, sowie ein großes Kreuzfahrtschiff am Ufer, über 3000 Passagiere und 1000 Mann/Frau Besatzung. Es hat etwas von Rüdesheim oder Königswinter am Rhein. Wir besichtigen das historische und wohl berühmteste Hotel der Welt Fairmont Château Frontenac. Charles Lindbergh checkte 1928 nach einer Landung auf einem nahen Feld ein. Er hatte noch seinen Fallschirm dabei. Während des zweiten Weltkrieges trafen sich hier Winston Churchill, Franklin D. Roosevelt & Mackenzie King um die D-Day Invasion in der Bretagne zu planen. Gebaut wurde das Hotel im späten 19. Jahrhundert von der Canadian Pacific Eisenbahngesellschaft um den Reisenden eine komfortable Unterkunft zu bieten.

Thanksgiving und Halloween sind nicht mehr weit, so sind viele Gebäude schon entsprechend geschmückt. Die ganze Stadt wirkt französisch, aber so ganz ist es dann doch nicht Frankreich. Um 18:00 Uhr wird es bereits dämmrig und ein interessanter und trotz der vielen Menschen wunderschöner Tag geht zu Ende. Wir genießen abends die Ruhe am anderen Ufer.

 

 

 

 

 

Genug Stadt, in kurzer Entfernung gibt es einen kleinen Park “la Chute-Montmorency” mit einem 83m hohen Wasserfall und damit 30m höher als die Niagara Falls, den wollen wir uns ansehen. Das Wetter ist immer noch meist sonnig, aber kalt. Mir reicht es, ich frage eine Dame, die sich mal wieder nach unserem MANni erkundigt, ob es hier im Oktober immer so kalt ist, ja sagt sie, manchmal schneit es sogar schon. O.K., wir werden die Wintersachen aus- und die Sommersachen wegräumen müssen. MANni darf im Park für kleines Geld übernachten und wir gehen den Wasserfall besichtigen. Ich bin leider nicht nur nicht seefest sondern mit der Höhe hapert es auch. Zu meinem Trost sehe ich aber sowohl auf der Treppe (ca. 500 Stufen) zum Wasserfall und erst recht auf der Brücke über den Wasserfall Menschen die noch mehr “Respekt” haben. Auf der Brücke laufen sie genau in der Mitte und schauen nicht rechts und nicht links. Wir können den Ausblick allerdings genießen und gehen bei Dunkelheit noch einmal hin um den angestrahlten Wasserfall zu sehen.

Der nächste Morgen ist mit 4°C noch kälter, aber die Sonne scheint. Wir fahren zum Canyon Ste-Anne. Wieder ein eindrucksvoller Wasserfall (74 Meter) und für mich kleine Mutproben, wie eine Suspension Bridge 60 Meter über dem Wasserfall ober eine zweite Brücke mit durchsichtigem Gitterboden. Zur Belohnung gibt es von mir selbstgebackenen Pflaumenkuchen mit Sahne!

 

 

Der Mont Sainte-Anne ist nicht weit und wir wollen schauen ob wir dort morgen wandern und heute übernachten können. Im Parkplatz Office verneint die junge Dame letzteres aber wandern könnten wir morgen, allerdings wäre dann der “Mountain closed”. Wie kann ein ganzer Berg geschlossen sein? Heute ist `Thanksgiving` und der letzte Tag der Saison und daher noch geöffnet. Lassen wir uns morgen überraschen. Zurück in Sainte-Anne-de-Beaupré schauen wir uns einen Platz, den wir auf dem Hinweg gesehen haben, genauer an. Es stehen ein paar große RV’s und auch einige kleinere Camper auf einer riesigen Wiese am St. Lorenz Strom. Gegenüber ist eine wunderschöne große Basilika, die Wiese gehört dazu. Wir lesen erstaunt, daß Besucher und Pilger willkommen sind und kostenlos bis zu 4 Nächten hier übernachten können. Natürlich sehen wir uns die Basilika an und sind beide sprachlos, so eine schöne und freundliche Kirche haben wir lange nicht gesehen. Nun sind wir Besucher und bleiben mit gutem Gewissen über Nacht.

 

Das Wetter am nächsten Morgen sollte sonnig sein, ist aber eher bedeckt, wir gehen los obwohl der Mountain eigentlich

geschlossen ist. Das erste Anzeichen ist eine nicht mehr aktive Seilbahn. Weiter merken wir nichts und gehen 2 Stunden bergauf durch den schönen Laubwald. Zwei kleine Chipmunks laufen uns über den Weg, vollgepackt mit Laub um das Winterquartier warm zu polstern. Bis ich die Kamera schußfertig habe, hat das Fotomodel vor Schreck seine Winterausstattung fallen gelassen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Oben angekommen gibt es weitere Anzeichen, kein Restaurant mehr auf, auch der Sessellift fährt nicht mehr und fast keine Menschen zu sehen. Aber die Schlittenhunde können wir hören, sie sind noch da! Vorsichtig gehen wir näher, ob die wohl friedlich sind? Schließlich kommt eine junge Frau, sagt wir können näher heran und sie sogar knuffeln. Es sind insgesamt 63 Hunde und morgen werden auch sie vom Berg gebracht. Glück gehabt! Wir kraulen hier und kraulen da, einer schöner als der andere. Die junge Dame erklärt uns es gibt Huskies, sie haben einen Streifen auf der Stirn und Malamuts, die sind größer und ohne Streifen. Manche haben ein blaues und ein braunes Auge. Egal, ein paar von ihnen würden wir einfach gerne mitnehmen! Schweren Herzens gehen wir weiter und genießen den Ausblick auf den St. Lorenz Strom. Die Skipiste bietet sich als alternativer Rückweg an, steiler aber kürzer, wir nehmen sie und übernachten wieder bei der Basilika.

 

Bei strahlendem Sonnenschein fahren wir weiter den St. Lorenz Strom entlang. Die Landschaft erinnert ein wenig an das Stück Rheinufer zwischen Düsseldorf und Köln. Im Hintergrund der Fluß, dann Bäume und bis zur Straße Weiden oder Wiese. Uns fällt spontan das kölsche Lied ein “nee do sieht et wirklich us, wie bei uns zu Hus”, (nur den Rheinländern bekannt J ). Zugegebenermaßen ist allerdings der St. Lorenz Strom deutlich breiter als der Rhein, hier fahren sogar Seeschiffe. Wir übernachten in Trois Rivierès und damit nicht alle glauben wir übernachten immer im Paradies hier ein Foto von unserem Übernachtungsplatz bei WalMart aus dem “Wohnzimmer”.

 

Allerdings haben wir WIFI und ich suche ein wenig ob es etwas es in der Umgebung zu sehen gibt und finde wieder eine Basilika, mit Wohnmobil Stellplatz, kostenlos für Pilger und Besucher. Gleich suche ich weiter ob es in Kanada noch mehr solcher Übernachtungsmöglickeiten gibt, aber leider scheinen diese beiden einzig zu sein. Am nächsten morgen finden wir die Basilika schnell, leider ist der Platz offiziell seid gestern geschlossen. Schade, traumhaft am Ufer gelegen. Der Wächter schickt uns freundlicherweise auf einen Parkplatz hinter der Basilika, dort dürfen wir stehen und haben gar keinen so schlechten Ausblick. Wir besuchen die Basilika, die uns allerdings gegenüber der wunderschönen in Sainte-Anne-de-Beaupré gar nicht gefällt.

 

 Dafür begegnet uns “Badman” im Park.

 

Er ist nicht der Einzige und wir sehen eine Menge von diesen schwarzen Hörnchen, alle nicht so hübsch wie die Kleinen, die wir vorher in den Atlantic Provinzen gesehen haben. Es sind halt Stadthörnchen und bei weitem mutiger !

 

Nachmittags rüste ich auf und bringe unsere Halloween Deko an!

In der Nacht beginnt es zu regnen und zu stürmen, wir beschließen einen Haushaltstag einzulegen und fahren zur Wäscherei. Ich glaube Lothar hat den ganzen Tag MANni nicht verlassen. Am nächsten Morgen wollen wir trotz dieses schönen Stellplatzes weiter Richtung Montreal. Wir sind am Montag mittag mit Jacques und Diane, die wir ebenfalls auf Neufundland kennengelernt haben und in Montreal wohnen, verabredet. Die Fahrt geht wieder entlang am St. Lorenz Strom. Sie ist schön, aber nicht aufregend. Den Sonntag haben wir frei, stellen MANni auf einem RV Park gegenüber der City Montreal ab und fahren mit den Fahrrädern los, die Fähre über den St. Lorenz Strom ist um diese Jahreszeit leider nicht mehr in Betrieb! Bei bestem “Indian Summer” Wetter geraten wir mit den Fahrrädern auf die Formel 1 Grand Prix Rennstrecke von Montreal und Lothar ist so schnell, er landet im Kiesbett. Beide, Fahrrad und Lothar kommen zum Glück unbeschädigt wieder heraus J !

Eine schöne Sache, die Rennstrecke ist für Sportler jeglicher Art geöffnet. Ambitionierte Rennradfahrer, Läufer, Skater, Sonntagsausflügler und auf einer Spur sogar Autos. Alle nehmen gegenseitig Rücksicht, es scheint zu funktionieren. Nur einer paßt nicht auf, er oder sie ist grau und gut genährt, rennt einfach über die Bahn und bringt einen Rennradfahrer beinahe zu Fall. Es ist ein Stadt-Grauhörnchen und kommt, genau wie der Radler, so gerade mit dem Schrecken davon. Wir besichtigen die “old Town” und die Skyscraper der City und sind gegen 18:00 Uhr wieder zu Hause. Gut so, denn die Sonne geht mittlerweile um diese Uhrzeit unter.

 

Am nächsten Morgen rufen wir Jacques an, wir wären auf dem Weg zu ihm und Diane. Damit wir sein Haus nicht verfehlen hat er zur Erkennung seinen blauen Wasserkanister herausgestellt. An diesem haben wir auf den Campgrounds immer erkannt daß Jacques und Diane schon da sind!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  

 

 

Danach haben wir einen privaten Taxifahrer und Fremdenführer in Montreal. Jacques (Diane muß arbeiten) fährt mit uns zu Orten, die wir selber nicht gefunden hätten. Stromschnellen im St. Lorenz River, Eishockeystadion der Canadian Habs in Montreal (leider mitsamt der “Hall of Fame” montags geschlossen) Basilika von Montreal, Mount Rouge mit wunderschönen Blicken auf die Stadt, sowie einfach nur Eindrücke bei der Fahrt durch die Stadt. Die Shopping Meile lassen wir aus, was soll ich dort mit 2 Männern?

Abends kommen wir zurück und kochen gemeinsam das Abendessen. Am nächsten Morgen ist früh aufstehen angesagt, Jacques spielt in der Oldtimer Liga für Männer über 60 Eishockey. Das Spiel wollen wir uns nicht entgehen lassen. Die echten Profis spielen im Eishockey-Stadion von Montreal erst am Donnerstag, solange wollen wir nicht bleiben. Um 9:15 Uhr sind wir abfahrbereit, warm angezogen und fahren los. Wir sehen fasziniert zu wie diese Männer zwischen 60 und 80 Eishockey spielen. Es geht gesitteter zu als bei den Profis, aber wir sind über die Wendigkeit und Beweglichkeit mehr als erstaunt und in ihren Anzügen sehen alle aus wie junge Flitzer. Jacques Mannschaft gewinnt 8 zu 2 und der Tag ist gerettet.

 

 

Diane hat heute frei genommen und Mittagessen gekocht. Sie stellt uns vor die Wahl entweder die große “unterirdische” Shopping-Mall zu besichtigen oder einen Park außerhalb. Wir wollen natürlich lieber noch mehr Natur sehen als unterirdische Stadt, also fahren wir zum “Parc Bruno” und genießen die Herbststimmung. Als outdoor Freaks war das den Beiden wohl auch viel lieber.

 

 Abends zeigt uns Jacques Bilder von Northern Quebec und den Torngat Mountains in Labrador. Er hatte früher hier Camps für Abenteurer, Jäger, Angler und hartgesottene Wildnis Fans, er war ein sogenannter “Outfitter”. Das hatte er seinem erlerntem Beruf Rechtsanwalt vorgezogen. Die Landschaft dort oben im Norden ist so wild, unberührt und wunderschön, ich bekomme eine Gänsehaut nach der anderen. Das Gebiet ist nur mit Helicopter oder Float Plane (Wasserflugzeug) zu erreichen, nichts für uns, wir sind nicht trainiert genug und unser Reisebudget würde leiden. Ich habe schon in Labrador im Internet nachgesehen, über 6000$ für zwei Personen, noch nicht einmal eine Woche und leben im Zelt unter schwersten Bedingungen!

Wie immer verlassen wir auch Jacques und Diane schweren Herzens, versorgt mit einem großen Lunchpaket Räucherlachs, Creamcheese und Bagels. Wir erreichen Ottawa, die Hauptstadt Kanadas am späten Nachmittag.

Am nächsten Tag sehen wir uns die Stadt an und dürfen in das Parlamentsgebäude und sogar eine Sitzung des Senats beobachten. Wir verstehen nicht alles auf der Galerie, aber es wird wohl über eine Company in Sasketchewan debattiert. Den Peace Tower mit Rundblick über den Ottawa River und die Stadt müssen wir natürlich auch (mit dem Aufzug) erklimmen.

Der historische Byward Market ist ein Stadtteil mit kuriosen Boutiquen und außergewöhnlich vielen Pups. Für Bier ist es viel zu kalt, uns zieht es zum Aufwärmen in ein großes Kaufhaus, “The Bay”. Ich habe ein bestimmtes paar Schuhe im Auge (ganz legt man alte Gewohnheiten nicht so schnell ab) und lotse Lothar hinein. Die Stiefel sehen zwar wirklich sehr warm aus, aber der Preis ist mehr als heiß! Verschieben wir dieses bis wir in die sogenannten Outlets in USA kommen. Zum Trost gehen wir auf die Dachterrasse um noch etwas von der Stadt zu sehen. Oben finden wir auf dem Dach einen kleinen wilden Zoo, Chipmunks, kleine Hasen und mal wieder einen “Badman”. Uns ist es unerklärlich wie sie alle hier rauf gekommen sind und wir drücken die Daumen, daß sie im Winter genug Futter bekommen.

 

 

Der Wetterbericht sagt noch einen Tag gutes Wetter voraus, wir wandern im Parc de la Gatineau. Es ist noch kälter geworden und die meisten Bäume haben keine Blätter mehr. So sind wir fast alleine unterwegs. Abends gibt es den ersten Schnee! Morgens ist alles wieder weg und wir wollen weiter. Vorher müssen wir allerdings eine Post finden um die Dokumente für unsere Anschluß KFZ Haftpflichtversicherung schnellstens auf den Weg zu bringen. Gestern sind sie per e-mail angekommen, wir haben sie ausgedruckt und unterschrieben. Nun heißt es flott sein, unsere bisherige Versicherung läuft am 18.11. aus. Die Post hat Samstags zu, also versuchen wir es bei UPS, die sind sowieso schneller und sicherer. Als wir bezahlen trifft uns der Schlag, 60$ für einen Brief nach Deutschland! Es ist nicht zu ändern, wir brauchen die Versicherung wenn wir in die USA einreisen. Diese kostet im Jahr soviel wie wir bisher für 2 Monate bezahlt haben, dann sind 60$ zu verschmerzen. Leider haben wir dieses Angebot vor unserer Abfahrt nicht gefunden, Reisende haben uns unterwegs den Tip gegeben. Es ist zwar nur eine KFZ Haftpflicht und nicht wie eine Vollkasko für MANni, aber daß die Versicherung hier irgend etwas im Kaskofall bezahlt, ist sowieso nur Augenwischerei.

Wir fahren weiter über den 1000 Island Parkway bis Kingston in Ontario. Leider regnet es, aber wir können uns gut vorstellen wie es hier bei gutem Wetter aussieht. Eine Villa grenzt an die nächste und die edelsten und größten Motorboote liegen mittlerweile winterfest an Land. Manche Inseln sind so klein, es paßt gerade mal ein Haus darauf oder ragt sogar über.

 

 

 

Die Stadt Kingston hat viele historische Gebäude, aber so richtig begeistert sind wir nicht. Allerdings haben wir endlich in einem Computerladen eine neue Internet Antenne gefunden. Unsere “Importierte” hatten wir ja in Neufundland auf dem Dach bei Regen vergessen. Lothar probiert die Neuanschaffung während ich erneut die Parkgebühr bezahle. Auf dem Parkplatz treffe ich Reiner Meutsch aus Remagen am Rhein, er steckt gerade seine Visitenkarte hinter die Scheibenwischer von MANni. Er hat mit einem Sportflugzeug die Welt umrundet (Fly-and-Help.de) und eine Stiftung gegründet. Sein Geld hat er mit Reisenden verdient und baut jetzt in den entsprechenden Ländern Schulen für die Armen. Ein sehr sympathischer Mann. Wir beide unterhalten uns eine Weile, leider führen unsere Wege dann in verschiedene Richtungen, vielleicht sieht man sich später in Deutschland wieder, die Welt scheint klein zu sein!     

Weiter geht es über “Prince Edward County”, schön aber mit viel Farmland und ein paar Wineyards nicht besonders aufregend. Genauso sieht es auf der Strecke entlang des Ontario Sees bis Toronto aus. Immer wieder große Felder, Silos und riesige Farmen.

In der fast 3 Millionen Stadt Toronto angekommen ist das Großstadtfeeling sofort wieder da. Mehr als sechsspurig geht es in die Innenstadt. 

 

Wir haben laut Internet-Recherche einen zentralen WalMart in das Navi eingegeben. Nach etlichem “Traffic” kommen wir an und wie fast befürchtet “No overnight parking”. Aber einen Camping oder ähnliches gibt es weit und breit nicht. Ich gehe also fragen, wir sind Deutsche und wollen doch sooo gerne Toronto sehen, wo sollen wir denn stehen? Dieser WalMart gehört zu einer Mall, also gehört auch das Gelände zu eben dieser und damit ist es verboten lautet die Antwort. Ich könnte allerdings in der Mall die Security selbst befragen. Gesagt getan, ein netter junger Mann erklärt mir zwar das Gleiche aber 4km weiter sei ein weiterer WalMart, dieser erlaube das Parken über Nacht. Er malt mir sogar eine Skizze, ich bedanke mich und skeptisch fahren wir los. Auf dem Parkplatz ist kein Schild und wir bleiben. Wieder stellen wir fest: Fragen lohnt sich! Bis auf den Sturm, der eigentlich bereits für den Nachmittag angekündigt war, uns aber in der Nacht durchschüttelt sowie die 5 Meter entfernte Eisenbahnlinie schlafen wir gut. Lothar hat am Abend auf dem WalMart Parkplatz mit Juri! aus Chile gesprochen, er wohnt jetzt hier, seine Freundin kommt aus Polen. Er sagt, es sind von hier nur ca. 4 km bis Down Town, das wäre ja prima! Morgens geht es mit dem Fahrrad genau in diese Richtung. Wir fahren los und merken schnell, das stimmt ganz und gar nicht. Wie konnten wir auch einem gebürtigem Südamerikaner glauben. Egal, das Wetter ist trocken und wir schlagen uns tapfer geschätzte 15km bis zur Waterfront. Zwischendurch halten wir am Kensington Market und in Chinatown an. Nichts Neues, haben wir alles schon vorher gesehen. Am Seeufer ist es zugig und kalt, es macht einen etwas verlassenen Eindruck weil alles “closed to saison” ist. Wir radeln weiter zum St. Lawrence Market in der ‚Old Town‘ von Toronto. Es gibt alles zu essen was das Herz begehrt. Wir kaufen nur Gouda (seit Monaten nicht mehr gegessen) und ein Baguette und essen draußen auf der Dachterasse. Der Gouda heißt aber nur Gouda, schmeckt leider wieder ähnlich wie der gewohnte kanadische “Plastik Käse”. Hätten wir besser den Räucherlachs genommen! Danach radeln wir durch den Finance District und erreichen den insgesamt 553m hohen CN Tower. Klar müssen wir rauf und haben einen wunderschönen Rundumblick auf alle Scyscraper. Eine Etage tiefer gibt es einen “Glas Floor”. Ich denke was soll’s ein Glasboden, das mache ich doch locker. Eine deutsche Frau steht bereits am Rand und sieht ihrem Mann ungläubig zu. Er springt auf dem Glasboden herum und hat seine Freude. An nichts Böses denkend will ich den Boden betreten, ach du Sch….. 365 m in die Tiefe, geht nicht, gar nicht. Selbst Lothar, der eigentlich höhenfest ist, betritt erst beim 3. Versuch und sehr zögerlich für 30 Sekunden den gläsernen Boden. Komisch was der Kopf anstellt obwohl der Verstand genau weiß daß nichts passieren kann. Ich gebe jedenfalls wie viele Andere auf und wir fahren herunter, zurück auf festen Boden. Von hier geht es nach ‚Down Town‘, Yonge Dundas Square und Yonge Street, der mit 56 km längsten Straße der Welt. Das mit 230 Geschäften bestückte `Eaton Centre‘ lassen wir lieber aus, Lothar befürchtet ich könnte wieder nach Stiefeln Ausschau halten. Genauso haben wir uns nur kurz in der Underground City aufgehalten. Hier werden auf insgesamt 27 km unterirdisch Büros, Hotels, Restaurants und besonders weitere Shops verbunden. Wir sind lieber draußen! Als es dämmrig wird fahren wir zurück, wir haben kein Licht an den Rädern. Insgesamt war die Tour sehr schön, selbst in der Innenstadt fühlten wir uns auf dem Fahrrad nicht unsicherer als in Düsseldorf, eher im Gegenteil. Aber wer mit dem Fahrrad vor ein paar Jahren um den Arc de Triomphe  in Paris gefahren ist, den schreckt so schnell nichts mehr. 
 
 
 
 
 
 
Wir haben nun mehr als genug Zeit bis wir um den 11./12. November über die Grenze in die USA müssen. Leider gibt es hier nicht mehr viel Spannendes zu tun, alle Parks haben bereits geschlossen. Früher dürfen wir nicht über die Grenze, sonst müssen wir im nächsten Jahr schon vor Mitte Mai wieder in Kanada einreisen. Wir machen uns auf den Weg zu den Niagara Falls, mal sehen was wir 10 Tage dort unternehmen können. Heute ist Halloween und wir gehen ein paar Lebensmittel einkaufen. An der Kasse sitzt der Teufel und der “echte” Badman paßt auf die Einkaufswagen auf. Einige kleine Prinzessinnen, kleine Supermänner, Darth Vader und etliche Saurier sind auch unterwegs. Karneval Ende Oktober in Kanada. Wir schalten abends unsere Deko ein und mehr bekommen wir von Halloween nicht mit.
Der Oktober war im Vergleich zu den vorherigen ein eher ruhiger Monat. Wir vermissen Neufundland und Nova Scotia schon jetzt. Die Menschen, die Freiheit und die Landschaften haben uns sehr berührt! Die Meßlatte ist für die weiter zu bereisenden Länder sehr hoch gelegt worden. Simone und Olaf sind noch auf Neufundland (siehe ihre homepage mit wunderschönen Bildern unter “Reisende unterwegs getroffen”) und ihnen geht es genauso.
 
 

Fazit des Monats: Die besonderen Menschen sind in der Masse schwer zu finden!

Reiseroute Oktober:

 
  
 

 

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